Gefäßerkrankungen

Chronische Venöse Insuffizienz (CVI): Diagnose

Die Untersuchung des Patienten mit chronisch venöser Insuffizienz umfasst die Betrachtung (Inspektion) und Beschreibung der für diese Erkrankung typischen Hautveränderungen sowie den Einsatz apparativer Untersuchungsverfahren.

Zur Diagnose der Venenschwäche beziehungsweise chronisch venösen Insuffizienz (CVI) betrachtet der Arzt zunächst die Haut der Beine und stellt fest, ob sichtbare Veränderungen wie eine verstärkte Venenzeichnung, Krampfadern , Hautverfärbungen, Schwellungen oder Geschwüre vorliegen. Anschließend werden verschiedene apparative Untersuchungen durchgeführt. Bei diesen apparativen Untersuchungen unterscheidet man nicht invasive von invasiven Verfahren. Unter nicht invasiven Untersuchungsverfahren versteht man solche, die für den Patienten nicht belastend und schmerzlos sind.

1. Nicht invasive Verfahren

Gefäßultraschallmethoden (Dopplersonographie, Duplexsonographie)

Mittels Ultraschall lassen sich Venen bildlich darstellen (B-Bild-Methode), oder es kann hiermit die Blutströmung gemessen werden (Dopplersonographie). Geräte, die die B-Bild-Darstellung sowie die Blutströmungsmessung (Dopplersonographie) mittels Ultraschall in sich vereinigen, nennt man Duplexsonographie-Geräte. Im Gefäßultraschall können sowohl erweiterte Venen als auch schlussunfähige Venenklappen aufgespürt und dargestellt werden.

Die Ultraschallaufnahmen einer großen Vene zeigen deutlich eine Venenklappe, die auf dem linken Bild geöffnet und rechts geschlossen ist.

Mithilfe einer Dopplerstiftsonde kann der Arzt völlig schmerzlos und ungefährlich die Blutströmung in Gefäßen - in diesem Fall in Venen - des Patienten messen. Auf diese Weise gelingt die Ortung tiefer oder oberflächlicher Venenabschnitte, in denen die Venenklappen defekt sind. Normalerweise lässt sich in den oberflächlichen und tiefen Beinvenen ein atemabhängiges, einphasiges Blutflusssignal ableiten. Bei Ausatmung fließt das Blut über die geöffneten Venenklappen herzwärts, sodass ein Dopplerflusssignal entsteht. Im Falle intakter Venenklappen kommt es bei Einatmung zu einem Blutströmungsstopp. In dieser Phase ist kein Dopplersignal ableitbar.

Duplexsonographie der Venen mit normalem Dopplersignal, das atemabhängig ist. Während der Einatmung ist kein Fluss zu erkennen, wohingegen bei Ausatmung eine herzwärts gerichtete Strömung zu sehen ist.

Plethysmographische Verfahren

Die Funktion des Venenklappenapparates kann nicht nur mittels Dopplersonographie sondern auch durch venenverschlussplethysmographische Verfahren überprüft werden. Die Venenverschlussplethysmographie ist eine ungefährliche und für den Patienten nicht belastende Methode zur Messung von Änderungen des Blutvolumens in Venen.

Zur Venenverschlussplethysmographie werden am Oberschenkel Staumanschetten und an den Unterschenkeln Dehnungsmessstreifen angelegt. Die Staumanschetten werden dann langsam auf Druckwerte, die zwischen und 60 und 80 mmHg liegen, aufgepumpt, wobei die Staudauer zirka fünf Minuten beträgt. In dieser Phase der Messung ist der venöse Abstrom blockiert, sodass es zu einer Zunahme des Unterschenkelumfangs kommt, der mit dem Quecksilberdehnungsstreifen gemessen werden kann. Mit Beendigung der fünfminütigen Staudauer wird die Manschette schlagartig entleert. Über die zeitabhängige Verringerung des Wadenumfangs lässt sich mittels Quecksilberdehnungsstreifen der venöse Ausstrom bestimmen. Er ist zum Beispiel im Falle einer Thromboseereignisses vermindert, da ein Blutgerinnsel den Abfluss des venösen Blutes behindert.

Überprüfung der Wadenmuskelpumpfunktion

Mit der Venenverschlussplethysmographie kann das Ausmaß des gestörten venösen Abstroms aus den Beinvenen beurteilt werden. Im Gegensatz zu den Doppler- und Duplexultraschall-Methoden erlaubt die Venenverschlussplethysmographie auch eine Überprüfung der Wadenpumpfunktion während Betätigung der Wadenmuskeln.

Zur Überprüfung der Wadenmuskelpumpfunktion während Belastung werden die Staumanschetten von den Oberschenkeln entfernt. Mithilfe der Quecksilberdehnungsstreifen können die Wadenumfangsänderungen während und nach Belastung (zum Beispiel zehn bis 20 Zehenstandsübungen) gemessen werden. Normalerweise sollte der Wadenumfang während der Zehenstandsübung abnehmen und unmittelbar nach den Zehenstandsübungen reduziert sein.

Lichtreflexrheographie

Mit diesem Verfahren gelingt die Beurteilung des venösen Abstroms durch Betätigung der Wadenmuskelpumpe. Hierzu werden die Volumenschwankungen des Venengeflechts, das direkt unter der Haut liegt, mit einer Sonde, die eine Infrarotlichtquelle und einen Sensor für das reflektierte Licht enthält, registriert. Die Sonde wird auf der Hautoberfläche befestigt. Der Lichtstrahl der Infrarotquelle dringt bis zu zwei Millimeter unter die Hautoberfläche. Je weniger venöses Blut sich dort befindet, umso größer ist die Lichtmenge, die von der Haut zurückgeworfen und von dem Sensor aufgezeichnet wird.

Die Messungen werden am sitzenden Patienten in Ruhe, während zehnmaligen Zehenständen und nach Abschluss der Zehenstandsübung durchgeführt. Durch Betätigung der Wadenmuskelpumpe während der Zehenstandsübung entleert sich das Hautvenengeflecht. An der LRR-Messkurve ist dies an einem Anstieg zu erkennen. In der anschließenden Ruhephase bewirkt die Wiederauffüllung des venösen Hautgeflechts einen langsamen Kurvenabfall. Seine Dauer sollte über 25 Sekunden betragen. Ist diese so genannte Wiederauffüllzeit verkürzt auf Werte von zum Beispiel 20 bis 25 Sekunden, so liegt eine Venenklappenstörung Ersten Grades vor. Die Venenklappenstörung Zweiten Grades ist durch eine Verkürzung der Wiederauffüllzeit von zehn bis 20 Sekunden gekennzeichnet. Eine schwere Venenklappenfunktionsstörung (Grad III) besteht, wenn die Wiederauffüllzeit unter zehn Sekunden liegt. Je kürzer die Wiederauffüllzeit also, umso eingeschränkter ist die Funktion der Venenklappen, die den Rückfluss des Blutes gegen die Schwerkraft aufhalten sollen.

2. Invasive Verfahren

Invasive Verfahren sind solche, die für den Patienten mit einer gewissen Belastung verbunden sind.

Röntgenkontrastmitteldarstellung von Venen (Phlebographie)

Bei der Röntgenkontrastmitteldarstellung von Venen wird mit einer kleinen Kanüle eine oberflächliche Vene am Fußrücken punktiert und Röntgenkontrastmittel über die Kanüle in die Vene gespritzt. Damit das Röntgenkontrastmittel in die tiefen Venen gelangt, erfolgt zuvor die Abführung oberflächlicher Venen, die oberhalb des Knöchels gelegen sind, mithilfe eines Stauschlauches. Mit einem Röntgengerät verfolgt der Arzt den Abfluss des Röntgenkontrastmittels beim Patienten, der auf dem Röntgentisch liegt. Auf diese Weise lassen sich Abflusshindernisse (Thrombosen) in den tiefen Venen darstellen. Indem der Patient die Bauchpresse betätigt, gelingt der Nachweis von Venenklappenschwächen mittels Phlebographie.

Blutige Venendruckmessung (Phlebodynamometrie)

Die blutige Venendruckmessung erlaubt die Beurteilung des venösen Ausstroms aus den Beinen während Wadenmuskelarbeit über die direkte Druckmessung in der Vene. Zusätzlich erlaubt dieses Verfahren auch die Messung des Ruhedrucks im Venensystem.

Zur Durchführung einer blutigen Venendruckmessung muss der Arzt eine oberflächliche Vene im Bereich des Fußrückens mit einer kleinen Kanüle punktieren. Über einen dünnen Schlauch, der mit Kochsalzlösung gefüllt ist, besteht eine Verbindung zwischen Kanüle und einem Druckmessinstrument, das in der Lage ist, den Venendruck auf einem Schreiber grafisch darzustellen.

Normalerweise sollte der so genannte Ruhedruck vor Belastungsübung im Stehen nicht größer als 80 mmHg sein. Nach Belastungsübung ist beim Gesunden der Venendruck gegenüber dem Ruhezustand verringert und steigt dann langsam wieder an, um den Ausgangswert zu erreichen. Die Druckausgleichszeit, das heißt das Erreichen des venösen Ausgangsdrucks nach Belastungsübung, sollte -der Lichtreflexrheographie vergleichbar - normalerweise über 25 Sekunden liegen.

Röntgenkontrastmitteldarstellung der Beinvenen

Nur mithilfe von Kontrastmitteln gelingt die Röntgendarstellung des Beinvenensystems, da Venen im einfachen Röntgenbild nicht sichtbar sind. Heute gängig ist die Darstellung der tiefen Beinvenen über die Punktion einer Fußrückenvene mit einer Kanüle, über die das Kontrastmittel eingespritzt wird. Hierdurch kann die Ursache einer sekundären chronischen Veneninsuffizienz (zum Beispiel tiefen Venenthrombose) dargestellt werden. Durch Aufforderung des Patienten zur Betätigung der Bauchpresse lässt sich die Schlussunfähigkeit von Venenklappen darstellen, indem es beim Pressen zu einem fußwärts gerichteten Rückstrom des Kontrastmittels kommt.

Zur Darstellung der großen oberflächlichen Venenstämme muss der entsprechende Venenstamm isoliert vom Arzt punktiert werden, damit das Kontrastmittel gezielt in diese Gefäßabschnitte gespritzt werden kann. Die Schlussunfähigkeit oberflächlicher Venenklappen ist an einem fußwärts gerichteten Rückstrom des Kontrastmittels während des Pressmanövers des Patienten zu erkennen.

Letzte Aktualisierung: 17. Januar 2011

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