Häufig Folge von Analabszessen

Analfistel

Analfistel
Eine Analfistel kann sich durch Schmerzen in der Afterregion bemerkbar machen.
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Eine Analfistel ist eine krankhafte, röhrenförmige Verbindung, die sich im Gewebe zwischen der äußeren Afterregion und dem Afterkanal erstreckt.

Die Analfistel ist abzugrenzen von der Akne inversa. Nach der Ausgestaltung der Analfistel unterscheidet man zwei Formen:

  1. Komplette Analfistel: Die Fistel verläuft durchgängig von der Darmschleimhaut im Afterkanal bis zur äußeren Haut und besitzt beidseitig eine Mündung.
  2. Inkomplette Analfistel: Die Fistel besitzt nur zu einer Seite hin eine Mündung, entweder zur Hautseite (äußere Mündung) oder zur Schleimhautseite (innere Mündung). Die jeweils entgegengesetzte Seite endet blind.

Nach dem englischen Proktologen Parks wird eine weitere Unterscheidung anhand des Verlaufs der Analfistel in Beziehung zur Schließmuskulatur (Sphinkter-Muskeln) vorgenommen:

  • Intersphinkter (45 Prozent): Die Fistel verläuft oberflächlich durch den inneren Schließmuskel und weiter im Gewebe zwischen innerem und äußerem Schließmuskel.
  • Transsphinkter (40 Prozent): Der Fistelverlauf durchdringt sowohl die innere als auch die äußere Schließmuskulatur.
  • Suprasphinkter (5 Prozent): Die Analfistel verläuft oberhalb der Schließmuskeln und durchbricht dabei die Muskulatur des Beckenbodens.
  • Extrasphinkter (1 Prozent): Dies ist die seltenste Form der Analfistel. Sie verläuft hierbei durch den Musculus levator ani (Heber des Afters) bis in den Beckenboden und mündet im Mastdarm oberhalb des Afters. Diese Form ist typisch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
  • Retro-vaginale Fistel (5 Prozent): Bei dieser Art von Analfistel besteht die Verbindung zwischen Mastdarm und der weiblichen Scheide.

Analfistel oft Folge eines Analabzesses

Eine Analfistel tritt häufig nach einem Analabszess auf. Dieser entsteht durch eine Entzündung im Bereich der seitlich vom After gelegenen Analdrüsen. Dort sammelt sich im Verlauf der Entzündung Eiter an, der nicht abfließen kann. Wird der Druck innerhalb der Eiterblase zu groß, bricht im umliegenden Gewebe eine Fistel auf, durch die der Eiter dann abfließt. Auch nach operativer Spaltung eines Analabszesses kommt es in zwei Drittel aller Fälle zu einer Analfistel.

Als weitere Ursachen für eine Analfistel kommen Diabetes mellitus und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa (Dickdarmentzündung)  in Betracht.

Schmerzen nach dem Stuhlgang können auf Analfistel deuten

Bei einer Analfistel klagen Betroffene hauptsächlich über Schmerzen in der Afterregion, insbesondere nach dem Stuhlgang. Außerdem kann es zu Afterjucken und Stuhlinkontinenz kommen.

Durch die Analfistel fließt das eitrige Sekret, manchmal mit Stuhl vermischt, nach außen ab und macht sich durch ständiges Nässen an der Austrittsstelle bemerkbar. Entsprechende Spuren finden sich in der Kleidung und im Kot von Betroffenen wieder, zusätzlich entsteht ein übler Geruch. Eine Analfistel geht häufig mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl sowie Fieber einher.

Anhand der typischen Symptome einer Analfistel inspiziert der Arzt zunächst gründlich die Afterregion und kann auf diesem Weg häufig bereits von außen erkennen, dass es sich um eine Analfistel handelt. Unterstützend kann er eine Abtastung des Analkanals vornehmen.

Rektoskopie macht die Fistel im Detail erkennbar

Ist der Verlauf der Analfistel unklar oder besteht der Verdacht, dass die Fistel durch Muskelgewebe verläuft, kann eine genauere Untersuchung des Rektums erforderlich werden. Bei der sogenannten Rektoskopie wird in den Analkanal ein Endoskop eingeführt, mit dessen Hilfe der Arzt genauere Einzelheiten der Analfistel erkennen kann. Diese Untersuchung ist für die betroffene Person nicht schmerzhaft.

Um die Struktur und den Verlauf der Analfistel genauer zu erkunden, ist es möglich, eine Sonde in die äußere Mündung der Fistel einzuführen. Auf diese Weise kann der Arzt den Gangverlauf und bestehende Verzweigungen erkennen. Eine Röntgenaufnahme ist eine weitere Technik, mit deren Hilfe die Verlaufsstruktur der Analfistel sichtbar gemacht werden kann. Dazu wird dem Betroffenen vorab ein Kontrastmittel gespritzt. Diese Untersuchungsmethode ist ebenfalls schmerzfrei.

Operative Entfernung unumgänglich

Eine Analfistel muss grundsätzlich operativ entfernt werden. Eine Behandlung mit Medikamenten oder Salben führt nicht zur Heilung. Die angewendete Operationsmethode hängt vom Typus der Fistel ab. Oberflächlich verlaufende Analfisteln (intersphinkter) werden vom Chirurgen gespalten, das heißt, die Röhre wird der Länge nach mit einem Skalpell aufgeschnitten. Der gesamte wird Fistelgang entfernt und kann nun von innen nach außen abheilen. Dabei ist es wichtig, die offene Wunde mehrmals täglich gründlich zu reinigen und zu verbinden. Nach jedem Stuhlgang empfiehlt es sich, die Wunde mit warmem Wasser auszuduschen oder ein warmes Sitzbad mit Kamille zu nehmen. Bei hartem Stuhl besteht die Gefahr, dass die Wunde durch zu starkes Pressen wieder aufreißt. In diesen Fällen ist es sinnvoll, verstärkt ballaststoffreiche Nahrung zu sich zu nehmen, damit die Stühle weicher werden. In manchen Fällen kann auch ein leichtes Abführmittel gegeben werden.

Bei solchen Analfisteln, die durch Muskelgewebe hindurch verlaufen (transsphinkter, suprasphinkter, extrasphinkter), muss auf den Erhalt der Muskulatur geachtet werden. Die Muskeln, insbesondere die inneren und äußeren Schließmuskeln, dürfen nicht beschädigt werden, da es ansonsten leicht zu einer Stuhlinkontinenz kommen kann. Anstatt die Fistel zu spalten, wird die gesamte Röhrenstruktur mit dem Skalpell vorsichtig aus dem umliegenden Gewebe heraus präpariert. Dabei wird darauf geachtet, möglichst wenig Muskelgewebe zu verletzen. Die Öffnung in den Analkanal wird anschließend vernäht und die Fistel kann von innen heraus ausheilen.

Hygiene für die Heilung wichtig

Bei einer Analfistel ist der Verlauf nach erfolgter Operation in den allermeisten Fällen unkompliziert. 95 Prozent aller Fisteln verheilen dauerhaft, allerdings kann der Heilungsprozess mehrere Wochen dauern, bei ausgedehnten Fisteln sogar Monate. Es ist dabei entscheidend, dass der Betroffene die Ratschläge und Maßnahmen hinsichtlich der Hygiene und der Wundversorgung beachtet und konsequent anwendet.

Nach einer Analfistel gibt es normalerweise keine bleibenden Schäden, die Gefahr einer erneuten Fistelbildung (Rezidiv) ist sehr gering. Anders verhält es sich bei Betroffenen, bei denen eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung die Ursache für die Analfistel ist. Da die Ursache für die Erkrankung durch die Operation nicht beseitigt wird, kann es zu Rezidiven kommen.

Vorbeugen nicht möglich

Gegen die Bildung einer Analfistel kann man nicht wirksam vorbeugen. Ihre Entstehung geht entweder auf einen Analabszess oder auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung zurück. Gegen diese ursächlichen Erkrankungen ist keine direkte Vorbeugung möglich. Eine ballaststoffreiche Ernährung und gründliche Hygiene im Analbereich sind jedoch grundsätzlich empfehlenswert.

Autor: Dr. med. Ralf D. Fischbach / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 15. September 2011
Quellen: Der Brockhaus, Gesundheit. F.A. Brockhaus, Mannheim Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin Online-Informationen des St.-Josef-Hospitals, Troisdorf: http://www.josef-hospital.de/index.html?page=367&aufklappen=fachabteilungen Online-Informationen des Bundesverbands für Ambulantes Operieren e.V., Bonn: http://www.operieren.de/content/e3224/e10/e451/e456/e9429/ Online-Informationen der Coloproktologischen Klinik am St.-Joseph-Hospital, Duisburg. http://www.proctology.de/Erkrankungen/Analfisteln/analfisteln.html

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