Pflegefall in der Familie

Wenn Oma zum Pflegefall wird

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Ein Pflegefall in der Familie muss gut organisiert werden.
(c) Stockbyte

Wenn ein Angehöriger zum Pflegefall wird, gibt es viel zu tun. Zwei von drei Pflegebedürftigen werden in den eigenen vier Wänden gepflegt, meist von der Familie. Wenn auch Sie sich dazu entscheiden, sollten Sie Folgendes unbedingt wissen und nutzen.

Die Pflegeversicherung bietet unterschiedliche Leistungen und Hilfen, um den pflegenden Angehörigen die Pflege zu Hause zu erleichtern.

Im Pflegefall: Umbauten in der Wohnung

Eventuell muss die Wohnung bei einem Pflegefall den neuen Bedürfnissen angepasst werden. Der Umbau von Bad oder Küche, die Installation von Rampen, Verbreiterung von Türen oder der Einbau eines Treppenlifts ermöglichen oft erst den Verbleib in den eigenen vier Wänden. Für diese und ähnliche Veränderungen kann finanzielle Unterstützung bei den Pflegeversicherungen, dem Sozialamt und/oder den Krankenkassen beantragt werden. Für solche notwendige Umbauten, die die Pflege zu Hause ermöglichen, maßgeblich erleichtern oder die möglichst selbstständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederherstellen, gibt es einen Zuschuss von bis zu 2.557 €. Der Zuschuss ist abhängig vom Einkommen des Bedürftigen und der Höhe der Umbaukosten. Der Pflegebedürftige muss mindestens 10 Prozent, maximal aber 50 Prozent seines monatlichen Bruttoeinkommens zuzahlen. Tipp: Verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Antragstellers, ist ein erneuter Zuschuss möglich. Der Pflegefall muss neu begutachtet werden.

Hilfe durch professionelle Pflege (Sachleistung)

Entscheiden Sie, ob Sie die Pflege gänzlich allein bewältigen, die Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes beanspruchen wollen oder die Pflege komplett einem ambulanten Pflegedienst überlassen wollen. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst ist, dass der ambulante Dienst mit den Pflegekassen Verträge geschlossen hat und ein zugelassener Leistungserbringer ist. Ist diese Voraussetzung erfüllt, schließen der der ambulante Pflegedienst und der Pflegebedürftige einen Vertrag, in dem zum Beispiel die Pflegeleistungen und -zeiten vereinbart werden. Wichtig: Ein solcher Pflegevertrag kann innerhalb von zwei Wochen nach dem ersten Einsatz vom Pflegebedürftigen ohne Angaben von Gründen und ohne Einhaltung einer Frist gekündigt werden. Auch die Inanspruchnahme einer Tagespflegeeinrichtung ist möglich (teilstationäre Versorgung).Dabei übernimmt die Pflegekasse die Pflegekosten, die Aufwendungen der sozialen Betreuung und die Kosten der medizinischen Behandlungspflege. Die Kosten für Verpflegung müssen privat getragen werden. Gewährt wird teilstationäre Pflege nur, wenn es erforderlich ist. Die Tagespflege wird in der Regel von Pflegebedürftigen in Anspruch genommen, deren Angehörige tagsüber berufstätig sind.

Pflege ohne professionelle Hilfe (Pflegegeld)

Pflegegeld bekommt der Pflegebedürftige, wenn ihm eine Pflegestufe zugesprochen wurde. Er kann darüber frei verfügen, muss es nicht versteuern und auch keine Sozialbeiträge darauf zahlen. Erhält der Pflegebedürftige Hilfe zum Lebensunterhalt vom Sozialamt, wird das Pflegegeld nicht darauf angerechnet. Gibt der Pflegebedürftige das Pflegegeld an pflegende Angehörige weiter, brauchen auch diese das Pflegegeld nicht zu versteuern und auch keine Sozialabgaben zu zahlen, es wird auch nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Die Pflegekassen zahlen Pflegegeld monatlich im Voraus. Um den Pflegefall optimal betreuen zu können, ist es möglich, den Bezug von Pflegegeld mit der Inanspruchnahme von Sachleistungen zu kombinieren. Das Pflegegeld vermindert sich in diesem Fall anteilig um den Wert der in Anspruch genommenen Sachleistungen.

Rente, Versicherung, Urlaub

Wer nicht mehr als 30 Stunden in der Woche erwerbstätig ist und seinen Angehörigen mindestens 14 Stunden wöchentlich pflegt, erhält Rentenpunkte. Die Höhe der Rentenpunkte hängt ab von der der Pflegebedürftigkeit und dem Pflegeumfang. Im Durchschnitt ergibt ein Jahr Pflege einen Rentenanspruch zwischen 6 und 18 € im Monat. Während der Pflegetätigkeit ist der pflegende Angehörige unfallversichert. Pflegende Angehörige dürfen vom Pflegefall auch Urlaub nehmen. Die Pflegekasse zahlt dann für den Ersatz. Das Gleiche gilt, wenn der pflegende Angehörige selbst erkrankt. Anspruch auf Ersatz hat man für bis zu vier Wochen im Jahr.

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 25. September 2009

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