Hervortretende Venen

Krampfadern: Varizen am besten vorbeugen oder schonend entfernen

Krampfadern (Varizen) gelten als medizinisch unproblematisch und müssen nicht entfernt werden, solange keine Symptome auftreten. Erst wenn die blauen, knotigen Gefäße Schmerzen, Schwellungen oder Juckreiz verursachen, muss man sie behandeln. Dann lassen sich Varizen meist minimalinvasiv entfernen – bewährt hat sich insbesondere das Veröden (Sklerotherapie). Am besten ist es jedoch, Krampfadern vorzubeugen.

Krampfadern (Varizen)
Krampfadern sind oft genetisch bedingt. Trotzdem gibt es Tipps, um ihnen vorzubeugen.

Krampfadern sind knotig ausgebuchtete Venen, in denen der Blutabfluss behindert ist. Sie werden in der Fachsprache auch Varikosis oder Varizen genannt. Aus medizinischer Sicht sind Krampfadern in den meisten Fällen harmlos und bedürfen keiner ärztlichen Behandlung. Das gilt ebenso für die sogenannten Besenreiser, eine Vorstufe von Krampfadern.

Der Begriff Krampfader stammt vom mittelhochdeutschen Begriff "Krummadern", das heißt krumme, geschlängelte Ader. Eine Krampfader ist aber nicht nur eine geschlängelte, sondern auch eine erweiterte und in ihrer Funktion gestörte Vene.

Krampfadern können Schmerzen verursachen

In den meisten Fällen entwickeln sich Krampfadern in den Beinen, vor allem an den Waden und den Innenseiten der Schenkel. Krampfadern sind mehr oder minder knotig ausgebuchtet und von bläulich-violetter Färbung. Die fein verästelten sogenannten Besenreiser können auch im Gesicht auftreten. Hämorrhoiden zählen ebenfalls zu den Krampfadern. Dabei handelt es sich um eine mitunter schmerzhafte Venenschwäche im Bereich des Anus.

Meist bereiten Krampfadern keine Beschwerden und stellen höchstens ein kosmetisches Problem dar. Sie können aber auch zu chronischen Entzündungen führen. Komplikationen mit Krampfadern führen oft zu schmerzenden, sich schwer anfühlenden Beinen. Außerdem kann ein Juckreiz im Bereich der Krampfadern auftreten.

Bild Krampfadern
Krampfadern sind knotig und bläulich-violett.
iStockphoto

In manchen Fällen entwickeln sich aus Krampfadern Geschwüre und müssen dann behandelt werden. Das gilt insbesondere dann, wenn es im Bereich von Krampfadern zu Schwellungen oder Blutungen kommt.

Eine Ursache für Krampfadern: Bewegungsmangel

Es gibt viele Gründe, warum sich Venen zu Krampfadern entwickeln. Dazu gehören:

  • genetische Veranlagung
  • hormonelle Veränderungen in Schwangerschaft und Wechseljahren
  • Bewegungsmangel
  • starke Belastung der Beine, zum Beispiel durch Übergewicht oder langes Stehen

Die Neigung zu Krampfadern und einer allgemeinen Venenschwäche ist in den meisten Fällen genetisch bedingt. Bei vielen Menschen kommt es vor allem im fortgeschrittenen Alter anlagebedingt in den oberflächlichen und tieferen Venen zu Gefäßschwächen und Beschädigungen. Der behinderte Blutfluss lässt dann mit der Zeit Varizen entstehen.

Auch die Wechseljahre begünstigen die Entwicklung von Krampfadern. Der Grund ist, dass die Eierstöcke keine Hormone mehr bilden und auch andere Hormondrüsen im Alter in ihrer Funktion nachlassen und schließlich ganz ausfallen. Außerdem legen 60 Prozent der Frauen in der Postmenopause an Körperfett zu. Beide Mechanismen erhöhen die freien Fettsäuren im Blut. Diese setzen sich an den Gefäßwänden fest und verengen allmählich den Durchmesser der Gefäße.

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Lifeline/Wochit

Sitzende Tätigkeit und Bewegungsmangel beeinflussen den Blutfluss ebenfalls negativ. Damit Blut zum Herzen fließt, muss die Muskulatur permanent, gleichmäßig und ausdauernd arbeiten. Funktioniert das nicht, staut sich das Blut und schädigt die Gefäße. Auch anhaltend starke Belastungen der Beine etwa durch stehende Arbeiten, Übergewicht oder eine Schwangerschaft können die Entstehung von Krampfadern begünstigen.

Krampfadern in der Schwangerschaft

Das Entstehen oder die Verschlimmerung von Krampfadern während der Schwangerschaft lässt sich zum einen auf hormonelle Veränderungen zurückführen: Vermehrt wird das Hormon Progesteron ausgeschüttet, um die Gewebe, besonders die Gebärmutter, dehnbarer zu machen. Auch die Venenwände werden hierdurch elastischer. Der Rücktransport des venösen Blutes aus den Beinen zum Herzen wird so erschwert. Mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft drückt die wachsende Gebärmutter auf die Venen im Beckenbereich und erschwert den Blutfluss zusätzlich.

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Während der ersten Schwangerschaft leiden etwa 30 Prozent aller Frauen an Krampfadern, bei weiteren Schwangerschaften sind es bis zu 70 Prozent. Nach der Entbindung bilden sich Krampfadern häufig von alleine zurück – besonders bei Frauen, die vor der Schwangerschaft noch keine Probleme damit hatten. Verschwinden die Krampfadern nicht innerhalb von einigen Monaten, sollte man sich ärztlich untersuchen und die Varizen gegebenenfalls entfernen lassen. Allerdings sollten Mütter mit der Behandlung der Krampfadern nach Möglichkeit das Ende der Stillzeit abwarten, empfiehlt Antje-Susanne Kasper, Leiterin der Abteilung Gefäßchirurgie der Charité Berlin.

Zur Diagnose von Krampfadern genügt oft ein geübter Blick

Oberflächliche Krampfadern stellt der Arzt meist schon durch Betrachtung und Tastbefund fest. Mithilfe des sogenannten Manschettentests kann zudem untersucht werden, an welcher Stelle genau es zur ursächlichen Blutflussstörung kommt. Dabei bittet der Arzt den liegenden Patienten, ein Bein senkrecht anzuheben. Danach unterbindet er mittels einer Manschette den Blutfluss und bittet die untersuchte Person, wieder aufzustehen. So lässt sich beobachten, wo und wie sich die Krampfader mit Blut füllt.

Zur Untersuchung tieferer Venen steht die Dopplersonographie (Duplexsonographie) zur Verfügung. Auch Röntgenuntersuchungen können Teil einer eingehenden Diagnostik sein.

Krampfadern entfernen: strippen oder veröden lassen

Die meisten Krampfadern bereiten keine Beschwerden und führen auch nicht zu weiteren gesundheitlichen Schäden. Treten Komplikationen auf in Form von Schmerzen, Schwellungen oder Blutungen, sollten die Varizen fachgerecht behandelt werden, damit es nicht zu Gewebeschäden kommt.

Bereiten Varizen nur geringe Beschwerden, können diese folgendermaßen gelindert werden:

  • Beine hochlegen
  • langes Stehen vermeiden
  • viel Bewegung an der frischen Luft
  • Wechselduschen
  • lockere Kleidung
  • Gymnastik erleichtert den Blutfluss.
  • Kompressionsstrümpfe fördern die Blutzirkulation in den Beinen.
  • lange Sonnenbäder vermeiden

Naturheilmittel, sogenannte Rutoside, fördern die Durchblutung und wirken abschwellend. Ihre Spannkraft erhalten die Venen durch Saponine aus Rosskastanien und Mäusedorn, Cumarine stärken die Blutgefäße. Auch Auszüge aus roten Weinblättern helfen, Gewebswasser aus "dicken" Beinen zu schwemmen.

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In schwereren Fällen werden Krampfadern meist chirurgisch entfernt oder verödet. Das "Strippen" (Herausziehen) von Krampfadern mittels eines eingelassenen Fadens oder feinen Drahts sowie die Sklerotherapie, bei der die betroffene Vene mit einer Art Schaum verschlossen wird, gehören zu den vielversprechenden Verfahren.

Krampfadern veröden lassen: Sklerotherapie

Eine sehr hohe Erfolgsrate bei kleinen, oberflächlichen Varizen verspricht die Verödung. Sie kann nicht verhindern, dass in Zukunft andere Gefäße zu Varizen werden, verbessert jedoch schnell und verhältnismäßig kostengünstig das kosmetische Ergebnis.

Zwei Behandlungsmethoden stehen dem Arzt hierbei zur Verfügung. 

Bei der Sklerotherapie wird eine Flüssigkeit oder ein Schaum in die Vene gespritzt, um diese zu verkleben. Dadurch wird sie undurchgänglich gemacht. Eine Betäubung ist bei diesem Verfahren nicht nötig. Dafür müssen die Patienten jedoch mit mehreren Sitzungen rechnen, bis die Gefäße vollständig verschlossen sind. Besenreiser im Gesicht lassen sich außerdem mit einem kleinen Gerät behandeln, das über die Haut geführt wird und intensive Lichtpulse abgibt. Diese nicht ganz günstige Form der Lasertherapie erhitzt die Venen, bis diese sich verschließen.

Stripping gegen Krampfadern

Große, stark ausgeprägte Krampfadern einschließlich der Stammvene kann man mit einer ambulanten Operation dauerhaft entfernen oder abbinden. Eine relativ junge Technik ist die Chiva-Methode. Die kranken Venenabschnitte werden per Ultraschall aufgespürt und abgebunden. Dadurch kann das Blut nicht mehr zurückfließen, die Varizen bilden sich zurück. Bisher fehlen jedoch Langzeitergebnisse zu diesem Verfahren.

Länger erprobt ist das Stripping. Bei dieser Methode wird die gesamte Krampfader unter Voll- oder Rückenmarksnarkose entfernt. Die Entfernung erfolgt mit einem hakenförmigen Draht, der über einen kleinen Einschnitt an der Innenseite des Knöchels in die Varizen geführt und bis zur Leiste vorgeschoben wird. Die Vene wird anschließend Stück für Stück aus dem Bein gezogen. Zusätzlich zum Venenstripping wird häufig die vordere bzw. hintere Stammvene exakt dort abgetrennt, wo sie in das tiefe Venensystem übergeht. Dieser Eingriff soll verhindern, dass nach der Operation neue Krampfadern entstehen.

Radiowellentherapie

Bei der Radiowellentherapie (oder Radiofrequenztherapie, Verkleben durch Wärme) wird über eine Punktion eine Radiofrequenzsonde (RFITT) in die Vene eingebracht. Die Radiofrequenzenergie kann dabei genau dosiert werden. Die Vene zieht sich durch die entstehende Hitze an der Sondenspitze zusammen und wird verschlossen. Ein Leisten- oder Kniekehlenschnitt entfällt bei dieser Methode.

Die so behandelte Vene verbleibt im Körper und ist von außen nicht mehr sichtbar. Sie wird vom Körper im Laufe von Wochen abgebaut. Gegenüber herkömmlichen Operationsverfahren ist die RFITT-Methode ein besonders schonendes Verfahren und darüber hinaus einfach und sicher in der Durchführung. Die Schmerzbelastung sowie das Risiko einer Narbenbildung entfallen, Infektionen und Blutergüsse sind bei der Radiofrequenztherapie deutlich seltener.

Varizen gar nicht entstehen lassen: Krampfadern vorbeugen

Die Neigung zu Krampfadern und einer allgemeinen Venenschwäche ist in den meisten Fällen genetisch angelegt. Gleichwohl verringern die Vermeidung von starkem Übergewicht sowie Bewegung, die der Durchblutung des gesamten Körpers zugute kommt, das Risiko der Varizenbildung. Erika Mendoza, Leiterin der Venenpraxis Wunstorf bei Hannover, verdeutlicht die Vorteile sportlicher Aktivitäten: "Bewegung verbessert zum einen den Bluttransport in den Beinen, zum anderen entlastet jedes abgebaute Kilo Übergewicht die Venen."

Schwimmen und Aquagymnastik stärken Venen und Muskulatur

Auch wenn sich noch keine Probleme zeigen, senkt regelmäßige Aktivität das Risiko für Krampfadern sowie damit einhergehende Beschwerden und stärken die Venen. Bereits Spaziergänge regen die sogenannte Muskelpumpe an. "In den Beinen stellt dieses Transportsystem einen optimalen Blutfluss sicher: Bei Anspannung drücken die Muskeln die Venen zusammen und sorgen dafür, dass das Blut nach oben fließt, bei Erschlaffung fließt das Blut aus den oberflächlichen Venen in das tiefe Venensystem. Bewegung aktiviert diese Pumpe und stärkt die Muskulatur langfristig", erklärt Mendoza.

Vor allem Wassersportarten wie Schwimmen und Aquagymnastik erweisen sich als optimal für die Venen. Denn das Wasser sorgt für einen zusätzlichen Effekt. Ähnlich den Kompressionsstrümpfen entlastet der Druck geschwächte Venen, verbessert so die Blutzirkulation und regt den Abtransport von Flüssigkeiten aus dem Gewebe an. Daneben empfehlen Venenexperten alle Sportarten, die mit gleichmäßigen Bewegungen einhergehen. Dazu zählen beispielsweise Joggen, Walking, Radfahren oder Gymnastik.

Belastungen gering halten

Zeigen sich erste Venenprobleme, gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen beim Sport. So wirken schnelle Richtungswechsel und Stop-and-Go-Bewegungen, wie beispielsweise bei Tennis oder Squash üblich, belastend auf die Venenklappen.

Bei Sportarten wie Krafttraining, die mit einer sich wiederholenden Anspannung des Bauches einhergehen, spielt die richtige Atmung eine wichtige Rolle: "Bei Entspannung ein- und bei Anspannung ausatmen", erläutert Mendoza. "Ansonsten erhöht sich der Druck im Bauchraum, was langfristig zu einer Schwächung der Venenklappen führen kann, da das Blut zurück in die Beine drängt."

Übungen für die Venen

"Keine Zeit" zählt zu den häufigsten Ausreden dafür, dass die Bewegung zu kurz kommt. Dabei lassen sich kleine Übungen, die zwischendurch die Muskelpumpe anregen und die Venen stärken, einfach in den Alltag einbauen:

  • Bei langem Stehen zwischendurch auf die Zehenspitzen stellen und nach kurzer Zeit wieder die Fersen senken. Mehrfach wiederholen.

  • Im Sitzen oder Stehen mit den Füßen kreisende Bewegungen durchführen. Bietet sich auch im Büro am Schreibtisch an.

  • Auf den Rücken legen, Beine in die Luft strecken und wie beim Radfahren bewegen. Hierbei fließt das Blut gut aus den Beinen.

"Selbst wer bereits unter einer Venenschwäche leidet, kann durch einen aktiven Lebenswandel die Beschwerden minimieren", betont Mendoza.

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Letzte Aktualisierung: 04. August 2016
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Quellen: Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Merkblatt: Krampfadern in den Beinen http://www.iqwig.de; Renz-Polster, H., Krautzig, S., Braun, J. (Hg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer bei Elsevier; Gong Verlag; Manus Klinik (Krefeld); Deutsche Venen-Liga; Antje-Susanne Kasper, Leiterin der Abteilung Gefäßchirurgie der Charité Berlin; Venenpraxis Wunstorf; MCG Medical Consulting Group, Düsseldorf

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