Gesund Arbeiten
Schichtarbeit verstößt gegen Biorhythmus
Nachtarbeit ist eine Strapaze, weil sie der inneren Uhr zuwider läuft. Denn diese regelt und koordiniert die Abläufe vieler körperlicher Funktionen. Dabei justiert sich die innere Uhr immer wieder nach äußeren Einflüssen wie dem Tageslicht. Wer dennoch Schichtarbeit machen muss, sollte bestimmte Regeln befolgen, um die Schäden gering zu halten.
Nachtdienstler leben gegen ihre innere Uhr. Sie arbeiten, wenn ihr Organismus auf Schlaf eingestellt ist, und müssen schlafen, wenn dieser eigentlich aktiv sein will - manchmal sogar zu Zeiten, in denen das Einschlafen durch bestimmte Zeitfenster im Biorhythmus besonders leicht fallen würde.
Selbst wenn sich die Nachtschichtarbeit über einen längeren Zeitraum erstreckt, kann der Körper sich nicht völlig darauf umstellen, da er immer gegen natürliche Einflüsse auf die innere Uhr wie das Tageslicht ankämpfen muss. Schlafstörungen sind daher bei Schichtarbeitern häufig. Oft ignorieren sie zusätzlich andere Zeichen der inneren Uhr wie den ansteigenden Magensäurespiegel zur Mittagszeit. Sie essen zu wenig oder zur falschen Zeit, vielleicht weil die Müdigkeit stärker ist. Verdauungsstörungen oder Magenschmerzen können die Folge sein. Mehrere Untersuchungen zeigten übereinstimmend, dass etwa 80% der Nachtarbeiter unter Magenbeschwerden, innerer Unruhe, Nervosität und vorzeitiger Ermüdung leiden.
Zudem haben die Chronobiologen inzwischen ganz klar bewiesen: Die Konzentrationsfähigkeit nimmt nachts ab. Vor allem bei Arbeiten in Gefahren- und Kontrollbereichen ist dies bedenklich, denn nachts können Fehlleistungen vermehrt auftreten. Große Umweltkatastrophen wie die Havarie des Öltankers Exon Valdez, Bhopal und Tschernobyl sind nachts passiert!
Schichtarbeit ist auch eine Frage der Organisation und des Typs
Einige Regeln erleichtern das Leben mit Schichtarbeit: Ein schnell rotierendes Schichtsystem mit nur wenigen Tagen in der gleichen Schicht ist generell besser zu bewältigen als ein Schichtwechsel im Wochenrhythmus. Der Wechsel sollte zudem immer im Sinne der Uhr in der Reihenfolge Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht stattfinden.
Die Chronobiologen und Arbeitsmediziner empfehlen, eher schnelle tägliche Wechsel und maximal drei Nachtdienste hintereinander zu absolvieren, z.B.: Früh-, Spät-, Nachtschicht, Pause und dann von vorne beginnen.
Am wenigsten sind folgende Menschen für Schichtarbeit geeignet:
- Morgentypen
- Menschen, die schon einmal an Schlafstörungen oder psychiatrischen Erkrankungen litten
- Personen mit Erkrankungen des Verdauungssystems, der Schilddrüse, der Leber und des Herz- und Kreislaufsystems
- Personen mit Diabetes oder Epilepsie
- Menschen, die an Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch leiden
- über 50-Jährige
Dass diese Aufzählung fast alle Menschen für den Schichtdienst ausschließt, ist für Mediziner und Chronopharmakologen keine überraschende Erkenntnis. Denn, so die Experten, der Mensch sei eben nicht für Nachtdienste und Schichtarbeit gemacht.
Der biologischen Uhr nicht zuwider handeln
Die negativen Folgen der Nachtarbeit lassen sich begrenzen, wenn wir der biologischen Uhr möglichst wenig zuwider handeln. Einige Tipps für die Nachtschicht:
- Nicht mehr als drei Nachtschichten hintereinander arbeiten!
- Die Ernährung auf den veränderten Rhythmus umstellen: Vor Beginn der Nachtschicht gut essen, während der Nacht zwei leichte warme Mahlzeiten, zuletzt gegen vier Uhr morgens.
- Keinen Kaffee oder Schwarztee in der Nacht, weil beides den folgenden Erholungsschlaf stört.
- Ruhige und abgedunkelte Schlafumgebung am Tage schaffen.
- Rücksicht durch Familie und Nachbarschaft sind wichtig.
- Keine Schlafmittel mit Suchtgefahr, keinen Alkohol als Einschlafhilfe benutzen.
- Helles Kunstlicht (
Lichttherapie -Lampe) während der Nachtarbeit verschiebt den Zeitpunkt des Temperaturminimums des Körpers und damit den Punkt größten Schlafbedürfnisses nach hinten in den Vormittag. - Eine kurze Schlafepisode vor oder ein erlaubtes Nickerchen während der Nachtschicht reduziert die Müdigkeit während der Nachtarbeit.









