Häufige Krebsart bei Frauen

Gebärmutterhalskrebs: Impfung kann vor Zervixkarzinom schützen!

Gebärmutterhalskrebs beginnt häufig mit Entzündungen im Bereich des Muttermundes. Sich daraufhin verändernde Zellen, die sehr wahrscheinlich durch eine Virus-Infektion hervorgerufen wurden, führen über verschiedene Vorstadien zum Zervixkarzinom.

mädchen bei der hyposensibilisierung
Eine Impfung, die jungen Mädchen im besten Fall vor dem ersten Sex verabreicht wird, kann vor Gebärmutterhalskrebs schützen. Sie wirkt gegen HPV (Humane Papillomviren), die mit der Krebsentstehung zusammenhängen.
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Gebärmutterhalskrebs – in der Fachsprache Zervixkarzinom genannt – ist eine der häufigsten Arten von Krebs bei Frauen. Jährlich treten weltweit etwa 500.000 Fälle neu auf, 230.000 Patientinnen versterben. In Deutschland sind rund 6.000 Frauen betroffen. Vor allem Frauen im mittleren Lebensalter sind betroffen.

Meist tritt die Krankheit zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr erstmalig auf. Zellveränderungen oder Krebsvorstufen werden jedoch oft schon viel früher – am häufigsten bei Frauen zwischen 20 und 40 Jahren festgestellt.

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland

 

Hauptverursacher sind Humane Papillomviren (HPV), gegen die es inzwischen eine Impfung gibt. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Impfkosten bei Mädchen von zwölf bis 17 Jahren. Die Impfung soll vor dem ersten Geschlechtsverkehr durchgeführt werden. Heutzutage wird zudem empfohlen, dass sich ebenso junge Männer vor ihrem ersten Verkehr dagegen impfen lassen, da sie Überträger des Virus sind.

Vorsorge- und Früherkennungsprogramme in der westlichen Welt haben dazu geführt, dass die Zahl der Patientinnen mit fortgeschrittenem Zervixkarzinom und die Zahl der Todesfälle in den vergangenen Jahren stark gesunken ist. Mit Abstrichen an Muttermund und Gebärmutterhals können bösartige Veränderungen oft schon frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Gebärmutterhalskrebs beginnt häufig mit Entzündungen

Vorsorge spielt bei dieser Krebsart eine große Rolle, denn typisch für die Erkrankung ist ein sehr langer Entstehungsprozess. Gebärmutterhalskrebs beginnt häufig mit Entzündungen im Bereich des Muttermundes. Betroffen sind zunächst Oberflächenzellen (Plattenepithel). Diese Zellen verändern sich im Laufe der Zeit sehr langsam über verschiedene Vorstufen zu Krebszellen. Der Prozess kann bis zu 15 Jahre dauern.

Sind erst einmal Krebszellen vorhanden, breitet sich die Erkrankung weiter aus, ausgehend von den Oberflächenzellen zunächst in tiefere Schichten, dann auf angrenzende Organe wie Scheide und Gebärmutterkörper. Auch andere Bauchorgane wie Blase und Darm können befallen werden. Über den Anschluss an Lymphbahnen erfolgt die Ausbreitung der Tumorzellen in Lymphknoten. Seltener gelangen Krebszellen in die Blutbahn und bilden dann Absiedlungen (Metastasen) in Organen wie Lunge oder Knochen.

Symptome: Diese Anzeichen deuten auf Gebärmutterhalskrebs hin

Gebärmutterhalskrebs verläuft über verschiedene Entwicklungsstadien und bleibt oft über lange Zeit symptomlos. Die Erkrankung wird deshalb häufig erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist.

Zellveränderungen im Vorstadium des Gebärmutterhalskrebses, die Vorstufen, führen nicht zu Beschwerden. Ebenso verlaufen frühe Stadien der Krebserkrankung häufig ohne Symptome.

Häufige Warnsignale beim Zervixkarzinom

In späteren Phasen sind Blutungen die typischen Symptome des Zervixkarzinoms. Diese können nach dem Geschlechtsverkehr oder nach Belastungen wie Reiten und Rad fahren auftreten, aber auch beim Entleeren sehr festen Kots. Allerdings sind solche Blutungen nicht immer auf Gebärmutterhalskrebs zurückzuführen.

Andere gutartige Veränderungen in der Gebärmutter oder am Gebärmutterhals können ebenso dahinter stehen. Für Betroffene besteht daher kein Grund zur Panik, wenn Blutungen beobachtet werden. Trotzdem sollte umgehend ein Facharzt aufgesucht werden. 

Ursachen und Risikofaktoren des Gebärmutterhalskrebses: Nicht nur HPV!

Die Ursache für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist bislang noch nicht genau geklärt. Eine wesentliche Rolle spielt die Infektion mit Humanen Papilloma-Viren (HPV). Daneben gibt es Hinweise auf Faktoren, die den Ausbruch der Krankheit zusätzlich begünstigen könnten.

Das HP-Virus kann beim Sex übertragen werden und ruft Warzen sowie entzündliche Veränderungen im Genitalbereich oder auf angrenzenden Hautarealen hervor. In der Regel verschwinden die Entzündungen nach einiger Zeit. Jedoch entwickeln etwa drei Prozent der mit HPV infizierten Frauen Gebärmutterhalskrebs.

Warum das so ist, darüber gibt es noch keine sicheren Erkenntnisse. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass diese Viren durch die Produktion bestimmter Proteine die Stoffwechselvorgänge in den Oberflächenzellen stören – mit der Folge, dass sich die Zellen verändern.

Was begünstigt Gebärmutterhalskrebs noch?

Die Wissenschaftler gehen weiter davon aus, dass bestimmte Faktoren die Entstehung eines Zervixkarzinoms zusätzlich begünstigen. An erster Stelle wird das Rauchen genannt. So sind Raucherinnen mit einer vorliegenden HPV-Infektion doppelt so häufig von bösartigen Entartungen am Gebärmutterhals betroffen als Nichtraucherinnen. Vermutlich wirken Zigarettenbestandteile hemmend auf bestimmte Abwehrzellen, sodass Infektionen nicht mehr ausreichend bekämpft werden können.

Daneben gilt ein geschwächtes Immunsystem als Risikofaktor, denn Gebärmutterhalskrebs tritt überdurchschnittlich häufig bei HIV-Infizierten, AIDS-Kranken und Patientinnen, die ein sogenanntes Immunsuppressivum – ein Medikament zur Unterdrückung des Immunsystems – einnehmen, auf. Ebenfalls häufig erkranken Frauen, die schon sehr jung und mit oft wechselnden Partnern Geschlechtsverkehr hatten. Auch Ernährungsgewohnheiten scheinen eine Rolle zu spielen.

Krebs: Die größten Risikofaktoren

 

Diagnose des Zervixkarzinoms: Diese Untersuchungen bringen Gewissheit

Um sicher abklären zu können, ob eine Krebserkrankung im Bereich des Gebärmutterhalses vorliegt, muss der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen. Zunächst wird er feststellen, ob und in welchem Maße Veränderungen an den Zellen vorliegen. Bestätigt sich der Verdacht auf Krebs, muss der Ausbreitungsgrad der Erkrankung ermittelt werden.

Abstrich zeigt entartete Zellen

Der Arzt beginnt mit dem Abtasten der Gebärmutter durch die Bauchdecke und von der Scheide her. Ein nächster Schritt ist das Abstreichen von Oberflächenzellen des Muttermundes und des Gebärmutterhalses (PAP-Test). Diese Zellabstriche werden nach einer bestimmten Methode bearbeitet und die Zellen danach unter dem Mikroskop genau betrachtet.

Zellveränderungen, und zwar sowohl Krebsvorstadien als auch Krebszellen, sind so in der Regel gut sichtbar. Durch eine Spiegelung der Scheide und des Muttermundes (Kolposkopie) kann der Gynäkologe den Gebärmutterhals direkt betrachten und mögliche Veränderungen orten.

Ergeben Abstrich und Kolposkopie einen verdächtigen Befund, erfolgt eine Gewebeentnahme (Biopsie) am Gebärmutterhals. Am Biopsie-Material lässt sich erkennen, ob sich der Krebs schon in tiefer liegende Schichten ausgebreitet hat. Fallen die Ergebnisse der Biopsie nicht eindeutig aus, muss ein kegelförmiger Abschnitt des verdächtigen Gewebes aus dem Gebärmutterhals entfernt werden. Diesen Vorgang nennt man auch Konisation. Das entnommene Gewebe wird wiederum mikroskopisch untersucht.

Kürettage: Ausschabung der Gebärmutter

Stellt sich heraus, dass sich die Erkrankung erst im Stadium der Krebsvorstufen befindet oder liegt ein Zervixkarzinom im Frühstadium vor, ist die Behandlung bereits nach der Konisation abgeschlossen, denn damit wurde das betroffene Zellmaterial bereits entfernt.

Besteht der Verdacht, dass der Krebs schon weiter vorangeschritten ist, wird eine Ausschabung des Gebärmutterhalses und -körpers durchgeführt. Diesen Vorgang nennt man Kürretage. Dadurch lässt sich ermitteln, ob sich der Tumor bereits auf weitere Teile der Gebärmutter ausgebreitet hat.

Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauches gibt Hinweise auf befallene andere Organe im Bauchraum. Zudem besteht die Möglichkeit, mit einer Ultraschalluntersuchung, bei welcher der Ultraschallkopf durch die Scheide eingeführt wird, die Gebärmutter, die Eierstöcke und die Eileiter zu betrachten. Mithilfe von Röntgenaufnahmen des Brustkorbs, der Niere und der Harnwege sind Metastasen sowie das Ausmaß der Krebsausdehnung in diesen Organen erkennbar.

Weitere Untersuchungen wie Blasen- und Darmspiegelung oder Computer- und Magnetresonanztomographie dienen ebenfalls zur Feststellung der Tumorausbreitung und von Tochtergeschwülsten.

Sogenannte Tumormarker – das sind spezielle Substanzen, die vorrangig in Krebszellen gebildet werden – lassen sich im Blut nachweisen und können zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs herangezogen werden. 

Therapie: So wird Gebärmutterhalskrebs behandelt

Die Behandlung des Gebärmutterhalskrebses ist abhängig vom Tumorstadium und vom Zustand der Patientin. Ingesamt stehen drei Therapieformen zur Verfügung: Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Gegebenenfalls werden die Therapieformen kombiniert.

Operative Behandlung

Liegen Zellveränderungen im Stadium der Krebsvorstufen oder ein Krebs im Frühstadium vor, kann das kegelförmige Herausschneiden des verdächtigen Gewebes aus dem Gebärmutterhals, die sogenannte Konisation, ausreichend sein. Hat sich der Tumor bereits auf tiefere Schichten ausgebreitet, muss die gesamte Gebärmutter entnommen werden. In einigen Fällen kann es nötig sein, Teile der Scheide und die angrenzenden Lymphknoten mit zu entfernen. Während des Eingriffs kontrollieren die Ärzte, ob weitere Organe wie Blase oder Darm befallen sind und in die Operation einbezogen werden müssen.

Bestrahlung

Eine Strahlentherapie ist angezeigt, wenn sich die Krebserkrankung in einem weiter fortgeschrittenen Stadium befindet. Sie wird durchgeführt, wenn aus verschiedenen Gründen nicht operiert werden kann, teilweise aber auch im Anschluss an eine Operation. Die Bestrahlung erfolgt von innen, wobei sich die Strahlenquelle in der Scheide befindet. Ergänzend kann von außen durch die Bauchdecke hindurch die Gebärmutter direkt bestrahlt werden.

Chemotherapie gegen das Zervixkarzinom

Eine weitere therapeutische Möglichkeit besteht in der Chemotherapie. Die Patientinnen erhalten über Infusionen so genannte Zytostatika – Präparate, die schnell wachsende Zellen, zu denen in erster Linie Krebszellen gehören, zerstören. Angewendet wird diese Therapieform, wenn bereits Metastasen vorhanden sind oder allgemein zur Besserung der Beschwerden in fortgeschrittenen Krebsstadien, teilweise ergänzend zur Strahlentherapie.

Gebärmutterhalskrebs vorbeugen mit HPV-Impfung und Kondomen

Je früher ein Gebärmutterhalskrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Regelmäßige Besuche beim Frauenarzt sollten daher für jede Frau Pflicht sein! Erkennt der Arzt primäre Zellveränderungen wie Krebsvorstufen und -frühstadien, kann in 95 Prozent der Fälle erfolgreich therapiert werden.

Während der Vorsorgeuntersuchung tastet der Arzt Muttermund und Gebärmutterhals gründlich ab und entnimmt Abstriche, die im Labor speziell aufbereitet und mikroskopisch betrachtet werden. Ergibt sich aufgrund der Laboruntersuchungen ein Verdacht, wird die Patientin benachrichtigt und weitere diagnostische Verfahren werden eingeleitet.

Da dem Humanen Papilloma-Virus (HPV) bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs eine große Bedeutung zugeschrieben wird, diskutieren europäische Experten gegenwärtig, ob ein Test, der dem Nachweis einer HPV-Infektion dient, in die Vorsorgeuntersuchung einbezogen werden sollte. In den USA ist dies bereits der Fall.

Unabhängig davon, ob spezielle HPV-Tests Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung werden oder nicht, kann sich jede Frau vorab schützen, indem sie beim Geschlechtsverkehr Kondome verwendet, denn das Virus kann beim Sex übertragen werden!

Gegenwärtig wird zudem die Möglichkeit einer HPV-Impfung in Studien untersucht. Sie hat sich in ersten Analysen als effektiv erwiesen. Allerdings schützt sie nicht vor allen HPV-Typen und muss schon vor der Erstinfektion durchgeführt werden. Eine Impfung ist demnach in einem sehr jungen Alter für Mädchen, vermutlich auch Jungen zwischen elf und zwölf Jahren angezeigt. Bereits infizierte Erwachsene zu impfen, ist hingegen nicht sinnvoll.

Wie auch bei anderen Krebsarten kann eine gesunde Lebensweise, zu der eine ausgewogene Ernährung und Nichtrauchen gehören, das Risiko zu erkranken minimieren.

Hier finden Patientinnen und Angehörige Rat und Hilfe

Viele Betroffene fallen mit der Diagnose Gebärmutterhalskrebs und den möglichen Belastungen einer Therapie – vor allem im fortgeschrittenen Stadium – in ein seelisches Tief. In diesem Fall ist es wichtig, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies kann ein Psychotherapeut oder auch ein Seelsorger sein. Professionelle Hilfe speziell für Krebs-Betroffene bieten Psychoonkologen. Regionale Krebsberatungsstellen und Selbsthilfegruppen können außerdem Rat und Hilfe bieten.

Aber auch im Internet finden Sie schnell Tipps zur (Selbst-)Hilfe bei Gebärmutterhalskrebs:

Autor:
Letzte Aktualisierung: 02. Februar 2017
Durch: sba
Quellen: Deutsche Krebshilfe: http://www.krebshilfe.de Krebs in Deutschland – Häufigkeiten und Trends. Gemeinsame Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., 7. Ausgabe, 2010 Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums, Heidelberg: www.krebsinformationsdienst.de; Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Diagnostik und Therapie des Zervixkarzinoms

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