Müdigkeit, Schwäche, Verwirrtheit?

Mangelernährung bei Senioren verbreitet

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Zu wenig Nahrung - ein Grund für Mangelernährung.
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Mangelernährung gibt's nicht nur bei Menschen in Ländern der Dritten Welt. Auch hierzulande ist diese Form der Fehlernährung vor allem bei Alten oder Kranken gar nicht so selten. Allerdings werden Beschwerden durch Defizite in Sachen Ernährung häufig falsch interpretiert. 

Mangelernährung bedeutet, dass der Körper nicht ausreichend mit Energie, Eiweiß und/oder Vitaminen versorgt wird. Mangelernährung ist also eine Form von Fehlernährung (Malnutrition). Allerdings gilt es, grundsätzlich zwischen Unterernährung und Fehlernährung zu unterscheiden: Als quantitative oder generelle Mangelernährung bezeichnet man, wenn zu wenig Nahrung zugeführt wird. Zu qualitativer oder spezifischer Mangelernährung kann es kommen, wenn die Zusammensetzung der Nahrung nicht die notwendigen Inhaltsstoffe enthält. Möglich ist jedoch auch, dass der Betroffene die Nahrungsbestandteile nicht in ausreichendem Maß aufnehmen (resorbieren) kann, oder diese vom Körper nicht korrekt verarbeitet (metabolisiert) werden.

In aller Regel entsteht Mangelernährung ganz allmählich, wodurch die Symptome der Unterversorgung oft gar nicht als solche erkannt werden. Denn viele Senioren sowie deren Angehörige halten Symptome wie Müdigkeit, Mattigkeit, Verwirrtheit oder auch ungewollten Gewichtsverlust für normale Alterserscheinungen. Jedoch können solche Beschwerden auch Zeichen einer Mangelernährung sein.

Unspezifische Mangelerscheinungen beachten

Wer sich längerfristig mangelhaft ernährt, kann einen Eiweißmangel bekommen. Der Körper reagiert auf diesen Zustand, indem er zuerst die Fettdepots abbaut, schließlich aber auch  die Eiweißreserven in den Muskeln und Organen verbraucht. Dadurch reduziert sich die Muskelmasse. Bildet sich die Skelettmuskulatur zurück, neigen die Betroffenen zu Stürzen. Eine Schwächung des Herzmuskels kann zu Herzrhythmusstörungen führen, ein Abbau der Atemmuskulatur kann Atemprobleme verursachen.

Fehlt es dem Organismus an Nährstoffen, schwächt dies das Immunsystem. Die Betroffenen erkranken häufiger und erholen sich von Krankheiten langsamer.

Zudem büßt die Haut an Widerstandskraft ein. Bettlägerige entwickeln rascher Druckgeschwüre (Dekubitus), Wunden wollen nicht abheilen.

Trocknet der Körper durch ein Flüssigkeitsdefizit aus, beeinträchtigt dies den Kreislauf und die Durchblutung. Dabei steigt auch das Risiko, dass sich an den Wänden der Venen Blutgerinnsel bilden, die zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen können. Wird das Gehirn mangelhaft durchblutet, sind mitunter Vergesslichkeit und Verwirrtheit die Folge.

Ein spezifischer Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen oder essenziellen Fettsäuren macht sich vor allem durch Veränderungen an Mund, Lippen und Augen und durch neurologische Einschränkungen bemerkbar.

Zu den neurologischen Symptomen infolge eines Nährstoffmangels zählen beispielsweise Appetitlosigkeit oder Gangstörungen. Ebenso beruhen Zuckungen, Krämpfe, Verwirrtheit, depressive Verstimmung, Lethargie oder allgemeine Schwäche mitunter auf einer Mangelernährung.

Fehlt dem Körper Vitamin A, sieht der Betroffene bei diffusem Licht zunehmend schlecht, neigt zu Bindehaut- und Hornhautentzündung.

Tipps, wie Sie Mangelernährung bei Senioren entgegenwirken

Mangelernährung lässt sich meist nicht auf den ersten Blick erkennen. Wer den Verdacht hegt, dass ein betagter Angehöriger sich nicht ausreichend ernährt, sollte einige Tage lang notieren, was und welche Menge der Betroffene gegessen und getrunken hat.

Die Ernährungssituation wirklich beurteilen kann jedoch nur der Arzt. Er wird den Betroffenen untersuchen, wiegen und die Körpergroße messen. Aussagekräftig ist dann mehrfache Gewichtskontrolle über einen längeren Zeitraum. Nur dadurch erkennt man, wenn Senioren langsam aber stetig abnehmen. 

Durch gezielte Blutuntersuchungen lässt sich klären, ob ein tatsächlicher Mangel an bestimmten Nährstoffen besteht.

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Wenn Senioren nicht mehr essen wollen: Passt die Zahnprothese noch?
Dean Mitchell

Ist ein alter Mensch tatsächlich mangelhaft ernährt, kommt es vor allem darauf an, die Ursache zu ergründen. Mitunter liegt es schlicht an einer schlecht sitzenden Zahnprothese, wenn Betagte nicht mehr ausreichend essen. Dann gilt es, dass ein Zahnarzt die Prothese anpasst.

Im Prinzip besteht die Ernährungstherapie bei Mangelernährung aus energiereicher Kost mit hohem Nährstoffgehalt, um das bestehende Defizit auszugleichen. Wichtig sind dabei abwechslungsreiche Mahlzeiten: Idealerweise variiert man fettreiche Milchprodukte, Gemüse, Obst, Vollkornprodukte mit etwas Fleisch und Fisch.

Und auch das Auge isst mit! Deshalb lohnt es, für Betagte, die wenig Lust auf Essen haben, die Mahlzeiten appetitlich und optisch ansprechend zu servieren. Kräuter und Gewürze sorgen für intensiven Geschmack, falls der Betroffene darauf Wert legt.

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Wichtig ist zudem eine ruhige und entspannte Atmosphäre. Ablenkungen und Störungen (etwa durch laufende Fernsehgeräte) gilt es während der Mahlzeit zu vermeiden.

Schluckstörungen lassen sich durch gezielte Schlucktherapie reduzieren. Auch bei anderen körperlichen Beeinträchtigungen wie Lähmungen, welche die Nahrungsaufnahme behindern, können geeignete Therapiemethoden weiterhelfen, etwa Krankengymnastik, Ergotherapie oder Esstraining. Trockene Nahrungsbestandteile, die sich nur schwer kauen und schlucken lassen (etwa die Brotrinde) kann man bei Bedarf einweichen oder abschneiden. Pürieren von Nahrungsmitteln lohnt eventuell für Menschen mit starken Schluckbeschwerden. Denn sie empfinden breiige Kost mitunter als deutliche Erleichterung. Dann ist auch zu erwähnen, Dünnflüssiges wie Getränke oder Suppen anzudicken, damit sich die Betroffenen nicht so leicht verschlucken. Geschmacksneutrale Instant-Dickungsmittel kann man sowohl für kalte als auch für warme Speisen verwenden.

Außerdem gibt es Hilfsmittel (beispielsweise spezielles Geschirr, Besteck, Schnabeltassen), die das Essen und Trinken erleichtern. Effektiv ist deren Einsatz, wenn manuelle Defizite wie Zittern, Lähmungserscheinungen oder Missempfindungen die Nahrungsaufnahme erschweren. Mitunter essen Senioren nämlich nur aus einem Grund kaum mehr: Es ist ihnen sehr peinlich, dass sie sich dabei bekleckern.

Hat ein Mangelernährter Probleme, ausreichende Mengen zu essen, helfen Stärkungsmittel oder Appetitanreger. Verursacht ein Medikament Übelkeit oder Appetitlosigkeit, nutzt es oftmals, ein alternatives Präparat einzusetzen.

Autor: ah / Lifeline Redaktion
Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2011
Quellen: Stephanie Wetzel: Ernährung im hohen Alter - Ratgeber für Angehörige und Pflegende, hrsg. von aid und DGE, 2010 Deutsche Seniorenliga e.V.: www.dsl-mangelernaehrung.de/ Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Fit im Alter. www.fitimalter-dge.de/...im...im.../mangelernaehrung.html

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