Gefahr im Alltag
Sommersmog: Schwerer Atem durch Ozon
Zum Stichwort Ozon fällt jedem einiges ein: Autoabgase, Sprühdosen, Löcher über den Polen. Jeden Sommer stellen sich die gleiche Fragen: Warum ist der Cousin des Sauerstoffs in der Atmosphäre existentiell, aber auf der Erde schädlich für uns Menschen? Und vor allem: Wie kann ich mich schützen?
Ozon ist nicht gleich Ozon. Die aggressiven Sauerstoffmoleküle bilden sich hoch über dem Erdboden, wenn die ultravioletten Sonnenstrahlen die "normalen" Sauerstoffmoleküle aufspalten und die frei gewordenen Atome sich daraufhin in einer anderen Kombination wieder verbinden. Im Prinzip ist Ozon also eine Variante des lebenswichtigen Sauerstoffs. In über zehn Kilometern Höhe ist Ozon auch vollkommen richtig am Platz: Es filtert die ultraviolette Strahlung aus dem Sonnenlicht und schützt so Menschen, Tiere und Vegetation vor gefährlichen Auswirkungen, wie etwa Hautkrebs.
Sommersmog - Stickoxide verbinden sich zu Ozon
Weit weniger willkommen ist Ozon aber in unserer unmittelbaren Umgebung: In Bodennähe entsteht Ozon durch einen komplizierten Vorgang mit einigen paradoxen Wechselwirkungen:
- Stickoxide, die in Autoabgasen massenhaft vorhanden sind, zerfallen unter der starken Sonneneinstrahlung im Sommer und lassen einzelne Sauerstoffatome entstehen, die sich, wie hoch über dem Erdboden, dann zu Ozon verbinden.
- Langfristig sorgen jedoch andere Stoffe in den Autoabgasen dafür, dass Ozon wieder abgebaut wird. Deshalb ist Ozon in Städten und auf stark befahrenen Strassen weniger vorhanden als auf dem Land, wo der Ozonpegel durch die Luftbewegung und die dort ankommenden Abgase ansteigt.
- Bei nachlassender Sonnenstrahlung oder in Innenräumen löst sich Ozon wieder auf.
Ozon löst eine Art "Entzündung" im Körper aus
Ozon wirkt in den Lungenblässchen des Menschen. Das Gas ruft die gleichen Reaktionen wie eine Entzündung hervor. Sie können durch Asthma und Allergien noch verstärkt werden. Mediziner vermuten, dass Ozon auch chronische Lungenentzündungen oder eine Lungenversteifung, die so genannte Lungenfibrose, begünstigen kann. Normalerweise werden Schadstoffe von den Schleimhäuten und Flimmerhärchen in den Atemwegen abgefangen und als Schleim wieder ausgeschieden. Ozon aber ist resistent: Es ist nicht wasserlöslich und kann deshalb tiefer als andere Schadstoffe in die Atemwege eintreten. Ozon ist hochreaktiv, das heißt, es ist besonders "willig" mit anderen Substanzen giftige Verbindungen einzugehen. Das Gas füllt die feinen Lungenbläschen (Alveolen) aus und ruft so Kurzatmigkeit, Schmerzen beim Einatmen, Kopfschmerzen und allgemeine Mattigkeit hervor
Zu Hause bleiben: Innenräume sind "ozonsicher"
- Die Auswirkungen des Ozons sind für Kinder und Jugendliche besonders gefährlich, da sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht ein größeres Lungenvolumen haben als Erwachsene. Sie atmen im Ruhezustand etwa so viel wie ein arbeitender Erwachsener. Daher sollten sie bei hohen Ozonkonzentrationen nicht im Freien spielen.
- Ozon zerfällt sofort, wenn es mit Gegenständen in Berührung kommt. Daher sind Innenräume "ozonsicher".
- Sport oder körperliche Arbeit im Freien sollte am Morgen oder am frühen Abend stattfinden, wenn weniger Ozon vorhanden ist.









