Mundsoor und Co.

Soor: Ein gutes Immunsystem ist die beste Prophylaxe

Der Begriff Soor umfasst mehrere Krankheiten, deren Auslöser Pilze sind. Oft steckt der weiße Hefepilz Candida albicans hinter der Infektion. Candida befällt die Haut und Schleimhäute, aber auch innere Organe wie den Magen und Darm. Die Ursache von Soor ist meist ein geschwächtes Immunsystem. Beläge, gerötete Haut und Juckreiz sind häufige Symptome. Mit Anti-Pilzmitteln lassen sich die unangenehmen Mitbewohner gut bekämpfen.

Frau beim Arzt
Candidose kommt zum Beispiel an der Mundschleimhaut vor und wird dann Mundsoor genannt.
(c) George Doyle

Soor ist eine Infektion mit Candida-Pilzen. Diese Erreger zählen zu den Hefepilzen. Ein anderer Begriff für Soor ist Candidose oder auch Kandidose. Candida-Pilze sind eigentlich normale Mitbewohner des Menschen, die keine Symptome verursachen, sofern sich ihre Zahl in Grenzen hält. Vermehren sie sich allerdings im Übermaß, lösen sie verschiedene Krankheiten und Beschwerden aus. Oft betrifft Soor die Haut und Schleimhäute (zum Beispiel Mundsoor), aber auch die Fingernägel oder der Magen-Darm-Trakt können befallen sein. Mediziner kennen mehrere Arten von Candida-Pilzen, die Beschwerden auslösen. In etwa 80 Prozent der Fälle steckt der weiße Hefepilz Candida albicans hinter Soor. Seltener kommt Candida glabrata vor.

Candidose-Symptome: So äußern sich Mundsoor und Co.

Die Symptome von Soor hängen davon ab, welchen Bereich des Körpers die Candida-Infektion betrifft. Die Candidose entwickelt sich meist auf der Haut, in Hautfalten, Mund und Rachen, der Speiseröhre, im Genitalbereich, am After und an den Finger- oder Fußnägeln. Aber auch innere Organe können die Hefepilze befallen, zum Beispiel den Magen und Darm. Je nach Ort der Pilzinfektion zeigen sich unterschiedliche Soor-Symptome.

Mundsoor: Candidose der Mundschleimhaut

Beim Mundsoor bilden sich auf der Mundschleimhaut weiß-gelbe, stäbchen- oder flächenförmige Beläge. Die Beläge lassen sich abkratzen. Darunter kommen kleine blutende Stellen zum Vorschein. Mundsoor entwickelt sich besonders oft bei Säuglingen, älteren Menschen, die keine Zähne mehr besitzen, und Personen mit geschwächtem Immunsystem.

Soor der Mundschleimhaut kann auch die Mundwinkel betreffen oder sich weiter in den Rachen ausbreiten. Wandert die Candida-Infektion über die Mandeln in die Speiseröhre, haben Patienten Probleme beim Schlucken.

Zunge: Was Belag und Farbe bedeuten

Candidose der Haut und Körperfalten

Häufig entsteht Soor an Stellen, an denen Haut auf Haut liegt. In diesen Körperfalten herrscht ein feuchtwarmes Klima, das die Vermehrung der Candida-Pilze begünstigt. Die Symptome äußern sich als großflächige, rote Herde an den betroffenen Haustellen. Am Rand können sie in Pusteln übergehen oder einreißen. Der Windelsoor bei Babys ist ein Beispiel für eine Candidose der Haut- und Körperfalten.

Candidose der Genitalien

Die Geschlechtsorgane sind ebenfalls Orte, an denen Candida-Pilze ideale Bedingungen für ihre Vermehrung vorfinden. Aufgrund des feuchten, warmen Milieus kann sich Soor sehr schnell entwickeln, etwa wenn die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die meisten Frauen kennen dieses Problem als Scheidenpilz. Zu den Symptomen, die sich bei einer Pilzinfektion der Genitalien entwickeln, gehört zunächst ein unangenehmer Juckreiz. Bei Frauen bildet sich zusätzlich ein weißlich-käsiger Ausfluss, während Männer Pusteln und rote Stellen an der Eichel entwickeln.

Candidose des Nagels

Die Candida-Pilze können auch Finger- oder Zehennägel befallen. Typische Anzeichen sind, dass sich die Nägel rötlich verfärben und verdicken. Oft schmerzen die Nägel aufgrund der Verdickung, zum Beispiel wenn Patienten mit Fußnagel-Candidose zu enges Schuhwerk tragen. Soor an den Fingernägeln kommt häufig bei Menschen vor, deren Hände oft feucht sind, etwa bei Friseuren oder Reinigungspersonal. Bei einer chronischen Candidose verfärbt sich der Fingernagel schwarz und wird brüchig.

Ursachen: Krankheiten erhöhen Risiko für Soor

Verschiedene Krankheiten, die das Immunsystem schwächen, aber auch hormonelle Veränderungen fördern die Entstehung von Soor. Zu den Soor-Ursachen und Risikofaktoren gehören beispielsweise:

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Krebs
  • Krebsbehandlungen wie Strahlen- oder Chemotherapie
  • geschwächtes Immunsystem
  • Einnahme von Antibiotika oder Kortison
  • Unter- und Mangelernährung
  • Schwangerschaft

Soor überträgt sich durch Kontakt mit Menschen oder durch Gegenstände, die mit Candida infiziert sind. Die Pilze können außerdem direkt ins Blut gelangen, zum Beispiel über infizierte Venenkatheter oder verunreinigte Spritzen.

Diagnose: Vorhandensein von Candida-Pilzen deutet auf Soor hin

Der richtige Ansprechpartner für die Diagnose von Soor ist ein Hautarzt (Dermatologe) beziehungsweise ein Frauenarzt (Gynäkologe) oder Urologe, wenn die Candidose die Geschlechtsorange befallen hat. Der Arzt begutachtet zunächst die Körperregion, an der die Pilzinfektion auftritt. Ein erfahrener Arzt kann Soor oft schon mit einem Blick erkennen. Um die Diagnose zu erhärten, macht er einen Abstrich und gewinnt mit einem Tupfer Hautzellen aus der befallenen Körperregion. Im Labor wird das Zellmaterial innerhalb von 24 bis 48 Stunden vermehrt, analysiert und der Erreger festgestellt. Sind in der Zellprobe Candida-Pilze nachweisbar, steht die Soor-Diagnose in der Regel fest.

Weitere Untersuchungen folgen, wenn Ärzte Krankheiten als Ursache für die übermäßige Vermehrung der Candida-Pilze vermuten. Es geht darum, der ursächlichen Erkrankung auf die Spur zu kommen.

Anti-Pilz-Mittel bekämpfen Candidose

In der Soor-Therapie setzen Ärzte Mittel ein, welche die Pilze abtöten, sogenannte Antimykotika. Die Anti-Pilz-Mittel werden lokal als Salbe oder Paste auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Für schwere Candida-Infektionen gibt es die Antimykotika auch in Tablettenform. Sie wirken dann im gesamten Körper, was Ärzte als systemische Behandlung bezeichnen.

Bei manchen Menschen sind bestehende Krankheiten, etwa Diabetes oder Krebs, die Ursache der Candida-Infektion. Sie schwächen das Immunsystem und die Pilzinfektion kann sich ausbreiten. In diesem Fall besteht die Therapie der Candidose aus der Behandlung der jeweiligen Grunderkrankung, um so schließlich auch die Hefepilze einzudämmen.

Soor kann chronisch werden

Soor verläuft in der Regel harmlos und lässt sich gut mit Anti-Pilz-Mitteln, den Antimykotika, behandeln. In einigen Fällen kann sich aber eine chronischen Pilzinfektion entwickeln. Das gilt vor allem, wenn die mit Candida infizierten Stellen immer wieder einem feuchtwarmen Klima ausgesetzt sind.

Sehr selten gelangen die Candida-Pilze in den Blutkreislauf und rufen eine Candidose der inneren Organe und Gewebe hervor. Ein Risiko tragen vor allem Menschen, die über längere Zeit einen Venenkatheter tragen, oder Personen, die Drogen über Spritzen konsumieren. Diese Gegenstände können mit Candida verunreinigt sein. Bei einem schweren Soor-Verlauf entwickelt sich eine Blutvergiftung und es kommt zum Organversagen. Eine solche Komplikation müssen Ärzte immer schnell mit Medikamenten behandeln, die systemisch – also im ganzen Körper – wirken.

Soor vorbeugen – so schützen Sie sich vor Candida

Mit einem starken Immunsystem können sie der Entwicklung von Soor vorbeugen. Für Ihre Abwehrkräfte können Sie selbst viel tun! Eine gesunde Lebensweise etwa kann vor einer Candidose schützen. Wichtige Bausteine sind:

  • eine ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen (zum Beispiel Obst und Gemüse),

  • ausreichende körperlicher Aktivität (Ausdauersport wie Radfahren, Wandern oder Schwimmen),

  • ein geringer Alkoholkonsum,

  • der Verzicht aufs Rauchen. 

Soor ist durch den Kontakt mit Personen oder Gegenständen übertragbar (Schmierinfektion). Einer Candidose vorbeugen können Sie, indem Sie infizierte Hautstellen nicht mit den bloßen Fingern berühren. Sonst bleiben die Candida-Pilze haften und Sie übertragen diese schnell auf andere Körperbereiche, Gegenstände (etwa Handtücher) oder Personen, die mit Ihnen in Berührung kommen.

Schwangere, die an Soor erkrankt sind, können ihr Baby bei der Geburt mit Soor anstecken. Bei Neugeborenen können Sie einer Infektion vorbeugen, indem Sie in der Schwangerschaft regelmäßig überprüfen, ob Sie unter Soor leiden. Dann müssen Sie eventuell Gegenmaßnahmen ergreifen. Behandeln Sie die Candidose aber nicht auf eigene Faust, sondern besprechen Sie sich immer zuerst mit Ihrem Arzt!

Ernährungsregeln: So essen Sie sich gesund und fit

Autor:
Letzte Aktualisierung: 18. April 2017
Quellen: Leitlinien der Dt. Dermatologischen Gesellschaft, der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen: Candidose der Haut. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/005 Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft: Orale Candidose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/006 Moll, I., Jung, E. G.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang