Betroffene hören meist Stimmen

Schizophrenie: Halluzinationen als wichtiges Symptom

Die Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die sehr vielfältig in Erscheinung treten kann. Sie betrifft weltweit beide Geschlechter mit gleicher Häufigkeit und tritt bevorzugt im jungen Erwachsenenalter auf.

Frau hat Verfolgungswahn
Halluzinationen und Wahnvorstellungen machen Schizophrenen zu schaffen.
iStock

Bei der Schizophrenie handelt es sich um eine Gruppe verschiedener Erkrankungen des Geistes. Sie haben alle gemeinsam, dass wesentliche Bereich der Psyche voneinander getrennt werden, die normalerweise zusammenarbeiten (griech. s'chizein: "abspalten" und griech. phrēn: "Geist, Seele"). Das Ergebnis sind Störungen in bestimmten Bereichen der Psyche:

  • Wahrnehmung (Sensorik)
  • Denken
  • Grenzen zwischen dem eigenen Ich und der Umwelt (Ich-Umwelt-Grenzen)
  • Gefühlswelt (Affekt)
  • Bewegung (Psychomotorik)

Schizophrenie geht mit verzerrter Wahrnehmung der Wirklichkeit einher

Schizophrene leiden häufig unter einer stark verzerrten Wahrnehmung und Bewertung der Wirklichkeit. In schweren Fällen vermag die erkrankte Person nicht mehr zwischen einer inneren Wirklichkeit und der äußeren zu unterscheiden. Trotzdem erhöht sich dadurch nicht das Risiko für ein gewalttätiges Verhalten. Stattdessen besteht bei Betroffenen wesentlich häufiger die Gefahr einer Selbstverletzung. Dementsprechend liegt die Suizidrate bei Schizophrenie deutlich höher als in der restlichen Bevölkerung.

Schizophrenien kommen weltweit vor. Die Häufigkeit ist über alle Länder und Kulturen hinweg vergleichbar und liegt bei ungefähr einem Prozent. Auch zwischen Männern und Frauen gibt es keinen Unterschied bei der Häufigkeit. Nahezu alle Schizophrenien treten erstmals im jungen Erwachsenenalter auf, der Großteil bereits vor dem 30. Lebensjahr.

Wenn die Erkrankung in der Familie gehäuft vorkommt, erhöht sich auch das Erkrankungsrisiko. Das Risiko nimmt mit dem Verwandtschaftsgrad zu und ist am höchsten, wenn die Geschwister oder die Eltern von einer Schizophrenie betroffen sind.

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Halluzinationen als wichtige Anzeichen der Schizophrenie

Die Schizophrenie bietet ein buntes Bild unterschiedlichster Symptome. Darin verbirgt sich jedoch kein Merkmal, das ausschließlich bei der Schizophrenie vorkommt. Deshalb haben sich in der Geschichte dieser Erkrankung mehrere Personen damit beschäftigt, die häufigsten Symptome übersichtlich zusammenzustellen. Das Ergebnis sind ein paar typische Störungen, die sich bei den meisten Betroffenen feststellen lassen:

  • Halluzinationen gehören zu den Wahrnehmungsstörungen. Bei der Schizophrenie tauchen sie meistens als Stimmenhören (akustische Halluzinationen) auf. Dabei gibt es verschiedene Arten von Stimmen, die das Handeln des Erkrankten kommentieren, mit ihm ein Gespräch führen oder Befehle erteilen. Abgesehen vom Gehör können auch alle anderen Sinne betroffen sein.

  • Formale Denkstörungen betreffen vor allem die Denkvorgänge und die Sprache. Die Gedanken sind ungeordnet und haben häufig keinen erkennbaren Zusammenhang (Zerfahrenheit). Im Gespräch werden beispielsweise Sätze plötzlich abgebrochen (Sperrung) oder Worte erfunden, die es nicht gibt (Neologismus).

  • Wahn ist ein Oberbegriff für bestimmte inhaltliche Denkstörungen. Der Wahn ist dadurch gekennzeichnet, dass der Betroffene von etwas absolut überzeugt ist, das unmöglich erscheint und sich nicht davon abbringen lässt. Typische Beispiele sind der Verfolgungswahn, der Vergiftungswahn und der Eifersuchtswahn. Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen ist der Wahn bei der Schizophrenie häufig noch bizarrer und lässt sich nicht nachfühlen. Der Wahn kann so weit gehen, dass die ganze Welt mit wahnhaften Gedanken erklärt wird (Wahnsystem).

  • Ich-Störungen beinhalten Symptome, bei denen die Grenzen zwischen dem eigenen Ich und der Umwelt verschwimmen. Dabei werden zum Beispiel der eigene Körper (Depersonalisation) oder die Umwelt (Derealisation) als fremd empfunden. In manchen Fällen fühlt sich der Betroffene wie eine Marionette, deren Bewegungen (Fremdbeeinflussung) und Gedanken (Gedankeneingebung) von außen gemacht werden. Die Ich-Störungen können in manchen Fällen so weit führen, dass es zu einer vollkommenen Abkapselung von der Wirklichkeit kommt (Autismus).

  • Affektive Störungen sind Veränderungen der Gefühlswelt. Es handelt sich um die häufigste Störung bei Schizophrenie. Meist ist der emotionale Kontakt zu anderen Menschen vermindert. Der Betroffene zeigt unpassende (Parathymie) oder wenige Emotionen (Affektarmut). 

  • Katatone Symptome gehören zu den Bewegungsstörungen, die von der Psyche ausgelöst werden (Psychomotorik). Sie können sich sowohl als extreme Erregung oder auch als starre Bewegungslosigkeit (Stupor) äußern. Außerdem kann es zu eigenartigen Bewegungsabläufen oder Haltungen kommen

Dieses Bild kann Schizophrenie enthüllen

Sat.1

Die verschiedenen Formen der Schizophrenie

Je nachdem, welche Störungen im Vordergrund stehen, lassen sich verschiedene Unterarten der Schizophrenie unterscheiden:

  • Paranoide Schizophrenie: Diese Form stellt die häufigste aller Schizophrenien dar. Sie ist durch Störungen der Wahrnehmung gekennzeichnet. Vor allem Wahnvorstellungen und akustische Halluzinationen spielen hierbei eine große Rolle. Das bevorzugte Erkrankungsalter liegt zwischen 30 und 40 Jahren.

  • Hebephrene Schizophrenie: Im Vordergrund stehen hierbei Störungen der Gefühlswelt, in erster Linie ein läppisches und gleichgültiges Verhalten. Diese Unterart findet sich am häufigsten im Jugendalter.

  • Katatone Schizophrenie: Bei dieser Art liegen überwiegend Störungen der Bewegung vor. Die meisten Betroffenen erkranken zwischen 15 und 25 Jahren. Eine lebensbedrohliche Komplikation ist die Verbindung der Starre mit Fieber (perniziöse Katatonie).

  • Undifferenzierte Schizophrenie: Hierbei steht keine der Störungen im Vordergrund. Es lässt sich keine Zuordnung zu den drei häufigsten Formen vornehmen.

In der Praxis unterteilen Ärzte die Störungen grob in Positivsymptome und Negativsymptome. Zu den Positivsymptomen gehören vor allem die Halluzinationen, die Denkstörungen, der Wahn, die Ich-Störungen und die Bewegungsstörungen. Sie haben alle gemeinsam, dass im Vergleich zum Normalzustand etwas dazukommt. Die emotionalen Störungen und der soziale Rückzug zählen zu den Negativsymptomen, da im Vergleich zum Normalzustand etwas verloren geht. Die negativen Symptome sprechen bei der Schizophrenie deutlich schlechter auf eine Therapie an als die positiven.

Mögliche Auslöser der Schizophrenie

Bei der Schizophrenie lassen sich keine körperlichen Ursachen nachweisen. Die Tatsache, dass die Erkrankung in manchen Familien gehäuft vorkommt, legt aber eine genetische Veranlagung nahe (polygene Vererbung). Darüber hinaus war die Kindheit der Betroffenen häufig von Problemen in der Familie geprägt, wie zum Beispiel Misshandlungen oder Vernachlässigung. Auf diese Weise wird die Psyche bereits früh vorgeschädigt.

Große Ereignisse im Leben sind häufig Auslöser der Schizophrenie

Die eigentlichen Auslöser sind jedoch oft einschneidende Lebensereignisse. Dazu zählen sowohl belastende als auch entlastende Momente:

  • Todesfälle
  • Trennungen/Verluste
  • Sexuelle Begegnungen
  • Krankheit
  • Prüfungen
  • Abschluss einer Ausbildung

Psychische Anfälligkeit ist Risikofaktor für Schizophrenie

Die gesamte Entstehung der Schizophrenie wird heutzutage im sogenannten Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell zusammengefasst. Nach diesem Modell besteht schon vor dem Ausbruch der Erkrankung eine psychische Anfälligkeit (Vulnerabilität). Dafür verantwortlich ist das Zusammenspiel aus der Erbanlage und der Entwicklung während der Kindheit.

Zeitlebens kommt es bei jedem Menschen ständig zu Veränderungen des eigenen Körpers oder der Umwelt (Stress). In der Regel weiß die Psyche sich mit geeigneten Bewältigungsstrategien zu helfen und wehrt den Stress ab (Coping). In manchen Fällen scheitert die Bewältigung allerdings und der Stress trifft direkt auf die Psyche. Je anfälliger die Psyche ist, desto höher ist das Risiko, dass es in solchen Momenten zum Ausbruch einer psychischen Erkrankung kommt.

So erkennt der Arzt eine Schizophrenie

Für die Diagnose der Schizophrenie gibt es keinen einzelnen Test. Stattdessen beurteilt der Arzt, ob, und wenn ja, wie viele typische Störungen vorliegen. Je mehr Störungen vorliegen, desto wahrscheinlicher ist die Diagnose.

Bei einer Schizophrenie darf die Diagnose nur gestellt werden, wenn sich andere Erkrankungen als Ursache ausschließen lassen. Dabei kommen alle Erkrankungen in Frage, die das Gehirn in seiner Funktion beeinträchtigen können (organische Psychosen):

Krankheiten können ähnliche Anzeichen wie eine Schizophrenie auslösen

  • Sturz oder Schlag
  • Entzündungen
  • Infektionen
  • Blutungen
  • Durchblutungsstörungen
  • Vergiftungen
  • Entzug
  • Stoffwechselkrankheiten
  • Demenz
  • Epilepsie
  • Tumoren

Schizophrenie von Depression abgrenzen

Die Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen, wie zum Beispiel der Depression, gelingt in der Regel dadurch, dass die typischen schizophrenen Symptome fehlen. Nachdem andere Ursachen erfolgreich ausgeschlossen wurden, stützt sich die Diagnose auf folgende Kriterien, wenn sie für mindestens einen Monat bestehen:

  • Ich-Störungen
  • Wahn
  • Anhaltender, kulturell unangemessener oder bizarrer Wahn
  • Akustische Halluzinationen
  • Anhaltende Halluzination anderer Sinne
  • Formale Denkstörungen
  • Katatonie
  • Negativsymptome, vor allem Gefühlsarmut

Die Diagnose lässt sich endgültig stellen, wenn eines der ersten vier oder zwei der letzten vier Kriterien vorliegen.

Behandlung der Schizophrenie je nach Schwere der Symptome

Bei der Behandlung der Schizophrenie kommen in erster Linie Medikamente zum Einsatz (Pharmakotherapie). Dabei stehen die typischen und atypischen Antipsychotika im Mittelpunkt. Beide gleichen Ungleichgewichte der Botenstoffe im Gehirn aus, wie sie bei der Schizophrenie vorliegen. Ihr Unterschied liegt im Nebenwirkungsprofil. Während die typischen Antipsychotika häufiger zu Bewegungsstörungen führen, kommt es unter der Einnahme der atypischen Antipsychotika eher zu Stoffwechsel- und Herzrhythmusstörungen. Wenn die Medikamente am Ende der Behandlung abgesetzt werden, bilden sich die Nebenwirkungen allerdings wieder zurück.

Gehirntraining in sieben Schritten

Wenn die Symptome der Schizophrenie zurückgegangen sind, wird die medikamentöse Behandlung noch für mehrere Monate fortgesetzt (Erhaltungstherapie). Dadurch lässt sich das Risiko für eine Rückkehr verringern. In hartnäckigen Fällen muss die Therapie zu diesem Zweck über mehrere Jahre fortgesetzt werden.

Die katatone Schizophrenie stellt einen Sonderfall der Therapie dar. Falls die Medikamente nicht ausreichend anschlagen, ist es empfehlenswert, möglichst frühzeitig eine Elektrokrampftherapie in Erwägung zu ziehen. Diese Technik wird in Vollnarkose durchgeführt und bringt vorübergehende Gedächtnisstörungen mit sich. Es entstehen jedoch keine dauerhaften Schäden.

Soziotherapie schließt sich an die Therapie der Schizophrenie an

Die Psychotherapie wird zur Unterstützung eingesetzt. Sie dient vor allem dazu, den Betroffenen über die Erkrankung aufzuklären und ihm Mut und Hoffnung zu machen. Ohne das Verständnis für die Erkrankung ist die Bereitschaft zur Mitarbeit häufig sehr gering. Das wichtigste Ziel der Soziotherapie ist es, dem Erkrankten ein weitestgehend unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Dabei geht es in erster Linie um die Wiedereingliederung in das private Umfeld, die eigene Wohnung und den Beruf. Zu diesem Zweck lassen sich die sozialen Fähigkeiten des Erkrankten trainieren. Der Großteil der Betroffenen benötigt nach der Entlassung aus der Klinik jedoch keine Soziotherapie.

Prognose bei Schizophrenie hat sich verbessert

In etwa der Hälfte der Fälle kündigt sich die Schizophrenie Monate bis Jahre vor der Erkrankung mit Symptomen anderer psychischer Erkrankungen an, wie zum Beispiel Angst, Depression, Manie, Zwang, Konzentrations- oder Schlafstörungen (Prodromalstadium).

Der erste Schub einer Schizophrenie entwickelt sich bei zwei von drei Betroffenen innerhalb kurzer Zeit. Ein Schub dauert in der Regel mehrere Wochen bis Monate. Danach bildet sich die Symptomatik für einen Zeitraum von Monaten bis Jahren vollkommen oder teilweise zurück. In dieser Phase können jedoch Depressionen oder Erschöpfungszustände auftreten.

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Durch die medikamentöse Behandlung hat sich die Prognose der Schizophrenie erheblich verbessert. Meistens bleibt es zwar nicht bei einem einzigen Schub, allerdings heilt die Erkrankung bei vier von zehn Menschen nach mehreren Schüben aus und kehrt nie wieder. Wenn die Schizophrenie einen dauerhaften Zustand erreicht, nehmen die Symptome zwar anfänglich noch zu, verschlechtern sich dann aber nicht weiter. Mit zunehmendem Alter wird die Erkrankung meist schwächer und milder. In den wenigsten Fällen bleibt die schizophrene Symptomatik ein Leben lang bestehen.

Schizophrenie lässt sich kaum vorbeugen

Die Ursachen der Schizophrenie sind noch nicht eindeutig geklärt. Daher ist eine gezielte Vorbeugung nicht möglich. Allerdings spielt ein intaktes soziales Umfeld eine große Rolle.

Die Schizophrenie betrifft überwiegend Menschen, die vorher schon anfällig für eine psychische Erkrankung sind. Das liegt zum Teil an einer genetischen Veranlagung, aber auch an den Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen. Bei Betroffenen, die während der Erkrankung viel Unterstützung von Freunden und der Familie erfahren, verbessern sich die Aussichten auf eine Heilung jedoch stark. Deshalb gehen Ärzte davon aus, dass Sie der Schizophrenie und anderen psychischen Erkrankungen vorbeugen können, wenn Sie ein funktionierendes soziales Netzwerk aufgebaut haben.

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Letzte Aktualisierung: 03. Februar 2017
Durch:
Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde: Schizophrenie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 038/009 (Stand: 11/2010) Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013 Bandelow, B., Gruber, O., Falkai, P.: Kurzlehrbuch Psychiatrie. Steinkopff, Heidelberg 2008

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