Probleme beim Stillen sind meist überwindbar
Brustwarzen-Anomalien, Entzündungen, Milchüberproduktion und Milchstau können Probleme beim Stillen bereiten. Meist kann man sich einfach behelfen.
Probleme beim Stillen können verschiedene Ursachen haben. Bei manchen Frauen sind die Brustwarzen so angelegt, dass das Stillen erschwert ist. In der Anfangsphase des Stillens ist es häufig die ungewohnt starke Beanspruchung der empfindlichen Brustwarzen, die zu Entzündungen und Stillproblemen führt. Mitunter sehr schmerzhaft für die Mutter ist ein Milchstau, der unter anderem durch Stress ausgelöst werden kann. Was ist zu tun?
Flach- und Schlupfwarzen (nach innen eingezogene Brustwarzen) machen meist keine Probleme beim Stillen, da das Kind auch den Warzenhof miterfasst. Durch Anpumpen, Herausziehen, einen kurzen Kältereiz, etwas Abdrücken von Muttermilch, Vorformen mit den Fingern oder das Tragen von Brustschildern lassen sich die Brustwarzen vor dem Stillen stimulieren. Ähnlich verfährt man mit einer übervollen Brust. Hohlwarzen kommen selten vor. Sie treten auch nach Stimulation nicht hervor. Mit Unterstützung lernt das Kind, einen Mund voll Brust zu fassen. Die Warze kann sich durch den Sog hervorarbeiten. Unter Umständen helfen hier auch eine zusätzliche Partnerstimulation oder in einer Spritze aufgezogene Muttermilch, die dem Kind über die Brust in den Mund geträufelt wird. Bitte nur in Ausnahmefällen Stillhütchen oder Sauger verwenden und dies auch nur vorübergehend!
Muttermilch hilft gegen wunde Brustwarzen
In den ersten Wochen kann es beim Stillen zu Problemen mit überempfindlichen beziehungsweise wunden Brustwarzen kommen. Dies ist kein Grund zum Abstillen. Lassen Sie den BH nach dem Stillen so lange wie möglich offen, damit viel Luft an die Brustwarzen kommt. Trockenföhnen, Sonnenbestrahlung (oder eine kurze Bestrahlung mit Höhensonne) sowie die Pflege der Brustwarze mit Muttermilch können das Abheilen beschleunigen. Benutzen Sie keinen Alkohol und auch keine Seife, um die Brustwarzen zu reinigen. Die Haut wird dadurch trocken und noch empfindlicher. Bei trockenen und rissigen Warzen kann man aber etwas hochgereinigtes, rückstandsfreies Lanolin auftragen, das vor dem Stillen nicht weggewischt werden muss.
Legen Sie Ihr Kind häufiger, dafür aber richtig an. Ein weniger hungriges Kind strapaziert die Brustwarzen nicht so stark und Sie haben weniger Probleme beim Stillen. Holen Sie sich Hilfe! Stillen Sie zunächst an der besseren Seite und wechseln Sie dann, sobald die Milch gut fließt zur anderen Seite. Verändern Sie auch die Stillposition. Brustcremes sind in der Regel nicht erforderlich. Nur in den seltensten Fällen ist es nötig, vorübergehend abzupumpen. Rötung und Krusten an der Spitze der Brustwarze weisen darauf hin, dass die Warze beim Saugen nach oben oder unten zeigt und nicht zentral in den Mund des Kindes.
Wie verhindert man unkontrolliertes Abfließen der Milch?
Wenn Ihr BH nass wird und es in den Brustwarzen "kribbelt", das heißt Milch außerhalb der Mahlzeiten abfließt, so ist das zunächst ein gutes Zeichen. Der Reflex, der Milch aus der Brust freigibt, hat angefangen zu funktionieren. Sie können das Abfließen der Milch bremsen, indem Sie mit dem Handrücken fest gegen die Brustwarzen drücken, bis das "Kribbeln" aufhört. Unkontrolliertes Abfließen der Milch gehört meist zu den vorübergehenden Problemen beim Stillen, kann aber bei Frauen, die viel Milch haben, während der gesamten Stillzeit anhalten.
Stillen: Probleme mit Milchstau
Eines der häufigeren Probleme beim Stillen ist Milchstau. Er entsteht, wenn das Kind mehrmals hintereinander weniger trinkt als zuvor. Das hat verschiedene Ursachen, doch häufig liegt es an einer Behinderung des Milchabgabereflexes. Durch Stress der Mutter, Aufregung, Ärger, Unzufriedenheit, Schreck, aber auch körperliche Anstrengung oder ganz einfach nur mangelndes Vertrauen in die eigene Stillfähigkeit kann die Ausschüttung des Hormons "Oxytocin" gehemmt sein. Das Hormon sorgt dafür, dass die Milch abgegeben wird und die Gebärmutter sich zusammenzieht. Obwohl das Kind saugt, bleibt dann ein Teil der Milch in der Brust zurück und verursacht den Stau. Auch ein falsch sitzender BH kann Teile der Brustdrüse einschnüren und die Entleerung verhindern.
Was kann man beim Stillen gegen Probleme mit Milchstau tun?
Gerötete, verhärtete oder schmerzhafte Stellen an der Brust deuten meist auf Probleme mit Milchstau hin. Zusätzlich können auch Beschwerden wie bei einer beginnenden Grippe auftreten, allgemeine Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen. Gönnen Sie sich in diesem Fall Ruhe und lassen Sie die Hausarbeit ruhig schleifen. Eine Hilfe im Haus für ein bis zwei Tage wäre ideal. In der gewonnenen Zeit widmen Sie sich Ihrem Kind, dem Stillen und der Pflege Ihrer Brust. Legen Sie zwischen den Mahlzeiten kalte Umschläge (Kühlelemente) auf die gestauten Stellen. Sorgen Sie vor allem für eine gründliche Entleerung der betroffenen Brust. Wählen Sie eine Stillposition, in der das Kind den Stau besonders gut entleeren kann, das heißt der Unterkiefer des Kindes sollte zur gestauten Stelle zeigen, seine Zunge "melkt" die Milch darin aus.
Warme Umschläge kurz vor dem Anlegen und eine sanft kreisende Massage der Brust oder des gestauten Bezirkes während des Stillens zur Warze können die Probleme mit Milchstau lindern. Wenn das Kind auch beim Anlegen im Zwei-Stunden-Rhythmus die betroffene Brust nicht leer trinkt oder die gestaute Stelle nicht weicher wird, sondern verhärtet, gerötet und schmerzhaft bleibt, muss die Milch abgepumpt werden. Wenn Rötung, Schmerz oder Fieber andauern, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, denn aus einem Milchstau kann sich eine Brustdrüsenentzündung entwickeln.
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