Das A und O - Qualität
Pflanzenarznei: Besser aus der Apotheke
Synthetische Medikamente sind in ihrer Zusammensetzung fest definiert, so dass sich sagen lässt: "Paracetamol ist Paracetamol." Anders verhält es sich mit Pflanzenarznei: Die Komposition der Inhaltsstoffe etwa von Johanniskraut variiert von Präparat zu Präparat. Es ist darum möglich, dass ein Extrakt bei Depressionen gut wirkt, während ein anderer keinen Erfolg zeigt.
Wie aber können Patienten die Spreu vom Weizen trennen? Es hilft zunächst, wenn sie sich zur Regel machen, nur apothekenpflichtige Pflanzenarzneien zu kaufen. Bei diesen Präparaten hat nämlich die Arzneimittelbehörde die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit geprüft.
Präparate nicht im Drogerie- oder Supermarkt kaufen
Es ist also ratsam, Pflanzenextrakte nicht in Drogerie- und Supermärkten zu kaufen. Diese Produkte sind zwar mitunter preisgünstiger, doch ist nicht garantiert, dass sie die gleiche Güte und Wirksamkeit besitzen wie apothekenpflichtige.
Jeder einzelne Extrakt ist ein ganz eigener Wirkstoff
Aber selbst zwischen den apothekenpflichtigen Präparaten gibt es Unterschiede. Schließlich verhält es sich mit Pflanzenextrakten komplizierter als mit synthetischen Medikamenten: Auch wenn zehn Präparate alle die gleiche Pflanze enthalten, stellt jeder dieser zehn Extrakte für sich einen ganz eigenen Wirkstoff dar, meint Prof. Rudolf Hänsel, ehemaliger Direktor des Instituts für Pharmakognosie und Phytochemie der Freien Universität Berlin, in seinem Buch "Wissenswertes über Phytopharmaka". So können z.B. unterschiedliche Pflanzenteile oder Lösungsmittel - wie Wasser, Ethanol, Methanol - verwendet worden sein. Besonders wenn die Hersteller mit hochentwickelten Verfahren arbeiten und bestimmte Inhaltsstoffe anreichern, andere aber eliminieren, entstehen ganz speziell wirkende Extrakte, sagt Hänsel.
Wichtig ist ein hoher Wirkstoffgehalt
Wie sehr sich ein Extrakt vom anderen unterscheiden kann, lässt sich am Beispiel Johanniskraut verdeutlichen: So ist für die stimmungsaufhellende Wirkung dieser Pflanze nach derzeitigem Forschungsstand auch der Inhaltsstoff Hyperforin verantwortlich. Aber längst nicht alle Johanniskrautpräparate enthalten die gleiche Menge Hyperforin.
Die Wirkstoffe in einigen Präparaten werden schlecht freigesetzt
Andere Produkte deklarieren zwar eine relativ große Menge an Extrakt, doch gibt es erhebliche Schwankungen in den Wirkstoffen von Charge zu Charge, mitunter sogar von Packung zu Packung. Auch ist häufig der Anteil an Flavonoiden und Biflavonen, die zur stimmungsaufhellenden Wirkung beitragen können, gering. In einigen Präparaten werden die Wirkstoffe zudem nicht in ausreichender Menge freigesetzt, so dass es nur begrenzt vom Darm aufgenommen werden kann.
Bewährtes Präparat nicht gegen ein billigeres austauschen
Es ist deshalb bei Pflanzenarznei wichtig, ein hochwertiges und standardisiertes Präparat auszuwählen, sagt Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt. Ein bewährtes Präparat gegen ein billigeres auszutauschen, empfehle sich nicht, da es den Therapieerfolg gefährden könne.






