
Konflikte & Mobbing
Mobbing - Strategien für Betroffene
Können sich Mobbing-Betroffene wehren? Viele schütteln schon bei dem Gedanken den Kopf. Schließlich haben sie es nicht mit einem einzelnen Kollegen zu tun, sondern mit einem komplexen Gefüge von Tätern und Mitläufern. Umso wichtiger ist, dass Mobbing-Betroffene nicht kopflos vorgehen, sondern wohlüberlegt handeln - im Alltag, am Arbeitsplatz, im schlimmsten Fall auch vor dem Arbeitsgericht.
Strategie im Alltag - bewusst einen Ausgleich schaffen
Grundsätzlich ist wichtig, dass Mobbing-Betroffene gesund und unversehrt aus der Situation herauskommen. Dazu ist alles, was das Selbstwertgefühl stärkt, von großer Bedeutung. Für den Alltag von Mobbing-Betroffenen heißt das:
- Seien Sie selbst gut zu sich
Gönnen Sie sich gutes und vitaminreiches Essen, verschaffen Sie sich Wohlgefühl, wo und wann immer Sie können. - Vergiften Sie sich nicht zusätzlich
Rauchen Sie wenig oder gar nicht, nehmen Sie nur wenig guten oder gar keinen Alkohol zu sich. Führen Sie Ihrem Körper kein Gift durch Tabletten zu, beruhigen Sie sich lieber durch Abreagieren oder durch angenehme Gesellschaft. - Verschaffen Sie sich Anerkennung und Achtung
Pflegen Sie Ihre Beziehung und Ihre Freundschaften, lassen Sie sich Rückmeldung geben bezüglich Ihrer Kompetenzen und Ihrer Wirkung auf andere. - Sorgen Sie dafür, dass Sie den Stress loswerden
Toben Sie sich zwei bis drei Mal pro Woche körperlich aus.
Strategie am Arbeitsplatz - Kollegen einzeln ansprechen
Mobbing-Situationen sind so unterschiedlich, dass es keine Generallösung gibt. Mobbing-Berater empfehlen jedoch folgendes Vorgehen:
- Versuchen Sie, die Situation zu klären
Dabei gilt als oberster Grundsatz: Überprüfen Sie zunächst die eigene Wahrnehmung, indem Sie Unbeteiligte fragen, wie diese die Situation empfinden. - Sprechen Sie die Mobber möglichst einzeln an
Schildern Sie Ihre Wahrnehmung und Ihre Gefühle, ohne anzuklagen.
Es kann sein, dass die Angesprochenen betroffen reagieren und Sie den Konflikt gemeinsam lösen können. Genauso gut kann es sein, dass das Mobbing so bösartig ist, dass es nichts mehr zu bereden gibt und Sie mit der Offenlegung Ihrer Gefühle nur noch mehr Angriffsfläche bieten. Spätestens dann sollten Sie Hilfe von außen in Anspruch nehmen.
In größeren Unternehmen sind die Personal- und Betriebsräte die nächsten Ansprechpartner. Manche Betriebe haben eigene Konfliktberater, für Frauen gibt es Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragte. Weitere kompetente Ansprechpartner sind Mobbing-Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen.
Strategie vor dem Arbeitsgericht - das Mobbing-Tagebuch
Für viele Mobbing-Betroffene bleibt nur noch die Klärung vor dem Arbeitsgericht. In Vorbereitung dazu, aber auch für Gespräche in Mobbing-Beratungsstellen, ist ein Mobbing-Tagebuch ausgesprochen wichtig.
Über einen längeren Zeitraum, mindestens über vier Wochen, listen Betroffene jede als Mobbing-Handlung empfundene Verhaltensweise auf. So sind sie gut gerüstet, können die Verletzungen gut dokumentieren, haben nicht das Gefühl, die Hälfte bereits vergessen zu haben.
In einem Mobbing-Tagebuch werden die einzelnen Vorkommnisse nach folgenden Punkten dokumentiert:
- Datum, Uhrzeit
- Ereignis: Was ist passiert?
- Psychisch/Emotional: Was habe ich dabei empfunden?
- Physisch: Welche körperlichen Folgen hatte das für mich?
- Durch wen? Wer hat die Handlung ausgeführt? Wer war dabei?










