Kaiserschnitt ist kein Schutz vor Inkontinenz
Immer mehr Schwangere wünschen sich einen Kaiserschnitt. Viele fürchten die Schmerzen oder mögliche Komplikationen während der Entbindung. Manche Frauen wollen durch eine Entbindung auf chirurgischem Wege aber auch einer späteren Inkontinenz vorbeugen. Doch es ist fraglich, ob der Kaiserschnitt tatsächlich vor Inkontinenz schützen kann.
Zwar kann die vaginale Geburt durch mechanische Verletzung von Muskeln und Nerven die Blasenschwäche (Inkontinenz) fördern. Ein Kaiserschnitt kann das aber nicht immer verhindern. Denn ein genauso wichtiger Einflussfaktor scheint aber die Schwangerschaft als solche zu sein. Dies ist das Ergebnis einer Studie aus Norwegen.
Die Wissenschaftler haben 15.307 Frauen unter 65 Jahren befragt, berichtet die Fachzeitschrift New England Journal of Medicine. 11.299 von ihnen hatten vaginal entbunden, 669 durch Kaiserschnitt (Sectio caesarea) und 3.339 waren kinderlos. In den Fragen ging es um Häufigkeit, ungefähre Menge und Situation des unfreiwilligen Harnabgangs und darum, wie sehr sich die Frauen durch die Inkontinenz beeinträchtigt fühlten.
16 Prozent aller Kaiserschnitt-Mütter leiden unter Inkontinenz
Es stellte sich heraus, dass von den Frauen, die nie entbunden hatten, insgesamt gut zehn Prozent unter Inkontinenz litten. In der Kaiserschnitt-Gruppe waren es etwa 16 Prozent und unter den Frauen mit einer natürlichen Entbindung 21 Prozent. Ein ähnliches Zahlenverhältnis ergab sich für die mittlere bis schwere Inkontinenz: Unter dieser litten knapp vier Prozent der kinderlosen Frauen, über sechs Prozent der Kaiserschnitt-Mütter und etwas weniger als neun Prozent der Teilnehmerinnen, die eine vaginale Geburt hinter sich hatten.
Die Belastungsinkontinenz – sie ist die häufigste Form der Blasenschwäche – war unter den Frauen mit vaginaler Geburt mit einer Rate von zwölf Prozent verhältnismäßig weit verbreitet. Unter den Kaiserschnitt-Müttern betrug sie nur knapp sieben Prozent. Doch bei der gemischten-Typ-Inkontinenz war der Unterschied schon viel geringer: Sie fand sich bei sechs Prozent der Mütter mit vaginaler Entbindung und bei gut fünf Prozent der Frauen mit Kaiserschnitt. Die Drang-Inkontinenz trat in der Kaiserschnitt-Gruppe (2,2 Prozent) sogar häufiger auf als unter Teilnehmerinnen mit natürlicher Entbindung (1,8 Prozent).
Organlage verändert sich während der Schwangerschaft
Dass Inkontinenz unter Frauen, die natürlich entbunden haben, relativ häufig ist, verwundert nicht: Der Druck auf Muskelgewebe und Nerven ist groß, während das Kind den Geburtskanal passiert. Doch offenbar verändern sich bereits während der Schwangerschaft Hormonspiegel und Lage der Organe (Blase, Gebärmutter, Vagina) oftmals so sehr, dass es später auch bei Müttern mit Kaiserschnitt öfter als bei kinderlosen Frauen zu Inkontinenz kommt. (BSMO)
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