Gefahr im Alltag
Die Deutschen putzen sich krank
Geht es um die Sauberkeit, kennen die Deutschen kein Pardon. Tagein, tagaus putzen, wischen, spülen sie mit allem, was die moderne Chemie hergibt. Jedem Keim und jedem Bakterium soll es an den Kragen gehen. Mit großem Erfolg - und fatalen Folgen: Immer mehr Menschen leiden unter Allergien, Asthma und Hautreizungen, weil die "klinische Reinheit" ihr Immunsystem lahm legt.
Die Angst vor Bakterien
"Die Angst vor Bakterien macht viele Menschen zu wahren Putzteufeln. Sie übertreiben es mit der Hygiene maßlos", ärgert sich Professor Daschner, Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene in Freiburg. Desinfektion im Privathaushalt hält der Experte für völlig überflüssig. Sein Argument: "Zu viel Hygiene macht die Flora kaputt!"
Unter Flora verstehen Mediziner die ganz normale Besiedelung des menschlichen Körpers mit Mikroorganismen. Auf nur einem Quadratzentimeter gesunder Haut befinden sich mehrere tausend Bakterien. Glücklicherweise, denn sie halten den Säureschutzmantel unserer Haut intakt. Auch die menschliche Verdauung wäre ohne das Mitwirken von Bakterien undenkbar, Nahrungsverwertung durch den menschlichen Körper wäre unmöglich.
Die Putzerei fördert Allergien
Die Hilfeschreie des Immunsystem sind kaum noch zu überhören. "Es gibt kein Haushaltsdesinfektionsmittel, gegen das Menschen nicht schon eine Allergie entwickelt haben", weiß der Freiburger Hygieneexperte. Deshalb lässt sich die Werbung auch immer neue Strategien einfallen. Sie will uns weismachen, dass überall in der Küche krank machende Keime lauern und nur die Chemie in der Lage sei, dagegen etwas zu tun.
Kleine Schmutzfinken leben gesünder als frisch gewaschene Kids
Hauptleidtragende des Putzwahns sind, wie könnte es anders sein, die Kinder. Schon jedes fünfte leidet unter einer Abwehrschwäche des Körpers - Tendenz steigend. Kleine Schmutzfinken dagegen leben gar nicht so ungesund, wie eine Studie der medizinischen Hochschule Hannover ergab: Kinder, die sich dreckig machen dürfen, durch Pfützen laufen und später schlammverkrustet vor der Haustür stehen, entwickeln mit der Zeit einen viel stärkeren Immunschutz als gut behütete, frisch gewaschene Kids.
Durch unnötige Desinfektion und viel zu häufiges Duschen wird der physiologische Hautschutz geschädigt und lebensnotwendige Organismen abgetötet. Demnach ist es empfehlenswert, nicht öfter als jeden zweiten Tag zu duschen.









