Jucken, Brennen, Tränen als Symptome

Augengrippe – Infektion mit Adenoviren ist hochansteckend

Augengrippe ist eine höchst ansteckende Virusinfektion, die durch Adenoviren verursacht wird. Die Erreger befallen die Binde- und oft auch die Hornhaut. Das Auge ist gerötet, juckt, brennt und tränt. Die Viren befinden sich in der Tränenflüssigkeit – wer sich am Auge reibt, kann sie über die verunreinigten Hände auf andere übertragen. Auch über kontaminierte Gegenstände können sich Personen anstecken. Eine gezielte Behandlung gibt es nicht, aber die Symptome lassen sich lindern. Meist heilt die Augengrippe ohne Folgen aus.

augen jucken augengrippe
Juckreiz und Rötung gehören zu den typischen Symptomen einer Augengrippe. Verläuft sie schwer, ist der Augenarzt der richtige Ansprechpartner.
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Die Augengrippe ist eine höchst ansteckende Virusinfektion, deren Verursacher Adenoviren sind. Sie befallen die Binde-, aber auch die Hornhaut. Medizinisch heißt sie auch Adenovirus-Konjunktivitis, epidemische Adenovirus-Keratokonjunktivitis oder Keratokonjunktivitis epidemica. Mit der echten Grippe (Influenza) hat die Augeninfektion nichts zu tun, obwohl es einige Gemeinsamkeiten gibt: So existiert keine Behandlung, die an der Ursache ansetzt – nämlich den Viren. Die Augengrippe tritt oft in Verbindung mit einer Atemwegsinfektion, wie einer Erkältung (grippaler Infekt), Schnupfen und Husten, oder einer Infektion des Magen-Darm-Trakts auf.

Adenoviren sind das gesamte Jahr aktiv

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Adenoviren haben zu allen Jahreszeiten leichtes Spiel. Bevorzugte Zeiten eines Ausbruchs konnten Ärzte bislang nicht ausmachen. Die Augeninfektion mit Adenoviren betrifft oft Kinder und junge Erwachsene. Beide Geschlechter sind etwa gleich häufig betroffen.

Die Augengrippe ist äußerst ansteckend. Die Viren, die sich in der Tränenflüssigkeit befinden, werden von Mensch zu Mensch vor allem durch Schmierinfektion weitergeben. Dies geschieht zum Beispiel durch einfaches Händeschütteln. Sie können sich aber auch anstecken, wenn Sie Gegenstände berühren, an denen die Adenoviren haften. Wer sich anschließend mit den Fingern ans Auge fasst, überträgt die Viren auf das Sehorgan. Seltener stecken sich Menschen durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen, Sprechen oder Atmen an.

Augengrippe lässt Augen tränen und jucken

Bei einer Augengrippe sind die Augen gerötet, jucken, tränen und brennen. Meist ist zunächst ein Auge infiziert; bei der Hälfte der Betroffenen attackieren die Viren dann auch das zweite Auge. Das Sehvermögen kann über längere Zeit beeinträchtigt sein, weil sich die Hornhaut eintrübt. Die Augengrippe heilt meist nach etwa zwei bis vier Wochen wieder aus.

Adenoviren als Ursache der Augengrippe

Auslöser der Augengrippe sind Adenoviren. Diese Erreger sind die häufigste Ursache virusbedingter Augenerkrankungen. Etwa 20 bis 90 Prozent aller Formen von Bindehautentzündungen weltweit führen Ärzte auf die Infektion mit Adenoviren zurück.

Adenoviren zählen zur Familie der Adenoviridae. Diese Erreger sind sehr widerstandsfähig und können über lange Zeit in der Umwelt überleben, zum Beispiel auf Geländern, Türklinken oder Gegenständen. Bei Raumtemperatur bleiben sie auf blankem Kunststoff etwa 35 Tage infektiös, auf Metall sogar 50 Tage. Die Erreger brauchen also keinen Wirt wie den Menschen, um lebensfähig zu bleiben. Zum Vergleich: Normale Grippeviren sind spätestens nach acht Stunden auf einer Türklinke nicht mehr am Leben.

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Adenoviren lösen eine Vielzahl verschiedener Krankheitsbilder aus. Meist befallen sie die Augen, Atemwege und den Magen-Darm-Trakt. Aber auch Harnwegsinfektionen, Leberentzündungen oder Gehirn- und Hirnhautentzündungen sind möglich.

Adenoviren vor allem für junge Menschen gefährlich

Die Augengrippe geht vor allem auf eine Infektion mit den Adenoviren vom Typ 8, 19 und 37 zurück. Menschen jeglichen Alters können sich mit der Augengrippe anstecken, aber Kinder und junge Erwachsene erkranken besonders oft. Infektionen mit dem Adenovirus kommen weltweit vor. Die Häufigkeit ist von Land zu Land verschieden. Allein in Japan treten jedes Jahr rund eine Million neue Erkrankungen auf. Auch in Deutschland beobachten Mediziner in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme der Fälle. Jahreszeitliche Häufungen lassen sich nicht feststellen. Vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen, etwa Schulen, Kindergärten oder Seniorenheimen kommt es örtlich gehäuft zu Ausbrüchen bis hin zu kleinen Epidemien.

Die epidemische Keratokonjunktivitis zählt nach dem Infektionsschutzgesetz seit 2001 zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Die Verantwortlichen der betroffenen Institutionen müssen den Gesundheitsbehörden Ausbrüche melden.

Wie steckt man sich mit Augengrippe an?

Der wichtigste Übertragungsweg bei der Augengrippe ist die Schmierinfektion. Die Adenoviren finden sich an den Händen von Infizierten und werden von Mensch zu Mensch weitergegeben. Dies geschieht beispielsweise, wenn sich der Erkrankte an den Augen reibt und dann anderen Menschen wie Freunden oder Arbeitskollegen die Hände schüttelt. Wenn sich diese jetzt mit den Händen ans Auge fassen, haben sie sich schnell angesteckt.

Eine Infektion mit Augengrippe ist aber auch über verunreinigte Gegenstände möglich, wenn Erkrankte erst ihr brennendes und juckendes Auge und dann bestimmte Utensilien mit den Händen berühren. Die Viren bleiben auf den Gegenständen haften und können dort bei Zimmertemperatur über Wochen überleben und infektiös bleiben.

Adenoviren finden sich oft auf Oberflächen von Tischen, Türgriffen, Handläufen, Armaturen, PC-Tastaturen oder Telefonen. Aber auch auf Handtüchern, Waschlappen, Kopfkissen oder in Kosmetika (Cremes, Puder, Lidschatten, Wimperntusche) tummeln sich die Erreger. Selbst in Medikamenten wie Augentropfen oder Augencremes können die Viren überdauern, weshalb Sie diese niemals gemeinsam benutzen sollten. Vorsicht geboten ist zudem bei Kameras, Ferngläsern oder Spielzeug wie einem Kaleidoskop, das Sie ans Auge halten.

Zudem sind die Viren gehäuft in Praxen und Kliniken zu finden, die Augengrippe-Patienten betreuen. Ärzte sprechen von nosokomialen Infektionen, wenn man sich mit den Erregern in der Klinik ansteckt. Häufige Ansteckungswege sind kontaminierte Instrumente (etwa Tonometer zur Augeninnendruckmessung in der Augenklinik), Tropfpipetten oder Augentropfen. Ein Mensch kann sich auch direkt über den Kontakt mit dem Augensekret von Patienten infizieren.

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Wie lange ist ein Mensch ansteckend?

Die Zeit zwischen der Ansteckung mit den Adenoviren und dem Ausbruch der Augengrippe (Inkubationszeit) liegt zwischen fünf und zwölf Tagen. Patienten mit und ohne Symptome scheiden große Mengen an Erregern aus. Mit Augengrippe anstecken können Sie andere, solange der Erreger in der Tränenflüssigkeit nachweisbar ist. Meist ist dies in den ersten zwei Wochen der Erkrankung der Fall; es können aber auch bis zu drei Wochen sein.

Jucken und Tränen als wichtigste Symptome der Ansteckung mit Adenoviren

Die Augengrippe ist eine höchst ansteckende Infektionskrankheit, die vor allem Kinder und Jugendliche betrifft, aber prinzipiell in allen Altersgruppen auftreten kann.

Die Adenovirus-Konjunktivitis beginnt häufiger mit unspezifischen Beschwerden, zum Beispiel mit:

Dann entwickeln sich Anzeichen einer Bindehautentzündung, die an einem Auge beginnen und in 50 Prozent der Fälle innerhalb von sieben Tagen auf das zweite Auge übergreifen. Manchmal kommen Symptome einer Hornhautentzündung hinzu, wenn die Viren auch diese Schicht im Auge angreifen.

 Folgende Symptome deuten darauf hin, dass Sie sich mit Adenoviren infiziert haben:

  • Das Auge rötet sich plötzlich.
  • Die Bindehaut schwillt ringförmig an.
  • Die Lymphknoten am Ohr sind geschwollen.
  • Fremdkörpergefühl im Auge (wie Sandkörper, die bei jedem Lidschlag reiben)
  • Lichtscheu
  • Juckreiz im Auge
  • tränendes Auge, verstärkter Tränenfluss
  • Augenbrennen
  • geschwollenes, herabhängendes Augenlid
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Nach etwa einer Woche entwickelt sich in vielen Fällen eine Infektion der Hornhaut. Die Trübung der Hornhaut kann das Sehvermögen verschlechtern. Die Bindehautentzündung klingt in der Regel nach zwei bis vier Wochen ab. Fast immer heilt die Augengrippe vollständig aus. Die Trübungen der Hornhaut und das schlechte Sehvermögen können aber noch länger bestehen bleiben. Bei nahezu 50 Prozent der Patienten halten die Beschwerden bis zu zwei Jahre an.

Nach einer Infektion mit dem Adenovirus bildet der Organismus Antikörper gegen den spezifischen Erreger. Da es aber sehr viele verschiedene Typen von Adenoviren gibt, ist eine erneute Infektion möglich.

Nachweis der Adenoviren: Wie wird eine Augengrippe diagnostiziert?

Eine Augengrippe ist nicht ganz einfach zu diagnostizieren, denn die Symptome ähneln denen einer Bindehautentzündung, mit der sie leicht zu verwechseln ist. Diese wird aber oft von Bakterien ausgelöst, gegen die Antibiotika gut wirksam sind – bei Augengrippe helfen diese Medikamente nicht, da es sich um eine Virusinfektion handelt. Die richtige Diagnose kann nur ein Augenarzt stellen. Er wird sie fragen, ob Sie kürzlich eine Augenuntersuchung oder Kontakt mit infizierten Personen hatten. Auch geschwollene Lymphknoten am Ohr geben einen Hinweis auf die Augengrippe.

Achtung: Wenn Sie den Verdacht auf eine Augengrippe haben, sollten Sie vor dem Besuch in der Arztpraxis Bescheid sagen. Denn die Augenerkrankung ist höchst ansteckend und andere Patienten im Wartezimmer können sich leicht infizieren. Sie werden in einen separaten Raum gebeten, um die Ansteckungsgefahr zu verringern.

Ärzte haben verschiedene Möglichkeiten, um Adenoviren nachzuweisen. Die Grundlage ist ein Augenabstrich mit einem Wattetupfer und die Analyse der Zellen aus dem Augensekret. Dieser kann etwas unangenehm sein, weshalb Augenärzte mit gut befeuchteten Tupfern oder einer lokalen Betäubung arbeiten.

  • Nukleinsäure-Nachweis: Das Erbgut (DNA) des Virus wird über eine spezielle Technik, die Polymerase Chain Reaction (PCR) vervielfältigt. Aufgrund ihrer Genauigkeit und Schnelligkeit ist die PCR heute die Methode der ersten Wahl.

  • Antigen-Nachweis in den Zellen des Augenabstrichs; es gibt Schnelltests, die aber weniger aussagekräftig als die PCR sind.

  • Direkter Nachweis des Virus: Der Erreger wird aus einer Probe isoliert und in einer Zellkultur vermehrt. Die Methode ist zwar sehr sicher, aber mühevoll und zeitaufwändig. Es kann fünf bis 33 Tage dauern, bis der Erreger nachgewiesen ist.

  • Elektronenmikroskop zum Nachweis des Adenovirus

Daneben ist die Augengrippe über eine Blutuntersuchung nachweisbar. Bei Beginn der Erkrankung und zwei Wochen danach entnehmen Ärzte eine Blutprobe. Diese Diagnostik ist zeitaufwändig und wenig geeignet, wenn sehr viele Augengrippe-Ausbrüche oder sogar Epidemien aufgetreten sind.

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Augengrippe-Behandlung – so lindern Sie die Symptome

Wie bei der echten Grippe gibt es auch bei der Augengrippe keine Behandlung, die direkt an der Ursache ansetzt, also die Adenoviren bekämpft (ursächliche Therapie). Auch sind im Gegensatz zur Bindehautentzündung, deren Verursacher oft Bakterien sind, Antibiotika wirkungslos. Sie helfen nur gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren aller Art. Ziel der Therapie ist es, die Anzahl der Viren einzudämmen, das Risiko für eine Infektion der Hornhaut zu senken und die Symptome zu lindern (symptomatische Therapie).

Diese  Arzneien helfen den Augen

  • Augentropfen oder Augensalben helfen, wenn die Augen ausgetrocknet sind. Sie befeuchten die Augen wieder und sorgen für einen ausreichenden Flüssigkeitsfilm.

  • Der Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten wie Kortikosteroiden scheint die subjektiven Beschwerden im Auge zu bessern. Weil aber bei jedem dritten Patienten die Hornhauttrübungen erneut auftreten, wenn sie die Medikamente absetzen, raten Ärzte nur bei schwer verlaufender Infektion zu diesen Arzneien. Empfohlen sind Präparate mit wenigen Nebenwirkungen, zum Beispiel Loteprednol.

  • In einigen Studien haben sich Immunsuppressiva als Augentropfen bewährt, die das Immunsystem unterdrücken. Beispiele sind die Wirkstoffe Cyclosporin A und Tacrolimus. Für schwere Fälle sind sie eventuell eine Alternative zu den Kortikosteroiden oder helfen, diese einzusparen.

Das können Sie selbst tun

  • Bleiben sie am besten zu Hause und meiden Sie öffentliche Einrichtungen und Plätze, an denen sich viele Menschen aufhalten. Sie verbreiten die Erreger sonst schnell weiter.

  • Waschen Sie Ihre Hände sorgfältig.

  • Verwenden Sie eigene Handtücher, Waschlappen, Kopfkissen und Kosmetika.

Eine Augengrippe ist meist harmlos und heilt innerhalb von zwei bis vier Wochen von selbst wieder aus. Nur selten entwickeln sich Schäden an der Hornhaut, die das Sehvermögen längerfristig beeinträchtigen. Diese lassen sich aber gezielt behandeln.

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Verlauf und Heilungschancen bei Augengrippe

Die Augengrippe verläuft meist harmlos und heilt innerhalb von zwei bis vier Wochen ohne Komplikationen aus. Ist allerdings die Hornhaut wegen der Infektion eingetrübt, kann das Sehvermögen noch längere Zeit beeinträchtigt sein. Selten verschlechtert es sich dauerhaft.

Wer die Augengrippe durchgemacht hat, entwickelt Antikörper gegen die Adenoviren, welche die Krankheit ausgelöst haben. Allerdings gibt es sehr viele verschiedene Typen von Adenoviren, sodass eine erneute Infektion möglich ist.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 05. April 2017
Quellen: Robert Koch-Institut (RKI), https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Adenovirus_Konjunktivitis.html; Charité Universitätsmedizin. Keratokonjunktivitis epidemica (KCE), https://augenklinik.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc16/augen-cbf/Forschung/Adenovirusinfektion-Keratokonjunktivitis_epidemica.pdf; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/adenoviren/; Berufsverband der Augenärzte, http://cms.augeninfo.de/fileadmin/pat_brosch/konjunkt.pdf

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