Gefahr im ersten Lebensjahr

Plötzlicher Kindstod: Risiko für SIDS lässt sich senken

Der plötzliche Kindstod (SIDS) ist eine der häufigsten Todesarten von Kindern im ersten Lebensjahr. In Deutschland sterben etwa 0,5 bis 1,5 Prozent aller Neugeborenen daran. Doch viele bekannte Risikofaktoren für SIDS lassen sich vermeiden.

Mutter mit Baby
Schlafen im Elternbett erhöht das Risiko für plötzlichen Kindstod – deshalb Baby bitte nur kurz mit ins Elternbett nehmen, auch wenn es noch so kuschelig ist.
Getty Images/iStockphoto

Der auch unter der Abkürzung SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) bekannte plötzliche Kinds- oder Säuglingstod ist der unerwartete Tod eines zuvor gesunden Säuglings. Letztendlich hört das Kind beim Schlafen einfach auf zu atmen, was zum Herzstillstand führt. Die Diagnose lautet dann plötzlicher Kindstod, wenn keine direkte oder indirekte Ursache für das Versterben des Kindes gefunden werden.

Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen

SIDS kommt meistens im ersten Lebensjahr vor. Etwa 80 Prozent aller Fälle treten dabei in den ersten sechs Lebensmonaten auf, am häufigsten zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. Jungen sind etwas öfter betroffen als Mädchen. Die Ursache dafür ist noch unbekannt. Außerdem tritt der plötzliche Kindstod gehäuft in den Wintermonaten und an Wochenenden auf.

Plötzlicher Kindstod wird seltener

In den Industrienationen ist SIDS die häufigste Todesursache bei Babys unter zwölf Monaten. Zuletzt fielen pro Jahr rund 160 Kinder dem SIDS zum Opfer. In den 80er und 90er Jahren waren es noch wesentlich mehr, jährlich etwa 1.300. Dank der weitreichenden Aufklärungskampagnen über die Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod ist die Anzahl der Betroffenen stark gesunken.

Ursache für SIDS könnte niedriger Serotonin-Spiegel sein

Experten diskutieren momentan die Hypothese, dass es eine genetische Veranlagung für plötzlichen Kindstod geben könnte. Diese bewirke, dass der Atmungsantrieb im Gehirn reduziert ist. Dabei spielt Serotonin eine Rolle. Steht zu wenig von diesem Botenstoff zur Verfügung, wird der lebenserhaltende Atemreflex nicht ausgelöst, falls die Atmung des Kindes etwas behindert ist, zum Beispiel in Bauchlage. Normalerweise führt in einem solchen Fall das Nach-Luft-Schnappen dafür, dass der Körper mit dem nötigen Sauerstoff versorgt wird. Studien haben gezeigt, dass bei Kindern, die an SIDS verstorben waren, der Serotoninspiegel im Gehirn weit unter dem Normwert lag.

Rauchende Eltern erhöhen das Risiko für SIDS

Fest steht, dass Rauchen das Risiko für den plötzlichen Kindstod erhöht. Mehrere Untersuchungen beweisen einen Zusammenhang zwischen Atemproblemen des Kindes und rauchenden Eltern. Vor allem, wenn die Mutter bereits während der Schwangerschaft geraucht hat, leidet das Kind unter Atemproblemen. Diese können zu SIDS führen.

Risiko Elternbett – Wärme ist ausschlaggebend

Eine britische Vergleichstudie von 19 Untersuchungen hat gezeigt, dass Babys, die mit im Elternbett schlafen, ein wesentlich höheres Risiko für SIDS haben. Anders als früher vermutet ist es jedoch nicht die Enge, die dem Baby buchstäblich die Luft nimmt. Die im Elternbett größere Wärme ist Auslöser für das tödliche Atemproblem. Der kleine Organismus verfügt noch nicht über eine ausgereifte Temperaturregulation. Große Wärme belastet ihn und führt zur Atemnot.

Weitere wichtige Risikofaktoren

Neben rauchenden Eltern und Schlafen im Elternbett spielen eine ganze Reihe von weiteren Umständen ein wichtige Rolle für das Auftreten des plötzlichen Kindstods. Meist löst nicht ein einzelne Faktor SIDS aus, sondern mehrere kommen zusammen. Darunter etwa:

  • Funktionsstörungen der Plazenta während der Schwangerschaft
  • niedriges Geburtsgewicht des Kindes
  • Frühgeburt
  • Mehrlingsgeburt
  • Mutter ist unter 20 Jahre alt
  • Bauchlage beim Schlafen
  • Nicht-Stillen
  • Überwärmung
  • Drogenabhängigkeit der Mutter

Impfen, das früher als Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod galt, hat sich in mehreren Studien diesbezüglich als nicht bedenklich erwiesen.

Anzeichen für drohenden plötzlichen Kindstod

Meist erkennen es die Eltern rasch, dass ihr Kind in höchster Gefahr schwebt: Die Atmung setzt aus, das Kind läuft blau an – vor allem an den Lippen – oder wird blass, es schwitzt stark, das Herz schlägt nur noch langsam, die Muskeln werden schlaf. Dann ist schnellste Hilfe überlebenswichtig!

  • Alarmieren Sie sofort den Notarzt.

  • Bis er eintrifft sollten Sie das Baby vorsichtig auf den Rücken legen und hierfür eine harte, nicht kalte Unterlage wählen.

  • Versuchen Sie mit zwei Fingern eine leichte Druckmassage auf das Brustbein des Kindes auszuführen, und zwar 100mal pro Minute.

  • Dabei sollte das Baby beatmet werden: Dazu vorsichtig den Kinderkopf ein bisschen nach hinten beugen, jedoch nicht zu weit. Befreien Sie die Atemwege falls nötig von Erbrochenen. Blasen Sie dann Luft in Mund und Nase des Kindes. Achten Sie darauf, dass diese Atemspende nur leicht ist, zu viel Luft würde die kleine Lunge schädigen.

Wie Sie SIDS vorbeugen

Um das Risiko Ihres Babys für plötzlichen Kindstod zu minimieren, sollten Sie in erster Linie alle genannten Risikofaktoren vermeiden, auf die Sie selbst Einfluss haben, also:

  • nicht rauchen – während der Schwangerschaft wie auch danach und keinesfalls im Beisein des Kindes

  • Baby vor Überwärmung schützen, 18 Grad ist die ideale Raumtemperatur im Schlafzimmer

  • Stillen Sie Ihr Kind falls möglich.

  • Lassen Sie es in einem eigenen Bettchen schlafen – ohne Kopfkissen.

  • Legen Sie es dazu am besten immer auf den Rücken.

  • Benutzen Sie keine Decke, sondern einen Babyschlafsack.

  • Stellen Sie das Kinderbettchen im Elternschlafzimmer auf. Studien haben gezeigt, dass damit das Risiko für SIDS sinkt.

  • Achten Sie darauf, wenn Ihr Kind erkältet ist oder Atemprobleme hat. Gehen Sie dann mit ihm zum Arzt.

  • Nehmen Sie zusätzlich alle Termine zu den Vorsorgeuntersuchungen wahr.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 29. Dezember 2016
Durch: sist
Quellen: Kinderärzte im Netz, Stand März 2014 Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kindergesundheit-info.de (Stand: 2014) Prävention des Plötzlichen Kindstodes, G. Jorch, Monatsschriften Kinderheilkunde 158 - 2010

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang