Versprengte Gebärmutterschleimhaut

Endometriose: Symptome und Therapie

Bei manchen Frauen wird zehn Jahre lang nicht erkannt, dass sich Herde einer Endometriose in ihrem Bauchraum gebildet haben. Tatsächlich zählt die Endometriose zu den am weitesten verbreiteten gutartigen Erkrankungen von geschlechtsreifen Frauen – und bleibt oft lange unentdeckt, weil die Anzeichen dafür von Patientin zu Patientin extrem variieren.

frau mit regelschmerzen
Starke Schmerzen im Unterbauch während der Periode können auf Endometriose hindeuten.
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Mit Schmerzen im Unterbauch fing es an. Ziehende Krämpfe, die Susanne M. jeden Monat während ihrer Periode für einige Tage auf ihre Wohnzimmercouch zwangen. Seit Jahren schon leidet sie unter Endometriose – einer chronischen Erkrankung, die durch Zellen der Gebärmutterschleimhaut verursacht wird, die sich außerhalb der Gebärmutter ansiedeln.

Schätzungen zufolge sind zwischen sieben und 15 Prozent aller geschlechtsreifen Frauen von Endometrioseherden im Bauchraum betroffen – das wären hochgerechnet auf Deutschland rund sechs Millionen Frauen. Im Alter von 15 bis 45 stellt Endometriose bei Frauen die meisten der gutartigen gynäkologischen Diagnosen. Im Schnitt dauert es aber zwischen fünf bis sieben Jahre, bis sie überhaupt festgestellt wird, da die Symptome bei vielen nicht so stark sind und leicht mit den "üblichen Zyklusschmerzen" verwechselt werden – die Frauenkrankheit hat schlicht viele Gesichter und wird daher oft erst spät diagnostiziert.

Wichtige Warnsignale der Periode

 

Ein Gynäkologe kann die Herde zwar manchmal ertasten oder bei einer Ultraschalluntersuchung erkennen, doch Gewissheit verschafft erst eine Bauchspiegelung und die anschließende pathologische Untersuchung des dabei entnommenen Gewebes. Dabei wird das schmerzende Gewebe entfernt.

Bei vielen Frauen sind die Schmerzen danach Geschichte, bei manchen allerdings werden die Schmerzen trotz der Operation chronisch; bei einigen kommen neue Herde hinzu. Erst mit der Menopause bilden sich in der Regel keine Wucherungen mehr, weil die Produktion an weiblichen Geschlechtshormonen im Lauf der Wechseljahre abnimmt.

Doch was ist eine Endometriose?

Bei einer Endometriose befindet sich bei Patientinnen Gewebe, welches dem der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb ihrer Gebärmutterhöhle. Diese Wucherungen kommen meist im Unterbauch, gern auch an den Eierstöcken, Eileitern, Darm, Blase und den inneren weiblichen Geschlechtsorganen vor. Selten entdeckt der behandelnde Gynäkologe, dass sich Herde ebenso im Darm oder in anderen Organen wie der Lunge angesiedelt haben.

Das Gewebe, das die weibliche Gebärmutter von innen auskleidet, heißt Endometrium. Der Begriff Endometriose leitet sich deshalb davon auch ab: "Metra" bedeutet Gebärmutter, "endo" innen und die Wortendung "-ose" weist auf eine Erkrankung hin. Im Grunde müsste die direkte Übersetzung von Endometriose deshalb Gebärmutterschleimhauterkrankung heißen.

Ein Endometriosegewebe unterscheidet sich aber vom Endometrium, denn die Basalmembran des wuchernden Gewebes ist verändert. Diese feinen Häutchen bildet die Grenze zum benachbarten Gewebe. Die Herde einer Endometriose zeigen besondere Wachstumseigenschaften. Weil sie das umgebende Gewebe aber nicht zerstören, ist eine Endometriose in den meisten Fällen gutartig.

Endometrioseherde nehmen am Zyklus teil

Wie es zu der Erkrankung kommt, hat die Forschung noch nicht ausreichend klären können. Beeinflusst durch die Hormone, die die Gebärmutterschleimhaut zum Anschwellen und Abbluten bringen, wachsen und bluten auch diese Zellen jeden Monat. Denn wie die Zellen der Gebärmutterschleimhaut trägt die Endometriosezelle kleine Rezeptoren für Östrogen und Progesteron auf ihrer Oberfläche mit sich.

Daher sind Endometrioseherde entsprechend dem Monatszyklus der Frau hormonell bedingten Veränderungen unterworfen, sie nehmen regelrecht am weiblichen Zyklus teil, die Herde können zyklisch wachsen und bluten: Östrogene stimulieren das Wachstum der Endometriose, Östrogenentzug und Progesteron hingegen hemmen es.

Während der Menstruation werden in den Endometrioseherden Zellen abgestoßen und es kommt zu kleinen Blutungen. Dies erklärt Krankheitssymptome wie starke Regelschmerzen kurz vor der Periode, starke Bauchkrämpfe und wiederkehrende Schmerzen im Unterbauch. Denn geklärt ist für Experten, dass die Schmerzen der Frauen durch die Zellen, die der Gebärmutterschleimhaut ähneln, verursacht werden.

Diese Zellen verbreiten sich im Körper – meistens im Unterleib – und verhalten sich dort ähnlich wie die Schleimhaut der Gebärmutter. Doch den Körper verlassen können sie nicht. Stattdessen verursachen diese sogenannten Endometrioseherde Entzündungen, Schmerzen, Verklebungen, Vernarbungen und im schlimmsten Fall Zysten und Tumoren. Vermutlich mit ein Grund dafür, dass Endometriose eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit ist: Rund die Hälfte der Frauen, die nicht schwanger werden können, leiden an Endometriose, schätzen Gynäkologen.

Üblicherweise ist die Endometriose nach dem Ort ihres Auftretens zu unterscheiden:

Bezeichnung Beschreibung
Innere genitale Endometriose (Endometriosis genitalis interna = Adenomyose = primäre Endometriose) Die Endometrioseherde befinden sich in der Gebärmuttermuskulatur oder im Eileiter. Es besteht eine direkte Verbindung zur Gebärmutterschleimhaut. Das ist die häufigste Form.
Äußere genitale Endometriose (Endometriosis genitalis externa) Die Endometriose-Inseln einer Patientin befinden sich im Genitalbereich, aber außerhalb der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) oder der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium). Die häufigsten Lokalisationen sind hier die Eierstöcke oder der Douglas-Raum, der sich zwischen Mastdarm (Rektum) und Gebärmutter befindet. Daneben können ebenso die Gebärmutteroberfläche, der Bandapparat der Gebärmutter, die Scheide oder das äußere Genitale (Vulva) befallen sein.
Extragenitale Endometriose (Endometriosis extragenitalis) Diese seltenste Form dieser Erkrankung kann überall auftreten, das Endometriosegewebe befindet sich außerhalb des Genitalbereichs. Dickdarm, Dünndarm oder Blase können betroffen sein. Selten konnten Gynäkologen Endometrioseherde zum Beispiel an der Bauchhaut oder in der Lunge feststellen. Als extrem seltene Rarität wird ein Auftreten im Gehirn beschrieben.

Klassifikation von Endometriose

Es gibt eine neue Klassifikation, in die außer der Lokalisation – also an welcher Stelle sich die Endometrioseherde befinden im Körper – die hormonelle Aktivität, Wachstumstendenz, das Aussehen bezüglich Farbe sowie Form der Herde und das Ausmaß der Beschwerden mit eingehen. Sie wurde erstmals 1979 von der US-amerikanischen Fruchtbarkeitsgesellschaft herausgegeben und seither immer wieder aktualisiert. Dementsprechend gibt es vier Stadien der Endometriose: minimale, milde, mäßige und schwere Endometriose.

Diese Symptome verraten eine Endometriose

Die häufigsten Symptome einer Endometriose sind wiederkehrende Schmerzen im Unterleib sowie Rücken- und Beckenbodenschmerzen. Ebenso häufig treten Schmerzen beim Sex auf, aber auch Kreislaufprobleme während der Menstruation bis hin zur Ohnmacht und eine oftmals verstärkte Regelblutung mit häufigen Regelschmerzen.

Bei etwa 30 bis 50 Prozent der Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, ist dies auf eine Endometriose zurückzuführen. Sind andere Organe wie der Darm, die Harnröhre oder Eileiter sowie Eierstöcke befallen, können auch weniger typische Beschwerden auftreten.

Häufigstes Anzeichen der Endometriose: Unterbauchschmerzen

40 bis 60 Prozent aller Frauen, die intensive Schmerzen einige Tage vor Ihrer Periode und während der Regelblutung haben, sind an Endometriose erkrankt. Vom Beginn der Symptome bis zur Diagnose vergehen im Schnitt sieben Jahre. Denn Endometrioseherde sind schwierig zu diagnostizieren, weil sie im Anfangsstadium oftmals keine oder nur leichte Symptome aufweisen. In manchen Fällen werden sie mit einer Blasenentzündung (Zystitis) verwechselt.

Die Größe der Endometrioseherde hängt im übrigen  nicht mit der Stärke der Symptome zusammen: Selbst sehr kleine Herde im Bauchfell können massive Schmerzen verursachen, während Frauen mit großen Herden oder Endometriosezysten zuweilen nichts von ihrer Erkrankung bemerken. Daher vergehen bei manchen Patientinnen mehrere Jahre bis hin zu einem Jahrzehnt, bis der Grund ihrer diffusen Unterleibsbeschwerden überhaupt erkannt wird.

Akute Schmerzen durch Endometriose

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Typisches Symptom einer Endometriose sind heftige und wiederkehrende Unterbauchschmerzen.
Thinkstock

Während der Monatsblutung wird Endometriosegewebe abgestoßen. Der Gewebezerfall löst in der Umgebung eine entzündliche Reaktion aus. Die Schmerzstoffe Prostaglandin und Bradykinin werden freigesetzt. Störungen im Prostaglandinstoffwechsel führen vermutlich auch zu schmerzhaften Krämpfen der Gebärmutter. Zusätzlich reizen die abgestoßenen Zellen die Schmerzrezeptoren direkt. Der akute Schmerz wird als hell und bohrend beschrieben.

Chronischer Schmerz durch wuchernde Gebärmutterschleimhaut

Im Laufe der Zeit entstehen Knoten und Narben, Verhärtungen und Verklebungen. Bänder, Bindegewebe sowie die Bauchfellfalten und -taschen erstarren. Die Organe im kleinen Becken sind nicht mehr frei gegeneinander verschieblich. Die Bewegung der Gebärmutter beim Geschlechtsverkehr oder auch nur eine Darmkontraktion können in diesem Stadium Schmerzen auslösen. Die dumpfen Schmerzen, die durch diese mechanischen Reizungen verursacht werden, sind schlecht lokalisierbar. Manchmal strahlen die Schmerzen aus, zum Beispiel in den Oberschenkel. Endometrioseherde am Zwerchfell können ebenso die Ursache von Schulterschmerzen sein.

Unerfüllter Kinderwunsch durch Endometriose

Bei etwa 30 bis 60 Prozent der Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, ist dies auf eine Endometriose zurückzuführen. Wenn die Eierstöcke mit Schleimhaut verwachsen, werden auch die Befruchtung  der Eizelle sowie ihr Transport und die Einnistung in der Gebärmutter behindert. Dies führt meistens dazu, dass betroffene Frauen unfruchtbar sind. Befinden sich die Gewebenester in der Muskulatur der Gebärmutter, so behindern sie deren Kontraktion. Diese fördert aber eine Empfängnis, denn sie saugt Sperma an und befördert es in Richtung Eileiter, wo die Befruchtung stattfindet.

Weitere, bislang aber noch unbekannte Faktoren scheinen die Fruchtbarkeit der betroffenen Frauen zusätzlich zu stören. Denn auch wenn die inneren Geschlechtsorgane nicht befallen sind, wird eine Endometriose-Patientin weniger wahrscheinlich schwanger als eine gesunde Frau – darüber sind sich Gynäkologen einig. Eine verminderte Qualität der weiblichen Eizellen und eine gestörte Transportfunktion der Eileiter werden unter anderem als Ursachen diskutiert. Aber ganz eindeutige Aussagen können Mediziner darüber nach wie vor nicht treffen.

Weitere Symptome einer Endometriose

Endometrioseherde können im ganzen Körper entstehen. Nur in der Milz wurde noch nie einer entdeckt. Je nach befallenem Organ treten die verschiedensten Symptome auf. Am häufigsten ist der Dickdarm befallen. Blutige Auflagerungen auf dem Stuhlgang während der Monatsblutung können dabei auftreten. Entwickelt sich eine Endometrioseinsel in der Lunge, so kann blutiger Auswurf beim Husten die Folge sein.

Endometriose: Ursachen und Risikofaktoren

Wie es zur Endometriose kommt, ist noch unklar. Es gibt verschiedene Theorien darüber. Außerdem sind Faktoren bekannt, welche die Erkrankung fördern. Womöglich startet unter bestimmten Bedingungen eine Kombination von Ereignissen die Endometriose.

Theorie der Verschleppung

Die sogenannte Transplantationstheorie geht davon aus, dass lebensfähige Zellen der Gebärmutterschleimhaut während der Menstruation durch den Eileiter in die Bauchhöhle gelangen und dort anwachsen. Durch weitere Verschleppung könnten sie andere Organe befallen. Die Theorie erklärt nicht, warum der häufig beobachtete Fluss der Menstruationsflüssigkeit in die Bauchhöhle nur bei manchen Frauen eine Endometriose auslöst. Außerdem wurde die Erkrankung ebenso bei Frauen beobachtet, bei denen gar keine Gebärmutter angelegt war.

Theorie der Gewebeveränderung (Metaplasie)

Nach dieser Theorie findet in der frühen Embryonalentwicklung ein Programmierfehler statt. Zellen außerhalb der Gebärmutter erhalten den Bauplan einer Endometriumzelle – die Endometriosezelle wird angelegt. Später im Leben wird der Bauplan auf unbekannte Art und Weise aktiviert.

Theorie der Endometriose-Krankheit

Die Theorie sucht die Ursache der Erkrankung in der Endometriose-Zelle. Denn diese zeigt einige Unterschiede zur Zelle der normalen Gebärmutterschleimhaut. So enthält die Endometriosezelle zuviel Aromatase, ein Enzym, das bei der Herstellung von Östrogen mitwirkt. Als Folge steigt der Östrogenspiegel in der Endometriosezelle. Und die kranke Zelle zeigt veränderte Reaktionen auf die zyklischen Hormonschwankungen.

Möglicherweise ist erklärbar, warum Endometriosegewebe ins Nachbargewebe eindringen kann, also invasiv wächst: Auf manchen Zellen fehlt das E-cadherin. Das sind Strukturen auf der Zelloberfläche, die auch im Zellinneren verankert sind. Sie verbinden die einzelnen Zellen zu einem Gewebe. Wenn das E-cadherin fehlt, kann sich die Zelle vom Verband lösen und ausstreuen.

Endometriose fördernde Faktoren

Diese Faktoren spielen vermutlich bei der Entstehung eine Rolle:

Hormone

Die Ausprägung der Endometriose hängt mit Anzahl, Dauer und Intensität der Monatsblutungen zusammen. Aufbau und Abbluten der Schleimhaut setzen die Erkrankung in Gang und verschlimmern die Beschwerden. Je mehr Monatszyklen eine Frau in ihrem Leben erlebt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Endometriose ausbildet. Auszeiten für die Eierstöcke wie Schwangerschaft(en) und lange Stillzeiten senken das Erkrankungsrisiko.

Erbliche Belastung

Die Erkrankung kann familiär gehäuft vorkommen. Für Frauen aus einer Endometriose-Familie steigt das Erkrankungsrisiko bis auf das Sechsfache.

Fehlfunktion von Abwehrzellen

Bei vielen Endometriose-Patientinnen findet man Veränderungen der Funktion von bestimmten Abwehrzellen. Das könnte erklären, warum ihr Organismus versprengte Endometriosezellen nicht abräumt. Allerdings arbeiten die Abwehrzellen bei anderen betroffenen Frauen ganz normal.

Ursache der Endometriose könnten Schadstoffe sein

Oft wird darüber spekuliert, ob die Umweltbelastung mit Schadstoffen eine Endometriose fördert. In einem Versuch mit Affen lösten schon geringe Mengen von Dioxin bei fast allen Tieren die Krankheit aus. Sonst gibt es kaum tierexperimentelle Untersuchungen zur Schadstoffhypothese als Ursache der Endometriose.

Endometriose: So läuft die Diagnose beim Arzt ab

Sofern es Schmerzen oder andere Beschwerden im Bauchraum gab, während der Monatsblutung oder beim Geschlechtsverkehr, ist die Bauchspiegelung die Methode der Wahl, um eine Endometriose im Bauchraum nachzuweisen.

Zur Diagnose der Endometriose werden meistens folgende Untersuchungen durchgeführt:

Gynäkologische Tastuntersuchung

Größe, Lage und Beweglichkeit der inneren Geschlechtsorgane ertastet man bei der gynäkologischen Untersuchung. Bei Endometriose-Patientinnen kann die Untersuchung Schmerzen auslösen. Zwischen Gebärmutterrückwand und Mastdarm kommen häufig Endometriose-Herde vor. Um diesen Raum zu ertasten muss der Arzt auch durch den Darm untersuchen.

Bildgebende Verfahren

Bei der Suche nach Endometriose-Zysten an den Eierstöcken ist eine Ultraschalluntersuchung durch die Scheide hilfreich. Kleinere Endometrioseherde werden mit dieser Technik aber nicht sichtbar. Eine Computertomografie kann Knoten ab einem Durchmesser von fünf Millimeter zeigen. Die Magnetresonanztomografie erfasst sogar noch etwas kleinere Herde. Für die Entdeckung kleiner Schleimhautflecken sind die bildgebenden Verfahren ungeeignet.

Bauchspiegelung (Laparoskopie)

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Die hier dargestellte Bauchspiegelung ist die Methode der Wahl, um eine Endometriose im Bauchraum nachzuweisen.
Getty Images/Dorling Kindersley

Die minimal-invasive Untersuchung wird Laparoskopie genannt, das heißt Bauchschau oder noch bekannter ist der Ausdruck Bauchspiegelung für den Eingriff: Dabei wird in Vollnarkose der Bauch mit ungiftigem Kohlendioxid aufgebläht. Über eine etwa zwei Zentimeter lange Öffnung unterhalb des Bauchnabels führt dann der Operateur eine Spezialkamera ein. Mit ihrer Hilfe kann er winzige Endometrioseherde entdecken. Über ein oder zwei weitere kleine Öffnungen entnimmt er mit Spezialinstrumenten Gewebeproben oder er operiert weiter. Die Bauchspiegelung ist das beste Verfahren, um eine Endometriose im Bauchraum zu diagnostizieren. Oft besonders schmerzhafte Wucherungen außerhalb des Bauchfells kann der Operateur damit allerdings nicht entdecken.

Laboruntersuchungen

Es gibt keine Substanzen im Blut, die gezielt auf eine Endometriose-Erkrankung hinweisen. Im fortgeschrittenen Stadium ist häufig das so genannte CA-125 erhöht. Der Stoff wird auch von den Eierstock-, Brust- und Darmkrebszellen produziert. Wie bei den Tumorerkrankungen eignet sich die Bestimmung von CA-125 bei der Endometriose nicht zur Diagnose, sondern nur zur Verlaufskontrolle.

Hat eine Patientin vor der Behandlung ein erhöhtes CA-125, so zeigt ein Abfall, dass die Therapie wirkt. Ein Anstieg des CA-125-Spiegels nach der Behandlung weist auf einen Rückfall hin.

Sehen Sie ergänzend dazu das Video über die Diagnostik, die das Uni-Klinikum Erlangen bei Endometriose anwendet:

Endometriose - wie sie diagnostiziert wird

Wie die Behandlung von Endometriose bei Frauen im darauf spezialisierten Uni-Klinikum in Erlangen aussieht, zeigt dieses Video.

Uni-Klinik Erlangen

Therapie der Endometriose: Diese Behandlungsoptionen stehen zur Auswahl

Es gibt keine ursächliche Behandlung der Endometriose, da deren Entstehung immer noch nicht erforscht ist. Ein Teil der Endometrioseherde wird in der Regel während einer diagnostischen Bauchspiegelung zerstört.

Medikamente können die Hormonproduktion der Eierstöcke versiegen lassen und hemmen dadurch das Wachstum der Endometrioseherde. Häufig werden Operation und medikamentöse Therapie miteinander kombiniert. Einige alternative Heilverfahren beeinflussen den Krankheitsverlauf vermutlich günstig.

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Ein Teil der Endometrioseherde wird in der Regel während einer Bauchspiegelung zerstört.
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Fast immer wird eine Bauchspiegelung bei einem Verdacht auf Endometriose durchgeführt, denn bei der Operation können auffällige Herde entnommen werden, um sie danach feingeweblich zu untersuchen. Zudem können durch die Endometriose entstandene Verwachsungen oder -narbungen entfernt werden. Auf diese Weise wird nicht nur die Diagnose gesichert, sondern die Patientin von Schmerzen im Unterbauch befreit.

Endometriosetherapie mit Hormonen

Eine Hormonbehandlung kann ebenfalls durchgeführt werden bei nicht vorhandenem Kinderwunsch. Es gibt verschiedene Ansätze, zum Beispiel die Therapie mit:

  • Gestagenen (Lynestrenol, Norethisteronacetat et cetera)
  • oralen Verhütungsmitteln (monophasisch, gestagenbetonte Kontrazeptiva)
  • Antiöstrogenen (Danazol)
  • GnRh-Analoga (Zoladex, Buserelin)

Mit allen diesen Medikamenten werden die Endometrioseherde eingeschmolzen. Denn leider kommen diese oft nach Ende der Therapie oder der Bauchspiegelung wieder. Zudem werden die Patientinnen künstlich in frühzeitige Wechseljahre versetzt und klagen oft über entsprechende Nebenwirkungen der Medikamente.

Heute wird meist die Kombination von Hormonpräparaten und operativer Entfernung mittels Bauchspiegelung oder auch Bauchschnitt angewendet, damit lassen sich die besten Ergebnisse erzielen: Annähernd 90 Prozent der Patientinnen können dadurch erfolgreich und dauerhaft behandelt werden.

Alternative Behandlungsmethoden bei Endometriose

Nach Berichten vieler Patientinnen soll eine Reihe von nicht schulmedizinischen Methoden den Verlauf der Endometriose günstig beeinflussen. Deren Wirksamkeit ist bisher aber nicht wissenschaftlich bewiesen, denn zu alternativen Heilmethoden existieren bis heute kaum aussagekräftige Studien.

Verlauf und Stadien der Endometriose

Sowohl chirurgische als auch medikamentöse Therapien bieten eine zeitlich begrenzte Lösung, weil sich im Zeitraum von fünf Jahren bei der Hälfte der betroffenen Frauen wieder neue Endometrioseherde ausbilden.

Wenn das Blut aus den Endometrioseherden nicht abfließen kann, können sich Zysten bilden. Wegen ihres bräunlichen Inhalts werden diese auch Schokoladenzysten genannt. Häufig entstehen diese Zysten an den Eierstöcken.

Ohne passende Endometriose-Therapie breiten sich die Herde weiter aus und können größer werden. Eine Operation ist die effektivste Methode, um die Endometrioseherde zu beseitigen. In den meisten Fällen werden diese über eine Bauchspiegelung entfernt.

Sowohl chirurgische als auch medikamentöse Therapien bieten eine zeitlich begrenzte Lösung, weil sich im Zeitraum von fünf Jahren bei der Hälfte der betroffenen Frauen wieder neue Endometrioseherde ausbilden. Erst nach der letzten Monatsblutung und mit den Wechseljahren endet dies. Die bis dahin entstandenen Entzündungen und gegebenenfalls Verwachsungen können jedoch weiterhin zu Schmerzen führen.

Vorbeugungsmaßnahmen bei Endometriose

Bei bis zu einem Prozent der Patientinnen kann eine ursprünglich gutartige Endometriose entarten. Meist betrifft dies die Eierstöcke, daher ist in fortgeschrittenem Alter, bei nicht mehr vorhandenem Kinderwunsch eine Therapieform auch das Entfernen der Eierstöcke.

Da Endometrioseherde in vielen Fällen wiederkehren, ist die bislang einzige Heilung einer Endometriose über eine Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) zusammen mit Entfernung der Eierstöcke (Oophorektomie) mit allen Endometrioseherden möglich. Bei der Entscheidung hierfür spielt das Alter der Patientin und ein eventuell vorhandener Kinderwunsch eine maßgebliche Rolle, zudem birgt eine Radikaloperation weitreichendere "Nebenwirkungen" wie etwa den vorzeitigen Beginn der Wechseljahre mit all ihren typischen Beschwerden (lesen Sie darüber mehr im umfassenden Ratgeber übers Klimakterium auf Lifeline).

Endometriose: Können Frauen durch die Ernährung vorbeugen?

Langjährige Pillenanwenderinnen erkranken seltener. Manche Untersuchungen finden bei ihnen sogar nur halb so häufig Endometriose wie bei anderen Frauen. Denn das Auftreten der Endometriose hängt womöglich mit der Anzahl der echten Monatszyklen zusammen.

Rauchen und Ernährung: Zusammenhang mit Endometriose

Rauchen soll das Erkrankungsrisiko ebenfalls mindern. Die Nachteile des Rauchens überwiegen jedoch bei weitem, weil es nicht nur die Entstehung von Krebs fördert, sondern es lässt auch schneller altern. Raucherinnen bauen Östrogen verstärkt in ihrer Leber ab und haben deshalb niedrigere Hormonspiegel als Nichtraucherinnen. Als Folge wird jedoch die Haut von Raucherinnen vorzeitig dünn und faltig, und die letzte Monatsblutung tritt bis zu fünf Jahren früher auf.

Zusammenhang von Endometriose und Ernährung noch Spekulation

Über den Einfluss der Ernährung auf den Verlauf der Endometriose gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Erkrankte Frauen berichten jedoch, dass bestimmte Nahrungsmittel oder auch die basische Ernährungsform die Beschwerden mildern. Möglicherweise kann vitaminreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Pflanzliche Fette sollen günstiger sein als tierische Fette, Vollkornprodukte besser als solche aus Weißmehl. Alkohol und Koffein könnten nach Erfahrungsberichten betroffener Patientinnen die Beschwerden verschlimmern.

Unterleibsschmerzen – das sind die Ursachen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. Juni 2016
Durch: Sarah Wagner

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