Persönlichkeitsstörung

Borderline-Syndrom: Neun Symptome, Test und Therapie

Der Begriff Borderline bezeichnet eine Form der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung; sie tritt vor allem bei jungen Erwachsenen auf. Typisch sind starke Stimmungsschwankungen und Gefühlsausbrüche.

svv bei borderline
Wer bin ich: Borderliner stellen ihre Person und ihren Körper infrage, selbstverletzendes Verhalten ist häufig. Vor allem junge Frauen sind betroffen.
iStock

Von Borderline Betroffenen fällt es schwer, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. Borderliner leiden unter starken Gefühlsausbrüchen und Stimmungsschwankungen, die ihren Alltag maßgeblich beeinflussen. Impulsivität und vor allem emotionale Instabilität kennzeichnen das Borderline-Syndrom, weshalb Ärzte sie zu den emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen zählen. Bei der Borderline-Störung kommt noch ein entscheidender Punkt hinzu: die Störung des eigenen Selbstbildes.

Borderliner sind häufig zwischen 15 und 45 sowie weiblich

Borderline bedeutet so viel wie „Grenzlinie“ oder „grenzwertig“. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung sind von einer Borderline-Störung betroffen, wobei die meisten Patienten zwischen 15 und 45 Jahre alt und weiblich sind. Ärzte gehen davon aus, dass mehrere Faktoren eine Borderline-Persönlichkeitsstörung verursachen können. Dazu zählen einerseits erbliche Veranlagung, aber vor allem Einflüsse des Umfelds, wie Kindheits- und Beziehungserfahrungen, traumatische Erlebnisse oder die familiäre Situation.

Reizbar und manchmal suizidgefährdet

Borderliner leiden meist sehr unter ihrer schweren Identitätsstörung mit den starken Stimmungsschwankungen und einer erhöhten Reizbarkeit. Gerade die gefühlte innere Leere und die Hilflosigkeit lassen sie oft zu drastischen Mitteln wie dem Selbstverletzen greifen. In extremen Fällen besteht Suizidgefahr. Auch Angehörige und Freunde spüren die Auswirkungen der Borderline-Störung, da sie sich stark in der Familie und zwischenmenschlichen Beziehungen bemerkbar macht.

Symptome: Wie Sie Anzeichen des Borderline-Syndroms erkennen

Weil Borderline zu den Persönlichkeitsstörungen gehört, empfinden Sie als Betroffener die Symptome wie Impulsivität und emotionale Instabilität sehr subjektiv und individuell. Die Symptome dieser psychischen Erkrankung wirken sich auch auf die Mitmenschen eines Borderliners aus.

Anzeichen der Persönlichkeitsstörung im Überblick

Die American Psychiatric Association (APA) beschreibt in ihrem „Diagnostischen und statistischen Handbuch psychischer Störungen“ (DSM) neun typische Symptome der Borderline-Persönlichkeistsstörung:

  • Angst, allein zu sein: „Ich kann nicht alleine sein!“: Borderliner versuchen verzweifelt, Trennungen und Einsamkeit zu vermeiden.

  • Intensive, aber instabile Beziehungen: „Meine Beziehungen sind anfangs immer so toll, gehen aber oft schnell und im Krach auseinander!“: Durch die Angst, verlassen zu werden, ist die Beziehung eines Borderliners zu Anfang sehr intensiv (Idealisierung), aber später stets gefährdet durch die starken Gefühlsschwankungen, wodurch die anfängliche Bewunderung schnell in Abwertung umschlagen kann (Entwertung).

  • Störung der Identität: „Wer bin ich?“ – Borderliner stellen sich selbst und ihren Körper infrage; ihre Selbstwahrnehmung ist gestört. Sie sind unsicher und verlieren sich in einem Vorgang der Selbstfindung.

  • Impulsivität: „Ich bin extrem, in allem, was ich tue!“ – Eine starke Impulsivität geht oft mit Rücksichtslosigkeit einher. Dabei ist die Reizbarkeit viel höher sowie das Risiko, sich in Gefahr zu begeben.

  • Selbstmorddrohungen und Selbstverletzung: „Wenn ich mich schneide, geht es mir besser.“ – Selbstverletzungen sind oft der verzweifelte Versuch von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, den Kontakt zur Realität wiederherzustellen. Drohungen oder Versuche, sich umzubringen, passieren häufig nach oder bei bevorstehenden Zurückweisungen.

  • Stimmungsschwankungen: „Eben war ich noch gut drauf und plötzlich möchte ich nur noch weinen.“ – Sowohl positive als auch negative Gefühle erleben Borderliner sehr intensiv, wobei negative Eindrücke meist überwiegen oder auch länger andauern.

  • Andauerndes Gefühl von Leere: „Das hat doch alles keinen Sinn!“ – Für Borderliner erscheinen Dinge oft sinnlos und langweilig. Eine innere Leere führt zum Verlust der Identität und lässt sie verzweifeln.

  • Wut: „Ich habe eine Stinkwut!“ – Die Reizschwelle eines Borderliners ist sehr niedrig. Wutanfälle lassen sich häufig nicht kontrollieren und können sogar zu körperlichen Auseinandersetzungen führen.

  • Stressabhängiger Realitätsverlust: „Ich bin in einer anderen Welt.“ – Alles erscheint einem Borderline-Patienten als böse, niemandem kann er vertrauen.

Von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung wird in der Klinik dann gesprochen, wenn mindestens fünf dieser Symptome auftreten. Darauf bezieht sich der Begriff „Borderline-Syndrom“, der die auftretenden typischen Krankheitszeichen beschreibt.

Ursachen und Auslöser der Borderline-Störung

Ob und warum Sie oder ein Verwandter beziehungsweise Bekannter von Ihnen an Borderline erkrankt, kann verschiedene Ursachen haben. Ärzte gehen davon aus, dass mehrere Faktoren gemeinsam für diese Persönlichkeitsstörung verantwortlich sind. Nach neueren Studien ist es wahrscheinlich, dass es einen starken genetischen Einfluss gibt, welcher gerade die Neigung zu instabilem Verhalten, erhöhter Empfindung und einer gestörten Identität beeinflusst. Zusammen mit ungünstigen Umwelteinflüssen kann sich dann eine Borderline-Persönlichkeitsstörung ausprägen.

Kindheitserlebnisse können Auslöser sein

Bereits in der Kindheit können Ursachen liegen, die zu einer Borderline-Störung beitragen. Sowohl ungeordnete Familienverhältnisse als auch sexueller Missbrauch, Vernachlässigung, Gewalt und psychische Belastungen sind mögliche Faktoren. Wenngleich solche Ursachen maßgeblich zu einem Auftreten beitragen, kann eine Borderline-Störung auch bei intakten Familienverhältnissen auftreten.

Zu wenig Selbstbewusstsein bei Borderline-Störung

Oft spielt auch mangelndes Selbstwertgefühl eine Rolle, wenn sich die Borderline-Störung entwickelt. Menschen, die in der Kindheit die genannten traumatischen Erlebnisse haben mussten, weisen als Erwachsene häufig kaum Selbstbewusstsein auf. 

Diagnose: Diese Test-Fragen verraten ein Borderline-Syndrom

Borderline kann durch einen Psychiater oder Psychotherapeuten durch gezielte Fragen und Gespräche erkannt und behandelt werden. Dabei geht es zuerst immer um die aufgetretenen Probleme, die überhaupt zu Ihrem Entschluss, einen Psychiater oder Psychotherapeuten aufzusuchen, geführt haben.

Anfangs möchte der Therapeut Sie nicht gleich behandeln oder aufwändig untersuchen, sondern vor allem verstehen. Es gibt keinen bestimmten Ablauf, erzählen Sie einfach von Ihren Problemen, Sorgen und Beschwerden. Wichtig ist, dass Sie dem Arzt oder Psychotherapeuten vertrauen und ausführlich berichten.

Die Test-Kriterien für die Borderline-Diagnose

Der Psychiater/Psychotherapeut wird dabei gezielt nach folgenden Dingen fragen:

  • Die Angst, allein zu sein oder verlassen zu werden
  • Die Idealisierung/Entwertung geliebter Menschen
  • Gestörte Selbstwahrnehmung
  • Starke Impulsivität (Kaufen, rücksichtsloses Fahren, übersteigerte Sexualität usw.)
  • Selbstverletzung und Suizidgedanken
  • Innere Leere
  • Wutanfälle
  • vorübergehende paranoide Vorstellungen in Stresssituationen

Oft helfen schon Gespräche weiter

Hat sich der Arzt beziehungsweise Psychotherapeut anhand der Symptome und Anamnese ein Bild gemacht, so wird er zusammen mit Ihnen eine individuelle Therapie der Borderline-Störung erstellen. Er geht dabei ganz auf Ihre speziellen Probleme und Ihre Persönlichkeit ein, damit die Behandlung erfolgreich ist. Dabei kann es mit einfachen Gesprächen weitergehen, an denen der Arzt oder Psychotherapeut sich verstärkt beteiligt, oder Ihre Familie und Freunde werden in die Therapie miteinbezogen.

Borderline-Therapie: Welche Behandlungsoptionen gibt es?

Nach der Borderline-Diagnose ist in den meisten Fällen eine Psychotherapie ratsam. Obwohl gerade Unbeständigkeit durch starke Stimmungsschwankungen ein typisches Merkmal für Borderline ist, darf die Psychotherapie nicht plötzlich abgebrochen werden. Der Psychotherapeut ist ein wichtiger Fixpunkt, der Halt und Stabilität vermitteln kann. Wie die Psychotherapie bei Borderline im Einzelnen aussieht, ist sehr individuell und hängt unter anderem davon ab, ob Traumatisierungen – zum Beispiel in der Kindheit – vorliegen, die eventuell aufgearbeitet werden müssen.

Zurückliegende seelische Verletzungen heilen

Auch Familie und Freunde sind wichtige Stützen in der Borderline-Therapie. Sie helfen zusätzlich bei der Bewältigung von täglichen Barrieren und bei Gefahren durch Selbstverletzungen. Vor allem wenn Traumata grundlegende Auslöser für eine Borderline-Persönlichkeitsstörung sind, sollte die Therapie speziell auf deren Bearbeitung ausgelegt werden.

Medikamente gegen Borderline

Ob und welche medikamentöse Therapie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung sinnvoll ist, richtet sich unter anderem nach den Symptomen. Bei schweren Angstzuständen und Aggressionen – besonders gegen sich selbst – oder bei Depressionen kann der Arzt zum Beispiel Antidepressiva verordnen. Diese verbessern meist die Stimmung, beruhigen und lösen Angstzustände.

Verlauf, Folgen und Heilungschancen des Borderline-Syndroms

Wie die Persönlichkeitsstörung verläuft, lässt sich im Einzelfall nicht voraussagen. Oft liegt der Grundstein bereits in der Kindheit, verursacht durch ungünstige Familienverhältnisse oder Traumata. Die Borderline-Symptome verstärken sich dann häufig im Laufe der Persönlichkeitsentwicklung bis zum Erwachsenwerden. Neben den ursächlichen Faktoren beeinflusst auch das Verhalten den Verlauf der Borderline-Störung maßgeblich.

Unterstützung durch Familie und Freunde wichtig

Eine Psychotherapie sowie ein stabiles Umfeld mit Unterstützung von Familie und Freunden wirken sich positiv auf den Verlauf der Borderline-Persönlichkeitsstörung aus. In vielen Fällen bessern sich die Symptome des Borderline-Syndroms oder sie verschwinden völlig. Allerdings ist die Suizid-Rate bei Borderlinern erhöht. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Behandlung.

Mit der persönlichen Reife nimmt die Borderline-Störung wieder ab

Die Borderline-Störung tritt bekanntlich meist bei jungen Erwachsenen auf. Mit dem Fortschreiten der Jahre und dem Erwachsenwerden verliert sich die Krankheit jedoch oft wieder. Allerdings ist nicht bekannt, ob sich Ersatzsymptome herausbilden - etwa Alkohol- oder Tablettenmissbrauch.

Kann man einem Borderline-Syndrom vorbeugen?

Einer Borderline-Persönlichkeitsstörung können Sie nicht direkt vorbeugen. Suchen Sie frühzeitig Hilfe auf, wenn Sie Probleme mit mehreren der genannten Symptome haben. Trotzdem ist es sinnvoll, wenn Sie zum Beispiel unter gestörten Familienverhältnissen, Gewalt oder sexuellem Missbrauch leiden oder in Ihrer Kindheit litten, geeignete Hilfe zu suchen. Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Freunden über psychische Probleme oder auftretende Symptome, die auf eine seelische Störung hinweisen könnten.

Positive Lebenseinstellung und wenig Stress wirken Borderline entgegen

Einer psychischen Erkrankung können Sie unterstützend immer mit einer positiven Lebenseinstellung vorbeugen. Vermeiden Sie zu viel Stress und schaffen Sie sich ein bisschen Ruhe und Gelassenheit. Falls andere Erkrankungen wie ADHS bei Ihnen oder Ihrem Kind bekannt sind, gilt es, diese zu behandeln, denn sie können eine Persönlichkeitsstörung wie Borderline begünstigen.

Hier gibt es Rat und Hilfe für Borderline-Betroffene

Der erste Schritt bei Borderline sollte der Kontakt zu Angehörigen oder nahestehenden Personen sein. Doch auch diese sind oft selbst gefragt, die Initiative zu ergreifen, um dem Betroffenen zu helfen. Denn gerade bei einer psychischen Störung ist die Fähigkeit, sich selbst zu helfen, eingeschränkt.

Viele Kliniken und Psychotherapeuten bieten Hilfe bei einer Borderline-Störung an. Der Arzt sucht die richtige Therapie für den Patienten und steht sowohl ihm als auch den Angehörigen zur Seite.

Auch im Internet finden Sie Tipps zur (Selbst-)Hilfe bei Borderline:

Portal zum Thema Borderline für Deutschland, Österreich, Schweiz

• Das Borderline-Netzwerk e.V. ist der erste europaweite Selbsthilfeverein zum Thema Borderline

Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. November 2016
Durch: sba
Quellen: Bluhm, N. u.a. (2009) STEPPS - Das Trainingsprogramm bei Borderline: Emotionale Krisen bewältigen, Probleme lösen, Alltag gestalten, Beziehungen aufbauen.Trainerhandbuch; Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie: Persönlichkeitsstörungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 038/015; Manuela Rösel, Borderline verstehen, starks-sture-Verlag 2012

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Stress und Stressabbau
    Borderline/ Beziehungen
    12.12.2010 | 10:36 Uhr

    Hallo, bei mir wurde vor ein paar Jahren Borderline diagnostiziert.... . Leider ist...   mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang