Gefahr im Alltag
Bunte Ostern mit Naturfarben
Der Brauch, Eier zu bemalen, ist älter als das christliche Osterfest. Er soll auf das germanische Frühlingsfest zu Ehren der Göttin Eostrea zurückgehen. Die Göttin ist vergessen. Genauso wie natürliche Farben und die Techniken, mit denen Ostereier bunt und kunstvoll gestaltet werden können. Und zwar ohne die Gesundheit zu gefährden.
Das hatte sich Familie Schmittmeier anders vorgestellt. Am Frühstückstisch freuten sich die Eltern noch über die Frühlingssonne. Gleich würden die drei Kinder zwischen Krokussen und Narzissen im Garten nach Ostereiern suchen. Daraus wurde nichts. Die vierjährige Alia begann zu weinen. Ihre Haut rötete sich und bildete Quaddeln, die entsetzlich juckten. Das Osterfest endete in der Notfall-Ambulanz. Die Diagnose: Eine allergische Frühreaktion auf chemische Ostereierfarben.
Laut Hersteller enthalten chemische Ostereierfarben zwar nur Stoffe, die auch als Lebensmittelfarben zugelassen sind, ungefährlich sind sie deswegen jedoch nicht. Der Ärzteverband Deutscher Allergologen in Hamburg warnt vor so genannten Azofarben. Als "schwache Allergene" könnten sie zwar keine Allergien hervorrufen, aber bei überempfindlichen Menschen allergische Frühreaktionen auslösen. Die Azofarben gelangen durch hauchdünne Risse der Schale ins Ei und werden mitgegessen. Kinder sind gefährdet, wenn sie beim Bemalen ihre verfärbten Finger in den Mund stecken oder gar unverdünnte Farbe schlucken. Vor allem die häufig eingesetzten Azofarben E 122 (Azorubin) oder E 151 (Brillantschwarz) können Hautrötungen, Juckreiz und sogar einen Neurodermitis-Schub oder Asthma-Anfall hervorrufen.
Bunte Farben aus der Natur
Der Allergologenverband rät deshalb zu Naturfarben: Gelb färben etwa Zwiebelschalen, Kümmel oder Safran; braun Kaffee oder Schwarztee; rot Rote-Beete-Saft oder Holunderbeeren. Grüntöne lassen sich mit Spinat und Brennnesseln erzielen. Die Palette lila bis blau erreicht man mit Rotkohl. Die Anwendung ist einfach. Pro Liter kaltem Wasser reichen zwei bis drei Hände voll Zwiebelschalen, 250 Gramm gerebbelte Brennnesseln, Spinat oder Rote Beete. Wasser und Zutaten müssen etwa eine halbe Stunde kochen. Fertig ist die Naturfarbe. Mit zwei Esslöffeln Essig leuchten die Ostereier intensiver.
Wenn die Ostereier in den ausgesiebten Zutaten eingelegt werden, entstehen marmorierte Muster. Zudem kann man Zwiebelschalen oder Blätter um die Eier legen und mit Stoff oder einem Nylon-Strumpf fest umwickeln. Nach dem Farbbad zeichnen sich die Schalen und Blätter ab (Ausspartechnik). Mit einem Pinsel und Zitronensaft kann man Muster auf die Eier malen; die behandelten Stellen bleiben weiß (Ätztechnik). Eintönig muss das Fest ohne chemische Ostereierfarben also nicht werden!









