Die natürliche Geburt im Krankenhaus

In Deutschland werden die meisten Kinder im Krankenhaus geboren. Viele Frauen wollen allein schon deshalb  eine Geburt in einer Klinik, weil sie sich dort besser aufgehoben fühlen, falls Komplikationen auftreten.

Babyboy.jpg
Sich von den Strapazen einer natürlichen Geburt erholen...
Getty Images/iStockphoto

Gynäkologen, Kinderärzte, Hebammen und Pflegekräfte sowie umfangreiche medizinische Apparaturen vermitteln einen beruhigenden Eindruck, besonders dann, wenn es sich um eine Risikoschwangerschaft oder -geburt handelt.

Geburt: Wann ist es so weit?

Nicht bei jeder Schwangeren leitet der Beginn der Wehen die natürliche Geburt ein. Auch der Abgang von Fruchtwasser oder blutigem Schleim kann ein Anzeichen für die nahende Geburt sein.

Ist es soweit, sollten Hebamme oder Arzt benachrichtigt werden. Auch wenn Wehen regelmäßig mindestens alle zehn Minuten kommen, ist es an der Zeit, ins Krankenhaus zu gehen. Der Arzt oder die Hebamme wird feststellen, ob der Geburtsvorgang bereits begonnen hat, kontrollieren, wie weit der Muttermund geöffnet ist und die Schwangere gegebenenfalls an einen Wehenschreiber anschließen.

Die richtige Ernährung in der Schwangerschaft

Lifeline/Wochit

Die Geburtswehen verlaufen rhythmisch und werden im Verlauf der Entbindung stärker und häufiger. Die Wehen, die den Gebärmuttermund öffnen, dauern zunächst zehn bis fünfzehn, später bis zu sechzig Sekunden. Zu Beginn der natürlichen Geburt liegen die meisten Kinder mit angezogenen Beinen, verschränkten Armen und Kopf auf der Brust am Beckeneingang.

Eine normale natürliche Geburt dauert zwischen vier und 18 Stunden und verläuft in drei Phasen.

Die Eröffnungsphase der Geburt

Bei Erstgebärenden kann die Eröffnungsphase zwölf Stunden und länger dauern, während sie sich bei Frauen, die bereits Kinder geboren haben, auf etwa sieben Stunden verkürzt. Die meisten Frauen suchen in dieser Zeit die Klinik auf oder informieren die Hebamme. Anschließend muss der Geburtshelfer abklären, ob es sich um eine normale oder eine Risikogeburt handelt, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

In der Eröffnungsphase treten Wehen alle drei bis sechs Minuten auf. Sie bewirken, dass sich das Muskelgewebe des oberen Gebärmutterhalses zusammenziehen, wodurch sich die unteren Teile der Gebärmutter immer weiter zurückziehen und der Muttermund sich öffnet. Der Kopf des Kindes tritt tiefer und der Gebärmutterhals und die Vagina formt sich zu einem Trichter. Zum Ende der Eröffnungsphase ist der Muttermund bereits zehn Zentimeter geöffnet.

Die Austreibungsphase

Die Austreibungsphase dauert bei Erstgebärenden bis zu zwei Stunden, bei Zweitgebährenden, kann sie deutlich kürzer sein. Die Phase beginnt, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist. Die Fruchtblase platzt und das Kind rutscht in den Geburtskanal. Die Kontraktionen verstärken sich zu Presswehen und die Frauen verspüren einen natürlichen Drang, zu pressen, wodurch das Kind weiter nach unten getrieben wird.

Die Austreibungsphase ist die gefährlichste Phase für das Kind, weil eine verminderte Sauerstoffzufuhr des Kindes droht und es aufgrund des hohen Widerstandes im Beckenboden zudem zu einem erhöhten Druck in seinem Kopf kommt. Aus diesem Grund werden mindestens nach jeder Wehe die Herztöne des Kindes überprüft. Zu diesem Zeitpunkt kann außerdem ein Dammschnitt notwendig werden. Er vermindert den Druck auf den kindlichen Kopf und verhindert, dass der Beckenboden reißt.

Die Pressphase

Die Pressphase dauert bei Erstgebärenden in der Regel 30 bis 40 Minuten, bei Zweitgebärenden etwa 20 Minuten. Damit der Kopf des Kindes leichter durchtreten kann, ziehen viele Schwangere die Beine an den Körper. Unter Anleitung der Hebamme beginnt die Frau jetzt, aktiv mitzupressen. Das Kind wird zur Seite gebogen und mit dem Kopf voran geboren. Bei der nächsten Wehe erfolgt der Durchtritt der Schultern, der nicht immer ganz ohne Schwierigkeiten gelingt, während der restliche Kindskörper häufig mühelos nachfolgt.

Im Anschluss an die natürliche Geburt wird zunächst der Nasen-Rachen-Raum des Kindes abgesaugt und der Nabel durchtrennt. In manchen Kliniken wird das Kind anschließend direkt auf den Bauch der Mutter gelegt, um einen ersten Kontakt zu ermöglichen.

Die natürliche Geburt hat eine Nachgeburtsperiode

Die natürliche Geburt ist erst beendet, wenn sich die Plazenta vollständig abgelöst hat. Die Plazentageburt erfolgt in der Regel nach zehn bis 30 Minuten. Weil es auch hier zu Komplikationen kommen kann, bedarf diese Geburt und die anschließende Untersuchung große Sorgfalt. Mögliche Rückstände der Plazenta müssen mit einer Ausschabung entfernt werden, weil sie zu schweren Blutungen oder Infektionen führen können. Anschließend werden mögliche Risse oder Schnitte des Damms unter örtlicher Betäubung vernäht. Wenn Mutter und Kind versorgt sind, ist der große Moment dann endlich gekommen und die beiden können sich in Ruhe kennenlernen.

Rechtzeitig die Geburtsklinik aussuchen

Um mit einer Geburt im Krankenhaus zufrieden zu sein, sollten Sie sich rechtzeitig über die Bedingungen und Räumlichkeiten vor Ort informieren, denn zwischen den einzelnen Kliniken gibt es gravierende Unterschiede. Die Schwangere und ihr Partner haben meist auch die Möglichkeit, direkt mit dem Arzt vor Ort über den Geburtsablauf zu sprechen. Neben der medizinisch kontrollierten Geburtstechnik bieten moderne Kliniken heute natürliche Geburtsmethoden und die Wassergeburt als Alternative an.

Bei der natürlichen Geburt im Krankenhaus kann die Schwangere ihrem natürlichen Instinkt folgend ihre individuelle Gebärposition sitzend, hockend, im Vierfüßlerstand, stehend oder liegend finden. Rundkreisbett oder breite Entbindungsliege, auf der auch der Partner Platz hat, Kissen, Matten, Sprossenwände, an denen sich die Gebärende festhalten kann, Gymnastikbälle, Gebärhocker, Gebärrad oder -stuhl und Geburtsseil unterstützen sie dabei. Das gerade Geborene kann sanft bei gedämpftem Licht in einem wohl temperierten Raum empfangen werden. Alternativ oder ergänzend können Mittel und Methoden aus Akupunktur, Homöopathie und Aromatherapie die Geburt unterstützen. Vielleicht besteht sogar die Möglichkeit, dass Mutter und Kind ihre Musik, die sie durch die Schwangerschaft begleitet hat, zu hören.

Im Krankenhaus wird das Neugeborene nach der Geburt sofort auf den Bauch der Mutter gelegt. Es spürt die Wärme und den Rhythmus des Herzschlages der Mutter - ein ihm sehr vertrautes Geräusch. Die Nabelschnur bleibt noch eine für einige Zeit verbunden, damit dem Baby die Umstellung auf die selbstständige Atmung leichter fällt.

Fragen, die Sie vor der Geburt im Krankenhaus klären sollten

Es ist sicherlich nicht gut, einen Arzt zu Entbindungstechniken zu überreden, die er selten oder nie praktiziert. Wichtig ist, dass auch nachts und feiertags im Krankenhaus immer das nötige Personal für eine Geburt da ist. Ständig präsent sein sollten ein Arzt und eventuell auch ein zweiter in Rufbereitschaft, falls viel zu tun ist, eine Hebamme, ein Narkosearzt, ein Kinderarzt und das OP-Team. In einem gut geeigneten Krankenhaus wird häufig entbunden. Das Entbindungsteam verfügt dadurch über ausreichende Erfahrung, damit auch schwierige Entbindungen reibungslos verlaufen. Mindestanforderung sind etwa 300 Geburten im Jahr. Als Faustregel gilt: Je größer eine geburtshilfliche Abteilung ist, desto mehr Erfahrung hat das Team und desto verlässlicher ist die Sicherheit bei der Geburt für Mutter und Kind. Auch die durchschnittliche Anzahl von Kaiserschnitten im entsprechenden Krankenhaus sollte beachtet werden. Liegt sie bei etwa zehn Prozent, deutet dies auf eine solide Handhabung hin. Bei einem höheren Anteil besteht zumindest der Verdacht, dass er zu voreilig ausgeführt wird. In jedem Krankenhaus gibt es verlässliche Statistiken zu den operativen Entbindungen (Saugglocken- und Zangengeburten, Kaiserschnitte) oder Eingriffen (zum Beispiel Dammschnitte).

Weitere Fragen sollten vor der Entbindung in der Klinik geklärt sein:

  •     Besteht auch die Möglichkeit einer ambulanten Geburt?
  •     Besteht bei der Geburt im Krankenhaus die Gelegenheit, sich kurzfristig zu entscheiden, noch einige Tage im Krankenhaus zu verbringen?
  •     Die Anwesenheit des Partners oder einer anderen Bezugsperson im Kreißsaal ist nahezu überall erwünscht, aber kann die Begleitperson auch bei einem Kaiserschnitt mit in den Operationssaal?
  •     Steht jeder Frau eine eigene Hebamme während der Geburt zur Seite oder muss eine Hebamme immer gleich mehrere Frauen betreuen?
  •     Kann man seine eigene Hebamme, eine so genannte Beleghebamme zur Geburt ins Krankenhaus mitbringen?
  •     Sind Geburtsverlauf und Geburtsposition wirklich selbst wählbar oder landet die Gebärende letztlich doch entgegen anderslautender Aussagen auf dem Querbett?
  •     Welche Hilfsmittel stehen zur Verfügung (Pezzi-Ball, Badewannen, Seile, Hocker usw.)?
  •     Sind Eingriffe wir Einlauf, Rasur, Dammschnitt noch Routineeingriffe? Wann wird eine Geburt im gewählten Krankenhaus routinemäßig eingeleitet beziehungsweise routinemäßig ein Kaiserschnitt gemacht?
  •     Wie und wo wird das Kind direkt nach der Geburt versorgt? Kann die Mutter das Kind die ganze Zeit während der notwendigen Untersuchungen im Raum haben?
  •     Welche Behandlungen sind notwendig und sinnvoll (Augentropfen, Vitamin-K-Phrophylaxe, Behandlungen in Notfallsituationen)?
  •     Kann das Kind unmittelbar nach der Geburt gestillt werden? Wie sehr unterstützt das Krankenhaus das Stillen? Hat die Klinik die Auszeichnung mit der WHO-Plakette "Stillfreundliches Krankenhaus"?
  •     Ist Rooming-in (das Kind bleibt die ganze Zeit bei der Mutter) möglich und besteht trotzdem die Gelegenheit, das Kind jederzeit bei den Schwestern abzugeben, damit die Mutter sich auch ein wenig ausruhen kann?

Autor:
Letzte Aktualisierung: 24. Juli 2013

Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang