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Bad, Bäder & Sauna

Mit Kneippen im Strom der Zeit

Über 100 Jahre alt und kein bisschen abgestanden: Die Lehren des Pfarrers Sebastian Kneipp sind im Gegenteil so aktuell wie nie. Viele Große und Kleine, Kurbäder und Kindergärten entdecken Kneipp-Anwendungen. Vor allem Wasserkuren sind geschätzt. Schließlich sind sie leicht praktizierbar, auch zu Hause. Mit Wassertreten, Güssen und Bädern zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden.

Viele Deutsche schätzen alternative Medizin. Kneipp-Anwendungen sind dabei laut einer Forsa-Umfrage am beliebtesten. 43% der Befragten sind mit deren Wirkung zufrieden. Weitere 20% wollen sie ausprobieren. Grund genug für Kurbäder ihr Angebot an Kneipp-Behandlungen auszubauen. Aber auch Kindergärten setzen auf Abhärten durch Kneipp-Kuren. Eine der vom Kneipp Bund e.V. zertifizierten Kitas ist das "Zwergenland" in Berlin-Lichtenberg. Hier werden die Ideen von Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) im Alltag umgesetzt. Tägliche Waschungen, kalte Güsse, Bürstenmassagen und der Mittagsschlaf an frischer Luft gehören ebenso zum Programm wie regelmäßiges Saunabaden ein Mal in der Woche. Neben dem Prinzip "Wasser" beherzigt die Kita auch die vier weiteren Säulen des Kneippschen Gesundheitskonzepts: Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensgestaltung. Die Wirkungen der Elemente beschreibt der Kneipp Bund wie folgt:


  • Wasser: vermittelt natürliche Lebensreize. Es steigert die Leistungsfähigkeit, stärkt Selbstheilungskräfte und verbessert das Körperbewusstsein.


  • Bewegung: sinnvoll und dosiert angewandt, verbessert sie Kraft, Ausdauer und Koordination. Sie weckt Freude, stärkt das Selbstwertgefühl und verringert Stressbelastungen.


  • Heilpflanzen: mit ihren natürlichen, milden Wirkstoffen schützen sie vor Erkrankungen und lindern viele Beschwerden.


  • Ernährung: nach Kneipp ist sie vielseitig, schmackhaft und vollwertig. Frisch und naturbelassen bildet sie die Grundlage für Wohlbefinden und Vitalität.


  • Lebensgestaltung: bedeutet, die aufbauenden Kräfte für Körper, Seele und Geist zu erkennen und zu nutzen. Eine ausgewogene, weit gehend natürliche Lebensgestaltung verbessert die Lebensqualität und führt zu mehr Harmonie mit dem sozialen und ökologischen Umfeld.

Kneippen im eigenen Bad

Das Schöne an den Ratschlägen Kneipps ist, dass sie sich leicht in den eigenen Wänden umsetzen lassen. Tipps für Wasseranwendungen zu Hause:


  • Wassertreten: Die Badewanne kniehoch mit kaltem Wasser füllen. Mit warmen Füßen hineinsteigen und 1-2 Minuten im Storchenschritt marschieren bis die Füße kalt werden. Die Füße wieder erwärmen, Socken anziehen und bewegen. Wassertreten durchblutet die Beine, regt den Stoffwechsel an und kräftigt die Venen. Es beruhigt, hilft gegen Kopfweh und zu hohen Blutdruck. Nicht angewandt werden darf Wassertreten bei akuten Blasen- und Nierenerkrankungen sowie Infektionen des Unterleibs.


  • Waschung des Oberkörpers: Eine milde Anwendung, die das Immunsystem stärkt, den Kreislauf auf Trab bringt, bei Bronchitis und leichter Erkältung hilft. Ein Leinentuch wird in kaltes Wasser getaucht und ausgewrungen. Mit dem Waschen am rechten Außenarm beginnen, bis über die Schulter hoch. Innen genauso. Dann am linken Arm fortfahren. Anschließend Bauch, Brust, Hals und Rücken waschen. Wichtig: Zügig vorgehen, nicht abtrocknen, im Bett bis zu einer halben Stunde erwärmen, anziehen und bewegen.


  • Gesichtsguss: Einen kurzen Schlauch an den Wasserhahn anschließen oder den Duschkopf auf einen Strahl einstellen. Mit einem schwachen Gießstrahl rechts an der Schläfe beginnen. Über die Stirn nach links und mit Längsstrichen die rechte und linke Gesichtshälfte 3-4 Mal umrunden. Dabei ruhig ausatmen. Das Wasser mit der Hand leicht abstreifen. Der Gesichtsguss erfrischt und strafft die Haut, lindert Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit und macht müde Augen wieder fit. Vorsicht: Gesichtgüsse nicht bei akuten Entzündungen der Stirnhöhlen und Nasennebenhöhlen anwenden.


  • Kaltes Sitzbad: Hilft bei Hämorrhoiden, Verdauungsstörungen und Kopfweh. Aber es beruhigt auch und ist als prima Einschlafhilfe. In eine Wanne 30-40 Zentimeter hoch etwa 18 Grad kaltes Wasser einfüllen und mit dem warmen (!) Körper so in die Wanne setzen, dass Po, der Bauch bis zum Nabel und ein Teil der Oberschenkel unter Wasser sind. Anfangs nur 6-10 Sekunden eintauchen, nach 1-2 Wochen auf 10-20 Sekunden verlängern. Nicht abtrocknen und sich wieder erwärmen, indem man eine halbe Stunde ins Bett kriecht oder sich intensiv bewegt. Kalte Sitzbäder sollten höchstens 2-3 Mal pro Woche angewandt werden, danach 4 Wochen pausieren. Nicht durchführen darf sie, wer akut an Blase oder Nieren erkrankt ist, extrem kalte Füßen und Gefäßerkrankungen in den Beinen hat oder an Durchfall, Entzündungen und Blutungen im Darmbereich und Unterleib leidet.


Quelle: Nach Informationen des Kneipp Bundes e.V., der Berliner Kneipp-Kita Zwergenland und nach Ines Wurm-Fenkl und Doris Fischer, Richtig Kneippen, Falken Verlag
Autor: Springer Medizin
Stand: Feb 19, 2007


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