Tiefgreifende Entwicklungsstörung aus dem Autismus-Formenkreis

Asperger-Syndrom: Leben ohne erkennbare Emotionen

Das Asperger-Syndrom als die vermeintliche "leichtere" Form einer autistischen Störung bleibt oft bis ins Kindergarten- oder Schulalter hinein unerkannt, da erst im regelmäßigen Kontakt mit Gleichaltrigen die Schwierigkeiten der Betroffenen deutlich werden. Die Pflege sozialer Kontakte ist für Menschen mit Asperger fast unmöglich, da sie mit Gestik, Mimik und den Emotionen anderer nichts anfangen und diese für sich selbst nicht einsetzen können. So ist das Leben mit Asperger-Autismus für die Betroffenen und deren Mitmenschen:

Junge schaut abwesend aus einem beschlagenen Fenster und träumt in seiner Welt vor sich hin.
Menschen mit Asperger-Syndrom leben in einer isolierten Welt aus Inselbegabungen, umzingelt von sozialen Interaktionsproblemen.
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Die Diagnose des Asperger-Syndroms lässt die betroffenen Menschen und deren Angehörige zunächst hilflos zurück. Irgendwie war zwar allen klar, dass da etwas "anders" ist. Es hat dann zwar einen Namen und es gibt eine Erklärung für ein oft als sonderbar empfundenes Verhalten. Doch was bedeutet das für die Zukunft? Wie fühlt sich ein Leben mit dem Asperger-Syndrom an?

An diesen Symptomen erkennen Sie das Asperger-Syndrom

Asperger gilt als milde Form des Autismus und als tiefgreifende Entwicklungsstörung (ICD-10: F84.5). Während Autismussymptome bereits in den ersten Lebensmonaten deutlich werden, wird das Asperger-Syndrom erst mit eintreten der Sozialisierungsphase nach dem dritten Lebensjahr deutlich.

Kinder mit dem Asperger-Syndrom gliedern sich nur schwer oder gar nicht in einen sozialen Verband wie Kindergartengruppe oder Schulklasse ein. Die Kinder leben lieber zurückgezogen, beschäftigen sich alleine mit ihren ganz bestimmten Interessen. Darin sind sie teils überbegabt und verfolgen diese mit Herzblut (Inselbegabung), während sie für sonstige Neuerungen oder Lernprozesse nur schwer zu begeistern sind. Das Erscheinungsbild des Asperger-Syndroms wird geprägt durch eine Kombination mehrerer Defizite in der sozialen Kommunikation und Interaktion, sowie Schwierigkeiten bei der Äußerung von und dem Umgang mit Emotionen.

Motorik: Auffällige Körperbewegungen erkennen

Denkt man an Autismus, haben viele den Schauspieler Dustin Hoffman in der Rolle des Raymond Babbitt im Film "Rain Man" vor Augen: In Ruhe ist Autismus niemandem anzusehen. Erst wenn es zu Aufregung oder Angst kommt, erkennt man die Erkrankung: Autisten fallen in immer wiederkehrende Bewegungsabläufe, wie etwa einem Wippen mit dem Oberkörper oder ein Schütteln der Hände bei langen Auf- und Abwärtsbewegungen der Arme.

Diese als Manierismen bezeichneten Muster kommen auch beim Asperger-Syndrom vor. Doch während sich Autisten im Alltag unauffällig bewegen, fallen Menschen mit dem Asperger-Syndrom früh auf – als tollpatschige Kinder, die beim Sport eher ungelenk und bei alltäglichen Dingen ungeschickt wirken. Da die Kinder diese Bewegungen unbewusst meiden, wird das Symptom häufig übersehen oder verspätet erkannt.

Sozialverhalten: Asperger-Betroffene gelten als Sonderlinge

Autisten vermeiden Blickkontakte. Dies gilt auch bei Asperger: Ein direktes Treffen der Augenpaare wird vermieden und höchstens für wenige Sekunden "ertragen". Für Betroffene des Asperger-Syndroms fühlt sich diese Art der nonverbalen Kommunikation äußert unangenehm an. Dass dies von den Mitmenschen als seltsam bis unhöflich empfunden wird, ist Asperger-Patienten nicht bewusst. Ihnen fehlt das nötige Einfühlungsvermögen im sozialen Umgang miteinander. Dies reicht bis zu tiefgreifenden Emotionen: Der Zugang zu Gefühlen der Zuneigung, geistig wie körperlich, bleib ihnen meist verwehrt.

Auch fällt ihnen Trauer schwer – nicht die Empfindung, aber sie auszudrücken. Sie wirken meist anteilslos und kalt. Dadurch werden sie von ihrer Umwelt ausgeschlossen und in die soziale Isolation gedrängt, in der sich Asperger-Betroffene meist sogar wohler fühlen. So entgehen sie den vielen Alltagskonflikten, die ihr Verhalten sonst verursacht oder den durchaus empfundenen seelischen Verletzungen nach Hänseleien in der Schulzeit bis hin zum Mobbing am Arbeitsplatz, die jeweils aus dem Unverständnis des Syndroms durch ihre Mitmenschen entstehen.

Asperger-Autismus an der Sprache erkennen

Während frühkindlicher Autismus von einer verzögerten und gestörten Sprachentwicklung charakterisiert wird, ist dieses Phänomen beim Asperger-Syndrom nicht zu finden. Die Sprache erscheint gewählt bis gebildet, der Tonfall stets neutral und in der Stimmfarbe eher monoton und anteilslos. So würde ein Witz in derselben Art erzählt werden wie ein schwerer Schicksalsschlag.

Einem Asperger-Betroffenen zuzuhören wird weiter erschwert, da diese sich nicht an ihren Zuhörern orientieren können und deshalb zu schnell oder in zerfetzten Sätzen sprechen. Andererseits können bei Lieblingsthemen endlose Reden entstehen, bei denen der Asperger-Patient das Interesse oder auch Desinteresse seines Gegenübers meist völlig ignoriert. Asperger-Betroffene verlieren sich bei ihren Ausführungen in Details, so dass es dem Zuhörer fast unmöglich wird, dem Hauptstrang der Erzählung zu folgen.

Zu den sprachlichen Auffälligkeiten bei Asperger zählen:

  • abrupte Themenwechsel
  • Unverständnis rhetorischer Mittel wie
    • Redewendung
    • Metapher
    • rhetorischer Frage
  • Neigung zu abstrusen Wortschöpfungen
  • häufige Verwendung von Floskeln, die einstudiert werden
  • spontane Wechsel zwischen Dialog und Selbstgespräch
  • kein Zugang zu sprachlichen Stilmitteln wie Ironie oder Zynismus

Steckt in jedem Nerd und Sammler ein bisschen Asperger?

Da das Zusammenleben mit anderen Menschen für Asperger-Betroffene mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, legen sie ihren Fokus auf Hobbys, die keinen Kontakt zu ihren Mitmenschen erfordern. Diese Leidenschaften betreiben sie dann in einem deutlich höheren Maß als andere, ähnlich Begeisterte. Ihre Vorlieben liegen thematisch oftmals in wissenschaftlichen, für sie rational erklärbaren Bereichen wie der Mathematik, Astronomie, Informatik oder Physik oder sie entwickeln Sammelleidenschaften für außergewöhnliche Dinge.

Neuere Studien weisen darauf hin, dass jeder dritte Autist über eine als Inselbegabung bezeichnete, besondere Fähigkeit in einem bestimmten Themengebiet verfügt. Ursächlich erscheinen auch hier die Verschaltungen im Gehirn, die bei Asperger-Autisten einerseits die eigentlich üblichen Funktionen im sozialen Verhalten oder in Bewegungsabläufen stark beeinträchtigen, im Gegenzug aber eine ganz bestimmte andere Begabung deutlich stärken.

So empfinden Menschen mit Asperger-Syndrom

Bereits der namensgebende Erstbeschreiber des Syndroms, Hans Asperger, distanzierte sich von der Betrachtungsweise, Asperger-Betroffene hätten unterentwickelte Emotionen. Sie empfinden eher anders, folgerte er. Da Asperger nicht heilbar ist, ist kein direkter Vergleich möglich, jedoch schildern Menschen mit Asperger ihr Gefühlsleben sehr deutlich: Sie haben keinen Zugang zu komplexen Gefühlswelten, die für zwischenmenschliche Kontakte unabdingbar sind. Gefühle wie Wut, Furcht, Trauer oder Glück empfinden sie jedoch gleichermaßen. Nur bewerten sie diese nüchterner und drücken ihre Emotion nicht in weithin gewohnter Weise aus.

Mit Inselbegabung zum Genie

Im Gegensatz zu den meisten Autismusformen sind Asperger-Betroffene nicht weniger intelligent als der Durchschnitt. Gelegentlich werden sogar besondere Begabungen in jugendlichem Alter festgestellt, die es Kindern mit Asperger erlauben, schon deutlich vor dem Schulalter lesen und schreiben zu lernen. Sie stechen durch strukturiertes, analytischen Denken heraus, was ihnen gerade in Naturwissenschaften besondere Leistungen erlaubt.

Diese Fähigkeiten, die sie in ihrer Inselbegabung besitzen, können sie jedoch nicht auf andere Aufgabenbereiche übertragen. So kann beispielsweise eine Begeisterung für Mathematik nicht willkürlich für eine andere Naturwissenschaft entwickelt werden, auch wenn diese inhaltlich mit ähnlich vielen Rechenaufgaben verbunden ist. So bleibt für Kinder mit Asperger und auch später im Erwachsenenalter die Konzentrationsfähigkeit immer nur auf bestimmte Interessensgebiete beschränkt, so dass dies, als einzelnes Symptom betrachtet, zunächst zur Verdachtsdiagnose einer AD(H)S verleitet.

Leben mit Asperger: Rituale geben Halt und Sicherheit

Beim Asperger-Syndrom ist es den Betroffenen wie allgemein beim Autismus meist nicht möglich, bei Informationen zwischen wesentlichen Dingen und Nebensächlichkeiten zu unterscheiden. Die dadurch auf sie enprasselnde Flut an nicht in ihrer Bedeutung unterscheidbaren Informationen überfordert die Betroffenen schnell. Darum planen Menschen mit Asperger ihren Tagesablauf akribisch vor und hangeln sich von einem Ritual zum nächsten, um mit alltäglichen Situation zurecht zu kommen und Überraschungen zu vermeiden. Ist dann am Morgen die Milch unerwartet leer, kommt das ganze Konzept des Tagesablaufs ins Wanken und stürzt die Betroffenen in nervöse Erregungszustände.

Die Ursachen des Asperger-Syndroms

Autismus resultiert aus bestimmten Veränderungen beim Wachstum des Gehirns in einer frühen Entwicklungsphase. Dies hat besonderen Einfluss auf die Zahl der Nervenverbindungen untereinander (Konnektome). Allgemein bei Autismus sind diese in bestimmten Arealen des Gehirn vermindert, bei der Form des Asperger-Autismus sind kleine Areale jedoch überdurchschnittlich häufig miteinander vernetzt.

Je nach Ausprägung stellt dies aber zunächst für das Asperger-Syndrom nur eine Veranlagung dar. Was diese Autismusform letztendlich auslöst, wird derzeit noch erforscht. Es ist aber davon auszugehen, dass erbliche Faktoren mitentscheiden und die finalen Auslöser im sozialen Umfeld der Betroffenen liegen.

Asperger-Gehirne wachsen anders

Eine Untersuchung des Gehirns im Mutterleib ist schwierig. Zu groß ist die gesunde Entwicklungsbandbreite eines embryonalen Hirns, als dass sich in bildgebenden Verfahren eindeutige anatomische Strukturen festmachen ließen, die auf das Syndrom schließen lassen. Die Gehirne von Kindern und Erwachsenen mit Asperger zeigen aber ganz spezifische Veränderungen gegenüber der Anatomie des Gehirns eines Nicht-Asperger-Patienten in den Bereichen, die mit den aspergertypischen Symptomen in Verbindung gebracht werden, also in den Gehirnregionen für Emotionen und Motorik.

Genvielfalt sorgt für komplexe Krankheitsbilder

Autismus ist vererbbar. Die Ursache liegt in der Kombination von über 100 verschiedenen Genen an über 40 möglichen Genorten. Daraus ergibt sich eine riesige Zahl an Kombinationsmöglichkeiten für diese Gene und ist zugleich die Erklärung, warum Autismus ein derart großes Spektrum in der einzelnen Ausprägung zeigen kann wie das Asperger-Syndrom.

Neurologie: Gute Verbindungen – schlechte Verbindungen

Seit 2004 rückt in der Autismusforschung die Untersuchung der Verschaltungen der Nervenzellen miteinander stärker in den Fokus der Wissenschaftler. Mediziner der Universität Pittsburgh (USA) erkannten, dass Informationen im Gehirn von Autisten in ihrem Fluss gehemmt sind. Ursächlich erscheint, dass die Nerven miteinander nicht in üblichem Maß verknüpft sind, wodurch die Impulse "langsamer" geleitet und die Denkprozesse behindert werden. Dies wird als Unterkonnektivität bezeichnet.

Bei Menschen mit Asperger-Syndrom können – zusätzlich zu diesen Verbindungen mit geringerer Leitungskapazität – äußerst schnelle Verschaltungen ermittelt werden, die sich zwar nur auf ganz kleine, bestimmte Gebiete im Gehirn erstrecken, in diesen Bereichen aber einen deutlich höheren Nachrichtenfluss erlauben. Gemäß der Inselbegabungstheorie folgern die Wissenschaftler, dass diese Überkonnektivität zwar keine Steigerung in der Effektivität der Denkprozesse bedingt, aber eine Spezialisierung erlaubt, also zu einem ganz bestimmten Talent führt.

Diagnose: Asperger-Syndrom nicht verwechseln

Das Asperger-Syndrom ist eine bestimmte Form des Autismus. Diese tiefgreifende Entwicklungsstörung ist derart komplex, dass sie sich nicht so einfach in ein Diagnoseschema pressen lässt. So wird mit jeder Neuauflage der Krankheitsklassifikationen nach dem ICD-Schema an den Formulierungen zur Diagnose von Asperger gefeilt.

Definition des Asperger-Syndroms nach ICD-10

Damit eine Erkrankung aus dem Formenkreis des Autismus diagnostiziert werden kann, müssen die folgenden allgemeinen Kriterien einer Entwicklungsstörung vorliegen:

  • Die ersten Symptome treten in frühem Kindesalter auf.
  • Die Anzeichen nehmen mit dem Alter weiter zu, es gibt keine Phasen mit leichteren Symptomen oder gar eine Zeit ohne Hinweise auf die Erkrankung.
  • Die Symptome spiegeln Verzögerungen in der Entwicklung wider, die mit der biologischen Alterung und geistigen Reife verbunden sind.

Für das Asperger-Syndrom gelten zusätzlich als Diagnose-Kriterien:

  • Wie im Autismus ist die soziale Interaktion, also der Aufbau einer emotionalen Verbindung wie Freundschaft oder gar Liebe oder auch der bloße Versuch ein Gespräch zu beginnen, stark gehemmt und bisweilen unmöglich.
  • Die Interessen der Betroffenen sind auf ein ganz spezifisches, eher kleines Spezialgebiet eingeschränkt. Darin wiederholen sich ihre Aktivitäten wie Rituale. Sie zeigen besondere Talente in diesen Bereichen.
  • Im Gegensatz zum Autismus liegt beim Asperger-Syndrom keine allgemeine Entwicklungsverzögerung bei den Betroffenen vor.
  • Die sprachliche und geistige Entwicklung liegt auf Normalniveau, kann vereinzelt sogar deutlich darüber liegen (Inselbegabung).

Asperger-Syndrom bei Erwachsenen

Erwachsene mit Asperger-Syndrom leben oft zurückgezogen und haben außerhalb der engsten Familie wenige direkte Kontakte. Bekanntschaften werden häufig über das Internet geknüpft, so dass die Betroffenen trotz der Probleme im sozialen Leben einen Partner finden können. Während in der Schule die Themenbreite der verschiedenen Fächer zu Lernschwierigkeiten führt, kann im Berufsleben die große Karriere winken, soweit die jeweilige Inselbegabung zur Profession wird.

Wie viele Erwachsene mit dem Asperger-Syndrom leben, ist nicht bekannt. Aus verschiedenen Untersuchungen geht hervor, dass die Zahl der betroffenen Kinder je nach Studie um einen Wert von 0,25 Prozent kreist und Jungen in einem Verhältnis von 2:1 bis sogar 3:1 deutlich häufiger von Asperger betroffen sind als Mädchen.

Da das Asperger-Syndrom erst seit 1943 als solches bekannt ist und in den Jahrzehnten danach nur selten diagnostiziert wurde, ist die Zahl der Erwachsenen mit Asperger bis heute nicht genau bekannt. Sicher ist jedoch, dass das Asperger-Syndrom ab der Geburt als Veranlagung im Gehirn existiert, meist in der Sozialisierungsphase in der Kindheit erste Symptome zeigt und zeitlebens fortbesteht.

In seltenen Fällen wird Asperger erst im Erwachsenenalter diagnostiziert. Obwohl die Veranlagung dazu bereits in der embryonalen Entwicklung entsteht, können stabile soziale und emotionale Verhältnisse einen Ausbruch der milden Autismusform langfristig unterdrücken. Einschneidende Veränderungen in den familiären Strukturen wie eine Scheidung oder der Verlust von Angehörigen, aber auch im Berufsleben wie bei der Übernahme neuer Aufgaben oder gar dem Verlust der Arbeit, aktivieren die Veranlagung und führen zum Ausbruch des Asperger-Syndroms im Erwachsenenalter.

Mit Asperger im eigenen Mikrokosmos wohlfühlen

Erwachsene mit Asperger leben eher zurückgezogen. Mit den verschiedenartigen Charakteren ihrer Umwelt kommen sie meist nicht klar. Nur wenn das Gegenüber ähnlich tickt, also auch introvertiert ist und sich mehr auf technische Aspekte eines gemeinsamen Spezialinteresses konzentriert, werden diese als Seelenverwandte erkannt. Diese Personen müssen keineswegs Autisten sein oder das Asperger-Syndrom selbst haben. Es sind die als "Nerds" oder "Geeks" bezeichneten Menschen, deren Interessen und eher zurückgezogene Art eine selbstgewählte Isolation erzeugen, die in ihrem Wesen dem Autismus zwar ähnelt, aber nicht neurologisch bedingt ist, mit denen sich Asperger-Betroffene verstehen.

Welche Therapie ist bei Asperger richtig?

Das Asperger-Syndrom ist nicht heilbar, da die Entstehung bereits in der embryonalen Entwicklung stattfindet und zentrale Gehirnstrukturen unveränderlich beeinflusst. Es gibt jedoch eine Vielzahl an symptomatischen Therapiemöglichkeiten, die den Betroffenen helfen, mit Asperger im Alltag einfacher zu leben.

Vorweg: Nicht immer muss diagnostizierter Asperger-Autismus behandelt werden! Sind die Symptome nur leicht ausgeprägt, so wird der Asperger zwar anerkannt, aber nicht als Krankheit betrachtet. Wird der Betroffene in seiner milden Form des Autismus in eine Patienten-Rolle gedrängt, verstärken sich die Symptome. Ärzte und Therapeuten raten in diesem Fall dazu, die vereinzelten, leichten Symptome zu akzeptieren und weitestgehend zu ignorieren.

Wird die Diagnose Asperger-Syndrom als behandlungswürdig eingestuft, kann sich die Therapie nur auf ein Management der Symptome konzentrieren und den Betroffenen durch Alltags-Coaching und Verhaltenstherapie das Leben zu erleichtern. Hierbei wird ein logisches Verständnis für Gefühle aufgebaut, da es emotional nicht begriffen werden kann. Soziale Fertigkeiten, wie Gesprächsführung oder Gestik und Mimik werden trainiert und können dann bei Bedarf abgerufen und reproduziert werden. Die Emotion wird dabei nicht nachempfunden, aber deren Bedeutung erkannt. So kommen Menschen mit dem Asperger-Syndrom seltener in Konfliktsituationen und die Lebensqualität steigt.

Welche Medikamente helfen gegen Asperger-Autismus?

Eine ursächliche, medikamentöse Therapie gegen das Asperger-Syndrom gibt es nicht. Die Genetik lässt sich nicht nachträglich verändern und die im Gehirn verantwortlichen neuroanatomischen Veränderungen können operativ nicht korrigiert werden.

Kommen zum Asperger-Syndrom jedoch Begleiterscheinungen wie eine hyperaktive Bewegungsstörung, eine gesteigerte Aggressivität oder, aufgrund von sozialen Konflikten, depressive Episoden und Schlafstörungen hinzu, so können diese medikamentös behandelt werden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. Mai 2016
Quellen: Peißmann, Dr. Christine (Hrsg.): Asperger: Leben in zwei Weltern. TRIAS Verlag, 2012, 1. Auflage

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