
Gesund Arbeiten
Wenn der Bildschirm die Augen quält
Fast an jedem zweiten Arbeitsplatz in Deutschland steht mittlerweile ein Computer. Ob Buchhaltung, Grafikabteilung, Fabrikhalle oder Rechenzentrum - der elektronische Helfer vereinfacht die verschiedensten Aufgaben. Nur unsere Augen leisten Schwerstarbeit, wenn wir auf den Bildschirm starren. Nicht selten mit gesundheitlichen Konsequenzen.
Inzwischen leiden so viele Menschen unter bildschirmbedingten Augenproblemen, dass Vorgaben für Computer-Arbeitsplätze sogar schon in einer EU-Richtlinie festgehalten worden sind. Obwohl die Arbeit am Bildschirm grundsätzlich nicht gesund für die Augen ist, können bestimmte Vorbeugungsmaßnahmen gesundheitliche Folgeschäden vermeiden. Zu den EU-Vorgaben gehört zum Beispiel die regelmäßige Vorsorge-Untersuchung der Augen: für Arbeitnehmer bis 40 Jahre alle fünf Jahre, ab 40 alle drei Jahre.
"Sehstress" vor dem Computer
Besonders anstrengend für die Augen ist die dauernde Scharfstellung der Linse auf Nahsicht (Nahakkomodation), die für die Arbeit am Bildschirm notwendig ist. Wer lange vor dem Monitor sitzt, handelt sich eine Kurzsichtigkeit von etwa einer halben Dioptrie ein.
Außerdem fordert der ständige Wechsel der Helligkeit am Bildschirm den Augen so einiges ab. Hinzu kommt, dass man in besonders anstrengenden Situationen wie gebannt auf den Bildschirm starrt. Dadurch verringert sich die Anzahl der Lidschläge zur Benetzung des Auges von zehn pro Minute auf drei bis vier Lidschläge. Beim Starren lassen auch die Augenbewegungen nach, die das Bild auf der Fovea (der Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut) scharfstellen, dadurch verringert sich die Aufmerksamkeit, die Augen müssen sich umso mehr anstrengen.
Wie kann man Abhilfe schaffen?
- Der Blick sollte besonders bei anstrengenden Arbeiten am Bildschirm öfter in die Ferne schweifen. Alle ein bis zwei Stunden sollte eine Pause von mehreren Minuten eingelegt werden, raten Arbeitsmediziner.
- Wer unter trockenen Augen am Bildschirm leidet, sollte durch bewusstes Gähnen und Blinzeln die Tränenproduktion anregen. Hilft auch das nicht, können Tränenersatzmittel in Form von Augentropfen aus der Apotheke Abhilfe schaffen. Oft werden trockene Augen auch durch ungenügende Luftfeuchtigkeit begünstigt. Deshalb kann es sehr hilfreich sein, die Luft im Arbeitszimmer zu befeuchten.
- Die Arbeitshaltung ist nicht nur für den Rücken wichtig. Auch für entspanntes Sehen ist eine gute Haltung Voraussetzung. Dabei sollten Tisch und Stuhl so zueinander stehen, dass Ober- und Unterarme beim Schreiben auf der Tastatur einen Rechten Winkel bilden. Der Bildschirm sollte nicht auf einer Höhe mit den Augen sein, sondern etwas darunter, so dass man in einem Winkel von etwa 15 Grad auf den Bildschirm herabsieht. Der Abstand sollte je nach Bildschirmgröße zwischen 60 und 80 Zentimetern liegen - je größer der Bildschirm, desto größer der Abstand.
- Auch das Verhältnis der Lichtquellen zum Bildschirm ist zu beachten: Auf gar keinen Fall sollte der Bildschirm die einzige Lichtquelle im Zimmer darstellen. Umgekehrt kann direkt auf den Bildschirm einstrahlendes Licht - besonders Tageslicht - zu Reflexionen führen. Diese strengen die Augen besonders an. Der Bildschirm sollte im rechten Winkel zum Fenster stehen
Brillenträger brauchen eine besondere Ausrüstung
So genannte Alterssichtigkeit, also altersbedinge Weitsichtigkeit, die sich ab dem 45sten Lebensjahr einstellt, korrigieren Augenärzte normalerweise mit einer Lesebrille. Eine Lesebrille reiche für den scharfen Blick auf den Monitor jedoch oft nicht aus, erklärt Dr. Wolfgang Wesemann von der Höheren Fachschule für Augenoptik in Köln der Ärztezeitung. Ideal sei eine spezielle Bildschirmbrille, deren Bifokal- und Gleitsichtgläser im oberen Teil nicht auf die Ferne, sondern auf die Entfernung des Bildschirms eingestellt sind.










