Dauerstress bei Kontaktarmut

Warum Einsamkeit krank macht

Einsame Frau am Fenster
Menschen, die sich einsam fühlen, werden häufiger krank.
Getty Images/iStockphoto

Einsamkeit versetzt den Körper unmerklich unter Dauerstress. Das Immunsystem verliert an Schlagkraft und Entzündungsstoffe werden produziert. Das begünstigt zahlreiche Krankheiten, von Alzheimer bis Schlaganfall.

Studien hatten bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass einsame Menschen häufiger unter Depressionen und Erschöpfung leiden und dass ihre Schmerzempfindlichkeit größer ist. Eine aktuelle Untersuchung von Wissenschaftlern der Ohio State University hat noch weitere, dramatische gesundheitliche Folgen von Einsamkeit ausmachen können. Viruserkrankungen wie Herpes, aber auch Alzheimer, Arthritis, Diabetes Typ 2, Herzinfarkt und Schlaganfall werden begünstigt.

Immer wieder Herpes

Das Forscherteam befragte und untersuchte dazu knapp 350 Männer und Frauen. Die Blutwerte der Probanden wurden gemessen und ihre Lebensumstände dokumentiert. Es zeigte sich, dass diejenigen schwächere Abwehrkräfte hatten, die allein oder in einer schlechten Partnerschaft lebten und sich einsam fühlten. Darüber hinaus litten sie häufiger an immer wiederkehrendem Herpes. Besonders interessant war für die Wissenschaftler, dass die Einsamen auch wesentlich mehr so genannte Zytokine im Blut aufwiesen. Dabei handelt es sich um Substanzen, die der Körper unter Stress bildet und die Entzündungen im Körper anfeuern. Zytokine stehen nach neuesten Erkenntnissen im engen Zusammenhang mit der Entwicklung von Krankheiten wie Alzheimer oder Schlaganfall, die laut Studie bei einsamen Menschen häufiger auftreten.

Einsame werden durch Stress eher krank

Um den Zusammenhang von Zytokinproduktion, Stress und Einsamkeit noch genauer zu untersuchen, führten die Wissenschaftler mit den Probanden einen weiteren Test durch. Den Männern und Frauen wurde nochmals Blut abgenommen und der Zytokinwert bestimmt. Danach mussten die Probanden sich einer stressigen Situation aussetzen, beispielsweise eine kurze Rede vor Zuhörern halten und eine mathematische Aufgabe lösen. Danach wurden erneut die Blutwerte gemessen. Es stellte sich heraus, dass bei allen vermehrt Zytokine produziert worden waren – bei den Einsamen jedoch erheblich mehr. Die Forscher folgern daraus, dass einsame Menschen empfindlicher gegenüber Stress reagieren – mit allen psychischen und körperlichen Folgen.

Allerdings sollten diese Ergebnisse nicht nur von der negativen Seite gesehen werden, warnen die Wissenschaftler. Lisa Jaremka, Autorin der Studie, sagt: „Beachten Sie bitte auch die Kehrseite unserer Erkenntnisse, nämlich dass Menschen, die sich sozial gut eingebunden fühlen, gesundheitlich profitieren.“

Autor: Monia Preuk / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 24. Januar 2013
Quellen: Pressemitteilung der Ohio State University

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