Wenn die Schilddrüse streikt

Schilddrüsenunterfunktion: Hilfe bei Hypothyreose

Als Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bezeichnet man eine Unterversorgung des Körpers mit den von der Schilddrüse gebildeten Hormonen Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Sie kann angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein.

Schilddrüsenvergrößerung
Produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone, liegt also eine Unterfunktion vor, wächst das Gewebe und es bildet sich unter Umständen ein sichtbarer Kropf.
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Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse weniger Hormone, als der Körper braucht. Diese Hormone, Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), sind jedoch wichtig für den Stoffwechsel. Sind zu wenig davon verfügbar, wird der Körper unterversorgt – die Stoffwechselvorgänge laufen langsamer ab als normal.

Angeborene oder erworbene Schilddrüsenunterfunktion

Manche Menschen kommen bereits mit einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) auf die Welt. Sie ist die häufigste angeborene Stoffwechselstörung in Deutschland und tritt bei etwa einem von 4.000 Neugeborenen auf. Etwa doppelt so viele neugeborene Mädchen wie Jungen leiden an einer Hypothyreose. Andere bekommen erst im Laufe ihres Lebens dieses Schilddrüsenproblem. Bei der erworbenen Form ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern noch größer: Frauen leiden etwa viermal so häufig darunter wie Männer.

Im Alter wird die Schilddrüsenunterfunktion häufiger

Insgesamt ist etwa ein Prozent der Bevölkerung von einer Schilddrüsenunterfunktion betroffen. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Es gibt jedoch einfache Therapien, die den Hormonmangel bei Schilddrüsenunterfunktion ausgleichen.

Diese Symptome verraten eine Schilddrüsenunterfunktion

Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion entwickeln sich häufig langsam über mehrere Jahre. Beschwerden, die auftreten können, sind beispielsweise Müdigkeit, Muskelschwäche, trockene Haut oder Verstopfung. Solche Anzeichen der Hypothyreose entstehen vor allem durch den aufgrund des Hormonmangels verlangsamten Stoffwechsel. Häufig entwickeln sich die Anzeichen über mehrere Jahre und verursachen erst spät spürbare Beschwerden. Deshalb wird eine Schilddrüsenunterfunktion oft erst spät bemerkt.

Schilddrüsenunterfunktion: Die wichtigsten Anzeichen

Zu den Symptomen der Schilddrüsenunterfunktion gehören:

  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit

  • Kälteempfindlichkeit

  • Muskelschwäche

  • Mangelnde Konzentrationsfähigkeit

  • erhöhtes Schlafbedürfnis

  • Verstopfung

  • trockene, schuppige Haut

  • geschwollene Augenlider und Hände

  • Heiserkeit

Auffällige Anzeichen bei Neugeborenen

Bei Neugeborenen mit einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion zeigen sich bereits früh Hinweise auf einen langsamen Stoffwechsel: Trinkfaulheit, Verstopfung, motorische Störungen und geringe Bewegung sind deutliche Anzeichen.

Hypothyreose: Welche Ursachen stecken dahinter?

Oft sind angeborene Veränderungen der Schilddrüse Grund für die Unterfunktion, manchmal äußere Faktoren, wie etwa Jodmangel oder Strahlen.

Bei der Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse weniger Hormone, als der Körper braucht. Die Schilddrüsenhormone sind jedoch wichtig für den Stoffwechsel. Sind zu wenig Hormone verfügbar, wird der Körper unterversorgt – die Stoffwechselvorgänge laufen nun langsamer ab als normalerweise. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Schilddrüsenunterfunktion: die primäre und die sekundäre.

Primäre und sekundäre Unterfunktion der Schilddrüse

Liegt die Ursache für die zu geringe Hormonproduktion in der Schilddrüse selbst, spricht man von einer primären Schilddrüsenunterfunktion. Dazu gehört die angeborene Störung. In etwa zwei Drittel der Fälle ist eine falsche Lage der Schilddrüse (Schilddrüsenektopie) die Ursache. Dadurch ist die Drüse in ihren Funktionen eingeschränkt. Häufig fehlt die Schilddrüse auch völlig (Schilddrüsenaplasie). Störungen im Schilddrüsenstoffwechsel sind ebenfalls ein häufiger Grund für eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion.

Wenn Krankheiten die Schilddrüse zerstören

Die Ursachen für eine erworbene primäre Schilddrüsenunterfunktion liegen oft in einem Gewebeverlust. Durch verschiedene Krankheiten wird Schilddrüsengewebe zerstört oder abgebaut. Die Schilddrüse ist dann nicht mehr in der Lage, eine ausreichende Menge Schilddrüsenhormone zu produzieren. Mögliche Ursachen sind:

  • Chronische Entzündungen der Schilddrüse (zum Beispiel durch Autoimmunerkrankungen)

  • Schilddrüsenoperationen, bei denen bereits Gewebe entfernt wurde

  • Radiojodtherapie

  • Überdosierung von produktionshemmenden Medikamenten wie Thyreostatika

Störungen in der Hirnanhangsdrüse und Jodmangel

Die Produktion der Schilddrüsenhormone wird von der Hirnanhangsdrüse gesteuert und reguliert. Treten hier Störungen auf, wird die Schilddrüse nicht mehr ausreichend angeregt, die benötigten Hormone zu produzieren. Als Ursachen für diese sekundäre Schilddrüsenunterfunktion kommen Tumoren oder häufige Bestrahlungen in Betracht.

Zu wenig über die Nahrung zugeführtes Jod ist ebenfalls eine mögliche Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion.

Laborwerte und Tests: Wie der Arzt eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert

Mit Bluttest, Ultraschall und Szintigraphie lässt sich eine Schilddrüsenunterfunktion feststellen. Hier lesen Sie, wie diese Untersuchungen der Schilddrüse funktionieren und was sie offenbaren. Zu den Standard-Untersuchungen bei Neugeborenen gehört die Bestimmung der Konzentration von Schilddrüsenhormonen im Blut. Dadurch lässt sich eine Schilddrüsenunterfunktion bereits frühzeitig erkennen und behandeln.

TSH-Wert gibt Aufschluss über Funktion der Schilddrüse

Auch bei Erwachsenen gehört die Bestimmung der Hormonwerte zur Diagnostik. Das Thyreoidea-Stimulierende Hormon (TSH) reguliert die Produktion der Schilddrüsenhormone. Der TSH-Wert zeigt außerdem die Funktionsfähigkeit der Hirnanhangsdrüse an. Ist dieser Wert erhöht, deutet das auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin.

Radioaktive Substanz für die Schilddrüsenszintigraphie

Weitere Diagnostik-Verfahren bei Hypothyreose sind die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Schilddrüse und die Schilddrüsenszintigraphie. Eine leicht radioaktive, jodhaltige Flüssigkeit wird dabei in die Vene injiziert. Speichert die Schilddrüse diese Flüssigkeit nur ungenügend, weist das auf eine Unterfunktion hin. Auf einem Szintigramm lässt sich die Verteilung der Flüssigkeit innerhalb der Schilddrüse erkennen.

Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion mit Hormonen

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist die einzige mögliche Therapie eine lebenslange Einnahme von Medikamenten. Die fehlenden Schilddrüsenhormone werden dem Körper dabei in Form von Tabletten zugeführt. Um die richtige Dosierung der Schilddrüsenhormone zu bestimmen, muss der Hormonspiegel regelmäßig von einem Arzt überprüft und die Dosis gegebenenfalls angepasst werden.

Schilddrüsenhormone zuerst in kleiner Dosis

Weil die Schilddrüsenhormone in Tablettenform den gesamten Stoffwechsel des Körpers verändern, ist es sinnvoll, die Therapie "einschleichend" zu beginnen. Das bedeutet: anfangs eine kleine Dosis, die sich über Wochen hinweg langsam steigert, bis der Hormonmangel völlig ausgeglichen ist. Damit werden anfängliche Nebenwirkungen wie Herzrasen und Schlafstörungen vermieden.

Morgens auf nüchternen Magen, eine halbe Stunde später frühstücken

Damit die Schilddrüsentabletten optimal wirken, müssen sie morgens auf nüchternen Magen mit etwas Wasser eingenommen werden. Eine halbe Stunde später sollten Sie frühstücken. Auf diese Weise schlägt die Therapie mit Schilddrüsenhormonen am besten an.

Verlauf, Risiken und Heilungsaussichten

Richtig behandelt, verläuft die Schilddrüsenunterfunktion in den meisten Fällen harmlos. Bei Neugeborenen ist eine frühzeitige Erkennung der Erkrankung wichtig, um Entwicklungsstörungen vorzubeugen.

Wird die Hypothyreose rechtzeitig erkannt und behandelt, ist die Lebensqualität nicht eingeschränkt. Vor allem die Früherkennungsmaßnahmen bei Neugeborenen sind dabei entscheidend, da eine nicht erkannte Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern zu Entwicklungsstörungen wie Kleinwuchs führen kann.

Außerdem können durch die Hypothyreose Übergewicht, ein Kropf, Herz-Kreislauf-Probleme, frühzeitig Arteriosklerose sowie Unfruchtbarkeit auftreten.

Unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann Myxödem auslösen

Eine seltene Komplikation ist das Myxödem, welches besonders durch die für die Schilddrüsenunterfunktion charakteristischen Hautveränderungen gekennzeichnet ist. Dabei schwillt die Unterhaut an. Auch die Zunge kann dick werden. Diese schwere Form der Schilddrüsenunterfunktion kann zum Koma führen. Besonders eine unzureichende Behandlung der Hypothyreose gilt als Risikofaktor für die Entstehung eines Myxödems.

Kann man einer Schilddrüsenunterfunktion vorbeugen?

Einer Hypothyreose können Sie entgegenwirken, indem Sie auf eine ausreichende Zufuhr an Jod über Ihre Ernährung achten. Besonders eignen sich dafür jodreiche Lebensmittel wie Seefisch und die Verwendung von jodhaltigem Salz.

Damit die Schilddrüse gut arbeiten kann und keine Unterfunktion droht, ist das Spurenelement Jod unersetzlich. Die Drüse baut es in die von ihr produzierten Hormone ein. Zur Vorbeugung gegen Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist deshalb eine jodreiche Ernährung wichtig.

Jodbedarf ändert sich mit Alter und Lebenssituation

Damit die Schilddrüse ausreichend versorgt ist, sind folgende Menge Jod nötig.

  • Säuglinge bis zu 80 Mikrogramm (µg) pro Tag

  • Schulkinder und Jugendliche bis zu 200 Mikrogramm

  • Erwachsene 180 Mikrogramm

  • Schwangere 230 Mikrogramm

  • Stillende 260 Mikrogramm

Deutschland galt lange als Jodmangelgebiet. Das bedeutet, dass über einheimische Nahrung allein meist nicht genügend Jod aufgenommen werden kann. Durch den Einsatz von Jodsalz auch im Tierfutter hat sich die Situation etwas verbessert. Damit enthalten auch Milch und Eier etwas Jod.

Seefisch und jodiertes Speisesalz schützen vor Schilddrüsenunterfunktion

Um eine ausreichende Versorgung zu erreichen, sollten Sie häufig Lebensmittel zu sich nehmen, die von Natur aus reich an Jod sind, wie Seefisch und Meeresfrüchte. Verwenden Sie außerdem mit Jod angereichertes Speisesalz für die Zubereitung Ihrer Mahlzeiten. Untersuchungen zeigen, dass immerhin schon 75 Prozent der Deutschen Jodsalz nutzen.

Die besten Jodlieferanten für Ihre Schilddrüse

Auf Nummer eins der besten Jodlieferanten steht demnach Jodsalz, gefolgt von:

  • Lebertran (860 Mikrogramm pro 100 Milliliter)

  • Schellfisch (rund 300 Mikrogramm pro 100 Gramm)

  • Seelachs (rund 240 µg)

  • Scholle (190 µg)

  • Muscheln, Garnelen und Krabben (130 µg)

  • Kabeljau (rund 150 µg)

... sowie andere Seefische. Auch bestimmte Mineralwässer enthalten viel Jod. Dazu am besten das Etikett lesen, um eine jodreiche Sorte zu finden.

Schilddrüsenunterfunktion: Rat und Hilfe

Auf diesen Seiten finden Sie im Internet Rat und Hilfe bei Schilddrüsenunterfunktion:

Arbeitskreis Jodmangel

Internisten im Netz

Fakten zur Schilddrüse – das sollten Sie wissen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. Oktober 2016
Quellen: Dr. Andrea Flemmer: Schilddrüsenprobleme natürlich behandeln, Thieme Verlag 2014; Classen, M., Diehl, V., Kochsiek, K.: Innere Medizin. Urban & Fischer; Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme; Online-Informationen des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de

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