Verengte Nierenarterie

Nierenarterienstenose: Gefäßverengung führt zu Bluthochdruck

Unter einer Nierenarterienstenose versteht man die Verengung der Arterie, die die Niere mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Eine solche Stenose macht sich erst durch Symptome bemerkbar, wenn die Gefäßweite um mehr als 75 Prozent verkleinert ist. Hauptkennzeichen ist dann ein Bluthochdruck, der sich nur schwer einstellen lässt.

Patient beim Blutdruckmessen
Bei einer Nierenarterienverengung leidet der Patient unter Bluthochdruck.
Getty Images/Hemera

Bei einer Nierenarterienverengung (Nierenarterienstenose) wird die Arterie, die die Niere mit sauerstoffreichem Blut versorgt, verengt. Erst Stenosen (Verengungen), die die Gefäßweite um mehr als 75 Prozent verkleinern, verursachen einen arteriellen Bluthochdruck. Man spricht dann von einem renalen Hypertonus, einem Bluthochdruck, der seine Ursache in einer verminderten Nierendurchblutung hat.

Wie sich eine Nierenarterienverengung äußert

Geringgradige Nierenarterienstenose, die das Gefäß um weniger als 70 Prozent einengen, gehen ohne Krankheitszeichen einher. Mit zunehmender Einengung des Gefäßes entwickelt der betroffene Patient einen arteriellen Bluthochdruck, der dann meist schwer einstellbar ist.

Der Verdacht auf eine Nierenarterienverengung liegt auch dann sehr nahe, wenn ein durch Arzneimittel schwer einstellbarer arterieller Bluthochdruck vorliegt. Auch der plötzliche Beginn eines arteriellen Bluthochdruckes vor dem 30. Lebensjahr kann Hinweis auf eine Nierenarterienstenose sein.

Ursache des Bluthochdrucks bei Nierenarterienverengungen

Die über 70-prozentige Einengung der Nierenarterie bewirkt eine Minderdurchblutung in der nachgeschalteten Gefäßstrombahn des Nierengewebes. Im Nierengewebe befinden sich Zellen, die die Funktion eines Blutdruckfühlers haben und den Blutdruckabfall registrieren. Im Falle des Blutdruckabfalls bilden diese Zellen im Sinne einer Gegenregulation ein Hormon (Renin), welches in die Blutbahn abgegeben wird. Renin setzt eine Umbaureaktion im Blut zirkulierender Hormone in Gang, deren Endprodukt das Hormon Angiotensin II ist, das die Engstellung der kleinen Arterien des Körpers bewirkt. Die Engstellung dieser sogenannten Widerstandsarterien hat zur Folge, dass der arterielle Blutdruck des Körperkreislaufs angehoben wird. Insgesamt versuchen also die Renin bildenden Zellen im Nierengewebe, der für sie spürbaren Blutdruckerniedrigung im betroffenen Nierenstrombahngebiet entgegenzuwirken.

Die Niereninsuffizienz

Ist die Nierenarterienverengung hochgradig, so bewirkt dies eine Verschlechterung der Nierenfunktion, die durch eine Laboruntersuchung zu erkennen ist. Die Niere kommt dann nicht mehr ihrer Aufgabe der Filterung des Blutes nach. Substanzen, die eigentlich mit dem Harn ausgeschieden werden sollten, liegen in erhöhter Menge im Blut vor. Man spricht hier von einer Niereninsuffizienz.

Ursachen der Nierenarterienstenose

Ursachen einer Nierenarterienstenose sind entweder arteriosklerotische Prozesse oder das Wachstum einzelner Gefäßwandschichten.

Es gibt zwei verschiedene Ursachen von Nierenarterienstenosen. Mit einer Häufigkeit von 75 Prozent der Fälle ist Grund der Nierenarterienverengung eine Arteriosklerose. In zirka 24 Prozent der Fälle ist Grund der Nierenarterienstenose eine sogenannte fibromuskuläre Dysplasie, das ist ein örtlich vermehrtes Wachstum einzelner Arterienwandschichten. Ein Prozent aller Nierenarterienstenosen sind angeboren.

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Die für die Arteriosklerose typische Verengung der Arterien läuft in folgenden Schritten ab:

  1. Sie geht von einer Verletzung der dünnen Blutgefäßinnenhaut (Endothel) aus, zum Beispiel bei einer mechanischen Überbeanspruchung, etwa durch zu hohen Blutdruck. Monozyten, besondere weiße Blutkörperchen, dringen unter die Gefäßinnenhaut.

  2. An der Verletzungsstelle laufen Reparaturvorgänge ab, Blutplättchen lagern sich an. Oxidierte Fettmoleküle (LDL-Cholesterin) lagern sich bevorzugt ab und werden von Fresszellen (Makrophagen) vernichtet.

  3. Die Reaktion führt zur Entzündung in der Gefäßwand, es folgen Narbenbildung und Ablagerungen, die man als fettige Degeneration bezeichnet. Der Gefäßquerschnitt wird weiter verengt, die mechanische Belastung steigt, sodass dieser Prozess, die zunehmende Arteriosklerose (auch Atherosklerose genannt) immer weiter fortschreitet.

Ganz seltene Ursachen (unter ein Prozent) von Nierenarterienverengungen sind:

  • Gefäßentzündungen, bei denen die inneren Arterienschichten anschwellen

  • Einschnürungen durch Gewebebänder, solche entstehen zum Beispiel als Narbenstränge nach Operationen

  • die Kompression der Nierenarterie durch eine gut- oder bösartige Geschwulst in der Umgebung

  • eine Spaltung der Arterienwand (Arteriendissektion); solch eine Spaltung kann auf der Grundlage arteriosklerotischer Gefäßveränderungen auftreten

Nierenarterienverengung feststellen

Durch verschiedene Untersuchungen, die für den Patienten unterschiedlich belastend sind, gelingt es sowohl eine Nierenarterienverengung als auch oftmals ihre Ursache festzustellen.

Die Erhebung der Krankengeschichte des Patienten liefert im Fall der Nierenarterienverengung meist keine aufschlussreichen Informationen. Grund für den Arztbesuch und die nachfolgenden Untersuchungen ist ein Bluthochdruck, der medikamentös nicht oder nur schwer einstellbar ist.

Blutdruckmessung

Zunächst muss der Blutdruck des Patienten an beiden Armen gemessen werden. Auch eine Messung des Blutdruckes über 24 Stunden wird durchgeführt. Liegt eine Nierenarterienverengung vor, so sind in der Frühphase der Erkrankung oft ausgeprägte Blutdruckschwankungen im Tagesverlauf erkennbar. Besteht die Erkrankung länger, so ist der Blutdruck dauerhaft erhöht und fällt auch nachts nicht ab.

Labortests

Eine verminderte Nierendurchblutung kann zu einer Einschränkung der Nierenfunktion führen. Labortests, die Aufschluss über die Nierenarterienfunktion geben, sind die Bestimmung des Serum-Kreatinins (Normbereich kleiner als 1 mg/dl) und des Serum-Harnstoffs (Normbereich zehn bis 50 mg/dl). Beides sind Substanzen, die über den Harn ausgeschieden werden sollen, liegen sie in erhöhter Konzentration im Blut vor, so lässt dies auf eine Einschränkung der Nierenfunktion schließen.

Farbduplexsonographie

Die Duplexsonographie stellt eine Kombination von zweidimensionaler Ultraschallmethode (zur bildlichen Darstellung der Arterie) und Dopplertechnik (zur Blutströmungsanalyse) dar. Auf diese Weise gelingt einerseits die Darstellung der Arterie und andererseits die Messung von Blutströmen in einem einzigen Untersuchungsgang. Mit Farbduplexgeräten kann der Blutfluss als Farbsignal im Gefäß dargestellt werden.

Mithilfe der Farbduplexsonographie lässt sich die Nierenarterie sowie deren Blutfluss im Ultraschall darstellen. Diese Untersuchung ist für den Patienten wenig belastend und ungefährlich und hat eine Treffsicherheit von zirka 98 Prozent.

Röntgen-Kontrastmitteldarstellung

In etwa 20 Prozent aller Fälle lässt sich mit den oben beschriebenen Maßnahmen eine Nierenarterienverengung nicht ausschließen. Mithilfe der Röntgen-Kontrastmitteldarstellung lassen sich hochgradige Nierenarterienstenosen gut darstellen. Allerdings muss hierzu ein Röntgen-Kontrastmittel in die Arterie mittels Katheter, der über die Leiste vorgeschoben wird, verabreicht werden. Dieses Verfahren ist für den Patienten mit einer gewissen Belastung verbunden.

Die Röntgendarstellung der Nierenarterien erlaubt sowohl eine exakte Darstellung der Gefäße als auch eine Aussage über die Ursache einer Verengung. Liegt eine arteriosklerotische Gefäßeinengung vor, so zeigt das Röntgenbild einzelne Verengungen am Abgang der Bauchschlagader. Bei der Verengung durch die fibromuskuläre Dysplasie (dem örtlichen Wachstum einzelner Gefäßwandschichten) findet man typische perlschnurartige Einengungen im mittleren Gefäßabschnitt der Nierenarterie.

Kernspinangiographie (MRT-Angiographie)

Eine neue Methode zur Darstellung von Nierenarterienverengungen ist die Kernspinangiographie. Dieses Verfahren ist für den Patienten wenig belastend. Statt Röntgenstrahlen werden Magnetströme benutzt, um das Gefäß zur Darstellung zu bringen. Da dieses Verfahren ganz neu ist, müssen noch umfangreiche Erfahrungen mit dieser Methode gesammelt werden.

Risikofaktoren meiden, Gefäße erweitern: Therapie der Nierenarterienstenose

Die Behandlungsmethode der Wahl bei hochgradigen Nierenarterienstenosen ist die Gefäßerweiterung mit oder ohne Einbringen eines Stützgitters (Stents). Hiervon profitieren besonders die Patienten, bei denen die fibromuskuläre Dysplasie Ursache der Verengung ist.

Allgemeine Maßnahmen

Wichtig ist zunächst die Reduktion von Risikofaktoren, die die Arteriosklerose als Ursache der Nierenarterienstenose verstärken. Diese Risikofaktoren verringert man durch:

  • das Einstellen des Rauchens
  • die Behandlung von Fettstoffwechselstörungen
  • die Behandlung einer Blutzuckerkrankheit
  • die Behandlung des Bluthochdrucks

Der arterielle Bluthochdruck wird medikamentös mit blutdrucksenkenden Medikamenten eingestellt. Folgende Medikamentengruppen werden zur Behandlung des Bluthochdrucks bei Nierenarterienverengung eingesetzt:

  • Alpha1-Blocker
  • Kalzium-Antagonisten
  • entwässernde Medikamente (Diuretika)
  • Beta-Blocker

Die perkutane transluminale Angioplastie (PTA)

Perkutan bedeutet "durch die Haut", transluminal heißt "vom Gefäßinnern her", Angioplastie ist die Gefäßerweiterung. Die durch Ultraschalluntersuchung oder Kontrastmitteluntersuchung erkannten Einengungen von Arterien können mittels Katheter, an dem sich ein Ballon befindet, aufgedehnt werden. Nicht alle Gefäßverengungen oder Verschlüsse eignen sich für dieses Behandlungsverfahren. Der Gefäßspezialist sollte hierzu unbedingt zurate gezogen werden.

Durchführung

Zunächst wird eine Leistenschlagader punktiert und über eine Kanüle ein dünner, sogenannter Führungsdraht in die Verengung der Nierenarterie vorgeführt. Über diesen Draht wird dann der Katheter, an dessen Spitze sich ein Ballon befindet unter Röntgendurchleuchtung vorgeschoben. Nachdem der Ballon im Bereich der Verengung oder des Verschlusses platziert wurde, wird er mittels einer Kochsalzlösung aufgedehnt. In direktem Anschluss an das Aufdehnungsmanöver wird das Ergebnis durch Einbringen von Kontrastmittel in das Gefäß und Röntgen kontrolliert.

Um eine erneute Verengung der Nierenarterie zu verhindern, kann im Anschluss an die Erweiterung ein röhrchenförmiges Stützgitter (Stent) in die Nierenarterie eingelegt werden.

Bei Patienten mit fibromuskulärer Dysplasie kommt es durch die Gefäßerweiterung in 50 Prozent der Fälle zur Besserung der Blutdruckwerte, in 86 Prozent der Fälle bessert sich die Nierenfunktion. Liegt eine arteriosklerotische Nierenarterienverengung vor, so ist in zehn Prozent der Fälle mit einer Heilung des arteriellen Bluthochdrucks zu rechnen. Die Nierenfunktion bessert sich bei maximal 30 Prozent der Patienten.

Nur selten muss eine Nierenarterienstenose in einem offenen gefäßchirurgischen Eingriff operiert werden. Dies ist dann notwendig, wenn die Durchführung der PTA unmöglich ist oder mit Komplikationen einhergegangen ist.

Gesunder Lebensstill kann vor Nierenarterienverengung schützen

Der Nierenarterienverengung, die durch die Arteriosklerose entsteht, kann vorgebeugt werden, indem man die wichtigsten Risikofaktoren der Nierenarterienstenose reduziert.

Da für das Entstehen der fibromuskulären Dysplasie als Ursache einer Nierenarterienstenose bislang keine Ursachen bekannt sind, lassen sich daraus auch keine vorbeugenden Maßnahmen ableiten. Eine Vorbeugung der Arteriosklerose als zweiter wichtiger Ursache ist jedoch möglich.

Das Einstellen des Rauchens

Nikotin ist ein starker Gefäßschadstoff. Es bewirkt eine Engstellung der Gefäße und hat damit ähnliche Wirkungen wie hoher Blutdruck. Die Tabaksinhaltsstoffe verschlechtern den Stoffwechsel zusätzlich, so haben Raucher einen deutlich erhöhten LDL-Spiegel, der zur Ablagerung von kalk- und fetthaltigen Substanzen in den Blutgefäßen führt.

Behandlung von Fettstoffwechselstörungen

Vor allem LDL-Cholesterin ist in seiner oxidierten (ranzig gewordenen) Form gefährlich, da es Ziel von Abwehrzellen des Immunsystems wird. Daraufhin nehmen bestimmte Immunzellen, die sogenannten Fresszellen, das LDL-C auf, gehen bei dessen Beseitigung aber selbst zugrunde und bilden dabei fettige Schaumzellen, die Kalk einlagern können (daher Gefäßverkalkung).

Behandlung eines möglichen Blutzuckerleidens

Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) verändert den Stoffwechsel ungünstig im Hinblick auf das Arteriosklerose-Risiko, die Spiegel bestimmter Fette im Blut sind bei Zuckerkrankheiten oft gesteigert. Zuckerkranke haben zudem häufig einen hohen Blutdruck, der das Arteriosklerose-Risiko weiter erhöht.

Behandlung des Bluthochdrucks

Der hohe Blutdruck steigert die mechanische Belastung der Arterien, sodass Gefäßwand-Verletzungen schneller eintreten. An solch kleinen Verletzungen der Gefäßinnenhaut finden Reparaturprozesse statt, die die Ablagerung von kalkhaltigen Belägen fördern und eine Nierenarterienverengung (Nierenarterienstenose) wahrscheinlicher machen.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. Februar 2017

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