Risiko für Herz, Gehirn und Gehör

Schlafapnoe: Nächtliche Atemaussetzer sind gefährlich

Eine Schlafapnoe ist gekennzeichnet durch wiederholte Atemaussetzer während des Schlafes. Männer sind doppelt so oft betroffen wie Frauen. Die Schlafapnoe ist ungesund, doch sie lässt sich mit einfachen Hilfsmitteln bekämpfen.

Paar schläft
Eine Schlafapnoe wird meist vom Partner bemerkt, dem das Schnarchen des Betroffenen und seine Atemaussetzer den Schlaf rauben.
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Wörtlich übersetzt heißt Schlafapnoe "schlafen ohne Luft". Eine Schlafapnoe liegt dann vor, wenn während des Schlafs Atempausen von mindestens zehn Sekunden auftreten und der Betroffene mehr als zehn Atempausen pro Schlafstunde hat.

Schlafapnoe-Patienten haben oft Übergewicht

Es wird geschätzt, dass bis zu zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung unter einer Schlafapnoe leiden – insbesondere Menschen über 40 Jahren. Zwei Prozent der Frauen und doppelt so viele Männer über vierzig sind betroffen. 80 Prozent der Menschen, bei denen eine Schlafapnoe festgestellt wird, haben zudem deutliches Übergewicht.

Schlafapnoe ist nicht harmlos. Je nachdem, wie stark sie ausgeprägt ist, kann sie gefährliche Folgen haben, wie etwa Bluthochdruck und Diabetes. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt. Eine aktuelle Studie  von Ärzten des Albany Medical Centers in New York mit etwa 13.000 Patienten hat gezeigt, dass eine ausgeprägte Schlafapnoe mit Hörminderung bis hin zu Taubheit einhergehen kann. Ursache könnte, so vermuten die Mediziner sein, dass bei den Atemaussetzern das Innenohr zu wenig durchblutet wird. Dadurch entsteht Schwerhörigkeit. Zusätzlich könnte das starke Schnarchen, das bei der Schlafapnoe meist auftritt, das Hörvermögen einschränken.  

Anzeichen des Schlafapnoe-Syndroms

Man unterscheidet zwei Formen der Schlafapnoe: Die seltenere zentrale Schlafapnoe und das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, um das es sich in 90 Prozent aller Fälle handelt. Menschen mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom sind tagsüber häufig müde, weil sie nachts nicht erholsam schlafen.

Bei der zentralen Schlafapnoe neigen die Betroffenen hingegen meistens nicht so stark zur Tagesschläfrigkeit und nachts schnarchen sie in der Regel auch nicht. Dagegen sind für sie in der Nacht periodische Beinbewegungen (Restless-Legs-Syndrom) typisch. Viele Betroffene nehmen die Anzeichen der Grunderkrankungen, die Auslöser der zentralen Schlafapnoe sind, eher wahr als die Schlafapnoe selbst.

Das deutlich häufigere obstruktive Schlafapnoe-Syndrom kann  mit einem ganzen Strauß an Symptomen und Folgeerscheinungen einher gehen.

Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom kann sich bemerkbar machen durch

In der Regel ist es der Partner, der auf das obstruktive Schlafapnoesyndrom aufmerksam wird, weil der Betroffene laut schnarcht oder nach den Atempausen hektisch einatmet (hyperventiliert).

Die unregelmäßige Atmung zieht einen Sauerstoffmangel und einen erhöhten Kohlendioxid-Gehalt im Blut nach sich. Dieses lässt sich anhand einer Blutuntersuchung nachweisen.

Was passiert bei Schlafapnoe und welche Risikofaktoren gibt es?

In 90 Prozent aller Fälle handelt es sich bei einer SchlafapnoeSchlafapnoeum das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Sie hat andere Ursachen als die seltenere zentrale Schlafapnoe. Im Schlaf erschlafft bei jedem Menschen die Muskulatur im Nasen-Rachen-Raum. Bei dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom fällt dabei die Zunge nach hinten, während gleichzeitig der Muskelschlauch des Rachenraums erschlafft ist.

Als Folge entsteht dort ein Engpass, der die Atmung erschwert oder gar kurzzeitig stoppt. Das löst einen Sauerstoffmangel aus und der Kohlendioxidgehalt im Blut steigt an. Das Gehirn verlangt daraufhin, mehr zu atmen, um diesen Mangel zu kompensieren und löst eine Weckreaktion (Arousal) aus. Dadurch atmet der Betroffene nach der Atempause besonders tief ein oder macht schnelle Atemzüge (Hyperventilation). Die verengten Atemwege öffnen sich explosiv. Dieses ist als lauter Schnarchton hörbar.

Zentrale Schlafapnoe: Atemmuskulatur stoppt kurzzeitig

Die Atemmuskulatur und Atembewegung bleiben bei dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom dabei aktiv. Anders ist es bei der zentralen Schlafapnoe, die bei zehn Prozent der Betroffenen besteht. Hier setzen Atembewegungen im Bauch- und Brustraum zeitweise aus, weil die Atemmuskulatur nicht arbeitet. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Rezeptoren der Muskulatur sich nicht ausreichend stimulieren lassen. Somit kann der Bewegungsimpuls nicht durch Botenstoffe übertragen werden.

Bei einigen Betroffenen ist im Zusammenhang mit einer schweren chronischen Herzschwäche die sogenannte Cheyne-Stokes-Atmung zu beobachten. Typisch ist hier ein periodisches, spindelförmig verlaufendes Atemmuster. Die Atemtiefe nimmt dabei langsam ab und zu. Im Extremfall treten hierbei auch zentrale Apnoen auf.

Schlafapnoe als Folgeerkrankung

Manchmal ist eine Schlafapnoe (sekundäre aveoläre Hypoventilation) eine Folgeerscheinung anderer Erkrankungen wie chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen (COPD), neuromuskulären Erkrankungen oder Erkrankungen des Skeletts.

Eine Schlafapnoe wird begünstigt durch:

  • Übergewicht
  • Nasenpolypen , vergrößerte Gaumenmandeln oder eine Fehlstellung des Kiefers
  • mangelnde Schlafhygiene
  • Rückenlage im Schlaf
  • Genuss von Alkohol vor dem Schlafen
  • verschiedene Medikamente (wie Schlafmittel)

Verdacht auf Schlafapnoe: Schlafuntersuchung liefert wichtige Erkenntnisse

Zur Diagnose der Schlafapnoe wird der Arzt den Betroffenen zunächst nach seinen Beschwerden und seinen Schlafgewohnheiten befragen. Dabei erhält der Arzt wichtige Hinweise auf ein mögliches Schlafapnoe-Syndrom. Mehr Aufschluss können eine Blutuntersuchung sowie weitere klinische Tests geben. Es ist ratsam, beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Zahnarzt abzuklären, ob beispielsweise Nasenpolypen, vergrößerte Gaumenmandeln oder eine Fehlstellung des Kiefers die Atmung zusätzlich beeinträchtigen.

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Ein genaues Ergebnis liefert eine Schlafuntersuchung. Dabei werden während des Schlafs unter anderem der Atemfluss, die Atemfrequenz, die Schnarchintervalle, die Pulsfrequenz, der Sauerstoffgehalt des Bluts, die Atemgeräusche, Atembewegungen im Brustkorb, die Hirnstromkurve (EEG) und das Elektrokardiogramm (EKG) beobachtet. Die Untersuchungen lassen sich ambulant oder im Schlaflabor durchführen. Ein Ergebnis ist dabei die Anzahl der Schlafpausen pro Stunde, der sogenannte Schlafapnoe-Index.

Der Index wird demnach aufgeschlüsselt:

  • Fünf bis fünfzehn Ereignisse pro Stunde gelten als mild
  • 15 bis 30 sind moderat
  • mehr als 30 sind schwer.

Nach dem Index richtet sich dann die Behandlung der Schlafapnoe.

Gesichtsmaske oder Gebissschiene: Behandlung der Schlafapnoe

Zur Therapie der Schlafapnoe wird der Arzt zunächst empfehlen, alle Faktoren, die ein Schlafapnoe-Syndrom begünstigen, zu vermeiden. So hat sich herausgestellt, dass bei Übergewichtigen eine Gewichtsabnahme von 20 Prozent den Apnoe-Index um die Hälfte senken kann. Der Arzt wird dem Betroffenen zu regelmäßigen Schlafenszeiten und zur Seitenlage im Schlaf raten. Vor dem Schlafen auf schwere Mahlzeiten und Alkohol zu verzichten, ist ebenfalls empfehlenswert.

Manchmal tritt nach diesen Maßnahmen schon eine Besserung ein. Falls dieses nicht der Fall ist, kann ein Atemtherapiegerät (Nasen- oder Vollgesichtsmaske) eingesetzt werden, um die nächtliche Atmung durch einen Druckausgleich zu regulieren. Diese Therapie hat bei 90 Prozent der Behandelten Erfolg.

Ein weiteres Hilfsmittel sind spezielle Gebissschienen. Sie verhindern, dass während des Schlafs der Unterkiefer nach hinten sinkt.

Wenn die Atmung beispielsweise durch Nasenpolypen, vergrößerte Gaumenmandeln oder eine Fehlstellung des Kiefers beeinträchtigt ist, ist es möglicherweise empfehlenswert, diese zu operieren.

Ziel der Behandlung ist es, nachts eine ungehinderte Atmung und einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen.

Unbehandelte Schlafapnoe verkürzt das Leben

Unbehandelt kann eine Schlafapnoe schlimme Folgen haben. Der nächtliche Sauerstoffmangel kann zu einer Rechtsherzvergrößerung führen und damit eine Rechtsherzschwäche (Cur pulmonale) nach sich ziehen.

40 Prozent der Betroffenen, die im Schlaf mehr als 20 Schlafpausen pro Stunde von jeweils mindestens zehn Sekunden haben, sterben statistisch gesehen nach acht Jahren. Menschen mit Schlafapnoe haben ein erhöhtes Unfallrisiko (infolge des Sekundenschlafs) und sind außerdem herzinfarkt- und schlaganfallgefährdet.

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Eine Atemmaske zu tragen, kann bei einem Schlafapnoe-Syndrom lebensrettend sein. Mit ihr haben die Betroffenen keine höhere Sterblichkeitsrate als ihre Altersgenossen ohne Schlafapnoe-Syndrom.

Vorbeugen hilft oft, aber nicht immer

Auf sein Gewicht zu achten und regelmäßige Schlafenszeiten einzuhalten, sind gute vorbeugende Maßnahmen in Bezug auf eine Schlafapnoe. Auch auf der Seite zu schlafen kann hilfreich sein. Außerdem ist es ratsam, Alkohol und üppige Mahlzeiten vor dem Schlafengehen zu vermeiden. Verschiedene Medikamente (wie Schlafmittel) können eine Schlafapnoe begünstigen und sollten daher nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Trotz dieser vorbeugenden Maßnahmen ist es möglich, dass eine Schlafapnoe auftritt. Dann ist es ratsam, diese beim Arzt abklären zu lassen.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. Februar 2017
Durch: Monika Preuk
Quellen: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Schnarchen: Obstruktive Schlafapnoe (OSA) und obstruktives Schnarchen. AWMF-Leitlinien-Register Steinbeck, G., Paumgartner, G., u.a.: Therapie innerer Krankheiten. Springer

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