Rechtzeitig vorsorgen

Die Patientenverfügung

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Die Patientverfügung: Eigene Wünsche festlegen
Dean Mitchell

Wenn verbesserte Therapie das Sterben eines schwerkranken Patienten verlängert, wird moderne Medizin manchmal zum Problem. Eine Patientenverfügung kann hilfreich sein.

Ziel einer Patientenverfügung ist es, gute Bedingungen für ein würdiges, schmerzfreies und sozial eingebettetes Leben im Krankheitsfall oder Sterbeprozess zu schaffen.

Rechtliche Situation

Solange ein Patient in der Lage ist, seinen Willen zu äußern, entscheidet er, ob spezielle Behandlungsmaßnahmen ergriffen, fortgeführt oder abgebrochen werden sollen. Ohne die Einwilligung eines entscheidungsfähigen Patienten darf ein Arzt eine lebensverlängernde Maßnahme weder einleiten noch abbrechen. Bei einem Patienten, der nicht mehr in der Lage ist, seine Einwilligung zur Fortsetzung oder zum Abbruch einer Behandlung zu geben, entscheidet der Arzt nach dem vermuteten Willen des Kranken. Um diesen zu erforschen, kann er Angehörige oder andere, dem Patienten nahe stehende Menschen befragen. Da Angehörige jedoch grundsätzlich nicht für den Patienten entscheiden dürfen, bleibt er letztlich auf Vermutungen angewiesen.

Durch eine schriftliche Patientenverfügung kann jedoch jeder geschäftsfähige Mensch im Voraus bestimmen, welche ärztlichen Maßnahmen ergriffen werden sollen, wenn er selbst nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen zu bilden oder verständlich zu äußern. Für die behandelnden Ärzte ist eine konkrete Anweisung in einer Patientenverfügung verbindlich. Die Patientenverfügung muss sich auf bestimmte Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe beziehen. Grundsätzlich ist es unerheblich, was für eine Erkrankung der Patient hat. Die Bestimmungen über Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten betreffen Krankheiten, die in kurzer Zeit zum Tode führen können (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Organversagen) ebenso wie solche, bei denen die Sterbephase zeitlich weit entfernt liegen kann (Wachkoma, Demenzen).

Was können Sie regeln?

Sie können also Erklärungen abgeben, in welchen Situationen Sie keine lebenserhaltenden oder -verlängernden Maßnahmen mehr wünschen. Sie können verfügen, auf welche konkreten Behandlungsmaßnahmen Sie in welchen Situationen verzichten wollen. Auch Erklärungen dazu, welche Risiken Sie während einer Behandlung in Kauf zu nehmen bereit sind (z.B. eine mögliche Verkürzung Ihrer Lebenszeit als mögliche Folge einer umfassenden schmerztherapeutischen Behandlung), können festgehalten werden.

Zudem haben Sie die Möglichkeit, persönliche Wertvorstellungen und Wünsche mitzuteilen (z.B. „Ich möchte seelsorgerisch betreut werden“, „Ich möchte möglichst in meiner vertrauten Umgebung, im Kreise meiner Familie sterben“). Außerdem können Vorstellungen zum Beispiel hinsichtlich einer Organspende oder Obduktion festgehalten werden. Nicht erfüllbar ist dagegen der Wunsch nach gezielter Tötung eines Sterbenden (aktive Sterbehilfe). Der in der Verfügung erklärte Wille kann jederzeit rückgängig gemacht werden – auch durch Sich-verständlich-machen mittels Zeichen. Die Patientenverfügung muss von Ihnen unterschrieben und mit Datum versehen werden. Es empfiehlt sich, die Verfügung regelmäßig zu aktualisieren. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht nötig.

Was ist zu beachten?

Es ist sinnvoll, unter Zuhilfenahme seriöser Vordrucke eine Patientenverfügung zu verfassen, die auf Ihre Lebenssituation abgestimmt ist. Das setzt voraus, dass Sie sich in Ruhe Gedanken über Vorstellungen und Ängste im Hinblick auf das eigene Sterben machen. Hilfreich sind ausführliche Gespräche mit Ihrem behandelnden Arzt. Teilen Sie Ärzten und nahe stehenden Menschen Wünsche und Vorstellungen mit, damit diese in einer Entscheidungssituation wissen, was Ihnen wichtig ist.

Motive deutlich machen

Bedenken Sie, dass manche Zustände (z.B. Koma), vor denen sich Gesunde fürchten, von den tatsächlich Erkrankten oft anders erlebt und möglicherweise auch anders bewertet werden. Wichtig ist deshalb, eigene Motive für das Erstellen einer Patientenverfügung zu klären. Ruft beispielsweise die Angst vor Schmerzen, vor sozialem Abgeschobensein oder vor unwürdiger pflegerischer Behandlung den Wunsch nach einem vorzeitigen Tod hervor, verfehlen Patientenverfügungen ihren Sinn. Sie verfehlen ihn auch, wenn unreflektiert gesellschaftliche Vorstellungen zu „lebensunwertem Leben“ übernommen werden. Menschen, die eine für sie optimale Schmerztherapie erfahren und sich im Kreis ihrer Angehörigen und medizinisch-pflegerischer Kräfte geborgen fühlen, wünschen sehr viel seltener einen frühzeitigen Tod.

Tipp:

  • Ein 12-Punkte-Check zur Prüfung von Vorsorgedokumenten finden Sie auf der Homepage der Deutschen Hospizstiftung: www.hospize.de
  • Vorlagen/Textbausteine für Patientenverfügungen gibt es beispielsweise unter www.bundesaerztekammer.de oder www.bmj.bund.de (Suchwort: Patientenverfügung)

Autor: Redaktion Heilberufe
Letzte Aktualisierung: 06. Januar 2010

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