Nahrungsmittelintoleranzen: Fructosemalabsorbtion

Fructoseintoleranz – Auf Kriegsfuß mit Fruchtzucker

Etwa ein Drittel der Menschen vertragen keinen Fruchtzucker, wie er in Früchten und Gemüse vorkommt. Doch längst nicht bei allen kommt es zu typischen Symptomen. Die Fruchtzuckerunverträglichkeit zeigt sich mit Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit und Durchfall.

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Fruchtzucker in Obst kann bei manchen Menschen zu Verdauuungsproblemen führen.
Getty Images/iStockphoto

Die Fructoseintoleranz ist eine der am häufigsten vorkommenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die Zunahme von industriell hergestellten Lebensmitteln, die oft mit Fructose angereichert sind, lässt mittlerweile viele an Verdauungsproblemen leiden.  In Deutschland sind es schätzungsweise 30 Prozent der Bevölkerung. Doch nur bei etwa einem Drittel davon kommt es zu ausgeprägten Beschwerden des Verdauungstraktes, weil die Menge an Fruchtzucker, die im Verdauungstrakt gerade noch toleriert wird, bei jedem Betroffenen unterschiedlich ist.

Fructoseintoleranz, auch als intestinale Fructoseintoleranz (IFI) oder Fructosemalabsorption (FM) bezeichnet, ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit gegen Fruchtzucker (Fructose). Fruchtzucker kommt natürlicherweise in Früchten und verschiedenen Gemüsesorten vor, ist aber auch Bestandteil gewöhnlichen Haushaltszuckers.  Neben der intestinale Fructoseintoleranz gibt es noch die deutlich seltener auftretende hereditären Fructoseintoleranz (HFI, Fructosämie). Diese ist erblich bedingt.

Ursachen der Fructoseintoleranz liegt meist im Darm

Fruchtzucker ist in Obst und vielen Gemüsesorten natürlich vorhanden und gesunde Menschen haben mit der Verdauung von Fructose auch keine Probleme.  Im Dünndarm werden die Fruchtzuckermoleküle vom einem Protein, dem Enzym GLUT-5 normalerweise aus dem Darminneren in den Blutkreislauf transportiert.

Wenn das Enyzm GLUT-5 jedoch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht oder nicht richtig funktioniert, kann im Dünndarm nicht genügend Fruchtzucker abtransportiert werden. Auch der Zuckeraustauschstoff Sorbit wird mit dem Enzym GLUT-5 ins Blut geschleust. Eine hohe Aufnahme von Sorbit blockiert deshalb zusätzlich die Aufnahme von Fruchtzucker.

Als Ursache für die Fructoseintoleranz kommt auch eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut in Frage, wie sie bei Magen-Darmentzündungen, bei der Einnahme bestimmter Medikamente aber auch bei Krankheiten des Magen-Darm-Traktes, wie Zöliakie oder Morbus Crohn auftreten kann.

Fructose im Dickdarm führt zu Verdauungsbeschwerden

Weitgehend unverdaut gelangt die Fructose deshalb in größeren Menge in den Dickdarm. Bei der Fructosemalabsorbtion besteht zusätzliche eine funktionelle Darmstörung, dass heißt, der Dickdarm kann die Menge an Fructosemolekülen nur unzureichend verarbeiten. Die dort vorhandenen Bakterien bauen Fructose zu kurzkettigen Fettsäuren und Gasen wie Wasserstoff oder Kohlendioxid um, was zu Beschwerden wie Durchfällen und Blähungen führt

Weitaus seltener ist die angeborene hereditären Fructoseintoleranz. Bei dieser Störung des Fructosestoffwechsels fehlt ein Enzym, welches Fructose in der Leber aufspaltet. Dadurch erhöht sich der Gehalt an Fruchtzucker in den Körperzellen, was wiederum den Abbau von Glukose (Traubenzucker) hemmt.

Verwechselbare Symptome: Blähungen und Durchfall durch Fructoseintoleranz?

Nicht bei allen Betroffenen, die an einer Fructosemalabsorbtion leiden, treten immer und zu jeder Zeit auch Beschwerden auf. Meistens kann eine bestimmte Menge an Fructose durchaus vertragen werden. Erst wenn die individuell unterschiedliche Grenze erreicht ist, machen sich Magen-Darm-Beschwerden bemerkbar.

Die typischen Symptome der Fructoseintoleranz treten in der Regel bereits kurz nach dem Verzehr von fruchtzuckerhaltigen Lebensmittel auf. Zu den Anzeichen gehören

Weitere mögliche Beschwerden sind krampfartige Bauchschmerzen, Aufstoßen, Sodbrennen, weicher Stuhl sowie häufiger Harndrang und Stuhlgang. Da die Symptome  auch einer ganzen Reihe anderer Beschwerden (Reizdarmsyndorm, Magen-Darm-Erkrankungen) zugeordnet werden können, macht die Diagnose für den Arzt nicht einfacher.

Bei Fructoseintoleranz verändert sich auf Dauer auch die Darmflora. Dadurch kann es zu einem Mangel an Zink und Folsäure kommen. Das führt langfristig zu einem geschwächten Immunsystem, entzündlichen Hauterkrankungen, Haarausfall und seelischen Störungen wie Depressionen, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen oder Reizbarkeit.

Die angeborene hereditäre Fructoseintoleranz wird bereits im Säuglingsalter bemerkt, wenn begonnen wird, die ausschließliche Milchnahrung auf Beikost mit Obst und Gemüse umzustellen. Auch hier werden nach dem Füttern zunächst Verdauungsbeschwerden (Durchfall, Blähungen, Erbrechen) beobachtet. Da der Fruchtzucker sich jedoch im Körper anreichert, blockiert er die Aufnahme des lebenswichtigen Traubenzuckers (Glukose). Das führt zu einer gefährlichen Unterzuckerung (Hypoglykämie), zu Leber- und Nierenstörungen.

Diagnose Fructoseintoleranz: So erkennen Sie sie selbst

Eine Fructoseintoleranz kann zeitweise auftreten oder dauerhaft. Bei Kleinkindern kann sie zum Beispiel  Das Standardverfahren zur Diagnose der Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorption) ist der Wasserstoffatemtest. Dabei wird der Gehalt von Wasserstoff (H2) in der Atemluft bestimmt. Nach tiefem Einatmen pustet der Proband – ähnlich wie bei einem Alkoholtest – seine gesamte Atemluft in ein Gerät, das die Wasserstoffkonzentration misst.

Dieser Vorgang erfolgt zunächst im nüchternen Zustand und wird nach der Einnahme einer bestimmten Menge gelösten Fruchtzuckers in regelmäßigen zeitlichen Abständen wiederholt. Der H2-Atemtest kommt beispielsweise auch bei der Diagnose einer Laktoseintoleranz zum Einsatz.

Zusätzlich zu dem diagnostischen Verfahren können Betroffene ein Ernährungstagebuch führen. Durch die genaue Aufzeichnung können Zusammenhänge zwischen aufgenommenen Lebensmitteln und beobachteten Beschwerden hergestellt werden. Dem Arzt ergeben sich so bereits Hinweise auf die Erkrankung und mögliche weitere Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Sehr oft nämlich leiden Betroffene neben  einer Fructoseintoleranz an weiteren Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die ähnliche Symptome hervorrufen. Weit verbreitet ist zum beispiel die Kombination mit Laktoseintoleranz.

Wenn es in der Familie bereits Fälle der erblich bedingten Fruchtzuckerunverträglichkeit (intestinale Fructoseintoleranz) gibt, muss auf auf den Atemtest unter allen Umständen verzichtet werden, da es hierbei zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen kann.  Bei dieser Erkrankungsform bringt eine Blutuntersuchungen auf genetische Veränderungen Gewissheit.

Was tun bei Fructoseintoleranz? Die beste Therapie ist...

Medikamente gegen die Fructoseintoleranz gibt es nicht. Bei der angeborenen Form, der hereditären Fructoseintoleranz (HFI, Fructosämie) muss lebenslang komplett auf Fructose verzichtet werden. Bereits kleine Mengen können zu Störungen von Leber- und Nierenfunktion und Schädigung dieser Organe führen.

Diätplan und Karenzphase bei Fructoseintoleranz

Eine erworbene Fructoseintoleranz lässt sich jedoch recht gut mit einer Ernährungsumstellung  behandeln, so dass sich die Beschwerden deutlich verringern oder ganz wegbleiben. Diese Ernährungsumstellung läuft in zwei Phasen ab: der Karenzphase und der Toleranzphase.

Für die Karenzphase, die etwa zwei bis vier Wochen dauert, stellt nach Möglichkeit ein entsprechend ausgebildeten Arzt oder ein Ernährungsexperten einen Diätplan auf. Dabei sollte nicht nur auf möglichst fructosefreie Kost geachtet werden. Auch schwerverdauliche Gemüsesorten und kohlensäurehaltige Getränke sollten gemieden werden, damit die Darmflora sich erholen kann.

Toleranzphase: Wie viel Fructose vertrage ich?

Nachdem die Beschwerden mithilfe solch einer Diät abgeklungen sind, wird die persönliche Toleranzgrenze für Fructose ermittelt, indem schrittweise wieder steigende Mengen an Fructose verzehrt werden. Meist wird Fruchtzucker besser vertragen, wenn gleichzeitig Traubenzucker (Glukose) aufgenommen wird.

Halten die Beschwerden trotz des Verzichts auf Fructose und Zuckeraustauschstoffe an, sind weitere Untersuchungen nötig, denn viele Betroffene leiden gleichzeitig an anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, beispielsweise gegen Milchzucker.

Welche Lebensmittel darf ich essen?

Gut geeignet bei Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorption) sind beispielsweise Kartoffeln, Getreideprodukte, Milchprodukte ohne zugesetzte Früchte und Gemüsesorten wie Erbsen, Spinat, Spargel, Blumenkohl, Brokkoli, gegarte Pilze, Gurken, Kürbis, Sellerie, Zucchini, Tomaten oder Möhren. In kleinen Mengen können auch Obstsorten wie Papayas, Litschis und Rhabarber verzehrt werden. Außerdem können Betroffene Nüsse, Fleisch, Geflügel, Fisch und Eier problemlos essen.

Einige Beispiele, welche Lebensmittel und Getränke gemieden werden sollten und welche Alternativen es gibt, haben wir am Ende des Artikels in der Galerie zusammengestellt.

Fructose in Maßen, Zuckeraustauschstoffe meiden

Betroffene mit erworbene Fructoseintoleranz sollten grundsätzlich darauf achten, die Aufnahme von Fruchtzucker zu verringern. Ein kompletter Verzicht ist oftmals nicht nötig. Da Glukose (also Traubenzucker) die Aufnahme von Fructose verbessert, können Früchte zum Beispiel damit gesüßt werden. Auch das Backen mit Traubenzucker ist möglich. Zudem kommt es oft auch auf den Zeitpunkt der Fructose-Aufnahme an. So kann ein Obstdessert nach einer reichhaltigen Mahlzeit durchaus bekömmlich sein, wogegen Obst zum Frühstück auf leeren Magen zu den bekannten Verdauungsproblemen führt.

Auf Zuckereraustauschstoffe wie Sorbit, Mannit oder Xylit sollten Betroffene dagegen möglichst verzichten. Diese blockieren  das GLUT-5-Transportsystem und verstärken so die Symptome der Fructoseintoleranz. Sorbit kommt natürlich in Früchten wie Aprikosen, Pfirsichen oder Pflaumen und Getränken wie Bier und Wein vor. Die größten Fallen sind jedoch industriell hergestellte Lebensmittel und Getränke. Ihnen werden sehr oft nicht nur Fructose, sondern auch andere künstliche Süßungsstoffe zugesetzt. 

Wer an Fruchtzuckerunverträglichkeit leidet, sollte so zum Beispiel auf kalorienreduzierten Diät-Joghurts, -Puddings und -Konfitüren,  Diabetikerprodukte, Milchmixgetränke, Softdrinks, "Wellness-Drinks" und Erfrischungsgetränke (Cola, Limonaden) und natürlich auf Süßigkeiten und Kaugummis möglichst verzichten. Achtung: Auch Wurstwaren, Fischkonserven, Salate aus der Frischetheke enthalten sehr oft Fructose oder Zuckeraustauschstoffe.

Auch bestimmte Arzeneimittel, Abführmittel und Infusionslösungen können Fructose und Sorbit enthalten. Über eine Unverträglichkeit sollte der Arzt oder Apotheker bhingewiesen werden.

Lässt sich eine Fructoseunverträglichkeit verhinder?

Da die Ursachen der erworbenen Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorption) nicht bekannt sind, ist ein Vorbeugen nicht möglich. Um Beschwerden bei bestehender Fructoseintoleranz zu vermeiden oder zu verringern, sollte möglichst schnell zusammen mit einem Ernährungsexperten ein entsprechender Diätplan ausgearbeitet werden.

Fruktoseintoleranz: Was darf ich essen und trinken?

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. August 2015
Durch: es
Quellen: Schleip T.: Fruktose-Intoleranz. Trias, Stuttgart 2007 Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: http://www.dge.de (Stand: August 2015) Online-Informationen des aid Infodienstes: http://www.was-wir-essen.de (Stand: August 2015)

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