Krankheiten A bis Z

Morbus Bechterew

Morbus Bechterew ist eine chronische entzündlich-rheumatische Erkrankung des Bindegewebes, die insbesondere die Wirbelsäule und das Kreuzbein-Darmbeingelenk betrifft.

Morbus Bechterew- Verlauf der Krankheit
Morbus Bechterew ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung und betrifft vor allem die Wirbelsäulengelenke.
Getty Images/iStockphoto

Morbus Bechterew zählt zu den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, zu denen auch die rheumatoide Arthritis zählt. Der lateinische Begriff "Morbus" bedeutet Krankheit. In diesem Falle ist die Erkrankung nach dem russischen Neurologen Wladimir Bechterew (1857-1927) benannt, der die Erkrankung zwar nicht als Erster beschrieben, aber um 1890 eine im deutschsprachigen Raum vielbeachtete Charakteristik veröffentlicht hatte.

In der medizinischen Fachsprache heißt die Erkrankung "Spondylitis ankylosans" (versteifende Wirbelentzündung) oder "ankylosierende Spondylitis" (im Englischen "ankylosing spondylitis", abgekürzt "AS").

Was ist Morbus Bechterew?

Beim Morbus Bechterew betrifft die rheumatische Entzündung überwiegend die Wirbelsäule und das Kreuzbein-Darmbeingelenk. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, so können die verknöchernden Umbauvorgänge zu einer völligen Versteifung der Wirbelsäule und des Beckens führen.

  • zum Special Rheuma

    Rheuma ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Je nachdem, welches Krankheitsbild vorliegt, sind eher Gelenke, Wirbelsäule, Muskeln oder Sehnen betroffen. Lesen Sie hier mehr über die Formen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Rheuma.

Neben der Wirbelsäule können auch Gliedmaßengelenke (zum Beispiel Hüft- und Kniegelenke) sowie innere Organe von den entzündlichen Veränderungen betroffen sein. Bei der extremen Ausprägung der Erkrankung kommt es durch die Verknöcherung und Versteifung der Wirbelsäule zu einer stark vorgebeugten Haltung, bei der der Betroffene nur noch auf den Boden blicken kann. Diese Ausprägung ist allerdings durch gezielte Krankengymnastik und Bewegungstherapie vermeidbar.

Wie häufig ist Morbus Bechterew?

Schätzungsweise ein Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung erkrankt an Morbus Bechterew, allerdings wird die Krankheit nicht bei allen Betroffenen erkannt. Noch vor Jahren nahm man an, dass Männer etwa dreimal häufiger betroffen sind als Frauen. Laut einer Umfrage der "Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew" erkranken Frauen jedoch nahezu gleich häufig, allerdings versteift bei Frauen die Wirbelsäule in der Regel langsamer als bei Männern.

Das Krankheitsbild Morbus Bechterew macht sich in 80 Prozent der Fälle erstmals zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr bemerkbar. Die entzündlichen Intervalle variieren unter den Betroffenen sehr deutlich, insgesamt trifft es etwa 0,5 Prozent aller Menschen.

Symptome: So macht sich Morbus Bechterew bemerkbar

Die Anzeichen des Morbus Bechterew variieren von Patient zu Patient. Sie können von leichten Verlaufsformen nur mit tief sitzenden Rückenschmerzen bis hin zur völligen Versteifung der Wirbelsäule und anderer Gelenke sowie Organbeteiligung reichen.

Häufig treten intervallartige Entzündungsschübe auf, die meist sehr schmerzhaft sind. Nach den jeweiligen Entzündungsschüben entsteht an den betroffenen Gelenken eine Bewegungseinschränkung.

Leitsymptom Rückenschmerz

Ein Entzündungsschub bei Morbus Bechterew beginnt oft Rückenschmerzen, häufig nachts. Dieser tiefliegende, "entzündliche" Rückenschmerz ist das Leitsymptom bei Morbus Bechterew. Durch Bewegung bessern sich die Symptome. Weitere Merkmale dieser Schmerzform sind Morgensteifigkeit, die über 30 Minuten andauert, und Gesäßschmerzen.

Auch Schmerzen am Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Ileosakralgelenk) und an Sehnen und Muskelansätzen im Gesäßbereich sind typische Symptome. Als Hauptsymptom gilt die Bewegungseinschränkung.

  • zum Selbsttest

    Eben nicht immer Verspannungen oder Stress: Chronische Rückenschmerzen in jungen Jahren sind häufig entzündlich bedingt. Der Selbsttest verrät, ob Sie betroffen sein könnten!

Die Hauptsymptome beziehen sich jedoch auf den Bereich der Wirbelsäule. Im Verlauf der Entzündungsschübe entstehen nach und nach Verknöcherungen in den Bereichen, die zuvor entzündlich befallen waren: Bandscheiben, kleine Wirbelgelenke, die Kanten der Wirbelkörper und das Ileosakralgelenk.

Morbus Bechterew verläuft meist aufsteigend, sodass im Lauf der Jahre die Wirbelsäule durch Kalkeinlagerungen verknöchert und schließlich bis zur Halswirbelsäule hinauf unbeweglich wird.

Ist die Brustwirbelsäule beeinträchtigt, sind oft die Rippengelenke der Brustwirbel betroffen. Dies kann zu Einschränkungen der Atmung führen. Oft kommt es zu einer Verkrümmung und Buckelbildung im Bereich der Brustwirbelsäule oder zur Überstreckung des Halses.

Entzündungen an Gelenken, Sehnen, Bändern

Gelenke wie Hüft-, Knie- oder Sprunggelenk können zusätzlich betroffen sein. Etwa 20 Prozent der Patienten weisen einen Befall kleiner Gelenke (Finger- und Zehengelenke) auf. Entzündungen von Sehnenansätzen (Enthesitis) oder Bändern kommen ebenfalls vor, sodass Schmerzen am Fersenbein, am Ansatz der Achillessehne, an den Knien oder beim Sitzen auftreten.

Entzündung der Augen und Organbeteiligung

Bei 25 bis 30 Prozent der Erkrankten tritt eine Entzündung der Uvea des Auges (Uveitis) auf. Die Uvea ist die mittlere Augenhaut und besteht aus der Ader-, der Regenbogenhaut sowie dem Ziliarkörper. Die Uveitis äußert sich durch Augenrötung, Schmerzen und Lichtempfindlichkeit. Die Symptome bessern sich in der Regel innerhalb von drei Monaten. Häufig ist auch das Hörvermögen beeinträchtigt.

Zudem können innere Organe wie Herz, Lunge und Nieren betroffen sein. Allerdings ist das eher selten.

Mögliche Ursachen von Morbus Bechterew

Die genauen Ursachen für Morbus Bechterew sind bis heute nicht bekannt.

Der Krankheit liegt wie bei vielen rheumatischen Krankheitsbildern eine Fehlsteuerung des Immunsystems zugrunde, die zur Folge hat, dass sich die Immunabwehr gegen körpereigene Zellen und Gewebe richtet und auf diese Weise die Entzündungsreaktionen ausgelöst werden.

Erbliche Veranlagung

Man geht davon aus, dass eine erbliche Veranlagung die Grundlage für die Entstehung von Morbus Bechterew bildet. Die Krankheit tritt in manchen Familien gehäuft vor. Ist ein Elternteil an Morbus Bechterew erkrankt, wird das Erkrankungsrisiko des Kindes auf vier bis 15 Prozent geschätzt. Leiden Mutter und Vater an der Erkrankung, steigt vermutlich auch das Erkrankungsrisiko des Kindes.

Welche Rolle spielt "HLA-B27"?

Anfang der 1970er Jahre entdeckten Forscher, dass sich bei mehr als 90 Prozent der Bechterew-Patienten anhand einer Blutprobe das Erbmerkmal „HLA-B27“ nachweisen lässt („HLA-B27-positiv"). HLA ist die Abkürzung für Humanes Leukozytenantigen.

Dabei handelt es sich um Eiweißstrukturen an Zelloberflächen. Deren Aufgabe besteht darin, Antigene (fremde oder körpereigene) so zu präsentieren, dass sie vom Abwehrsystem erkannt werden. In der Folge wird eine entsprechende Immunantwort ausgelöst. HLA-B27 scheint unter bestimmten Bedingungen Teile des Immunsystems (zum Beispiel. T-Zellen) anzuregen, gegen körpereigene Zellen vorzugehen. Es wird vermutet, dass die Interaktion des HLA-B27-Moleküls mit Bakterien dabei eine entscheidende Rolle spielt. Auf diesem Weg wird ein Entzündungsprozess in den Gelenken der Wirbelsäule angestoßen.

Wissenschaftler vermuten, dass noch weitere genetische Merkmale bei der Krankheitsentwicklung eine Rolle spielen. Zusammen mit dem HLA-B27 sollen diese etwa 70 Prozent aller Erkrankungen an Morbus Bechterew erklären.

Umwelteinflüsse

Inwieweit andere Erkrankungen wie Magen-Darm-Krankheiten, Infektionen oder sowie Umwelteinflüsse, starke körperliche oder seelische Belastung sowie Stress als Auslöser für Morbus Bechterew eine Rolle spielen, wird noch erforscht.

Diagnose bei Verdacht auf Morbus Bechterew

Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und der sicheren Diagnose vergeht nicht selten ein Zeitraum von fünf bis zehn Jahren.

Das liegt daran, dass die Beschwerden im Frühstadium oft uncharakteristisch sind und die Erkennung einer Entzündung des Kreuzbein-Darmbeingelenks im Röntgenbild erst nach längerem Verlauf möglich wird.

Die typischen Symptome (tiefsitzende Kreuzschmerzen und Steifigkeit über drei Monate, Bewegungseinschränkungen der Lendenwirbelsäule, verminderte Atembreite) führen zusammen mit dem röntgenologischen Nachweis der Gelenkentzündung zur Diagnose.

Krankengeschichte und körperliche Untersuchung

Erste Hinweise auf Morbus Bechterew geben folgende Beschwerden:

  • entzündlicher Rückenschmerz (60 bis 80 Prozent der Erkrankten),
  • Gelenkentzündungen (Arthritiden) der Gliedmaßen,
  • Brust- oder Fersenschmerzen sowie
  • Augenentzündungen.

Bildgebende Verfahren: Röntgen, MRT

Morbus Bechterew Diagnose-121374092.jpg
Auf dem Röntgenbild sind die entzündlichen Prozesse an den knöchernen Strukturen erkennbar - aber erst, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist.
Getty Images/iStockphoto

Radiologische Untersuchungsmethoden wie eine Röntgenuntersuchung der Kreuz-Darmbein-Gelenke oder der Wirbelsäule zeigen knöcherne Veränderungen an. Kann eine Entzündung der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke (Sakroiliitis) nachgewiesen werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Morbus Bechterew vorliegt.

In der Anfangsphase der Erkrankung ist der Nachweis der knöchernen Veränderungen im konventionellen Röntgenbild allerdings oft noch nicht möglich. Ist das Röntgenbild trotz anhaltender Beschwerden unauffällig, kann der Nachweis anhand einer Magnetresonanztomographie (MRT) gelingen. Denn dieses Verfahren erfasst Veränderungen in den Kreuzbein-Darmbein-Gelenken in der Regel frühzeitiger als das Röntgen.

Blutuntersuchungen

Der Nachweis von HLA-B27, einem genetischer Marker, unterstützt den Verdacht auf Morbus Bechterew, für eine sichere Diagnose reicht er jedoch nicht. Zwar tragen 90 bis 95 Prozent der Bechterew-Patienten dieses Merkmal. Gleichzeitig kann aber auch bei anderen rheumatischen Erkrankungen wie beispielsweise der Psoriasis-Arthritis und den reaktiven Arthritiden ein positiver HLA-B27 Nachweis vorliegen. Darüber hinaus lässt sich auch bei sechs bis acht Prozent aller Gesunden das HLA-B27 positiv nachweisen.

Laboruntersuchungen spielen deshalb für die Erkennung der Erkrankung eher eine untergeordnete Rolle. Eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und ein erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) finden sich nur bei 50 bis 70 Prozent der betroffenen Patienten. Bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen ist die Blutsenkung trotz Krankheitsaktivität unauffällig.

Der so genannte Rheumafaktor (RF) im Blut ist bei Morbus Bechterew generell nicht nachweisbar, weshalb das Krankheitsbild auch zu den seronegativen Spondylarthropathien gehört (seronegativ = kein Nachweis von Rheumafaktor im Serum).

Verlauf: Krankheitsstadien bei Morbus Bechterew

Morbus Bechterew verläuft chronisch und führt in der Regel zu einer Versteifung der Wirbelsäule.

Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Es gibt leichte Verläufe mit langen beschwerdearmen Phasen ohne wesentliche funktionelle Beeinträchtigungen. Bei 80 Prozent der Bechterew-Patienten bleibt die Arbeitsfähigkeit über Jahrzehnte hinweg erhalten.

Auch nach langen Verläufen kann die Krankheit zum Stillstand kommen. Nur bei sehr wenigen Patienten gestaltet sich der Krankheitsverlauf so schwierig, dass trotz optimaler Behandlung eine komplette Versteifung der Wirbelsäule bereits nach zehn Jahren nicht zu verhindern ist.

Der Krankheitsverlauf von Morbus Bechterew lässt sich in vier Phasen unterteilen:

1. Verdachtsstadium von Morbus Bechterew

In diesem Stadium herrschen Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und erhöhte Temperaturen vor. Wesentlichstes Symptom ist der tief sitzende Kreuzschmerz.

2. Stadium mit radiologischem Nachweis der Sakroiliitis

In diesem Stadium ist die Entzündung mit bildgebenden Verfahren wie Röntgenaufnahmen und MRT nachweisbar. Zusätzlich zu den Kreuzschmerzen können Schmerzen in höher gelegenen Wirbelsäulenabschnitten, zum Beispiel im Bereich der Brustwirbelsäule auftreten.

3. Versteifendes Wirbelsäulenstadium

Neben den bereits bestehenden Beschwerden kommt es zu Bewegungseinschränkungen vor allem an der Wirbelsäule. Beginnend am Kreuzbein greift die Entzündung aufsteigend auf die Lendenwirbelsäule, die Brustwirbelsäule und die Halswirbelsäule über.

4. Spätstadium des Bechterew

Die Wirbelsäule ist versteift. Schmerzen, hervorgerufen durch die Entzündung an der Wirbelsäule, treten eher zurück. Muskelschmerzen, bedingt durch Gelenkverformungen in der Hüft- oder Brustregion, können für den Betroffenen immer belastender werden. Die Rückenmuskulatur bildet sich zurück. Brüche der Wirbelkörper sind möglich - Ursache ist eine oft schon im Verdachtsstadium einsetzende Osteoporose. (Knochenentkalkung)

Das Fortschreiten der Erkrankung, die Schmerzintensität und das Ausmaß der körperlichen Einschränkungen lassen sich durch eine gezielte Therapie deutlich beeinflussen.

Therapie: Wie wird Morbus Bechterew behandelt?

Morbus Bechterew kann momentan nicht geheilt werden. Deshalb zielt eine optimale Behandlung darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Entzündung zu hemmen, die Bewegungsfähigkeit sowie die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und die Lebensqualität des Betroffenen zu sichern.  

Bei der Therapie von Morbus Bechterew wird zwischen der Therapie während der Entzündungsphase und der Therapie in der sogenannten „schubfreien Zeit" unterschieden. Die ärztliche Therapie sieht in einer akuten Phase meist eine Behandlung mit entzündungshemmenden Mitteln und Schmerzmitteln vor, während zwischen den Schüben die physikalische Therapie äußerst wichtig ist, um den verschiedenen Bewegungseinschränkungen entgegenzuwirken

Medikamente bei Morbus Bechterew

Zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung werden wie bei anderen rheumatischen Erkrankungen bevorzugt Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt.

Kortisonhaltige Medikamente (Glukokortikoide) kommen bei Morbus Bechterew nur in Ausnahmefällen zur Anwendung: Einerseits als so genannte Stoßtherapie in Phasen hoher Krankheitsaktivität mit starken Beschwerden. Dann wird das Medikament eingenommen oder gespritzt.  Zur gezielten Behandlung von Gelenk- oder Sehnenansatz-/Schleimbeutelentzündungen kann zudem eine Spritze direkt in die betroffene Region gegeben werden.

  • zum Special Rheuma

    Rheuma ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Je nachdem, welches Krankheitsbild vorliegt, sind eher Gelenke, Wirbelsäule, Muskeln oder Sehnen betroffen. Lesen Sie hier mehr über die Formen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Rheuma.

Neben NSAR und Kortison können bei schwerem Krankheitsverlauf auch sogenannte langwirksame Antirheumatika eingesetzt werden, die allerdings vor allem bei der rheumatoiden Arthritis und bei Psoriasis Anwendung finden. Zu dieser Arzneimittelgruppe zählen auch die sogenannten „Biologics“. Sie bewirken eine ursächliche Behandlung der Erkrankung, indem sie direkt im Immunsystem ansetzen und entzündungsfördernde Botenstoffe blockieren.

Wenn die medikamentöse Behandlung nicht zum gewünschten Erfolg führt oder die Wirkstoffe nicht vertragen werden, kann eine Behandlung mit Radioaktivität infrage kommen. Dafür wird  das radioaktiven Isotops Radium 224 injiziert. Die  "innere Bestrahlung" lindert in vielen Fällen die Schmerzen und dämpft die Entzündungsaktivität. Mitunter kann auch eine Kurbehandlung in sogenannten Radon-Stollen hilfreich sein.

Begleitende Therapie

Neben der Gabe von Medikamenten  ist eine möglichst konsequente krankengymnastische Behandlung wichtig, außerdem Ergo- und Sport- sowie physikalische Therapie (zum Beispiel Wärme, Kälte, Ultraschall). Maßnahmen wie Patientenschulungen und Psychotherapie unterstützen den Behandlungserfolg. Zudem kann die Anpassung entsprechender Hilfsmittel sinnvoll sein.

Bewegungstherapie

Der Grundpfeiler bei der Behandlung des Morbus Bechterew ist die regelmäßige Krankengymnastik. In Zusammenarbeit mit erfahrenen Therapeuten werden die Übungen dem Krankheitsstadium angepasst und können zur Besserung der Beschwerden führen. Sie helfen, die Beweglichkeit zu erhalten. Auch Ergo- und Sporttherapie - je nach Krankheitssymptomatik kommen bestimmte Sportarten wie Schwimmen in Frage - dienen der Verbesserung von Beweglichkeit und Erhaltung der Koordination.

Behandlung mit Kälte und Wärme

Wärme wird häufig zur Behandlung rheumatischer Beschwerden eingesetzt. Durch die Wärmeeinwirkung wird die Durchblutung gefördert und auf diese Weise eine Linderung der Schmerzen und eine Verminderung der Versteifung erreicht. Zu Hause eignen sich ein warmes Vollbad oder eine warme Dusche, eine Wärmflasche oder eine Heidecke. Im Rahmen von Massagebehandlungen können Infrarotbestrahlung, Elektrotherapie oder Fangopackungen eingesetzt werden. Darüber hinaus können auch Thermal- oder Moorbäder hilfreich sein.

Auch Kälte kann bei rheumatischen Beschwerden, insbesondere bei starken Entzündungsschüben, sinnvoll sein: entzündungshemmende und schmerzlindernde Effekte können mit Eis- oder Gelpackungen an einzelnen Gelenken erzielt werden. In Rheumakliniken kann in sogenannten Kältekammern eine Ganzkörperbehandlung durchgeführt werden.

Operation bei Morbus Bechterew

Für schwerere Erkrankungsformen, die auf dieses Behandlungskonzept nicht ansprechen, stehen auch operative Maßnahmen zur Verfügung. Bei dem Eingriff wird der Rücken wieder aufgerichtet und die Wirbelsäule in ihre natürliche Doppel-S-Form gebracht.

Leben mit Morbus Bechterew

Morbus Bechterew ist eine chronische Krankheit, sie kann nicht geheilt werden. Eine gesunde Lebensweise kann jedoch den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.

Sport hilft, beweglich zu bleiben

Für Patienten mit Morbus Bechterew ist regelmäßige körperliche Bewegung wichtig. Sport hilft, beweglich zu bleiben, Übergewicht abzubauen,  kräftigt Muskeln und Kreislauf und verbessert auch die Atemfunktion. Denn diese kann durch die Versteifung der Wirbelkörper im Brustbereich eingeschränkt sein.  Die in der Krankengymnastik gelernten Übungen sollten deshalb regelmäßig auch daheim trainiert werden. Welche Sportarten darüber hinaus geeignet sind, hängt davon ab, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist.

Günstig sind bei rheumatischen Erkrankungen sanfte Sportarten, die Gelenke und Wirbelsäule nicht stark belasten, wie zum Beispiel Schwimmen, Radfahren oder Wandern.

Die richtige Ernährung kann lindern

Zwar gibt es keine echte „Rheuma-Diät“, doch die Ernährung spielt bei vielen rheumatischen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Krankheitsschübe und Beschwerden bei Morbus Bechterew lassen sich durch eine geeignete Ernährung lindern. Durcheine vegetarische Ernährungsweise kann nach etwa drei Monaten eine Verbesserung der Beschwerden erzielt werden.

Besonders tierische Fette sind entzündungsfördernd. Fettes Fleisch und Wurst, Schmalz und Eigelb sollten deshalb nur sehr selten auf dem Speiseplan stehen. Der Verzehr Kaltwasserfischen wie  Hering, Lachs oder Forelle  sowie von Milchprodukten wirkt sich dagegen günstig auf den Krankheitsverlauf aus. Obst und Gemüse enthalten Vitamine und Spurenelemente mit antioxidativer Wirkung. Diese können Sauerstoffradikale abfangen, welche an entzündlichen Prozessen im Körper beteiligt sind.

Auf das Rauchen sollten Bechterew-Patienten möglichst verzichten. Nikotinkonsum hemmt die Wirkung der Medikamente, rauchende Patienten benötigen oft höhere Dosen oder müssen gar auf andere umsteigen.  Auch alkoholische Getränke sollten zurückhaltend konsumiert werden, denn diese vertragen sich oft nicht mit den eingenommenen Medikamenten.

Die richtige Ernährung bei Rheuma

 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. Februar 2017
Durch: es
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie: Leitlinie Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen, AWMF-Leitlinien Register Nummer: 060/003, Version: November 2013; O. Adam, C. Schnurr: Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen, Ernährungs Umschau 12-2008; Niethard, F., Pfeil, J.: Orthopädie. Thieme Verlag, Stuttgart 2005 Hees, H., Sinowatz, F.: Allgemeine und spezielle Pathologie. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 1996

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang