Schmerzsyndrom CRPS

Morbus Sudeck: Wenn Schmerzen zum Alltag gehören

Die Krankheit Morbus Sudeck – auch Komplexes Regionales Schmerzsyndrom oder CRPS genannt – bedeutet vor allem eines: heftige Schmerzen. Betroffenen würde es helfen, mit ihren Beschwerden von Anfang an ernst genommen zu werden. Morbus Sudeck ist allerdings nicht einfach zu erkennen.

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Neues Leben durch die Krankheit: Vor ein paar Jahren war Frank Bergs noch Manager in der Medizinbranche, heute engagiert sich für andere Menschen mit Morbus Sudeck. Für längere Strecken und andere Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände braucht Bergs einen Rollstuhl.
Markus Scholz/dpa

Schmerzen sind für Frank Bergs alltäglich – er ist frühberentet, muss Medikamente einnehmen, für längere Strecken außerhalb des Hauses benötigt er einen Rollstuhl. Er hat das Komplexe Regionale Schmerzsyndrom (Complex Regional Pain Syndrome, kurz CRPS), auch Morbus Sudeck genannt. Es beginnt, als Bergs 2011 im Urlaub beim Fußballspielen umknickt – Sprunggelenkfraktur, er muss sofort operiert werden. Nach der Operation in Deutschland verläuft die Heilung nicht wie geplant.

Sein Fuß schwillt zu einem Elefantenfuß an, wie er es selbst beschreibt, die Schmerzen werden unerträglich: "Stellen Sie sich vor, Sie wollen ihren Fuß lieber mit einer Axt abhacken, als die Schmerzen länger zu ertragen." Er kann weder eine Socke tragen, geschweige denn auftreten.

CRPS: Diagnose mit Hindernissen

In seinem Fuß tobt eine vom Nerven ausgehende Entzündung – er ist warm, gerötet und glänzt. Außerdem wachsen plötzlich mehr Haare auf der Haut. Bergs spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist, doch sein Arzt vertröstet ihn, er müsse Geduld haben. Erst als er eigenständig einen Radiologen aufsucht, erhält er die Diagnose Morbus Sudeck.

Auch für andere Patienten kann es dauern, bis ihr Leiden einen Namen hat: "Zu Beginn lässt sich ein CRPS oft nur schwer von einem normalen Heilungsprozess unterscheiden", sagt Professor Matthias Karst, Leiter der Schmerzambulanz an der Medizinischen Hochschule Hannover. Zudem gebe es nicht die eine Methode, mit der man Morbus Sudeck eindeutig diagnostizieren kann.

Verletzung steht am Anfang von Morbus Sudeck

CRPS tritt in der Regel nach einer Stauchung, einem Bruch oder einer Operation an den Extremitäten auf, wie Professor Frank Birklein erläutert. Er leitet die Sektion Periphere Neurologie und Schmerz der Universitätsmedizin in Mainz.

Die akute Form des CRPS äußert sich wie eine Entzündung. Langfristig verändern sich auch die Repräsentationszonen im Gehirn. "Man kann sich das wie eine Art Verklumpung der Nerven vorstellen", erklärt Karst. Die Patienten verlernen feine Bewegungsabläufe, die normale Funktion geht verloren.

CRPS-Behandlung aus mehreren Bausteinen

Die Ursachen für das Komplexe Regionale Schmerzsyndrom sind nicht abschließend geklärt. Man weiß, dass es wohl eine genetische Veranlagung für die Krankheit gibt. Zudem spielen autoimmunologische Prozesse eine Rolle. In der Folge klingt die neurogene Entzündung nach einer Verletzung nicht ab. Ob die Art des Traumas einen Einfluss auf die Entstehung von Morbus Sudeck hat, ist umstritten.

Für die Therapie gilt: Je früher sie einsetzt, desto besser die Heilungschancen. Andernfalls verlaufe die Krankheit häufig chronisch. Die Leitlinie zur CRPS-Behandlung sieht immer eine Kombinationstherapie des Syndroms vor: Neben entzündungshemmenden Medikamenten ist insbesondere die Physio- und Ergotherapie wichtig, um die Funktion wiederherzustellen.

Psychotherapie und der Austausch mit anderen Patienten kann helfen

Die Schmerzen durch das CRPS werden als außergewöhnlich stark eingestuft. "Wir raten Betroffenen daher oft zu einer begleitenden Psychotherapie", so Karst, der auch psychotherapeutisch arbeitet. Auch Frank Bergs weiß aus Erfahrung, wie wichtig es ist, über die Krankheit zu sprechen: "Ich bin sehr dankbar über den Rückhalt in meiner Familie."

Trotzdem war er gerade zu Beginn der Erkrankung verzweifelt auf der Suche nach anderen Betroffenen, mit denen er sich austauschen konnte. Da er kaum fündig wurde, entschloss er sich, in Bremen eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Zum ersten Treffen kamen 35 Menschen aus ganz Deutschland. "Ich hatte das Gefühl, die haben alle nur darauf gewartet." Selbsthilfegruppen aus allen Teilen des Landes schließen sich nun zu einem CRPS-Netzwerk zusammen.

Schnelle Behandlung kann Chronifizierung vorbeugen

Das Leben von Frank Bergs hat sich durch seine Erkrankung völlig verändert. In seinen alten Job kann er nicht zurück, auch heute lebt er unter Schmerzen. Mit seinen Erfahrungen engagiert er sich nun für andere Betroffene. Sein Wunsch: "Ich möchte, dass man Menschen mit ihren Schmerzen direkt zu Beginn ernst nimmt. Nur so kann verhindert werden, dass sie zu dauerhaften Schmerzpatienten werden."

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Letzte Aktualisierung: 21. Dezember 2016

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