Erkrankungen des Bewegunsapparates

Frozen Shoulder - Schultersteife

Gelenkschmerzen-Arthrose oder rheumatoide Arthritis_
Bei der Frozen Shoulder ist die Beweglichkeit des Schultergelenks stark eingeschränkt, jede Bewegung verursacht starke Schmerzen.
Getty Images/Pixland

Die Schmerzen kommen häufig aus dem Nichts, nicht selten mitten in der Nacht: Wer an einer "Frozen Shoulder" (eingefrorene Schulter) oder Schultersteife leidet, kann gewohnte Bewegungen nicht oder nur noch unter großen Schmerzen  ausführen. Das Heben der Arme oder einfaches Greifen, viele Alltagsverrichtungen gestalten sden stechenden Schulterschmerz fast unmöglich. Das Schultergelenk, von der Natur eigentlich sehr beweglich "konstruiert", scheint wie eingefroren.

Der medizinische Fachbegriff  für Frozen Shoulder ist Periarthritis humeroscapularis. Die entzündliche Veränderung der Gelenkkapsel  wird auch mit dem Begriff adhäsive Kapsulitis beschrieben. Bei der Erkrankung verhärten sich nach zunächst entzündlichen Vorgängen an der Gelenkkapsel die  Bindegewebestrukturen des Schultergelenks, schrumpfen und verkleben schließlich. Dies führt zu einer starken Einschränkung der Beweglichkeit. Bedingt durch die starken Schmerzen kommt es zu einer Schonhaltung, welche die krankhaften Prozesse noch fördert und das Gelenk weiter versteifen lässt.

Die Erkrankung häuft sich zwischen dem 40. und 60 Lebensjahr, Frauen sind etwas mehr betroffen als Männer. Die Erkrankung scheint urplötzlich, ohne erkennbaren Grund aufzutreten. Bis zur Heilung vergehen im Schnitt drei Jahre, nicht selten haben die Betroffenen einen langen Leidensweg hinter sich.

Ursachen: Woher kommt die Frozen Shoulder?

Eine echte Ursache für das Krankheitsbild der Frozen Shoulder ist bislang nicht feststellbar. Mediziner unterscheiden primäre und sekundäre Ursachen.

Für die primäre Schultersteife gibt es keine erkennbaren äußeren Auslöser, wie Unfälle oder Verletzungen. Es werden jedoch einige Risikofaktoren diskutiert. Dazu gehören Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Störungen der Schilddrüse und Veränderungen des Hormonspiegels, wie sie zum Beispiel in den Wechseljahren auftreten.

Die sekundäre Frozen Shoulder wird durch andere Erkrankungen oder Umstände ausgelöst. Häufig entsteht sie durch eine lang andauernde  Bewegungsvermeidung, Ruhigstellung  oder Schonung der Schulter – zum Beispiel nach Verletzungen, Entzündungen oder Operationen im Schulterbereich, aber auch an Armen oder Hals.

Weitere Ursache für die Schultersteife sind Verletzungen der Muskeln der Rotatorenmanschette (das sind vier Muskeln, die für Drehbewegungen des Oberarms verantwortlich sind), Einklemmung (Impingementsyndrom) oder eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis).

Auch  entzündliche Reaktionen des Gelenks durch rheumatische Erkrankungen, Schulterarthrose (Osmarthrose), nach einer vorangegangenen Virusinfektion oder durch eine Kalkschulter können die reißenden Schmerzen in der Schulter auslösen.

Das Schultergelenk kann schließlich ebenso durch häufige Wiederholung von Bewegungsabläufen überlastet werden, zum Beispiel durch:

  • Arbeiten, die eine hohe Fingerfertigkeit erfordern
  • Arbeiten mit Vibrationsbelastung des Körpers (Presslufthammer)
  • Hantieren mit schweren Werkzeugen, Heben schwerer Lasten
  • Überkopfsportarten (Tennis, Geräteturnen, Akrobatik) und Überkopfarbeiten  (Montagearbeiten, Malern)

Typische Symptome und drei Stadien

Anhand der Symptome teilen die Mediziner den Krankheitsverlauf bei der Frozen Shoulder  in verschiedene Phasen oder Stadien auf:

Stadium 1: Die Schmerz- und Entzündungsphase

In diesem Stadium, welches zwischen drei und neun Monaten dauert, macht sich die Frozen Shoulder durch heftige Schmerzen im Schultergelenk bemerkbar. Diese Symptome treten vor allem nachts auf und können durch bestimmte Bewegungen provoziert werden. Bewegungseinschränkungen sind in dieser Phase noch nicht vordergründig. Die Gelenkkapsel ist in dieser Phase entzündet und aufgequollen.

Phase 2: Versteifung

In dieser Phase lassen die Schmerzen langsam nach – dafür werden nun zunehmenden Bewegungseinschränkung bemerkt. Diese zeigen sich anfangs meist zuerst beim Kämmen oder Waschen. Vor allem die aktive Außendrehung und das Heben des Arms durch den Betroffenen sind behindert. Im Schultergelenk beginnt die Gelenkkapsel nun zu schrumpfen, das Bindegewebe verhärtet und verklebt zunehmend.

Phase 3: Voll ausgepräge Schultersteife

Später kommt auch eine passive Bewegungseinschränkung des Gelenks dazu, das heißt, dass der Arm auch bei völliger Muskelentspannung nicht mehr bewegt werden kann. Die Bewegungsminderung führt zu einer Rückbildung der Muskeln des Schultergelenks (Muskelatrophie) mit seinerseits weiterer Bewegungsunfähigkeit.

Diagnose bei Frozen Shoulder

Im Mittelpunkt der Untersuchung einer Frozen Shoulder (Schultersteife) steht die gründliche Untersuchung des Schultergelenks durch den Arzt, die durch apparative Untersuchungsmethoden ergänzt werden kann.

An erster Stelle steht bei einer vermuteten Frozen Shoulder (Schultersteife) die genaue klinische Untersuchung des Schultergelenks, diese kann völlig ohne Zuhilfenahme von Geräten erfolgen.

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Eine genaue Untersuchung des Schultergürtels gibt Aufschluss über Asymmetrien der Muskelgrößen oder Entzündungszeichen wie Rötung oder Schwellungen im Gelenkbereich. Das Abtasten der Gelenkumgebung weist möglicherweise auf druckschmerzhafte Bereiche hin.

Tests zeigen Grad der Schulter-Versteifung

Der Arzt prüft dann die aktive Gelenkbeweglichkeit, also die Bewegungsmöglichkeiten durch den Patienten selbst. Mit einzelnen Test kann festgestellt werden,  in welchem Krankheitsstadium sich der Patient befindet, dass heißt, wie weit die  Schulter bereits versteift ist. So verursacht das Nach-Außen-Drehen des Arms in er ersten Phase Schmerzen,  später erst ist das seitliche Heben und die Drehung nach innen schmerzhaft.

Darüber hinaus kann der Arzt prüfen, wie weit er selbst das Gelenk des Patienten bewegen kann (passive Beweglichkeit).

Weitere Untersuchungen

Erst wenn dies erfolgt ist, kommen zusätzliche apparative Untersuchungsverfahren zum Einsatz, auch um andere  Erkrankungen auszuschließen:

  • Da die meisten Schulterbeschwerden durch Veränderungen der Bindegewebs- und Weichteilstrukturen verursacht werden, ist eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) aussagekräftiger als eine Röntgenaufnahme. Man kann hierbei Schrumpfungen der Gelenkkapsel und Muskelschrumpfungen erkennen.
     
  • Eine Röntgenaufnahme zeigt Verkalkungen der Sehnen oder Knochenentkalkungen im Oberarmkopfbereich, diese aber meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Schultersteife.
     
  • Die Kernspintomographie (MRT) sollte zum Nachweis von Zerreißungen der Rotatorenmanschette (vier Muskeln, die für Drehbewegungen des Schultergelenks verantwortlich sind) sowie zum Ausschluss von Tumorerkrankungen eingesetzt werden, die mittels Ultraschall nicht sicher beurteilt werden konnten.

Behandlung der Frozen Shoulder

Je nach dem, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, gestaltet sich die Behandlung unterschiedlich. Eingesetzt werden entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente und Physiotherapie. Mit operativen Maßnahmen wie der Arthroskopie kann die Beweglichkeit des Schultergelenks verbessert werden.

Vor allem im ersten Stadium der Erkrankung zielt die Behandlung der Frozen Shoulder darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Entzündung einzudämmen. Zum Einsatz kommen sowohl muskelentspannende als auch schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente. Auch eine Behandlung mit Kortison (oral oder als Injektion in das Gelenk) ist möglich.

Ausschließliche Physiotherapie ist in der Entzündungsphase unter Umständen kontraproduktiv, da intensive Bewegungsübungen die Entzündung der Gelenkkapsel  noch fördern.

Übungen bei Frozen Shoulder zur Gelenkbeweglichkeit

In der andauernden Einsteifung des Gelenks ist eine konsequent durchgeführte Physiotherapie die wichtigste Behandlungsmöglichkeit. Mit den Übungen soll die Gelenkbeweglichkeit erhalten beziehungsweise wiedererlangt werden. Die Bewegungstherapie erfordert vom Patienten ein hohes Maß an Geduld und Durchhaltevermögen und sollte unter Anleitung stattfinden. Sie beinhaltet

  • das Erlernen von Muskeldehnübungen
  • das Kräftigen der Muskulatur
  • das aktive und passive Durchbewegen des Schultergelenks

Diese Übungen werden  zunächst unter weitgehender Entlastung, im Schlingentisch oder im Bewegungsbad eingeübt und dann vom Patienten mehrmals täglich durchgeführt eigenständig durchgeführt.

Um die Bewegungsübungen so effektiv wie möglich zu machen, kann die Gabe schmerzlindernder Medikamente (zum Beispiel aus der Gruppe der Antirheumatika, wie Ibuprofen, Diclofenac  oder Indometacin) angezeigt sein. Diese sollen dann auch konsequent und in ausreichender Menge eingenommen werden.

Gute Erfolge zeigen auch Nervenblockaden durch Einspritzen lokaler Betäubungsmittel. Diese gezielten Nervenausschaltungen ermöglichen eine weitgehend schmerzfreie und damit deutlich effektivere Bewegungstherapie.

Zusätzlich sind physikalische Anwendungen möglich, beispielsweise Kälteanwendungen vor den Übungen zur Minderung der Schmerzen und Wärmetherapien nach Dehnungen oder Massagen.

Auch Kinesio-Taping kann unterstützend zur Linderung der Schmerzen und Verbesserung der Beweglichkeit eingesetzt werden. Damit Tape jedoch die Bewegungen der Schulter nicht einschränkt, sondern unterstützt, sollte es von einem erfahrenen Therapeuten angelegt werden.

Therapeutische Maßnahmen zur Entspannung und Entlastung von Hals-, Rücken- und Armmuskulatur ergänzen die Behandlung.

Behandlung mit Schulteroperation

Erst wenn trotz konsequent durchgeführter Bewegungstherapie keine Besserung eintritt, können auch chirurgische Maßnahmen angezeigt sein. Vor allem sind dies die

  • Narkosemobilisation, bei der das Gelenk unter in Narkose, also in völliger Schmerzfreiheit und Muskelentspannung in alle Richtungen bewegt wird
  • Operation des Gelenks mit Arthroskopie : Dabei  werden durch kleinste Schnitte optische und chirurgische Instrumente in den Gelenkbereich eingeführt. Sie eignet sich beispielsweise zum Abtragen von Verkalkungen im Kapsel- oder Sehnenbereich.

Zum Ende der Behandlung, wenn die Beweglichkeit des Schultergelenks nach und nach wieder hergestellt ist, sind Übungen zur Muskelstärkung nötig, um das Schultergelenk in seiner Funktionsfäigkeit aufzubauen und zu stärken.

Frozen Shoulder: So kann man vorbeugen

Als eine sichere Ursache für eine Frozen Shoulder (Schultersteife) gilt die länger andauernde Ruhigstellung des Gelenks. Daraus ergibt sich, dass nach Eingriffen oder Verletzungen an Arm oder Hand unbedingt die frühzeitige und konsequente Bewegung der Schulter verfolgt werden muss. Besonders Schlingenverbände oder Tragetücher können schon nach wenigen Tagen zu erheblichen Bewegungseinschränkungen führen.

Weitere Vorbeugungsmaßnahmen sind:

  • das Erlernen bestmöglicher Alltagsbewegungen und guter Körperhaltung (Rückenschule, Bauchmuskeltraining)
  • das Vermeiden einseitiger und schwerer Belastungen des Schultergelenks bei der Arbeit oder auch beim Sport
  • die Behandlung und Heilung von Entzündungen im Inneren des Gelenks (Arthritis)

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Februar 2016
Durch: es

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