Rückenschmerzen durch schweres Gepäck

Wie schwer darf ein Schulranzen sein?

Zehn Prozent des Körpergewichts: Dieser Richtwert galt lange für Rucksäcke und Schulranzen - dabei stammt die Empfehlung aus Vorkriegszeiten. Am Tag der Rückengesundheit informiert Lifeline, was einen rückengesunden Ranzen ausmacht.

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Wie schwer ein Rucksack sein darf, unterscheidet sich von Kind zu Kind. Wichtig ist vor allem, dass der Ranzen gut sitzt.
Getty Images/iStockphoto

Zehn Prozent war gestern: Schulrucksäcke und -ranzen für Kinder dürfen ruhig ein bisschen schwerer sein. Das meldet die Aktion Gesunder Rücken (AGR). Überflüssiges Gewicht sollte aber trotzdem aus dem Tornister fliegen, um dem heranwachsenden Rücken nicht zu viel zuzumuten.

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Die früheren Empfehlungen fürs Tragegewicht seien völlig veraltet und beruhten auf einer wissenschaftlichen Fehlinterpretation, weiß Dieter Breithecker, Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung: "Die Empfehlung von zehn Prozent stammt aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Sie bezog sich darauf, wie schwer der Tornister eines Rekruten sein durfte, damit bei Langzeitbelastungen keine muskulären Ermüdungen auftraten."

Wie viel ein Kind tragen kann, ist sehr individuell

Mit Langzeitbelastung waren aber Märsche ab 20 Kilometern gemeint. Heutzutage haben Schulkinder nicht annähernd so einen langen Schulweg, weshalb diese Regel gar nicht mehr auf sie passt. "Diesen Wert auf Ranzen und Schulkinder anzuwenden, ist völlig unrealistisch", sagt Breithecker.

Das bestätigt eine Studie der Saarland-Universität. Sie kam vor allem zu dem Ergebnis, Kinder in Sachen Tragebelastung nicht über einen Kamm zu scheren. So gibt es Kinder, die sich erst dann anstrengen, wenn der Ranzen ein Drittel des Körpergewichts wiegt. Schwächere Kinder weisen dagegen tatsächlich schon bei zwölf Prozent Tragegewicht Anzeichen einer Überbelastung auf.

Rückengesunder Schulranzen: Darauf kommt es an

Selbst wenn der Ranzen nach aktuellen Erkenntnissen etwas schwerer sein darf, sollten Eltern und Kinder trotzdem darauf achten, unnötiges Gewicht im Schulranzen zu vermeiden. Für den Kauf sei wichtig, dass der leichteste Ranzen nicht automatisch der Beste sei, sagt Detlef Detjen vom AGR-Vorstand.

Wichtige Voraussetzungen, die ein Schulrucksack erfüllen sollte, sind zum Beispiel ein ergonomisch geformtes Rückenteil und gut gepolsterte Tragegurte, die mindestens vier Zentimeter breit und verstellbar sein sollten. Schwere Inhalte wie Bücher sollten die Kinder in körpernahen Fächern verstauen, um die Belastung für den Rücken gering zu halten.

Weitere wichtige Tipps für einen rückenfreundlichen Schulranzen finden Sie hier.

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Letzte Aktualisierung: 27. August 2014
Quellen: Mitteilung der Aktion Gesunder Rücken

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