Lumbago/Lumbalgie

Hexenschuss

Ein stechender Schmerz, der unvermittelt ins Kreuz fährt: Hexenschuss – medizinisch Lumbago oder Lumbalgie – wird der plötzliche, starke Schmerz im Rücken genannt. Betroffen von diesen Muskelverspannungen sind vor allem Menschen unter 50 Jahren. Beinahe jeder wird in diesem Alter mindestens einmal zur Zielscheibe der Hexe. Mit zunehmendem Alter scheint das Lumbalgie-Risiko jedoch zu sinken.

Hexenschuss,lumbago
Der Hexenschuss macht es oft unmöglich, sich wieder aufzurichten. Die Rückenschmerzen sind massiv und schränken die Beweglichkeit ein.
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Im schlimmsten Fall kann man sich bei einem Hexenschuss kaum noch aufrichten, weil der Rücken so weh tut. Schuld an der akuten Bewegungseinschränkung durch die Lumbago sind schmerzhafte Verspannungen.

Der Name Hexenschuss für dieses Beschwerdebild stammt aus dem Mittelalter. Damals waren die Menschen überzeugt, dass jede Krankheit durch die Manipulation von Hexen, Geistern oder anderen übernatürlichen Wesen ausgelöst werde.

Hexenschuss: Ursache ist nicht nur falsches Heben

Vor allem bei Fehlbelastungen oder abrupten Bewegungen wie beim Aufheben, Umdrehen, Aufrichten oder Aufstehen schießt der Schmerz in den Rücken – meist im Lendenwirbelbereich und bis zum unteren Rippenbogen. Manchmal tritt der Hexenschuss auch erst einen Tag nach dem Heben oder der Zugluft auf. Oft lässt sich auch gar kein konkreter Anlass feststellen.

Weil der Rückenschmerz so stark ist, meinen viele Betroffene, dass es sich um einen Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) handeln müsse. Das trifft jedoch nur selten zu. Und auch wenn die Schmerzen beim Hexenschuss noch so stark sein mögen: Es handelt sich in den allermeisten Fällen um keinen Organschaden, auch drohen keine bleibenden Lähmungen drohen.

Denn Ursache für den plötzlichen Rückenschmerz ist in erster Linie, dass sich bestimmte Muskeln verspannen und verkrampfen. Der Hexenschuss ist grundsätzlich also "nur" eine schmerzhafte Muskelverspannung oder Muskelzerrung. Das kann sich jedoch weiter auswirken, etwa auf:

  • Sehnen – die Muskelverhärtung zerrt an den Sehnen und reizt sie.

  • Gelenke – die Sehnen ziehen an ihnen und können sie aus der richtigen Position bringen (Gelenkblockierung).

  • Nerven – verhärtete Muskeln und leicht verschobene Gelenke können Nervenkanäle einengen. Betroffen sind beim Hexenschuss häufig die Kreuzdarmgelenke (Iliosakralgelenke) und damit der Ischias.

Oft hat der Hexenschuss eine Vorgeschichte und kommt nicht aus heiterem Himmel. Bewegungsmangel, monotone und einseitige Bewegungen, Stress und Übergewicht schwächen den Rücken und machen ihn anfällig für Rückenschmerzen durch Hexenschuss und andere Verspannungen. Ein starker Rücken mit gut ausgebildeter Muskulatur besitzt dagegen kaum ein Lumbago-Risiko.

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Zu den extrem seltenen Ursachen von Beschwerden, wie sie bei einem Hexenschuss auftreten, zählen Tumore oder eine Gefäßausbuchtung (Aneurysma) der Bauchschlagader. Dabei kommen jedoch zu den massiven Rückenschmerzen noch weitere Symptome dazu, etwa Kreislaufstörungen und Fieber.

Hexenschuss: Symptome sind meist eindeutig

Besonders typisch für den Hexenschuss: Aufrichten oder nach vorne beugen ist kaum noch möglich, der Betroffene muss in einer Schonhaltung verharren. Andere Lumbago-Patienten können sich nicht mehr richtig umdrehen oder nach hinten beugen, die Wirbelsäule ist blockiert. Betroffene beschreiben den Rückenschmerz als stechend, heiß oder bohrend.

Zusätzlich kann der Schmerz in Gesäß, Leiste und Beine ausstrahlen. Die starken Schmerzen und die Bewegungseinschränkung veranlassen die meisten Betroffenen, zum Arzt zu gehen – oder ihn im schlimmsten Fall kommen zu lassen. Unbedingt ärztlich abklären lassen sollten Sie, wenn zusätzlich eines der folgenden Alarmzeichen oder eine Kombination daraus auftritt:

  • Lähmungserscheinungen in den Beinen
  • Taubheitsgefühl und Kribbeln der Beine
  • Beine schmerzen beim Gehen massiv
  • Probleme beim Wasserlassen und Stuhlgang wie Inkontinenz

Hexenschuss: So stellt der Arzt die Diagnose

Zu Beginn der Diagnose stehen Fragen nach der Art der Beschwerden sowie wann und wie sie aufgetreten sind. Danach untersucht der Arzt den Patienten manuell (mit den Händen). Er prüft, inwieweit sich die Gelenke bewegen lassen und wann Schmerz und Blockade auftreten.

Zusätzlich tastet der Orthopäde die schmerzenden Bereiche ab, prüft die Sensibilität und die Reflexe. So stellt er fest, ob Nerven betroffen sind. Reicht diese manuelle Untersuchung nicht für eine Diagnose aus, helfen folgende Untersuchungstechniken weiter:

Auf diese Weise lässt sich festmachen, ob es Komplikationen gibt, ob ein Bandscheibenvorfall vorliegt oder Probleme mit dem Ischias und andere Nervenschäden aufgetreten sind.

Hexenschuss – die Behandlung: Nur Schmerzmittel oder gleich einrenken?

Das wichtigste Ziel bei der Therapie der Lumbago: Der Patient muss möglichst schnell wieder aktiviert werden. Das bedeutet, schmerzfrei zu werden, dadurch die Schonhaltung zu vermeiden und weitere Verkrampfungen zu verhindern. Denn anhaltende Schonhaltung würde zusätzliche Rückenprobleme nach sich ziehen.

Bei einem unkomplizierten Hexenschuss ist die Manipulation durch Einrenken, also Chiropraktik, anfangs oft eine passende Behandlungsmöglichkeit. Der Orthopäde oder Chiropraktiker bringt mittels Druck und Gegendruck das Gelenk wieder in die richtige Position, löst Blockaden und Verspannungen. Gelingt das, ist der Patient meist sofort wieder beschwerdefrei. Manchmal werden die Beschwerden jedoch nur etwas gelindert. In anderen Fällen hilft Chiropraktik gar nicht.

Die weiteren Maßnahmen bei Hexenschuss sind:

  • Medikamente: Gängige Substanzen sind vor allem Paracetamol, Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Dabei handelt es sich um Schmerzmittel. Daneben können auch muskelentspannende Medikamente (Muskelrelaxantien) sowie entzündungshemmende Arzneimittel wie Kortison zum Einsatz kommen. Alle Medikamente sollten nur nach Rat des Arztes und kurzfristig angewendet werden, etwa um die Beweglichkeit wieder herzustellen.

  • Bewegung und Bewegungstherapie (anfangs Krankengymnastik, später Rückenschule): Der Physiotherpeut/Trainer zeigt dem Patienten entsprechende Dehnübungen, um Muskeln und Sehnen zu lockern. Nach und nach folgen Kräftigungsübungen, um die Rückenmuskeln aufzubauen – denn starke Muskeln stützen die Wirbelsäule und können Blockaden verhindern.

  • Wärmetherapie: Wärmflasche, Wärmepflaster und Heizkissen lockern die Muskeln und verbessern die lokale Durchblutung, was Verspannungen lindert. Führen Sie jedoch die Wärmetherapie nur in der akuten Phase der Rückenschmerzen durch.
    Achtung: Wenn Sie bemerken, dass durch Wärme die Schmerzen stärker werden, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt darüber informieren. Eine Entzündung oder in äußerst seltenen Fällen auch ein Tumor könnte dann Ursache für den vermeintlichen Hexenschuss sein.

Entspannungstechniken wie Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Diese Techniken helfen zwar nicht sofort, sorgen aber auf Dauer für eine Entspannung der Muskeln und beugen so weiteren Verspannungen vor, die zur Lumbalgie führen können.

Bewegung besser als Bettruhe

Bettruhe, wie sie früher oft bei Hexenschuss angeordnet wurde, wird in modernen Behandlungskonzepten überaus kritisch gesehen. Die Begründung: Durch Ruhigstellung kann der Rückenschmerz leichter chronisch werden. Mit sanfter Bewegung verschwinden die Beschwerden schneller, einem erneuten Hexenschuss wird vorgebeugt.

Handelt es sich jedoch um einen komplizierten Hexenschuss, etwa mit Bandscheibenvorfall oder durch eine Einengung des Nervenkanals, sind weitere Untersuchungen nötig und die entsprechende Behandlung fällt anders aus.

Hexenschuss – diese Übungen sind sinnvoll

rücken-übung stufenlagerung
Stufenlagerung entspannt die Rückenmuskeln.
GU/Johannes Rodach

Doch was kann man selbst tun, wenn ein Hexenschuss auftritt? Als Erste Hilfe eignen sich folgende Maßnahmen, die Sie allerdings nur ausführen dürfen, wenn sie die Schmerzen und Blockade nicht verschlimmern:

  • Stufenlagerung: Legen Sie sich auf den Rücken, positionieren Sie Ihre Unterschenkel auf einem Schemel, festen Polster oder zusammengerollten Decken. Dabei sollten die Oberschenkel senkrecht direkt an dieser Stütze liegen, die Knie angewinkelt sein und die Unterschenkel waagrecht im rechten Winkel auf dem Polster liegen. Das entspannt die Wirbelsäule, vor allem der untere Bereich wird entlastet.

  • Seitenlagerung: Sie liegen auf der Seite. Das untere Bein ist ausgestreckt, das obere liegt leicht angewinkelt über dem anderen. Falls möglich, berührt das obere Knie den Boden. Dabei wird der untere Rücken (Lendenwirbel und Iliosakralgelenke) aufgedehnt.

  • Warm duschen: Viele schwören auf den heißen Wasserstrahl bei Rückenschmerzen. Duschen Sie möglichst warm den Bereich im Rücken, in welchem die Blockade sitzt.

Wie lange dauert der Hexenschuss?

Die akuten, starken Schmerzen bei einem Hexenschuss dauern meist nicht länger als 48 Stunden. In den folgenden vier Tagen klingen die Beschwerden dann langsam ab – falls nicht, sollten Sie zum Arzt gehen.

Eine Woche, nachdem der Hexenschuss aufgetreten ist, sind die schlimmsten Probleme wie Schmerzen und Bewegungseinschränkung bei den meisten Patienten verschwunden. Bis der Hexenschuss jedoch ganz weg ist, dauert es individuell unterschiedlich lange. Ausschlaggebend für die Dauer des Hexenschusses ist auch die Eigeninitiative des Patienten. Wer sich bald wieder bewegt, ist meist schneller schmerzfrei.

Hexenschuss vorbeugen: So verhindern Sie die Lumbalgie

Wer ihn einmal erlebt hat, möchte nie wieder einen Hexenschuss erleiden. Folgende Tipps können Ihnen dabei helfen, in Zukunft keine Lumbago mehr zu bekommen:

  • Bleiben Sie in Bewegung, am besten täglich. Verzichten Sie so oft wie möglich auf Lift, Rolltreppe und Auto. Gehen Sie besser zu Fuß. Und vor allem das Treppensteigen stärkt die Muskeln im unteren Rücken – und trainiert gleichzeitig Ihre Kondition.

  • Treiben Sie regelmäßig Sport. Rückenfreundliche Sportarten sind unter anderem Nordic Walking, Radfahren, Wandern und Bergwandern, Rückenschwimmen sowie Wassergymnastik.

  • Belegen Sie einen Kurs für Wirbelsäulengymnastik in Sportverein, Volkshochschule oder Fitnessstudio. Dabei werden besonders die tiefen Muskeln gekräftigt, die wie ein Stützkorsett die Wirbelsäule umgeben und schützen.

  • Lernen Sie in einer Rückenschule, wie Sie sich im Alltag rückenfreundlich verhalten – also das richtige Tragen, Bücken, Aufstehen...

  • Tragen Sie Schuhe, die den Fuß nicht einengen. Schuhe mit hohen Absätzen bitte nur für wenige Stunden anziehen und nicht lange darin laufen.

  • Achten Sie auf die Qualität Ihrer Matratze, die weder zu hart noch zu weich sein darf. Sie sollten morgens auf keinen Fall mit Rückenschmerzen aufwachen.

22 sanfte Hilfen gegen Rückenschmerzen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 28. September 2015
Quellen: Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz; Stand August 2013 Rückenschmerzen; Themenheft des Robert-Koch-Instituts, Hefte 35 Stand 2012

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