Tipps fürs Aufpäppeln, Überwintern und Auswildern

Igel gefunden – und jetzt?

Igel gefunden: Was jetzt?
Igel sind possierliche Tiere und vor allem bei Kindern beliebt. Allerdings können sie auch Krankheiten übertragen. Deshalb ist bei der Igelpflege Vorsicht geboten.
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In Gärten und Parks türmen sich die Blätter. Ein Versteck, das Igeln sehr gelegen kommt. Doch wenn nach einigen Tagen der Laubhaufen wieder abtransportiert wird, ist der Igel seines Winterquartiers beraubt und sucht nach neuem Unterschlupf. Wie handelt der Tierfreund richtig, wenn er einen Igel findet? Und ist das für den Menschen ungefährlich?

Nicht jeder Igel muss gerettet werden. Oftmals werden Sie nur kurzfristig aus ihren Überwinterungsplätzen von den Menschen vertrieben, kehren dann aber wieder zurück, wenn der Laubsauger wieder weitergezogen ist. Wer allerdings auf Jungtiere ohne Eltern, verletzte oder offensichtlich kranke und schwache Igel stößt, sollte dem unter Naturschutz stehenden Wildtier durchaus helfen.

Parasiten: Gefahr für Igel und Mensch

Igel sind häufig von Flöhen und Zecken befallen. Diese schwächen das Tier und müssen deshalb entfernt werden. Da es sich beim Igel um ein empfindliches Wildtier handelt, sind Anti-Floh-Sprays für Hunde und Katzen nicht geeignet. Sie können den Igel zusätzlich schädigen. Für Igel gibt es spezielle Produkte, die Sie beim Tierarzt oder Zoofachmarkt erhalten können.

Bei Igeln sind außerdem Darm- und Lungenwürmer weit verbreitet. Eine Kotuntersuchung beim Tierarzt gibt genauen Aufschluss, eine gezielte Entwurmung erfolgt.

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Psst... nicht wecken. Der Winterschlaf von Igeln beginnt im Oktober und kann bis in den April dauern.
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Auch der Igel kann sich eine Erkältung holen. Hat er Husten, muss ihm ein Antibiotikum verabreicht werden.

Vorsicht vor Zoonosen, denn bestimmte Parasiten und Infektionen können sich auf den Menschen übertragen. So ist nicht nur wegen des stachligen Rückens das Tragen von Gartenhandschuhen empfehlenswert, wenn man einen Igel anfasst.

"Mama, ich hab einen Igel gefunden"

Besonders die Kleinen sind oft große Tierfreunde. Beim Rumtollen in Laubhaufen stöbern sie die Igel auf, die dann bei Tageslicht orientierungslos nach Schutz suchen. Darum sollten schon kleine Igelretter wissen, was zu tun ist:

  • Fundort, Datum und Zeit notieren:
    der Igel soll später wieder an seinen Auffindungsort gebracht werden, damit er sich zurechtfinden kann.

  • Zustand des Igels dokumentieren:
    Gewicht und eventuelle Verletzungen, falls der Igel später doch zum Tierarzt muss.

  • Herr oder Frau Igel?
    Die Geschlechtsbestimmung ist wichtig, denn Weibchen könnten noch ihre Jungen säugen, die dann ohne die Mutter verhungern. Entrollt sich der Igel freiwillig, kann er in Seitenlage einfach untersucht werden. Die Geschlechtsmerkmale sind leicht zu erkennen: Männchen haben kurz vor dem Igel-Po einen mittigen Hautknopf und Weibchen an eben dieser Stelle eine Scheide.

Erste Hilfe für den Igel

Wird der Igel aus seinem warmen Versteck vertrieben, kühlt er rasch aus. Fühlt sich sein Bauch kälter an als die eigene Hand, so muss er erwärmt werden. Eine lauwarme Wärmflasche oder ein erwärmtes Kirschkernkissen leisten dann gute Dienste - nicht zu heiß, um den Igel nicht zu verletzen.

Der Igel kann einfach auf die wärmende Fläche gesetzt und mit einem Handtuch zugedeckt werden. Um wieder zu Kräften zu kommen, braucht der Igel Futter und Wasser. Ist das Tier zu schwach zum Fressen sollte es unbedingt zum Tierarzt gebracht werden. Dies gilt besonders dann, wenn der Igel verletzt ist. Häufig werden sie beim Queren von Straßen angefahren oder von Hunden aufgestöbert und dabei verletzt.

Wie sieht das Igel-Krankenhaus aus?

Igel sind Einzelgänger. Deshalb dürfen sie nur in einzelnen Behausungen untergebracht werden. Eine ausbruchsichere Box aus geschliffenem Holz, mit einer Fläche von rund zwei Quadratmetern und einem unüberwindbaren Rand, sollte in einem normal beheizten Raum aufgestellt werden. Tageslicht ist erlaubt, der Igel schläft trotzdem.

Der Boden sollte mit Zeitungspapier ausgelegt werden, um die tägliche Reinigung zu erleichtern. Tierstreu ist eher ungeeignet. Ein einfacher Karton dient als Schlafbehausung. Dieser wird mit zerknüllten Zeitungen gefüllt, in die sich der Igel einkuschelt.

Was frisst ein Igel?

Igel ernähren sich von Insekten, Schnecken und anderen Kriechtieren. Eine Fütterung mit Obst oder Gemüse ist ungeeignet. Katzenfutter bietet eine gute Grundernährung. Ein Löffel Haferflocken oder Igel-Trockenfutter aus dem Zoofachmarkt ergänzt das Angebot. Muss der Igel erst einmal aufgepäppelt werden, sollte die Fütterung mit dem Tierarzt abgesprochen werden. 150 Gramm Futter reichen dem Igel, nicht mehr als in einen kleinen Napf passt.

Wie lange braucht der Igel Pflege?

Im Idealfall kann der Igel noch vor dem Winterschlaf wieder aussetzen werden. Gut genährt und gesundet wird er dann an seinen Fundort zurückgebracht, an dem er weiter Nahrung und Unterschlupf finden muss.

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Müde gähnt der kleine Igel: Ab und zu erwacht er aus dem Winterschlaf, um zu trinken und fressen.
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Ist er erst nach Einbruch der Kälteperiode genesen, so muss er überwintert werden. Dazu sollte seine Box in einer Garage oder im geschützten Außenbereich aufgestellt werden. Bei Temperaturen, die dauerhaft über 5°C liegen, erreicht der Igel keinen Winterschlafphase, sondern dämmert vor sich hin - das zehrt ihn aus. So sind Kellerräume zum Überwintern leider ungeeignet. Während des Winterschlafs, der sich bis in den April ziehen kann, wacht der Igel immer wieder auf. Er nutzt diese Momente zur Nahrungsaufnahme. Frisches Wasser und Futter sollten stets bereitstehen.

Igel spätestens nach dem Winterschlaf auswildern

Während des Winterschlafs hat der Igel dann fast die Hälfte seines Gewichts verloren. Vor dem Auswildern muss er wieder aufgefüttert werden. Ein kräftiger Igel sollte im Frühjahr bei milden Temperaturen an seinem Auffindungsort in den Abendstunden freigelassen werden. In der Dämmerung ist er geschützt und findet sich gut zurecht. Als kleine Starthilfe darf ihm noch etwas Futter ausgelegt werden.

Autor: / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 30. September 2014
Durch: sw
Quellen: Mit freundlicher Unterstützung der Redaktion "Ein Herz für Tiere" - www.herz-fuer-tiere.de
Medizinische Qualitätssicherung: Redaktion "Ein Herz für Tiere"

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