Auch das Baby bestimmt mit

Abstillen: Wie und wann? Die besten Tipps

Schnelles Abstillen von einem Tag auf den anderen ist fürs Kind extrem belastend, kann aber auch der Mutter schaden: Abrupt mit der Brustfütterung aufzuhören fördert Milchstau und sogar Depressionen. Tipps, wie man richtig abstillt, finden Sie hier.

Mutter liegt mit Baby im Bett
Im Idealfall zeigt das Baby durch bestimmtes Verhalten, dass es Zeit zum Abstillen ist.
Getty Images/Hemera

Kinder sollte man mindestens ein halbes Jahr stillen und dann mit dem Abstillen beginnen, empfehlen die Weltgesundheitsbehörde (WHO) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Letztlich bestimmen die Frau und ihr Kind selbst, wie lange es Muttermilch geben soll.

Wann sollte man abstillen? Signale des Kindes deuten

Dem Mutter-Kind-Verhältnis ist es nicht zuträglich, wenn die Frau nur aus Pflichtgefühl stillt und das Füttern an der Brust für sie eine große Last darstellt. Dies würde die Mutter nur verdrießlich stimmen, worunter vor allem ihr Kind zu leiden hätte. Hinzu kommt: Moderne Babynahrung ist der Muttermilch so weit angepasst, dass dem Kind kaum etwas fehlt.

Auf der anderen Seite sollte die Mutter nicht abstillen, nur weil sich Schwiegereltern oder Freunde peinlich berührt fühlen, wenn das Baby mit sechs Monaten und älter in ihrer Gegenwart an der Brust trinkt. Viele Mütter mit einem weiteren Kind wollen dem Älteren nicht länger zumuten, dass das Baby der Mama ständig so nah sein darf. Dies ist ebenfalls kein Grund, das Stillen einzustellen.

Wenn aber das Baby an der Brust nicht mehr richtig satt wird und den Eltern neugierig beim Essen zuschaut, kann die Mutter meist zusätzlich festere Nahrung (Beikost) füttern, meint Kirsten Knuth, Stillbeauftragte des Hebammenverbands Rheinland-Pfalz. Beginnt das Kind nach Brot und Käse zu greifen, spricht dies ebenfalls für seine Bereitschaft zum Abstillen. Auch Kaubewegungen sind ein recht sicheres Zeichen.

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    Die Frage hat sich wohl jede Mutter schon gestellt. Finden Sie die Antwort hier heraus

Wie Mütter ihr Baby abstillen: Praktische Tipps  

Gerade an die Breinahrung gewöhnt sich das Baby meist nur langsam: Die Konsistenz, der Geschmack, das Essen vom Löffel – all dies ist nach dem Abstillen neu. Damit sich das Kind auf neue Kost einstellen kann, empfiehlt es sich, langsam mit dem Abstillen zu beginnen und lieber Woche für Woche eine Mahlzeit zu ersetzen:

  • Anfangs sollte das Kind nur eine sehr kleine Portion essen, damit sein Verdauungstrakt nicht überfordert wird, rät die Nationale Stillkommission. Nach und nach können die Eltern die Menge steigern.

  • Morgens und zum Einschlafen genießen Babys das Nuckeln an der Brust ganz besonders. Ersetzen Sie in der Abstillphase daher zunächst die Mittags- und die Nachmittagsmahlzeit.

  • Als erste Breimahlzeit während des Abstillens eignen sich Karotten- und Kartoffelmus sowie zerdrückte Banane. Im Laufe der nächsten Wochen können Fleisch, Blumenkohl, Kohlrabi, Brokkoli, Spinat, Birne und Aprikose hinzukommen.

"Es ist in der ersten Zeit nach dem Abstillen auch Verstopfung beim Baby möglich – darauf muss man unbedingt achten", rät Kirsten Knuth.

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Abruptes Abstillen ist traumatisch fürs Baby

Überstürztes Abstillen könne ein emotionales Trauma beim Baby auslösen, heißt es im Handbuch der Stillberatung der La Leche Liga Deutschland. Stillen stelle nicht nur eine Nahrungsquelle für das Baby dar, sondern spendet auch Nähe und Trost. Für ein erfolgreiches Abstillen ist es daher sehr wichtig, dass die Mutter ihr Kind weiterhin Nähe und Wärme spüren lässt. So sollte sie es während des Fütterns unbedingt im Arm halten und nicht – weil es vielleicht praktischer ist – in eine Autobabyschale oder Wippe setzen.

Auch in Zeiten großer Unruhe bei Mutter und Kind sollte nicht mit dem Abstillen begonnen werden, warnen Kinderärzte und -psychologen. Denn in seelisch turbulenten Phasen trifft es das Kind viel härter, auf die Brust zu verzichten. Ein Zeitpunkt von seelischer Stabilität ist auch für die Mutter vorteilhafter, weil sie weniger das Gefühl hat, ihrem Kind gewaltsam eine liebgewordene Gewohnheit zu entziehen.

Je sanfter aber der Übergang von der Mutter- zur Flaschenmilch ist, desto unwahrscheinlicher sind Komplikationen. Ein allmähliches Abstillen hat übrigens auch für die Mutter Vorteile: Die Brust kann die Milchproduktion langsam zurückbilden, so dass es nicht zum schmerzhaften Milchstau kommt. Außerdem bleibt der Busen besser in Form.

Milchstau durch plötzliches Abstillen

Manchmal jedoch muss eine Mutter mit dem Stillen ganz plötzlich aufhören – etwa wegen einer Operation, hochdosierter Medikamente oder einer verfrühten Rückkehr in den Beruf. Doch sie tut gut daran, sich während dieser Zeit genau zu beobachten: Empfindet sie ein Druckgefühl in der Brust? Tritt die Milch nicht richtig aus? Diese Symptome sprechen für einen Milchstau. Wenn sie sich zudem matt und fiebrig fühlt, hat sich die Brust möglicherweise schon entzündet.

"Das Wichtigste in solch einer Situation ist, dass die Milch raus kommt", sagt Still-Expertin Kirsten Knuth. Warme Wickel helfen dabei, da sie das Drüsen- und Gangsystem der Brust weit stellen und so den Milchabfluss fördern. Die Frau muss zusätzlich mit sanften Fingerbewegungen nachhelfen und die Brust von oben nach unter ausstreichen. Von einer Milchpumpe ist abzuraten, da sie die Milchproduktion stimuliert.

Nach dem Ausstreichen heißt es: mit Quark kühlen. Das beugt einer Mastitis (Brustentzündung) vor und verhindert, dass allzu viel Milch in die Brust nachfließt.

Frauen, die direkt nach der Geburt nicht stillen möchten, wird das Kind nicht angelegt. Außerdem erhalten sie ein Medikament, das die Milchbildung hemmt.

Diese Tipps drosseln die Milchproduktion

  • die Brüste mit einem engen Tuch hochbinden

  • Salbei- oder Pfefferminztee trinken – sie bewirken, dass sich die Milchdrüsen zusammenziehen.

  • die Brust mit Zypressen-, Zitronen- oder Salbeiöl einreiben

Sollten diese Hausmittel nicht wirken, muss die Frau ein Medikament einnehmen, das die Prolaktin-Produktion hemmt. Dies kann allerdings zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Kreislaufstörungen, Übelkeit und Erbrechen führen.

Nach dem Abstillen: Ersatz für die Muttermilch

  • Ist Ihr Baby jünger als fünf Monate und Sie möchten oder müssen abstillen, so ist eine Anfangsnahrung Pre der beste Ersatz für Muttermilch. Sie ist der Muttermilch ähnlich und enthält neben Milchzucker keine weitere Stärke.

  • Eltern von allergiegefährdeten Säuglingen kaufen am besten in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten eine hypoallergene Säuglingsanfangsnahrung mit der Bezeichnung HA.

  • Ältere Babys und Babys die sehr viel trinken, können auch eine Anfangsnahrung 1 erhalten, diese enthält Stärke und macht etwas länger satt.

Für die Fläschchennahrung eignet sich ein Sauger, der wie die Mutterbrust geformt ist, rät Fachfrau Knuth. Akzeptiert das Kind die Flasche nicht sofort, heißt es: immer wieder probieren.

Abstillen: die Stunde des Vaters

Gerade für den Vater ist die Zeit des Abstillens eine gute Gelegenheit, eine innige Beziehung zu seinem Kind aufzubauen. Natürlich hat der Vater auch zuvor sein Kind im Arm gehalten und liebkost. Aber ein Grundbedürfnis des Kindes zu stillen, verleiht dem Zusammensein noch einmal eine ganz andere Qualität.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. September 2016
Durch:
Quellen: Professor Joachim W. Dudenhausen; Professorin Renate Bergmann

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