Infektion an Lippen oder Genitalien

Herpes: Das hilft von Creme bis Hausmittel!

Bei einer Infektion mit Herpes werden am häufigsten Veränderungen der Haut und Schleimhaut in Form von Bläschen auf gerötetem Grund beobachtet. Es trifft in der Regel die Schleimhaut an Lippen oder Genitalien.

Lippenherpes
Lippenbläschen durch Herpesviren tun extrem weh.
iStock

Die über die Haut oder Schleimhaut eingedrungenen Herpesviren wandern entlang von Nervenbahnen in Nervenknoten (Ganglien), in denen sie sich verstecken und in eine Art Schlaf verfallen. Bestimmte Auslöser, die vorübergehend die Abwehrkräfte schwächen, können die Herpesviren "wecken". Dann wandern sie entlang der Nervenbahnen zurück an die Oberfläche der Haut oder Schleimhaut und verursachen dort die lästigen Herpesbläschen.

Herpes: Tipps und Infos

Verschiedene Herpesformen

Bei Befall der Lippen spricht man von einem Herpes labialis (Lippenherpes), bei Beschwerden im Bereich der Mundschleimhaut (insbesondere bei Kindern) von einer Gingivostomatitis herpetica und bei einer Erkrankung im Genitalbereich von einem Herpes genitalis (Genitalherpes). Nach einer Erstinfektion bleibt das Herpes-simplex-Virus in der Regel in denjenigen Nervenbahnen bestehen, die mit den betroffenen Haut- beziehungsweise Schleimhautarealen in Verbindung stehen. Von diesen Nervenbahnen aus kann es noch Jahre oder Jahrzehnte später wieder die Haut beziehungsweise Schleimhaut befallen.

Daher können Krankheitszeichen, zum Beispiel im Sinne eines wiederkehrenden Herpes labialis beziehungsweise genitalis, auftreten, auch ohne dass sich der Betroffene erneut ansteckt. Man spricht dann von einem endogenen Rezidiv, das heißt von einem aus dem Inneren (des Körpers) kommenden Rückfall.

Erkrankungen mit Herpes simplex sind meist harmlos

Die oben genannten Erkrankungen sind zwar lästig, aber im Allgemeinen harmlos. Hingegen kann eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus bei Menschen mit gestörter Hautbarriere oder mit geschwächter Abwehrlage sehr schwer verlaufen. So können sich die Herpesbläschen bei Menschen mit atopischem Ekzem (Neurodermitits) oder bei Neugeborenen unter Umständen über die gesamte Hautoberfläche ausbreiten, dieses Krankheitsbild wird Ekzema herpeticatum genannt.

Neugeborene sind gefährdet

Neugeborene sind zudem besonders gefährdet, an einer Gehirnentzündung durch das Herpes-simplex-Virus (Herpes-Enzephalitis) zu erkranken. Sie können sich während der Geburt anstecken, falls die Mutter zu diesem Zeitpunkt Herpesbläschen im Genitalbereich hat oder an einem chronisch wiederkehrenden Herpes genitalis leidet.

Bei einer Herpes-genitalis-Infektion in der Vorgeschichte sollte die Schwangere ihren Gynäkologen unbedingt auf diese Tatsache hinweisen. Bei auffälligen Befunden im Genitalbereich oder entsprechender Vorgeschichte wird der Gynäkologe während der Schwangerschaft besondere Vorsorgeuntersuchungen durchführen. Dazu gehört auch ein Virusnachweis in den Schwangerschaftswochen 32, 34, 36 und dann wöchentlich.

Sollte eine Gefahr für das neugeborene Kind bestehen, kann diese durch eine geplante Schnittentbindung gebannt werden. Selten kommt es zu einer Ansteckung des Neugeborenen oder Säuglings durch den Lippenherpes eines Elternteils. Eltern können dies vermeiden, wenn die üblichen Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Dazu gehören, im Erkrankungsfall, das Tragen eines Mundschutzes beim Kontakt mit dem Kind und die gründliche Reinigung der Hände.

* Die Herpes-simplex-Erkrankung hat ihren Namen von der kriechenden, schlängelnden (herpein = kriechen) Ausbreitung der Bläschen an der Haut bzw. Schleimhaut. Der Beiname "simplex" (simplex = einfach) grenzt die Erkrankung von ähnlich aussehenden Hauterkrankungen wie dem Herpes zoster (Zoster, Gürtelrose) ab.

Symptome: Diese Anzeichen kennzeichnen die verschiedenen Herpes-Formen

Typisch für das Herpes-simplex-Virus sind zwei bis vier Millimeter große, gruppiert stehende, gelegentlich zusammenfließende (konfluierende), klare Bläschen auf gerötetem Grund in einem umschriebenen Haut-/Schleimhautareal. Nach einigen Tagen trübt der Inhalt der zunächst wasserklaren Bläschen ein. Anschließend zerplatzen die Bläschen, und es entstehen unregelmäßig begrenzte, nässende Defekte.

Da das Sekret an der Oberfläche der Erosionen eintrocknet, entstehen gelbliche Krusten. Etwa sieben bis 14 Tage nach Auftreten der ersten Bläschen heilen die Veränderungen ab. Narben bleiben in der Regel nur dann zurück, wenn die durch das Virus geschädigte Haut sekundär, das heißt im Gefolge der Viruserkrankung, durch Bakterien infiziert wird.

Anzeichen für Infektionen in verschiedenen Regionen

Typische Vorboten sind Jucken und Spannen der Haut, meist am Lippenrand oder am Naseneingang. Schon wenige Stunden später zeigen sich in Gruppen auftretende, äußerst schmerzhafte Bläschen, gefüllt mit klarer Flüssigkeit. Später trübt sich diese ein, die Ränder der Bläschen fließen zusammen bis diese letztendlich aufplatzen und sich an der betreffenden Stelle eine Kruste bildet. Diese kann beim Sprechen, Lachen oder Essen aufreißen und heftige Schmerzen bereiten.

Erstinfektion im Mundbereich: Gingivostomatitis herpetica

Die Erstinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus, insbesondere mit dem HSV Typ 1, findet im Allgemeinen im Kleinkindalter statt. Nur jedes zehnte Kind erkrankt mit einer Entzündung der Mundschleimhaut, bei den anderen läuft die Infektion stumm ab.

Die Inkubationszeit, das heißt die Zeitspanne zwischen Infektion und dem Auftreten erster sichtbarer Veränderungen, beträgt zwei bis sieben Tage.

Bei dieser Erkrankung treten im Bereich der gesamten Mundhöhle zahlreiche (20-50) Bläschen oder Aphthen (oberflächliche Schleimhautdefekte, Erosionen; daher der Begriff Stomatitis aphthosa) mit geröteter Umgebung auf. Kontaktpersonen fällt im Allgemeinen der üble Mundgeruch des Kindes auf; daher wird die Erkrankung auch Mundfäule genannt.

Die Veränderungen der Mundschleimhaut sind sehr schmerzhaft, was zu gesteigerter Speichelbildung und Appetitlosigkeit führt. Die Lymphknoten im Bereich des Unterkiefers sind in der Regel geschwollen und sehr druckempfindlich. Außerdem bestehen zumeist Fieber, Abgeschlagenheit und schweres Krankheitsgefühl. Nach ein bis zwei Wochen verschwinden die Krankheitszeichen wieder.

Endogenes Rezidiv: Herpes simplex der Lippe und der äußeren Haut

Jahre bis Jahrzehnte nach einer Gingivostomatitis herpetica oder auch nach einer unbemerkten Erstinfektion der Schleimhaut/ äußeren Haut kann es erneut zu einer Vermehrung von Virusteilchen kommen.

Dies geschieht insbesondere dann, wenn bestimmte auslösende Faktoren wie UV-Strahlung oder eine vorübergehende Schwächung des Abwehrsystems das "schlafende" Virus in den Ganglien des Nervensystems aktivieren. Im Gegensatz zur Erstinfektion sind die sichtbaren Veränderungen in der Regel auf ein umschriebenes, kreisförmiges bis ovales Haut- beziehungsweise Schleimhautareal begrenzt, dessen Durchmesser im allgemeinen zwischen 0,5 und sieben Zentimeter liegt.

Etwa zwei bis fünf Tage nach Einwirken des Provokationsfaktors bemerkt der Betroffene Juckreiz und Spannungsgefühl in einem umschriebenen Haut- beziehungsweise Schleimhautareal. Gelegentlich treten auch Schmerzen auf. Anschließend rötet sich das vom Virus befallene Areal, und es werden stecknadelkopf- bis reiskorngroße Bläschen sichtbar. Im Allgemeinen sind keine Lymphknoten geschwollen.

Am häufigsten ist das Gesicht, insbesondere im Bereich von Lippen und Naseneingang, betroffen. Allerdings kann auch jede andere Körperstelle, zum Beispiel Finger oder Gesäß, betroffen sein.

Herpes simplex im Genitalbereich: Herpes genitalis

Unter Herpes genitalis versteht man eine Infektion durch das Herpes-simplex-Virus im Genitalbereich von Mann oder Frau.

Nach einer genitalen Erstinfektion mit dem HSV erkranken schätzungsweise nur 20 bis 30 Prozent aller Infizierten. Veränderungen an Haut beziehungsweise Schleimhaut treten bei der Frau am häufigsten im äußeren Genitalbereich, seltener am Gebärmutterhals auf. Beim Mann finden sich die Virusbläschen vor allem an Eichel und Vorhaut.

Der Herpes genitalis kann sowohl im Rahmen einer Erstinfektion als auch eines endogenen Rezidivs (erneute Vermehrung der noch im Körper befindlichen Virusteilchen, ausgelöst durch Provokationsfaktoren) auftreten. Die Erstinfektion im Genitalbereich wird in der Regel durch sexuellen Kontakt, seltener durch Schmierinfektion zum Beispiel über die eigenen Hände von einem Lippenherpes oder über infektiöse Gegenstände, übertragen. Das endogene Rezidiv hingegen wird durch eine Reaktivierung des Virus in Nervenganglien verursacht und tritt daher unabhängig von sexuellen Kontakten auf.

Die Virusbläschen kündigen sich im Allgemeinen durch Jucken, Spannungsgefühl, Brennen oder Schmerz an der Schleimhaut an. Anschließend treten Bläschen auf gerötetem Grund auf, die innerhalb von Stunden platzen und flache Defekte der Oberhaut (Erosionen) hinterlassen. Wenn auch in der Nähe der Harnröhrenmündung Virusbläschen auftreten, leidet der oder die Betroffene unter brennenden Schmerzen insbesondere beim Wasserlassen.

Bei der Ersterkrankung sind im Allgemeinen weite Teile des Genitale, eventuell auch der angrenzenden Haut, von Bläschenbildung, Rötung und zum Teil sehr ausgeprägter Schwellung betroffen. Auch die Leistenlymphknoten auf beiden Seiten sind häufig geschwollen.

Mehr als zwei Drittel der Betroffenen leiden gleichzeitig an Krankheitsgefühl, Fieber und/oder Kopfschmerzen. Die Veränderungen an Schleimhaut und Haut bleiben ein bis zwei Wochen bestehen. Bei der Frau wird die Ersterkrankung im Bereich des äußeren Genitale Vulvovaginitis herpetica genannt.

Endogene Rezidive können an der Genitalschleimhaut oder an der Haut von Oberschenkel, Gesäß oder des unteren Anteils des Rückens oder des Bauches auftreten. Im Allgemeinen sind beim Rezidiv die Veränderungen nicht so ausgedehnt und die Beschwerden nicht so ausgeprägt wie bei der Erstinfektion.

Ansteckungsgefahr besteht, solange Bläschen, Erosionen ("offene Stellen") oder Krusten sichtbar sind.

Sonderform der Herpes-simplex-Erkrankung: Ekzema herpeticatum

Unter Ekzema herpeticatum versteht man eine Herpes-simplex-Infektion auf dem Boden eines Ekzems, insbesondere eines atopischen Ekzems (Neurodermitis).

Da bei Menschen mit Neigung zu atopischem Ekzem das körpereigene Abwehrsystem im Bereich der Haut geschwächt ist, kann sich das Herpes-simplex-Virus bei diesen Personen sowohl bei der Erstinfektion als auch beim endogenen Rezidiv besonders großflächig ausbreiten.

So kann zum Beispiel ein Lippenherpes zu einer Herpes-simplex-Infektion an fast der gesamten Haut führen. Betroffen sind insbesondere Gesicht, Hals, Oberkörper sowie die Arme. Die Virusaufnahme wird durch die zahlreichen winzigen Hautoberflächendefekte erleichtert.

In der Regel bestehen hohes Fieber und ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Wenn die Erkrankung nicht behandelt wird, treten über zwei bis drei Wochen schubweise neue Bläschen auf, während sich die länger bestehenden Veränderungen langsam umwandeln oder zurückbilden.

Durch Infusionen eines virushemmenden Medikaments (Aciclovir), kann die Krankheitsdauer deutlich verkürzt werden. Hierdurch sinkt zudem das Risiko von Komplikationen an der Haut infolge von bakteriellen Folgeinfektionen. Außerdem bietet die Infusion mit Aciclovir einen gewissen Schutz vor der Entstehung einer Herpes-Enzephalitis (Gehirnentzündung durch das Herpes-simplex-Virus).

Herpes-simplex-Infektion beim Neugeborenen und Säugling

Weil das körpereigene Abwehrsystem in den ersten Lebenswochen noch unreif ist, kann die Infektion in dieser Zeit besonders schwer verlaufen. Unter anderem ist beim Neugeborenen - im Gegensatz zum gesunden Erwachsenen - eine Ausbreitung der Viren mit dem Blutstrom und ein Befall innerer Organe möglich. In diesem Fall spricht man von einer Herpessepsis. Diese Erkrankung verläuft in den meisten Fällen tödlich. Sie kommt allerdings in Deutschland sehr selten vor, weil die Schwangeren regelmäßig vom Frauenarzt untersucht werden.

Neugeborene sind zudem besonders gefährdet, an einer Gehirnentzündung durch das Herpes-simplex-Virus (Herpes-Enzephalitis) zu erkranken. Sie können sich während der Geburt anstecken, falls die Mutter zu diesem Zeitpunkt Herpesbläschen im Genitalbereich hat oder an einem chronisch wiederkehrenden Herpes genitalis leidet.

Bei einer Herpes-genitalis-Infektion in der Vorgeschichte sollte die Schwangere ihren Gynäkologen unbedingt auf diese Tatsache hinweisen. Bei auffälligen Befunden im Genitalbereich wird der Gynäkologe während der Schwangerschaft immer auf eine Abklärung gegebenenfalls einen Virusnachweis drängen. Sollte eine Gefahr für das neugeborene Kind bestehen, kann diese durch eine geplante Schnittentbindung minimiert werden.

Selten kommt es zu einer Ansteckung des Neugeborenen oder Säuglings durch den Lippenherpes eines Elternteils. Eltern können dagegen die üblichen Vorsorgemaßnahmen treffen. Dazu gehören, im Erkrankungsfall, das Tragen eines Mundschutzes beim Kontakt mit dem Kind und die gründliche Reinigung der Hände.

Bei dem leisesten Verdacht, dass ein Kind sich angesteckt haben könnte, ist sofort der Kinderarzt oder auch die Notfallaufnahme einer Klinik aufzusuchen. Zur Vorbeugung von Folgeschäden sollte dann frühzeitig ein virusabtötendes Mittel durch Infusion verabreicht werden.

Ursache sind Viren, die die meisten in sich tragen

Die Ursache der Herpes-simplex-Infektion sind Viren. Das so genannte HSV Typ 1 löst vornehmlich den Lippenherpes aus, das HSV Typ 2 ist für den Herpes genitalis verantwortlich. Die Ansteckungsursache liegt in direktem Kontakt mit bereits befallenen Menschen oder Oberflächen, die von ihnen verunreinigt wurden.

Um den Infektionsweg zu verstehen, sind einige grundlegende Informationen über Viren notwendig.

Herpes verstehen: Viren brauchen Zellen des Wirts zur Vermehrung

Unter Viren versteht man Teilchen aus Eiweiß und Nukleinsäure (und eventuell zusätzlich Fettsubstanzen), die eine Stellung an der Grenze zwischen belebter und unbelebter Natur einnehmen: Im Nukleinsäure-Molekül (DNA oder RNA, je nach Art des Virus) ist die Erbinformation des Virus niedergelegt.

Viren können sich fortpflanzen, weil sie ähnlich wie die Zellen von Bakterien, Pilzen, Pflanzen, Tieren und des Menschen diese Nukleinsäure enthalten. Allerdings sind Viren nicht dazu in der Lage, ihr Nukleinsäure-Molekül allein zu vervielfältigen und die darin enthaltene Information zur Produktion von Eiweißmolekülen (und damit von neuen Virusteilchen) selbst umzusetzen.

Daher muss ein Virus zum Zweck seiner Vermehrung eine lebende Zelle infizieren. Das Virusteilchen nimmt durch bestimmte Moleküle an seiner Oberfläche Kontakt mit der Zellmembran, das heißt der umhüllenden Schicht, der lebenden Zelle auf. Die Eiweißhülle des Virusteilchens bleibt an der Zelloberfläche; nur das DNA- oder RNA-Molekül des Virus wird in die Zelle eingeschleust. Dieses Molekül enthält alle Informationen, die für eine Produktion neuer Virusteilchen durch die lebende Zelle erforderlich sind.

Herpes-simplex-Viren auf menschliche Hautzellen spezialisiert

Verschiedene Virusarten haben sich auf unterschiedliche Lebewesen spezialisiert. Je nach Art können Viren unter anderem Bakterien, Pflanzenzellen, tierische und menschliche Zellen dazu bringen, neue Virusteilchen zu produzieren.

Manche Viren wiederum befallen bevorzugt bestimmte Zelltypen eines mehrzelligen Lebewesens. Das Herpes-simplex-Virus (HSV) ist auf Zellen der menschlichen Oberhaut beziehungsweise Schleimhaut spezialisiert. Die Vermehrung der HSV-Teilchen findet hauptsächlich im Kern der befallenen Oberhautzelle statt. Im Zuge der Virusinfektion werden die befallenen Zellen stark geschädigt, sodass Defekte im Inneren der Oberhaut entstehen, die sich durch Einstrom von Gewebsflüssigkeit in pralle Bläschen umwandeln.

Zwei unterschiedliche Herpes-Viren

Mithilfe von Labormethoden können zwei verschiedene Stämme (Typen) des Herpes-simplex-Virus unterschieden werden. Das HSV Typ 1 wird vor allem in Herpes-Bläschen an Mundschleimhaut, Lippen beziehungsweise Gesichtshaut nachgewiesen, das HSV Typ 2 vor allem in Schleimhautveränderungen im Genitalbereich. Allerdings kann jeder der beiden Virus-Stämme grundsätzlich jede Art der Herpes-simplex-Erkrankung auslösen.

Wie steckt man sich mit dem Herpes-simplex-Virus an?

Das Herpes-simplex-Virus wird von Mensch zu Mensch übertragen. Die Ansteckung kann durch direkten Hautkontakt oder – seltener – indirekt als Schmierinfektion über infizierte Hände oder Gegenstände erfolgen. Der Herpes genitalis wird in der Regel durch sexuelle Kontakte übertragen.

Bei Lippenherpes ist auch eine Tröpfcheninfektion möglich, zum Beispiel durch Speicheltröpfchen beim Sprechen. Infektiös sind grundsätzlich alle Herpes-Bläschen und die nässenden offenen Stellen (Erosionen), die nach dem Platzen der Bläschen zurückbleiben. Selbst in den Krusten, die nach dem Eintrocknen der Gewebsflüssigkeit entstehen, ist noch Virus nachweisbar.

Herpes-Viren auch in unauffälliger Haut und Schleimhaut

Allerdings können auch in äußerlich unauffälliger Haut beziehungsweise Schleimhaut Virusteilchen gebildet werden. Dies ist bei etwa 90 Prozent aller Menschen, die mit dem Herpes-simplex-Virus infiziert sind, der Fall.

Daher ist die Ansteckung bei einem Menschen, bei dem keine Krankheitszeichen entstehen, der häufigste Übertragungsweg der Herpes-simplex-Infektion überhaupt. Gelegentlich wird auch eine Schmierinfektion von einer erkrankten Körperstelle auf andere Körperpartien beim selben Menschen beobachtet. Insbesondere bei Kindern kommt eine Übertragung des Virus vom Mund zur Hand und von dort zum Genitalbereich vor. Begünstigend für eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus wirken Störungen in der Schutzfunktion der Oberhaut, wie sie insbesondere bei Menschen mit empfindlicher, trockener Haut beziehungsweise mit Neigung zu atopischemn Ekzem (Neurodermitis) vorkommen können.

Das Auftreten der Bläschenschüben

Auslöser sind Herpes-simplex-Viren (Typ 1), die etwa neun von zehn Erwachsenen in sich tragen. Doch nur bei rund einem Drittel der Virusträger kommt es zu wiederholt auftretenden Bläschenschüben. Verantwortlich dafür ist eine vorübergehende Schwäche des Immunsystems, beispielsweise ausgelöst durch körperliche oder seelische Belastung, Ekel, intensive Sonnenbäder, fieberhafte Infekte (daher auch Fieberbläschen genannt), psychischen Stress sowie bei Frauen durch die Regelblutung.

Diagnose: Mit diesen Tests werden Herpesviren festgestellt

Ob die Symptome eines Herpesbefalls richtig gedeutet wurden, lässt sich nur mit komplexen Nachweismethoden ermitteln. Dazu werden Elektronenmikroskope, Blutuntersuchungen und Gen-Tests (PCR) verwendet.

Herpes: Diagnose
Die Symptome geben den Hinweis auf die Diagnose Herpes. Der Nachweis ist deutlich aufwändiger.
Thinkstock

 

Wegweisend für die Diagnose ist zunächst der Befund der körperlichen Untersuchung durch den Arzt. Für Herpes simplex sind klare, teilweise zusammenfließende Bläschen auf gerötetem Grund typisch. Zusätzliche Untersuchungen finden nur bei unklaren Befunden und schweren Verläufen statt.

Virusnachweis durch Elektronenmikroskopie

Bei Patienten mit unklarer Diagnose oder sehr schwerem Befall (zum Beispiel mit einem Ekzema herpeticatum) können die Viruspartikel durch elektronenmikroskopische Untersuchung im Schleimhautabstrich oder Bläscheninhalt nachgewiesen werden. Das Untersuchungsergebnis kann dem behandelnden Arzt noch am selben Tag übermittelt werden. Allerdings steht ein Elektronenmikroskop nur sehr großen Kliniken zur Verfügung.

PCR bringt Licht in unklare Fälle

Unter Polymerase-Kettenreaktion (PCR) versteht man ein Laborverfahren zur Vervielfältigung der DNS, das heißt der Nukleinsäure, in der die Erbsubstanz des Herpes-simplex-Virus festgelegt ist. Im Anschluss an die Vervielfältigung ist ein laborchemischer Nachweis der Virus-DNS möglich. Auf diese Weise kann festgestellt werden, ob sich zum Beispiel in einem Bläschen Virusteilchen der Art Herpes simplex befinden.

Diese Untersuchung fällt nur beim Herpes-simplex-Virus positiv aus, nicht bei anderen Krankheitserregern. Da die Untersuchung sehr aufwändig ist, wird sie nur in unklaren Fällen beziehungsweise bei Patienten mit einer schweren Grunderkrankung zur Sicherung der Diagnose durchgeführt.

Großteil der Erwachsenen hat Antikörper gegen Herpes im Blut

Es ist grundsätzlich möglich, im Blut Antikörper (Eiweißstoffe des körpereigenen Abwehrsystems) nachzuweisen, die gegen das Herpes simplex-Virus gerichtet sind. Diese Eiweißstoffe sind im Blut eines jeden Menschen zu finden, der irgendwann im Laufe seines Lebens eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus durchgemacht hat.

Zwei Faktoren schränken die Aussagekraft eines positiven Antikörpernachweises allerdings ein: Erstens verlaufen zwischen 90 und 99 Prozent aller Infektionen mit dem Herpes-simplex-Virus ohne Krankheitszeichen. Zweitens ist das Virus sehr weit verbreitet. So kommt es, dass etwa 80 bis 90 Prozent aller Erwachsenen Antikörper gegen das Herpes-simplex-Virus besitzen.

Daher ist der Nachweis der Antikörper im Blut nicht beweisend für die Diagnose einer behandlungsbedürftigen akuten Infektion. Infolgedessen wird bei Verdacht auf Herpes simplex in der Regel keine Blutuntersuchung auf Antikörper durchgeführt.

Therapie: Nur symptomatische Behandlung der Herpesbläschen möglich

Herpes kann mit Virustatika behandelt werden. Das sind Wirkstoffe zur Virenbekämpfung, die eine Vermehrung der Viren hemmen. Der Retrovirenhemmer Aciclovir hat sich im Kampf gegen Herpesviren bewährt. Er kann als Medikament systemisch eingenommen oder als Salbe auf die Haut aufgetragen werden.

Äußerliche Behandlung des Lippenherpes

Bei einem unkomplizierten Lippenherpes genügt im Allgemeinen eine äußerliche Behandlung mit einem virusabtötenden Wirkstoff. Die Therapie soll bereits bei den ersten Anzeichen für ein Wiederauftreten des Lippenherpes (Juckreiz, Brennen, Spannungsgefühl) beginnen. Cremes mit dem Wirkstoff Aciclovir sind zumindest in kleinen Mengen rezeptfrei erhältlich.

Herpes: Therapie
Zum Auftragen von Cremes gegen Lippenherpes eignen sich Wattestäbchen.
Getty Images/iStockphoto

 

Aciclovir und auch Penciclovir hemmen die Vermehrung der Herpesviren, während Docosanol oder Hausmittel die Hautzellen vor deren Angriff schützen. Folglich können sie das Auftreten von Bläschen eindämmen oder sogar verhindern. Darüber hinaus beschleunigen sie deren Abheilen, womit auch weniger Schmerzen verbunden sind.

Früher Therapiebeginn für guten Behandlungserfolg

Voraussetzung dafür ist schnelles Handeln: Je früher die Präparate auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden, desto größer ist der Behandlungserfolg. Diese Regel gilt ebenso für Präparate mit Zinksulfat (auch in Kombination mit Heparin), die den Viren entgegenwirken und den Heilungsprozess fördern. Hilfe leisten auch winzige, nahezu unsichtbare Patches zum Aufkleben. Sie verdecken die Bläschen und unterstützen das Abheilen. Die Substanz Tromantadin sollte nach Möglichkeit gemieden werden, da sie unter Umständen Kontaktallergien verursachen kann.

Empfehlenswert ist das Auftragen der Cremes mit Hilfe eines Wattestäbchens, das nach jedem Gebrauch weggeworfen werden sollte. Zusätzlich sollten nach jeder Behandlung die Hände gründlich gewaschen werden.

Innerliche Behandlung bei schwerer Herpesinfektion

Eine innerliche Behandlung mit dem virusabtötenden Wirkstoff Aciclovir kommt dann infrage, wenn bei besonders ausgeprägten Beschwerden die Erkrankungsdauer verkürzt werden soll. Dies kann bei einer besonders schweren Primärinfektion, zum Beispiel im Mundbereich (Gingivostomatitis herpetica) oder im Genitalbereich (Herpes Genitalisbeziehungsweise Vulvovaginitis herpetica), der Fall sein. Bei einem Ekzema herpeticatum, das heißt bei einer Herpes-simplex-Infektion auf dem Boden eines atopischen Ekzems (Neurodermitis), wird in der Regel eine Infusionstherapie mit Aciclovir im Rahmen eines stationären Aufenthalts durchgeführt.

Präventiv-Therapie mit Aciclovir-Tabletten gegen Rückfälle

Bei besonders häufigen beziehungsweise quälenden Rezidiven (Rückfällen) der Erkrankung kommt eine vorsorgliche Behandlung mit Aciclovir-Tabletten über einige Monate in Frage. Auf diese Weise kann zumindest ein befristeter Schutz vor einem Wiederauftreten erzielt werden. Allerdings tötet der Wirkstoff Aciclovir nicht die ruhenden Virusteilchen in den Nervenganglien ab. Daher kann das Herpes-simplex-Virus im Körper auch durch medikamentöse Behandlung nicht beseitigt werden.

Die Substanz Aciclovir wird im Allgemeinen auch bei innerlicher Anwendung gut vertragen. Sehr selten kann es zu einer vorübergehendenStörung der Ausscheidungsfunktion der Nieren kommen. In der Regel bildet sich diese Funktionsstörung von selbst wieder zurück, wenn die Dosis des Medikaments verringert wird.

Herpes vorbeugen: Diese Tipps schützen vor Lippenbläschen

Gegen Lippenherpes gibt es weder eine Impfung noch können vorbeugend Medikamente eingenommen werden. Dennoch gibt es einfach Wege, einer Infektion mit Herpes vorzubeugen!

Mundschutz tragen zum Schutz von Neugeborenen

Da wäre zum einen der Versuch, die Ansteckung durch Körperkontakt mit Menschen zu vermeiden, bei denen eine offensichtliche Herpesinfektion besteht.Dies ist allerdings nur in einem kleinen Teil der Fälle möglich. Ein großer Teil der Menschen ist Virusträger, aber nicht erkrankt. Von diese Menschen geht dennoch aufgrund des im Körper verbleibenden Virus eine Ansteckungsgefahr aus. Eltern von Neugeborenen und Säuglingen sollten während des Bestehens eines Lippenherpes einen Mundschutz (in Apotheken erhältlich) tragen, wenn sie sich im Zimmer des Kindes aufhalten.

Kaiserschnitt kann vor Infektion bei der Geburt schützen

Einer Ansteckung des Kindes während der Geburt kann durch Schnittentbindung vorgebeugt werden, wenn bei der Mutter kurz vor dem errechneten Geburtstermin ein akuter Herpes Genitalis besteht. Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen achtet der Frauenarzt insbesondere auf Bläschen im Genitalbereich, die auf eine Erkrankung hinweisen können. Bei herpesverdächtigen Befunden kann ein Virusnachweis Klarheit verschaffen und eine Therapie eingeleitet werden.

Aciclovir zur Vorbeugung bei wiederkehrendem Herpes

Menschen, die an einem wiederkehrenden Lippenherpes leiden, sollten auslösende Faktoren (sogenannte Provokationsfaktoren) wie ultraviolette (UV-)Strahlung meiden oder ein Lichtschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor auftragen. Bei sehr häufigem Wiederauftreten eines Lippenherpes oder eines Herpes genitalis kann eine zeitweilige beziehungsweise andauernde Einnahme von Tabletten mit dem Wirkstoff Aciclovir erwogen werden.

Was Sie sonst noch gegen Herpes tun können

Bereits beim ersten Kribbeln besteht eine hohe Ansteckungsgefahr. Deshalb sollten jegliche Körperkontakte mit anderen Menschen wie beispielsweise Küssen unterbleiben. Dies gilt besonders für Eltern von Kleinkindern und Säuglingen. Ein Risiko der Ansteckung besteht auch beim gemeinsamen Benutzen von Gläsern, Tassen und Besteck.

Auf Brille umsteigen während Herpes-Schub

Kontaktlinsenträger sollten während eines Bläschenschubes auf Nummer Sicher gehen und eine Brille tragen. Dadurch lässt sich vermeiden, dass beim Linsenwechsel Viren in die Augen gelangen und dort möglicherweise schwere Schäden anrichten.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. Januar 2017

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Hautinfektionen (Herpes)
    Herpes jan/nein? was tun ?
    19.02.2013 | 13:14 Uhr

    Guten tag, letzte Woche Dienstag bekamm ich leichte Schmerzen an der Eichelspitze, am Tag...   mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang