Wundstarrkrampf

Tetanus

Tetanus ist eine akute und lebensgefährliche Infektion, die durch Bakterien verursacht wird. Schon harmlose Kratzer können Wundstarrkrampf auslösen– der Erreger gelangt in den Organismus, sein Gift schädigt vor allem die Nervenbahnen. Es kommt zu Muskelkrämpfen, die lebenswichtige Funktionen wie Atmung und Kreislauf hemmen können. Woran erkennt man eine Tetanus-Infektion und wie kann man sich schützen?

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Bereits kleine Hautabschürfungen können eine Eintrittspforte für den Tetanus-Erreger sein. Eine Tetanusimpfung ist der sicherste Schutz vor der gefährlichen Infektionskrankheit.
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Tetanus ist eine akute bakterielle Infektionskrankheit, die weltweit auftritt. Übertragen wird sie durch das Gift der Tetanusbakterien (Clostridium tetani) – ein äußerst widerstandsfähiger Erreger, der auch in Deutschland weit verbreitet ist. In den vergangenen Jahren gab es bei uns weniger als zehn Erkrankungsfälle pro Jahr, vornehmlich bei älteren Erwachsenen. Vor 1970 waren es noch weit über hundert!

Im Jahr 2014 wurden der Weltgesundheitsorganisation weltweit rund 11.000 Fälle gemeldet, die realen Erkrankungszahlen dürften jedoch weit höher liegen. In zehn bis 20 Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung trotz Intensivtherapie tödlich.

Tetanusbakterien gibt es überall in der Umwelt

Das Gift von Tetanusbakterien verursacht die Krankheit beim Menschen. Diese Bakterien kommen praktisch überall in unserer Umgebung oder Umwelt vor. Hohe Konzentrationen befinden sich im Boden und in den Ausscheidungen von Tieren.

Die Infektion beim Menschen erfolgt über Wunden, durch Verletzungen, durch Hautabschürfungen, bereits bestehende offene Wunden, durch Tierbisse oder Fremdkörper wie Dornen, Nägel, Holzsplitter. Durch die verletzte Haut, unzureichende Wundversorgung und Hygiene gelangen die Sporen der Bakterien in die Wunde. Im Rahmen dieser Wundinfektion setzen die Bakterien Giftstoffe (Toxine) frei, die den Tetanus dann auslösen.

Durch eine Impfung der Bevölkerung sind Tetanus-Erkrankungen in den Industrieländern sehr selten geworden. In Entwicklungs- und Schwellenländern ist die Sterblichkeitsrate deutlich höher als in Industrieländern. Vor allem Neugeborene sind dort durch unzureichende Hygienemaßnahmen während und nach der Geburt gefährdet.

Tetanus-Ursachen: Erreger produziert Nervengift

Tetanus wird durch das Tetanusbakterium Clostridium tetani hervorgerufen. Es findet sich überall in der Umwelt, vor allem im Erdboden. Die Erreger sind sehr widerstandfähig, weil sie unter ungünstigen Lebensbedingungen spezielle Sporen bilden. Diese Sporen sind sehr resistent gegenüber Hitze oder Desinfektionsmitteln.

Durch äußere Verletzungen gelangen die Sporen oder der Erreger selbst in den Körper. Unter Luftabschluss werden die Bakterien aktiviert, vermehren sich und produzieren die Nervengifte Tetanospasmin und Tetanolysin.

Tetanospasmin verursacht die typischen Krampf-Symptome: Es wandert an Nerven entlang und gelangt bis ins Rückenmark und in den Hirnstamm. Im Zentralnervensystem beeinträchtigt das Gift die korrekte Übermittlung von Nervenimpulsen in den Nervenbahnen.

Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bei Tetanus nicht möglich.

Tetanus-Symptome: Wie erkennt man eine Infektion?

Erste Symptome einer Tetanus-Infektion treten in der Regel nach drei bis 21 Tagen auf, bei Neugeborenen zwischen dem dritten und zehnten Tag nach der Geburt.

Erste Anzeichen sind ein Spannungsgefühl an der Eintrittswunde, im Bauch- und Nackenbereich und Muskelkämpfe – zunächst im Gesicht.  Dadurch erstarrt das Gesicht zu einer Art Dauerlächeln, die Betroffenen können den Mund nicht mehr richtig öffnen (Mund- oder Kiefersperre).

Die Lähmungserscheinungen breiten sich vom Gesicht ausgehend auf den ganzen Körper aus. Die Muskelstarre oder der Rigor läuft vom Kopf und Nacken entlang der langen Rücken- und Bauchmuskeln. Diese Krämpfe können ein bis zwei Minuten andauern. Sie treten in der Regel in Minutenabständen auf und werden durch äußere Reize wie etwa starken Lichteinfall  ausgelöst.

Vier Formen des Wundstarrkrampfes

Es gibt vier verschiedene Formen des Wundstarrkrampfs, die sich in der Schwere der Krankheit und den Symptomen unterscheiden.

Generalisierter Wundstarrkrampf

Diese Form kommt in Mitteleuropa am häufigsten vor. Durch das Tetanospasmin werden Muskelkrämpfe ausgelöst, die die gesamte Skelettmuskulatur betreffen (generalisiert). Die Krämpfe treten zunächst im Nackenbereich, im Gesicht und am Rücken auf. Als Folge kommt es zu einer sogenannten Kieferklemme (Trismus), das heißt, der Mund kann nicht mehr vollständig geöffnet werden. Außerdem treten Schluckbeschwerden auf. Im Gesicht entsteht eine verzerrte Mimik (Teufelsgrinsen). Der Rücken wird durch die Krämpfe bogenförmig nach hinten überstreckt. Die Betroffenen haben starke Schmerzen, jedoch kein oder nur leichtes Fieber.

Innerhalb der folgenden 24 Stunden bildet sich der Wundstarrkrampf vollständig aus. Ganze Muskelgruppen können sich dann plötzlich verkrampfen. Da auch die Muskulatur der Atemwege betroffen ist, kann es zu Atemnot, Sekretstau und einer Lungenentzündung kommen. Das Toxin beeinträchtigt auch das sogenannte autonome Nervensystem, welches wichtige Körperfunktionen wie beispielsweise die Herzfrequenz und den Blutdruck steuert. Als Folge treten ein beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Bluthochdruck (Hypertonie) und Schweißausbrüche auf. Ebenfalls kann es vorkommen, dass vermehrt Speichel und Bronchialsekret gebildet werden.

Lokaler Wundstarrkrampf

Bleiben die Symptome des Wundstarrkrampfs auf den Bereich des Körpers begrenzt, in dem sich die infizierte Wunde befindet, spricht man von einem lokalen Tetanus. Dieser kann sich jedoch zu einem generalisierten Tetanus weiterentwickeln.

Zephaler Wundstarrkrampf

Ein lokaler Wundstarrkrampf im Bereich des Kopfs wird zephaler Tetanus genannt. Er ist gekennzeichnet durch eine besonders kurze Inkubationszeit von ein bis zwei Tagen und zeigt als Symptome die Kieferklemme und das Teufelsgrinsen. Hinzu kommt eine Lähmung des Gesichtsnervs, die auf diejenige Gesichtshälfte beschränkt ist, in der sich die Wunde befindet.

Neonataler Wundstarrkrampf

Weltweit am häufigsten tritt eine Tetanus-Infektion nach der Entbindung auf und zwar fast ausschließlich in Ländern mit unzureichender medizinischer Versorgung und mangelnder Geburtshygiene und wenn die Mutter nicht ausreichend gegen Tetanus immunisiert ist. Dabei infizieren sich Neugeborene über die Nabelschnur oder den Nabel. Bei nfizierten Neugeborenen treten ebenfalls Muskelkrämpfe auf, sie wirken steif, können kaum schlucken oder saugen.

Tetanus: Diagnose erfolgt anhand der Symptome

Ein direkter Nachweis der Tetanus-Bakterien ist nur sehr schwer möglich. Die Diagnose von Wundstarrkrampf erfolgt deshalb anhand der typischen klinischen Symptome. Wenn ein Betroffener unter Muskelkrämpfen leidet und die letzte Tetanus-Impfung sehr lange zurückliegt, ist das Vorliegen einer Tetanus-Infektion sehr wahrscheinlich. Im Gegensatz dazu ist eine Erkrankung äußerst unwahrscheinlich, wenn die Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfung gegen Tetanus durchgeführt wurden.

Ergänzend kann die Diagnose durch einen Test bei Mäusen abgesichert werden. Die Tiere erhalten dazu eine Injektion mit dem Blutserum der betroffenen Person. Allerdings ist dieses Verfahren alleine nicht ausreichend verlässlich.

Zuverlässiger ist bei Tetanus ein Diagnostikverfahren namens Elektromyographie. Dabei werden die elektrischen Ströme in den Muskeln des Erkrankten gemessen und aufgezeichnet. Dies erlaubt eine Aussage darüber, ob seine Muskeln daueraktiv sind.

Tetanus-Therapie: Wie wird Wundstarrkrampf behandelt?

Zur Behandlung von Tetanus gelten drei Grundregeln: Ausschneiden der Wundränder, Neutralisierung des Gifts und unterstützende Maßnahmen gegen die Symptome.

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Das Auffinden der verletzten Körperstelle ist in der Mehrzahl der Fälle problemlos möglich. Damit die Bakterien keinen weiteren Giftstoff produzieren können, muss die Wunde gründlich gesäubert und desinfiziert werden, verletztes oder abgestorbenes Gewebe wird chirurgisch entfernt.

Neutralisieren des Gifts und Immunisierung des Tetanus-Betroffenen

Das Tetanospasmin kann mithilfe eines körpereigenen Wirkstoffs (hTIG = humanes Tetanus-Immunglobulin) neutralisiert werden, solange es noch nicht das Zentralnervensystem erreicht hat. Der Wirkstoff wird dem Betroffenen injiziert.

Darüber hinaus wird der Betroffene immunisiert, das heißt, er erhält eine Gabe von inaktivem Tetanospasmin, was mit einer Impfung vergleichbar ist. Die Immunisierung ist notwendig, da Menschen durch die Erkrankung keinen Schutz für die Zukunft aufbauen.

Um die Vermehrung der Bakterien an der Wundstelle zu unterbinden, erhalten Personen mit Wundstarrkrampf zusätzlich Antibiotika.

Behandlung der Symptome von Wundstarrkrampf

Die Krankheitssymptome werden durch eine Vielzahl von Maßnahmen bekämpft. Der Betroffene erhält mittels Infusion krampflösende Substanzen. Außerdem werden Wirkstoffe verabreicht, die die Auswirkungen der Giftstoffe in den Nervenzellen abmildern.

Aufgrund der Stärke der Krämpfe, der Vielzahl der Symptome und der Atemwegsproblematik ist es meist erforderlich, die Person über einen Schlauch künstlich zu beatmen. Oft ist auch ein Luftröhrenschnitt unvermeidlich. Hierzu wird dem Betroffenen ein Beruhigungsmittel verabreicht.

Zur Behandlung der erhöhten Herzfrequenz und des Bluthochdrucks werden ebenfalls Medikamente gegeben. Außerdem wird der Betroffene in einem abgedunkelten und schallgeschützten Raum untergebracht.

Verlauf: Künstliche Beatmung bis zu drei Wochen

Trotz der Intensivtherapie verlaufen zehn bis 20 Prozent aller Fälle von Wundstarrkrampf tödlich. In Gebieten mit unzureichenden Therapiemöglichkeiten ist die Sterblichkeit erheblich höher.

Die Behandlung von Wundstarrkrampf (Tetanus) ist nur mithilfe der Intensivtherapie erfolgreich. Etwa 50 Prozent der Erkrankten mit generalisiertem Tetanus müssen länger als drei Wochen beatmet werden. Im Verlauf der Behandlung kann Fieber auftreten.

Die Störungen bei der Übertragung der Nervenimpulse können in schweren Fällen zur Auflösung von Muskelgewebe und zu eingeschränkter Nierenfunktion führen. Die starken Krämpfe haben oft Knochenbrüche, vor allem an den Wirbelkörpern, zur Folge.

Abhängig von der Menge der in den Körper gelangten Bakterien und des von ihnen produzierten Tetanospasmins hält die Giftwirkung vier bis zwölf Wochen an. Anschließend klagen die Betroffenen oft noch über Schmerzen an der Wundstelle.

Tetanus vorbeugen: Impfung alle zehn Jahre ist ein Muss

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Alle zehn Jahre muss der Schutz gegen Tetanus aufgefrischt werden.
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Die Impfung gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) ist die sicherste und wirksamste Maßnahme, um einen Ausbruch der Krankheit zu vermeiden.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut empfiehlt diese bereits für Säuglinge ab dem zweiten Lebensmonat und weitere Impfungen gemäß Impfkalender. Erwachsene sollten ihre Immunisierung alle zehn Jahre auffrischen lassen, praktischerweise in Kombination mit der Impfung gegen Diphtherie.

Tetanus-Impfung alle zehn Jahre auffrischen

In Deutschland haben laut RKI rund 96 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung gegen Tetanus. Die Zahl derer, die mindestens in den vergangenen zehn Jahren eine Auffrischungsimpfung bekommen haben, ist in der jüngsten Vergangenheit gestiegen. Jedoch haben immer noch rund 28 Prozent der Bevölkerung in den zurückliegenden zehn Jahren keine Tetanusimpfung bekommen.

Der Impfschutz gegen Tetanus ist laut Stiko besonders wichtig für ältere Menschen mit Durchblutungsstörungen, Diabetiker und Personen mit offenen Hautarealen (Geschwür, Ekzem).

Die wichtigsten Impfungen

 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. September 2015
Durch:
Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Tetanus. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/104 (Stand 2014) Impfstatus von Erwachsenen in Deutschland (DEGS1) - Bundesgesundheitsblatt Mai/Juni 2013 WHO: Immunization Monitoring, Tetanus (total) reported cases, Stand Juli 2015 Epidemiologisches Bulletin Nr. 30 - Impfkalender des Robert-Koch-Instituts: http://www.rki.de (Stand: 25.07.2008) RKI-Ratgeber Informationskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: http://www.rki.de (Stand 2010) Hahn, H., Falke, D., Kaufmann, S., Ullmann, U.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin.

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