Bruxismus als Volkskrankheit

Zähneknirschen: Wer nachts knirscht, riskiert Folgen für den ganzen Körper

Knirscher reiben im Schlaf unbewusst die Zähne aufeinander. Dabei verschleißen nicht nur die Beißerchen vorzeitig. Auch der Rest des Körpers nimmt das Zähneknirschen übel. Am besten bekämpft man die Ursachen, doch auch eine Schiene schafft Abhilfe.

Mann schläft
Kopfschmerzen, Migräne, Verspannungen: Nächtliches Zähneknirschen kann krank machen.
Getty Images/BananaStock RF

Zähneknirschen (Bruximus) ist weit verbreitet: Nach Einschätzung der Deutschen Betriebskrankenkasse (Deutsche BKK) sollen bis zu 70 Prozent der Bevölkerung darunter leiden.

Zähneknirschen hat vielfältige Folgen

"Viele Knirscher unterschätzen die Folgen", weiß Hans-Joachim Scherenhorst, Team-Leiter Zahnärzte bei der Deutschen BKK. "Es ist wichtig, das Zähneknirschen ernst zu nehmen und möglichst schnell geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen." Denn die Auswirkungen der nächtlichen Kauattacken können tiefgreifend sein. Der ganze Körper leidet mit.

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Das Aufeinanderreiben der Zahnreihen zerstört nicht nur den Zahnschmelz und reibt die Kauflächen ab, es führt auch zu Zahnfleischentzündungen, lockeren Zähnen und einem schmerzenden Kiefergelenk.

Die nächtliche Überbeanspruchung des Kiefers hat auf Dauer sogar weitergehende Auswirkungen: Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel, Gesichtsschmerz, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme, Muskelverspannungen im Kopf-, Kiefer-, Nacken- und Rückenbereich und Ohrenschmerzen bis hin zum Tinnitus sind nur einige der auffälligsten Probleme, mit denen Knirscher täglich kämpfen. An sich sind das alles typische Stress-Symptome. Und genau in diesem Zusammenhang ist auch das Zähneknirschen zu sehen: Unbewusst arbeiten die Betroffenen ihre Probleme und die Anspannung des Tages damit ab.

Zähneknirschen verbunden mit Stimmungsschwankungen

Italienische Forscher haben zudem zeigen können, dass ein Zusammenhang zwischen krankhaftem Zähneknirschen und verstärkten Stimmungsschwankungen und manischen-depressiven Symptomen besteht. Die Probanden, welche randomisiert aus dem Patientengut der Universität Pisa ausgewählt wurden, füllten nach klinischer Untersuchung und Bestätigung der Diagnose einen standardisierten Fragebogen aus, der die Selbsteinschätzung der Patienten in den Bereichen Stimmung, Antrieb, Kognition und vegetative Funktionen erfragt (MOODS-SR). Bei den Patienten mit krankhaftem Zähneknirschen lagen überdurchschnittliche Stimmungsschwankungen deutlich häufiger vor als in der Kontrollgruppe (28,9% contra 8,9%). Es lässt sich dadurch jedoch keine Aussage darüber treffen, ob das Zähneknirschen Stimmungsschwankungen begünstigt oder umgekehrt, beziehungsweise ob es andere Faktoren sind, die beides fördern.

Ursachen für Zähneknirschen

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass wir bei Stress vermehrt mit den Zähnen knirschen. Auch Fehlkontakte im Zahnbereich, zum Beispiel zu hohe Füllungen, können Zähneknirschen fördern.

Wichtig ist, möglichst schnell den Ursachen auf die Spur zu kommen, bevor sich das Problem festsetzt. Niemand kann heute Stress komplett aus seinem Leben verbannen, jeder kann aber lernen, mit ihm umzugehen. Entspannungsmethoden wie Yoga, Tai-Chi oder Autogenes Training helfen dabei und lassen sich gezielt trainieren. Das Kursangebot in Sportvereinen und Volkshochschulen ist riesig.

Entspannungstechniken im Überblick

Checkliste: Anzeichen für Zähneknirschen

Einen möglichen Bruxismus kann man an folgenden Hinweisen erkennen: Schliff-Facetten und Abrieb, vor allem im Frontzahnbereich (Schloss-Schlüssel-Stellung), empfindliche freiliegende Zahnhälse und Zahnfleischschwund ohne entzündliche Komponente. Ein einziger Blick auf die eigenen Zähne genügt manchmal schon um herauszufinden, ob ein Verdacht auf Bruxismus besteht. Auch diese Checkliste hilft weiter:

  • Ist morgens Ihre Muskulatur verspannt?

  • Haben Sie morgens regelmäßig Kopfschmerzen?

  • Träumen Sie manchmal, dass Ihnen alle Zähne ausfallen?

  • Knirschen Sie tagsüber mit den Zähnen oder beißen diese aufeinander – zum Beispiel wenn Sie sich langweilen, stark konzentrieren oder wütend sind?

  • Hat Ihr Partner schon einmal bemerkt, dass Sie nachts mit den Zähnen knirschen?

Auf Nummer sicher geht man mit einem Besuch beim Zahnarzt. Liegt Bruxismus vor, prüft er, ob das Gebiss schon Schäden von der enormen Druckbelastung davongetragen hat, mit der die Kiefer die Zahnreihen aufeinanderreiben. Zum Schutz der Zähne wird eine Aufbiss-Schiene (oder Bissführungsschiene) aus Kunststoff, die nachts getragen wird, angefertigt. Diese deckt beim Tragen in der ersten Phase die Schliff-Facetten ab und führt in der zweiten Phase den Unterkiefer in eine optimale Bissposition. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten.

In extremen Fällen des Bruxismus kann es erforderlich sein, die Therapie durch psychotherapeutische Maßnahmen zur Stressbewältigung und weitere zahnärztliche Maßnahmen zur Stabilisierung des Bisses zu unterstützen. Mit der Kombination der beiden oben beschriebenen Wege lassen sich aber in der Mehrzahl der Fälle bereits hervorragende Ergebnisse erzielen.

Mit Bio-Feedback gegen Zähneknirschen

Eine neue Therapiemöglichkeit nennt sich Grindcare. Sie beruht auf der sogenannten Bio-Feedback-Technologie: Eine Elektrode, nachts an die Schläfe des Knirschers geklebt, erkennt die Bewegungsmuster der Kiefermuskulatur,die das Zähneknirschen verursachen. Die Elektrode kommuniziert drahtlos mit einem kleinen Aufzeichnungsgerät, das auf dem Nachttisch abgelegt wird. Registriert das Aufzeichnungsgerät das entsprechende Bewegungsmuster der Kiefermuskulatur, sendet die Elektrode einen sehr schwachen,nicht spürbaren elektrischen Impuls (Bio-Feedback). Dieser kleine Impuls sorgt einerseits für Entspannung in den Kiefermuskeln und gleichzeitig für das Erlernen eines Reflexes, der das Knirschen mindern soll.

Eine Studie zeigte, dass das Knirschen durch diese neue Methode nach einer Woche um 30 Prozent und nach weiteren zwei Wochen um gut 50 Prozent gemindert werden konnte. Die Patienten berichteten zudem von einem tiefen, erholsamen Schlaf.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Juli 2016
Durch:
Quellen: Gong Verlag; Manfredini, D et al.: Mood disorders in subjects with bruxing behaviour. J of Dentistry 2005; 33: 485-490

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