Viruserkrankungen

Gürtelrose (Herpes zoster)

Der Begriff Gürtelrose oder Herpes Zoster bezeichnet eine Virusinfektion, die mit einem schmerzhaften, bläschenbildenden Hautausschlag entlang verschiedener Nervenbahnen (Dermatome) einhergeht.

Gürtelrose (Herpes Zoster)
Schmerzhafte Bläschen auf der Haut sind typisch für eine Gürtelrose. Sie wird von den selben Viren verursacht wie die Windpocken.
Getty Images/iStockphoto

Die Gürtelrose, medizinisch Herpes zoster genannt, ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren ausgelöst wird. Dabei bilden sich schmerzhafte Bläschen auf der Haut entlang verschiedener Nervenbahnen (Dermatome). Der Hautausschlag zeigt sich meist nur an einer Seite des Kopfes oder des Oberkörpers, gelegentlich sind auch eine Gesäßhälfte und ein Bein betroffen. Weil Herpes zoster besonders häufig halbringförmig um den Bauch herum auftritt, wird die Krankheit als Gürtelrose bezeichnet.

Hautausschlag: Welche Krankheit steckt dahinter?

 

Gürtelrose trifft meist ältere Menschen

Am häufigsten erkranken Menschen über 50 Jahren an Gürtelrose. Schätzungen zufolge erkrankt etwa ein Fünftel der Bevölkerung einmal im Leben daran. Vor dem 50. Lebensjahr tritt Gürtelrose eher selten auf. Wenn es dazu kommt, sind vor allem Personen mit einem geschwächten Immunsystem betroffen.

Gürtelrose ist Spätfolge der Windpocken

Die Viren, die eine Gürtelrose hervorrufen, sind Varizellen, die Auslöser der Windpocken. Wenn eine Infektion mit Windpocken überstanden ist, bleiben die auslösenden Viren (Varizellen) ein Leben lang inaktiviert und sozusagen schlummernd in den Nervenbahnen.

Bei Stresssituationen und schlechter Abwehrlage wachen die Krankheitserreger wieder auf und rufen die Gürtelrose hervor. Wenn eine Gürtelrose rechtzeitig erkannt und frühzeitig behandelt wird, kann ein schwerer Herpes-zoster-Verlauf mit Komplikationen verhindert werden.

Gürtelrose: Diese Symptome verraten Herpes zoster

Die ersten Symptome einer Gürtelrose (Herpes zoster) können denen einer Grippe ähneln. Es kommt zu Beschwerden wie Fieber und Schüttelfrost. Manchmal sind die ersten  Anzeichen einer Gürtelrose nur allgemeines Schwächegefühl und Müdigkeit. Danach macht sich ein Kribbeln und Jucken an den Hautpartien entlang der betroffenen Nervenbahnen bemerkbar. An diesen Stellen bilden sich später gruppiert stehende und hochinfektiöse Bläschen.

Betroffene Hautareale schmerzen bei Berührung

Insgesamt rötet sich die Haut in den betroffenen Regionen und ist äußerst schmerzempfindlich bei Berührungen jeglicher Art. Nach etwa einer Woche beginnen die Bläschen zu verkrusten, bis sie nach weiteren ein bis zwei Wochen ausheilen.

Schmerzen bei Gürtelrose

In rund zehn Prozent der Fälle kommt es zu mehr oder minder starken Schmerzen entlang der betroffenen Nerven (Zosterneuralgie. Unter den über 60jährigen kommt es sogar bei 20 bis 60 Prozent zu dieser Spätfolge. Der Schmerz bei Gürtelrose ist tief drückend, stechend oder brennend, er schießt mitunter blitzartig ein.

Haut reagiert übersensibel bei Gürtelrose

Sehr häufig kommt es bei Gürtelrose  im schmerzenden Bereich auch zu Sensibilitätsstörungen in Form von Überempfindlichkeit gegenüber Reizen (Hyperpathie). Manchmal ist auch die Schmerzschwelle herabgesetzt (Hyperalgesie), was im Extremfall dazu führt, dass jede Berührung der Haut im betroffenen Bereich schmerzt (Allodynie). diese Spätfolgen der Gürtelrose sind schwer zu therapieren.

Gürtelrose: Welche Ursachen stecken dahinter?

Die Ursache für Gürtelrose ist eine Reaktivierung der Erreger der Windpocken, der sogenannten Varizellen (Varicella zoster). Erkranken an Gürtelrose kann also nur derjenige, der die Erreger in sich trägt, die bei Erstkontakt Windpocken hervorrufen. Nach den Windpocken ist man weitgehend immun gegen eine erneute Infektion mit Varizellen.

Varizellen bleiben nach überstandenen Windpocken im Körper

Allerdings verbleiben die Viren nach überstandener Erkrankung als "Schläfer" im Körper und siedeln sich entlang der Nervenbahnen in den Nervenknoten der Wirbelsäule und/oder der Hirnnerven. In diesem inaktiven Zustand sind sie für das Immunsystem unsichtbar, werden also nicht weiter bekämpft.

Abwehrschwäche führt zu Gürtelrose

Dort können sie aufgrund eines geschwächten Abwehrsystems jederzeit wieder aktiv werden und Gürtelrose auslösen. Die genaue Ursache, warum es zu einem Ausbruch einer Gürtelrose kommt, bleibt in den meisten Fällen unklar. Insbesondere HIV-Infizierte oder LLeukämiekrankeeukämiekranke haben aufgrund ihres geschwächten Immunsystems ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer Gürtelrose zu erkranken.

Gürtelrose: So läuft die Diagnose ab

Um Gürtelrose zu diagnostizieren, wird Ihr Arzt Sie eingehend über die Beschwerden befragen (Anamnese). Ein wichtiger Hinweis sind meist schon die vor der Bläschenbildung auftretende Schmerzen entlang der betroffenen Nervenbahnen, die charakteristischerweise auf nur eine Körperhälfte begrenzt sind. Haben sich die Bläschen auf der Haut schon ausgebildet, verrät das typische Erscheinungsbild dieser Hautveränderungen die Erkrankung.

Gürtelrose nicht mit Lippenherpes verwechseln

Allerdings darf die Gürtelrose nicht mit Lippenherpes (Herpes simplex) verwechselt werden, der sich nicht nur auf die Lippen, sondern auf angrenzende Hautbereiche ausdehnen kann - ähnlich wie die Gürtelrose.

Antikörper im Blut sichern die Diagnose Gürtelrose

Verschiedene Blutuntersuchungen, bei denen der Erreger beziehungsweise spezifische Antikörper nachgewiesen werden, können helfen, wenn die Diagnose nicht klar feststeht. Die Befunde liefern dann mitunter auch Hinweise auf andere Erkrankungen.

Behandlung der Gürtelrose: Diese Therapie-Bausteine gibt es

Eine spezifische Therapie bei der Gürtelrose ist bei Personen mit einem gesunden Immunsystem meist nicht nötig. Gürtelrose heilt ohne eine besondere medikamentöse Therapie von alleine wieder aus. Meist reichen in diesen Fällen eine austrocknende und antiseptische Behandlung der mit Bläschen bedeckten Hautpartien sowie eine ausreichende Schmerzbehandlung.

Antivirale Therapie gegen schweren Verlauf von Gürtelrose

Eine Therapie, die gezielt die Herpes-zoster-Viren bekämpft (antivirale Therapie), kann den Krankheitsverlauf unter Umständen verkürzen oder mildern, und einen schweren Verlauf der Erkrankung verhindern. Zur Verfügung stehen dafür beispielsweise die Wirkstoffe Aciclovir, Brivudin, Famciclovir oder Valaciclovir.

Dringend ratsam ist eine antivirale Behandlung bei:

  • Menschen ab dem 50. Lebensjahr
  • Herpes Zoster im Bereich des Kopfes und/oder am Hals
  • schwerem Herpes Zoster (etwa wenn mehr als ein Segment befallen ist, die Bläschenbildung ungewöhnlich ausgeprägt ist, oder wenn Schleimhaut - etwa im Mund oder am Auge - betroffen ist)
  • Menschen mit geschwächter Immunabwehr
  • Menschen mit schweren allergisch bedingten Hautläsionen (Dermatitis atopica)
  • Kindern und Jugendlichen, die dauerhaft mit Salizylaten oder Kortikosteroiden behandelt werden.

Die Therapie der Gürtelrose richtet sich also immer nach den individuellen Gegebenheiten des Patienten.

Gürtelrose: Verlauf, Stadien und Komplikationen

Wer einen Herpes zoster bekommt, ist meist nach zwei bis drei Wochen wieder gesund, sofern das Immunsystem intakt ist. Allerdings kann es zu Komplikationen wie einer Hirnhautentzündung (Meningitis) beziehungsweise zu chronischen Verläufen mit immer wieder anfallsweise auftretenden Nervenschmerzen (Postherpetische Neuralgie, Zosterneuralgie) kommen.

Gürtelrose kann auf innere Organe übergehen

Weitere Komplikationen, die im akuten Stadium auftreten können, sind zusätzliche bakterielle Infektionen der betroffenen Hautpartien, Lähmungserscheinungen im Bereich betroffener Nerven, Bindehautentzündung sowie verschiedene Beschwerden an inneren Organe.

Hautbläschen der Gürtelrose sind hoch infektiös

Im Bläschenstadium ist eine Gürtelrose per Schmierinfektion hochinfektiös. Bei ungeschützten Personen, die weder gegen Windpocken geimpft sind, noch bereits eine Varizelleninfektion durchlaufen haben, führt eine Übertragung der Herpes-Zoster-Viren mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Windpocken-Infektion. Neuere Studien weisen sogar darauf hin, dass Gürtelrose, Windpocken und Herpes auch im Anfangsstadium und beim Abklingen noch ansteckend sein können.

Gürtelrose vorbeugen: Kann man sich schützen?

Eine ganz gezielte Vorbeugung gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) ist nicht möglich. Einige Studien haben allerdings gezeigt, dass die Impfung gegen Windpocken einen gewissen Schutz vor dem späteren Ausbruch einer Gürtelrose bietet.

Gürtelrose für Schwangere weniger riskant als Windpocken

Erkranken Schwangere an einer Gürtelrose, besteht (anders als bei einer Windpockeninfektion) kaum Gefahr für das ungeborene Kind. Im Stadium der Bläschenbildung auf der Haut sollten werdende Mütter sich jedoch unbedingt von anderen Schwangeren fernhalten, da diese gegebenenfalls keinen eigenen Immunstatus gegen Varizellen haben und deshalb an Windpocken erkranken können.

Gesunde Lebensweise schützt vor Gürtelrose

Weil bekannt ist, dass Gürtelrose oft in Stresssituationen auftritt, wenn zu viele Belastungen bestehen, lässt sich mit einer gesunden Lebensweise bis zu einem gewissen Maß der Gürtelrose vorbeugen. So bekommen beispielsweise Leistungssportler, die sich zu sehr verausgaben manchmal Gürtelrose, und Menschen, die zu starkem psychischem Stress ausgesetzt sind. Stressabbau und Entspannung beugen deshalb auch Gürtelrose vor.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 15. Dezember 2015
Quellen: RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Varizellen (Windpocken), Herpes zoster (Gürtelrose). Robert Koch-Institut, Berlin AWMF Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Infektiologie. Zoster und Zosterschmerzen

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Hautinfektionen (Herpes)
    Gürtelrose und Sonne?
    20.07.2013 | 01:21 Uhr

    Hallo. Leider hab ich zu meinen beiden oben genannten Stichworten keine Themen hierzu...   mehr...

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