Hormontherapie

Hormonstörung kann den Kinderwunsch behindern

Eine Hormonstörung vereitelt oft die Empfängnis. Künstliche Hormone können ausgleichen und das Reifen mehrerer Eizellen anregen. Vorsicht: Vierlingsgefahr!

Es trifft mehr als gedacht: Bis zu einem Viertel aller Paare versuchen zunächst vergebens, Eltern zu werden. Eine häufige Ursache dafür ist eine  Hormonstörung bei der Frau. Wenn ein Paar mit seinem Problem zum Gynäkologen geht, ist daher einer seiner ersten Schritte, die Hormonwerte zu analysieren. Diese Botenstoffe des Körpers sorgen nämlich dafür, dass der weibliche Monatszyklus regelmäßig abläuft. Nur wenn das der Fall ist, klappt es auch mit dem Schwanger werden.

Dabei müssen verschiedene Hormone ineinandergreifen. Ist das feine Zusammenspiel gestört, beeinträchtigt dies die Fruchtbarkeit der Frau. Die Hormonstörung kann zum Beispiel von einer Fehlfunktion der Schilddrüse rühren, von einer Überproduktion des Hormons  Prolaktins (Hyperprolaktinämie), das den Eisprung unterdrückt oder von zu vielen männlichen Hormonen (Hyperandrogenämie). Abhängig von der jeweiligen Ursache der Störung verordnen Mediziner Medikamente, um das Ungleichgewicht der Hormone zu korrigieren. Bei starkem Übergewicht und daraus folgender Hyperandrogenämie kann die Frau ihren Hormonhaushalt oft ohne Arzneimittel normalisieren, indem sie abnimmt.

Die Reifung der Eizellen kann stimuliert werden

Ein äußeres Anzeichen für eine Hormonstörung ist eine unregelmäßige Menstruation. Sie deutet darauf hin, dass etwas mit den Eierstöcken nimmt stimmt. Genaues kann ein Arzt aber erst nach einer Blutuntersuchung sagen. Da jede Blutprobe nur eine Momentaufnahme ist, sind mehrere zeitlich versetzte Blutabnahmen nötig, um die Hormonwerte zu bestimmen. Dabei untersucht ein Labor den FSH-Spiegel (follikelstimulierendes Hormon), um zu klären, ob die Eierstöcke die Fähigkeit zur Follikelreifung besitzen. Nähern sich die Wechseljahre, nimmt die Zahl der Follikel im Eierstock ab und die FSH-Konzentration im Blut der Frau zu. Hormone als Kinderwunschbehandlung machen dann keinen Sinn. Können aber noch Eizellen heranreifen, werden Hormone häufig als Stimulation eingesetzt – auch als Bestandteil anderer Sterilitätstherapien. Sie regen dann die Eierstöcke an, mehrere Eibläschen gleichzeitig reifen zu lassen. So erhöhen sich die Aussichten, mehrere befruchtungsfähige Eizellen zu gewinnen.

Mehrlinge sind keine Seltenheit

Eine Stimulation als Behandlung bei Hormonstörung zeigt häufig Erfolg. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung steigert sie die Geburtenrate pro Behandlungszyklus um 5 bis 10 %. Jedoch bestehen auch Risiken. So kann es zu einem Überstimulationssyndrom kommen, bei dem sich die Eierstöcke vergrößern, zu viele und zu große Eibläschen entstehen, oder die Eibläschen zu viele Hormone herstellen. Manche Frauen spüren ein Überstimulationssyndrom durch leichte Bauchschmerzen und Übelkeit, andere durch Spannungsgefühle im Bauch und Atemnot, im Extremfall kann eine lebensbedrohliche Situation entstehen, so dass die Frau in einem Krankenhaus behandelt werden muss. Weiter bergen Hormongaben eine erhöhte Gefahr für Schwangerschaften mit Drillingen, Vierlingen oder noch mehr Babys, die die Gesundheit von Mutter und Kindern gefährden können. Bei einer starken Überstimulation raten Mediziner daher dringend von Geschlechtsverkehr ab. Grundsätzlich muss der behandelnde Arzt eine Hormonstimulation gut überwachen und die Effekte per Ultraschall kontrollieren. Die Kosten der Behandlung übernehmen die Krankenkassen, ebenso wie für nötige Medikamente zur Korrektur der Hormonstörung.

Männer haben seltener eine Hormonstörung

Auch bei Männern kann eine Hormonstörung die Fruchtbarkeit verringern – jedoch seltener als bei Frauen. Besteht aber der Verdacht kann ein Urologe oder Androloge untersuchen, ob die Aktivität in Hirn oder Hoden beeinträchtigt ist. Dazu misst er die Konzentration verschiedener Hormone im Blut. Werden die Hoden durch das Gehirn ungenügend stimuliert, kann eine Behandlung mit Hormonen Abhilfe schaffen.

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Letzte Aktualisierung: 17. Dezember 2007
Quellen: Nach Informationen von Mariel Croon: Schwanger werden, Trias-Verlag 2005, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: sexualaufklaerung.de und schwanger-info.de

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