Erkrankung des Knochenmarks

Akute lymphatische Leukämie (ALL)

Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Knochenmarks, welches die Vorläuferzellen der reifen Lymphzellen bildet.

Baby am Fenster
Die akute lymphatische Leukämie bedroht auch Kinder: Sie ist die häufigste bösartige Erkrankung im Kindesalter.
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Leukämie heißt wörtlich übersetzt "Weißblütigkeit" und beschreibt die Tatsache, dass im Knochenmark die Zahl der weißen Blutkörperchen, welche aus dem Knochenmark freigesetzt werden, gegenüber der Zahl der roten Zellen deutlich erhöht ist.

Man geht davon aus, dass dabei eine Knochenmarks-Stammzelle in ihrer Erbinformation verändert ist und einen Klon (Zelle mit identischer Erbsubstanz) bildet, der sich bösartig vermehrt. Mit dem Begriff "bösartig" werden folgende Zelleigenschaften charakterisiert:

  • Die Zellvermehrung der bösartigen Zellen geschieht unkontrolliert, d.h. sie wird nicht durch einen echten Bedarf des Körpers gesteuert.
  • Die veränderten Zellen wachsen verdrängend, sie breiten sich auf Kosten der gesunden, unveränderten Zellen im Knochenmark aus.
  • Die veränderten Zellen überschreiten ihre natürlichen Grenzen. Sie erreichen auf dem Blut- oder Lymphweg die Lymphknoten und alle anderen Organe und bilden dort Absiedlungen (Infiltrate), in denen sie sich weiter vermehren.

Die veränderten Zellen bleiben unreif und kommen ihren regulären Aufgaben, also der Antikörperbildung oder Krankheitsabwehr nicht nach. Das Vorhandensein solcher unreifen (man sagt auch undifferenzierten) Zellen unterscheidet die akute von der chronischen Leukämie.

80 Prozent der Leukämien bei Kindern sind akute lymphatische Leukämien. Die ALL ist damit die häufigste bösartige Erkrankung im Kindesalter.

Symptome der akuten lymphatischen Leukämie

Die Vorgeschichte einer akuten Leukämie ist oft sehr kurz und zunächst unspezifisch. Meist berichten die Patienten von Krankheitszeichen, die denen einer Grippe ähneln, die jedoch nicht nach der üblichen Zeit ausheilt.

Die anfänglich vom Patienten bemerkten Krankheitszeichen sind eher unspezifisch, meist handelt es sich um Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Müdigkeit und vermehrtes Schwitzen in der Nacht.

Die spezifischen Krankheitszeichen, die eine akute Leukämie verursacht, beruhen auf dem verdrängenden Wachstum funktionsuntüchtiger, unreifer Blutkörperchen (Leukämiezellen) im Knochenmark. Verdrängung bedeutet, dass die reifen, gesunden Blutkörperchen nicht mehr in ausreichendem Maße gebildet werden. Dies gilt für Blutkörperchen aller drei Gruppen, die aus der Stammzelle entstehen: der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen. Ein Mangel dieser Blutkörperchen verursacht typische Krankheitszeichen:

  • Ein Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) wird Blutarmut oder Anämie genannt. Patienten, die blutarm sind, sind auffällig blass, klagen über Müdigkeit und Schwäche. Da die roten Blutkörperchen für den Transport von Sauerstoff im Blut zuständig sind, wird bei einer Blutarmut der Organismus nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Dieser Zustand führt zu einer Beschleunigung des Herzschlages und einem Gefühl der Kurzatmigkeit. Bei etwa 80% der Leukämiepatienten liegt eine solche Blutarmut vor.
     
  • Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) haben eine zentrale Funktion bei der Abwehr von Krankheitserregern. Werden sie nicht mehr in ausreichendem Maße gebildet, so kommt es zu vermehrten Infektionen, vor allem im Hals-Nasen-Ohren-Bereich. Die Schleimhaut des Mundes kann von Pilzen besiedelt sein, erkennbar an weißlichen Belägen. Etwa 40% der Leukämiepatienten bemerken eine erhöhte Fieberneigung sowie gehäufte Erkältungskrankheiten, Mittelohr- oder Nasennebenhöhlen-Entzündungen. Solche Erkrankungen können für abwehrgeschwächte Patienten lebensbedrohlich werden.
     
  • Ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) führt zu Störungen der Blutgerinnung und kommt bei über 80% der Leukämiepatienten vor. Zeichen einer Gerinnungsstörung sind Blutungen aus scheinbar banalen Anlässen. Normalerweise unerhebliche Verletzungen heilen schlecht oder bluten lange. Dies kann sich in erheblichem Zahnfleischbluten beim Zähneputzen, verlängerten Regelblutungen bei Frauen oder einem vermehrten Auftreten von blauen Flecken auf der Haut nach leichten Stoßverletzungen äußern. Aber auch ohne erkennbaren Anlass treten Blutungen wie plötzliches Nasenbluten oder kleine, punktförmige Hautblutungen (Petechien) auf. Zusätzlich leiden die Patienten an Geschwüren (schlecht heilenden Hautdefekten) der Schleimhäute, vor allem im Mund, aber auch im Genitalbereich. Blutungen im Bereich der Knochenhaut können zu starken Knochenschmerzen führen.
     
  • Infektion an der Zungenspitze bei Neutropenie, das heißt einem ausgeprägten Mangel an neutrophilen Granulozyten, den weißen Blutkörperchen, die bakterielle Infektionen verhindern und beseitigen.
     
  • Entzündung des Zahnfleischrandes, ebenfalls verursacht durch einen Mangel an funktionsfähigen weißen Blutkörperchen.

Darüber hinaus kommt es zu weiteren Krankheitszeichen. Diese haben ihre Ursache in einer massenhaften Absiedlung der Leukämiezellen, die in fast allen Organen des Körpers stattfinden kann:

  • Lymphknoten schwellen an und werden tastbar oder sichtbar. Dies betrifft vor allem Kinder. Große "Pakete" von geschwollenen Lymphknoten können andere Organe bedrängen und in ihrer Funktion beeinträchtigen. Ein Lymphknotenbefall im Bereich des Mittelfells (zwischen den Lungenflügeln) kann beispielsweise Heiserkeit, Luftnot oder Schluckstörungen auslösen. Die Leber und die Milz können stark anschwellen und Bauchschmerzen verursachen.
     
  • Ein Befall des Gehirns kann verschiedenste neurologische oder psychische Krankheitszeichen auslösen. Diese können sich unter anderem in Form von Bewusstseinsstörungen, Lähmungserscheinungen oder Sinnesstörungen äußern.
     
  • Das Zahnfleisch schwillt an und auch in der Haut können Absiedlungen von Leukämiezellen als kleine Verdickungen bemerkt werden.
     
  • Vor allem bei kindlicher ALL kommt es häufig zu Knochenschmerzen. Obwohl viele gesunde heranwachsende Kinder zeitweise über Knochenschmerzen klagen, kann dies eben auch ein Zeichen für eine Leukämie sein. Bei anhaltenden Beschwerden und Auffälligkeiten in der Blutuntersuchung (wie z.B. einer Blutarmut) sollte deshalb frühzeitig eine Knochenmarksuntersuchung angestrebt werden.

Warum akute lymphatische Leukämie entsteht

Eindeutige Ursachen für das Auftreten einer akuten lymphatischen Leukämie können nicht festgestellt werden, jedoch kann man eine Reihe von Faktoren nennen, die offensichtlich das Erkrankungsrisiko erhöhen:

  • Erbliche Faktoren: Zwillingsgeschwister von ALL-Patienten erkranken häufiger an einer akuten lymphatischen Leukämie, was darauf hinweist, dass eine genetische Komponente an der Krankheitsentstehung beteiligt ist. Auch bei anderen Erkrankungen, die mit einer Veränderung des Erbgutes einhergehen wie z.B. die Trisomie 21 (Mongolismus) kann ein erhöhtes Leukämie-Risiko festgestellt werden.

  • Strahlung: Radioaktive Strahlung kann das Leukämierisiko erhöhen. In großem Umfang wurde dies bei den Überlebenden der Atomexplosionen von Nagasaki und Hiroshima festgestellt. Während es sich in diesen Situationen um eine extrem hohe Strahlenbelastung handelte, fällt die Abschätzung des Leukämierisikos durch niedrige Strahlenbelastung deutlich schwerer. So konnten bisher keine sicheren Zusammenhänge zwischen einer erhöhten Leukämierate bei Arbeitern in Atomkraftwerken oder Anwohnern in der näheren Umgebung solcher Reaktoren nachgewiesen werden. Auch für die Anwendung von Röntgenstrahlen zu Untersuchungszwecken konnte trotz sorgfältiger Untersuchungen kein solcher Zusammenhang bewiesen werden.

  • Chemische Auslöser: Eine hohe Arbeitsplatz- oder Umweltbelastung mit bekannten Krebs auslösenden Substanzen wie Benzol kann das Leukämierisiko erhöhen. Leider gilt dasselbe auch für eine Behandlung einer Krebserkrankung mit bestimmten Chemotherapeutika aus der Gruppe der Alkylanzien. Der Preis für die Chance, eine Krebsart zu besiegen, ist hier möglicherweise das erhöhte Risiko, an einer anderen Krebsart, der Leukämie, zu erkranken.

  • Nicht zuletzt muss hier auf den Zusammenhang zwischen dem Zigarettenrauchen und erhöhtem Leukämierisiko hingewiesen werden. Das "British Journal of Cancer" veröffentlichte im Dezember 1999 eine Untersuchung, in der eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass Menschen, die irgendwann in ihrem Leben einmal eine längere Zeit (etwa zehn Jahre lang) regelmäßig geraucht hatten, ein erhöhtes Leukämierisiko aufweisen. Durch Rauchverzicht kann dieses Risiko auch wieder gemindert werden. Nach einer Nikotinabstinenz von ebenfalls zehn Jahren liegt das Risiko, an einer akuten Leukämie zu erkranken, gleich hoch wie bei Menschen, die niemals in ihrem Leben geraucht haben.

  • Virusinfektionen: Hier ist das gehäufte Auftreten von akuter lymphatischer Leukämie nach Infektion mit dem HTLV1-Virus in Asien und der Karibik zu nennen, ein bestimmter Typ des Ebstein-Barr-Virus in Afrika vermag ebenfalls das Leukämie-Risiko zu erhöhen. Hier erkranken die Patienten am so genannten Burkitt-Lymphom, eine Erkrankung, die der akuten lymphatischen Leukämie ähnlich ist.

Akute lymphatische Leukämie erkennen

Die Untersuchungen, die beim Verdacht auf das Vorliegen einer akuten Leukämie durchgeführt werden, haben zwei Ziele. Zum einen soll die Art der Erkrankung sicher bestimmt oder eine Erkrankung ausgeschlossen werden. Gleichzeitig muss auch ermittelt werden, ob und wie die Behandlung im Falle einer Leukämie bei dem Patienten durchgeführt werden kann.

Die Untersuchung beginnt mit der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), bei der der Arzt sich den bisherigen Krankheitsverlauf vom Patienten oder seinen Angehörigen schildern lässt. Insbesondere werden hierbei auch Begleiterkrankungen, das Vorliegen von bösartigen Erkrankungen in der Familie und eine mögliche berufliche Belastung mit Krebs erregenden Substanzen erfragt.

Die körperliche Untersuchung

In der anschließenden körperlichen Untersuchung verschafft sich der Arzt zunächst einen Überblick über allgemeine Krankheitszeichen, wobei speziell folgende Untersuchungen und Befunde auf eine Leukämie hindeuten können:

  • Die Betrachtung der Haut auf ihre Farbe, Blässe oder Zeichen von Hautblutungen gibt Hinweise auf eine mögliche Bluterkrankung.
     
  • Die Untersuchung der Schleimhäute von Mund oder Genitalbereich kann Geschwüre, Blutungen oder eine Pilzbesiedlung aufdecken.
     
  • Bei der Tastuntersuchung der Bauchorgane durch die Bauchdecke können eine Leber- oder Milzvergrößerung auffallen.
     
  • Bei einer Spiegelung des Augenhintergrundes können Blutungen oder Absiedlungen größerer Krebszellmengen gesehen werden.
     
  • Eine Untersuchung des Nervensystems kann Hinweise auf einen Gehirnbefall durch Leukämiezellen oder auf Blutungen im Bereich der Hirnhäute ergeben.
     
  • Auch nach vergrößerten Lymphknoten wird an typischen Stellen (Halsregion, Leistenbeuge) getastet, solche sind jedoch bei der akuten Leukämie nur in ca. 30% der Fälle vorhanden.

Laboruntersuchungen

Verschiedene Laboruntersuchungen dienen dem Nachweis von Leukämiezellen und der Bestimmung ihres Typs. Andere Untersuchungen sollen zeigen, welche Begleiterkrankungen an anderen Organen durch die Leukämie verursacht wurden.

  • In jedem Fall wird eine Blutuntersuchung durchgeführt. Dabei lässt sich sowohl die Anzahl als auch die Zusammensetzung der Blutkörperchen feststellen. Eine mikroskopische Betrachtung der Blutkörperchen gibt weiteren Aufschluss beispielsweise über das Vorhandensein von unreifen, veränderten weißen Blutkörperchen im zirkulierenden Blut. Diese Untersuchung kann bisher noch von keiner Maschine ausgeführt werden, die genaue Betrachtung des mikroskopischen Präparates durch einen Facharzt für Krebserkrankungen (Onkologe), einen Pathologen (Facharzt für Krankheitsforschung) oder einen Facharzt für Innere Medizin ist unerlässlich.
     
  • Zur sicheren Feststellung einer Leukämie ist die Entnahme von Knochenmarksblut unumgänglich. Dies ist deshalb notwendig, weil das Knochenmark der Ausgangsort der bösartig veränderten Blutkörperchen ist. Hierzu wird mit einer Punktion über eine Hohlnadel eine kleine Menge Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen, das ist der Knochenrand, der an der Hüfte oberhalb der Gesäßmuskeln getastet werden kann. Die Entnahmestelle wird zuvor örtlich betäubt, so dass der Einstich selbst nicht schmerzhaft ist. Lediglich das Ansaugen der Knochenmarksprobe kann einen kurzen, ziehenden Schmerz verursachen. Auch aus dem Brustbein, welches an der mittleren Vorderwand des Brustkorbes direkt unter der Haut zu tasten ist, kann eine Knochenmarksprobe entnommen werden. Die Leukämiezellen aus dem Knochenmark werden heutzutage sehr aufwendig untersucht: Veränderungen, die die Erbinformation dieser Zellen oder ihre speziellen immunologischen Eigenschaften betreffen, sind für die Planung der Behandlung sehr wichtig und müssen auf jeden Fall in spezialisierten Laboren abgeklärt werden.
     
  • Eine Entnahme von Liquor (Gehirnwasser) wird zum Nachweis einer Absiedlung von Leukämiezellen im zentralen Nervensystem durchgeführt. Dieser Liquor wird durch Punktion der Rückenmarkshüllen gewonnen. Der Einstich wird mit einer dünnen Nadel nach örtlicher Betäubung zwischen zwei Lendenwirbelkörpern durchgeführt und ist nahezu schmerzlos.
     
  • Weitere Blut- und Urinuntersuchungen können Hinweise auf mögliche durch die Leukämie verursachte Organschäden wie z.B. einen Befall der Leber geben. Auch Entzündungszeichen, die durch Infektionen aufgrund der Abwehrschwäche in zahlreichen Organen verursacht werden, können hierbei gefunden werden.
     
  • Um Begleiterkrankungen, vor allem Infektionen, gezielt behandeln zu können, werden Abstriche von Haut und Schleimhäuten sowie Stuhlproben, Urinproben und Proben von Sputum (Auswurf bei Husten) zur mikrobiologischen Untersuchung entnommen.

Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm

Das entnommene Knochenmark wird mit speziellen Farbstoffen behandelt und unter dem Mikroskop untersucht. Dieses Bild zeigt bösartige Zellen im Knochenmark bei akuter lymphatischer Leukämie (ALL). Diese unreifen Zellen kommen normalerweise nur in einem sehr geringen Prozentsatz vor. Bei akuter Leukämie reifen sie nicht weiter aus, sondern vermehren sich unkontrolliert und verdrängen dadurch die normale Blutbildung.

Apparative Untersuchungen

Apparative Untersuchungen dienen der Feststellung der Ausbreitung der Erkrankung und der Abklärung eines möglichen Organbefalls durch Absiedlungen von Leukämiezellen:

  • Mit einer Ultraschall-Untersuchung des Oberbauches können Leber- oder Milzvergrößerungen festgestellt oder große Lymphknotenpakete im Bauchraum aufgefunden werden.

  • Ein Computertomogramm des Schädels kann einen Gehirnbefall nachweisen.

  • Röntgenaufnahmen des Brustkorbes zeigen Lymphknotenschwellungen oder auch eine Lungenentzündung, die durch die Abwehrschwäche entstanden ist.

  • Ein EKG ermöglicht eine Beurteilung der Herzfunktion. Einige Medikamente der Chemotherapie haben eine herzschädigende Wirkung. Man sollte also vor Beginn der Behandlung feststellen, ob bereits eine Einschränkung der Herzleistung besteht, kann einen möglichen Schaden der Chemotherapie absehen und diesem ggf. vorbeugen oder ihn entsprechend behandeln.

Weitere Untersuchungen

Nicht zuletzt müssen verschiedene Untersuchungen deshalb durchgeführt werden, weil die Behandlung einer Leukämie mit zahlreichen Risiken verbunden ist:

  • Es wird eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens (Echokardiogramm) durchgeführt, da einige Chemotherapeutika herzschädigende Wirkung haben. Bei älteren Menschen mit dem Risiko der Vorschädigung des Herzens ist diese Untersuchung besonders wichtig und muss regelmäßig wiederholt werden.

  • Eine Blutgruppenbestimmung muss erfolgen, um durch die Erkrankung oder ihre Behandlung zerstörte Blutkörperchen ersetzen zu können.

  • Bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter muss eine Schwangerschaft vor Beginn der Leukämiebehandlung durch einen Schwangerschaftstest sicher ausgeschlossen werden, da die Behandlung mit einem erheblichen Missbildungsrisiko für das ungeborene Kind einhergeht.

  • Die HLA-Merkmale, also die individuellen Eigenschaften auf den gesunden weißen Blutzellen müssen bestimmt werden, um bei Bedarf für Blutübertragungen (Transfusionen) passende Blutspender finden zu können. Auch für den Fall, dass eine Stammzell-Transplantation nötig wird, müssen diese Merkmale bekannt sein.

Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie

Die wesentliche Maßnahme in der Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie ist die Chemotherapie mit verschiedenen Substanzen, die in mehreren Phasen (Zyklen) verabreicht werden.

Da die akute lymphatische Leukämie eine lebensbedrohliche Erkrankung ist, sollte bei ihrer Feststellung umgehend mit der Behandlung begonnen werden.

Chemotherapie

Die Chemotherapie in der Behandlung von Krebserkrankungen zielt darauf ab, Zellen mit unkontrollierter Teilungstendenz, wie dies Leukämiezellen sind, abzutöten, sie in ihrer Vermehrung zu bremsen oder zu stoppen. Die Chemotherapie zerstört niemals nur die Krebszellen, immer wird auch dosisabhängig die Erneuerung gesunder Zellen behindert. Dies betrifft vor allem die Körperzellen, die sich naturgemäß schnell erneuern, besonders im Bereich der Haarwurzeln, der Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts sowie des Knochenmarks. Das Knochenmark ist Bildungsort der Blutkörperchen und Abwehrzellen des Immunsystems. Die Aufrechterhaltung dieser lebenswichtigen Zellneubildung begrenzt damit das Ausmaß des Einsatzes von Chemotherapie-Medikamenten.

Meistens kommt eine Kombination aus mehreren Medikamenten zur Anwendung, man spricht dann von einer Polychemotherapie.

Ziel der Chemotherapiebehandlung ist die so genannte Vollremission. Eine Vollremission liegt dann vor, wenn der Anteil der Leukämiezellen an der Gesamtzellzahl im Knochenmark unter fünf Prozent beträgt. Solch eine Remission ist jedoch nicht mit einer Heilung gleichzusetzen, da sehr wohl Krebszellen überleben, die sich weiter vermehren und nach einiger Zeit zu einem erneuten Krankheitsschub führen, man nennt diesen Rezidiv. Aus diesem Grund muss die Chemotherapie auch nach Erreichen der Remission fortgesetzt oder wiederholt werden. Meist werden die Medikamente in bestimmten Phasen (Zyklen) in großen Dosen verabreicht, zwischen den Zyklen werden immer wieder Erholungsphasen eingelegt, in denen nur eine geringe Medikamentendosis als Erhaltungstherapie zum Einsatz kommt. Die Gesamtdauer der Behandlung beträgt etwa zweieinhalb Jahre.

Die Verabreichung der chemotherapeutischen Medikamente erfolgt hauptsächlich auf folgenden Wegen:

  • Die Medikamente werden geschluckt und über den Verdauungskanal in die Blutbahn abgegeben.

  • Die Patienten erhalten zu Beginn der Behandlung einen zentralen Venenkatheter. Dies ist ein feiner Schlauch, der in Narkose oder örtlicher Betäubung in eine große Halsvene eingeführt wird und von dort aus bis in den rechten Vorhof des Herzens reicht (deshalb "zentral"). Solch ein Katheter hat den Vorteil, dass über ihn auch große Mengen von Medikamenten oder Infusionslösungen zugeführt werden können, ohne dass dafür jedes Mal in eine Vene gestochen werden muss. Außerdem ermöglicht er Blutentnahmen für Laboruntersuchungen ebenfalls ohne Einstiche.

  • Bei etwa 30 Prozent der Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie kommt es zu einer Absiedlung von Leukämiezellen im Bereich des Gehirns und des Rückenmarks. Aus diesem Grund wird bei allen Patienten eine chemotherapeutische Vorbeugung dieser Komplikation durchgeführt. Dazu werden die Rückenmarkshüllen zwischen zwei Lendenwirbeln mit einer feinen Nadel punktiert und bestimmte Chemotherapeutika direkt dorthin gespritzt. Dies ist deshalb notwendig, weil es zwischen der Blutbahn und dem Nervenwasser eine Barriere gibt, die so genannte Blut-Hirnschranke, die wie ein Filter verhindert, dass Substanzen ab einer bestimmten Bausteingröße von der Blutbahn direkt ins Nervenwasser übertreten können.

Einsatz von Wachstumsfaktoren

Seit einigen Jahren werden zusätzlich zur Chemotherapie auch Wachstumsfaktoren in der Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie eingesetzt. Dieses Verfahren gehört hier mittlerweile zum Behandlungsstandard. Wachstumsfaktoren (G-CSF, GM-CSF) bewirken, dass das Knochenmark mehr reife Blutkörperchen bildet und diese schneller an die Blutbahn abgegeben werden. Dies erlaubt einen Einsatz von größeren Mengen von Chemotherapeutika. Wachstumsfaktoren kommen vorwiegend bei der Behandlung der akuten myeloischen Leukämie zum Einsatz, jedoch gelingt es mit diesen Mitteln auch bei der lymphatischen Form des Erwachsenen, in der Anfangsbehandlung eine höhere Rate von Remissionen zu erzielen. Ob ein langfristig längeres Überleben mit dieser Methode erreicht werden kann, ist derzeit noch nicht gesichert.

Stammzelltransplantation

Die Stammzelltransplantation wird seit etwa 30 Jahren zunehmend in der Leukämie- und Krebsbehandlung eingesetzt und hat vor allem bei der Leukämiebehandlung die Heilungschancen deutlich verbessert. Zur Zerstörung der bösartigen Zellen wird der Patient einer Ganzkörperbestrahlung und/oder einer sehr hoch dosierten Chemotherapie unterzogen. Anschließend erhält er gespendete, gesunde Stammzellen und kann so von der Leukämie geheilt werden. Ein zusätzlicher gewünschter Behandlungseffekt kann darin bestehen, dass sich manchmal die Abwehrzellen aus den Spenderstammzellen gezielt gegen noch verbliebene Leukämiezellen des Empfängers richten können und diese vernichten.

Bestrahlung

Grundsätzlich sind die unreifen Blutzellen, die bei der Leukämie gebildet werden, durchaus strahlenempfindlich. Die Schwierigkeit einer Bestrahlungsbehandlung liegt jedoch darin, dass diese Zellen sich ja nicht, wie bei einer einzelnen Krebsgeschwulst, an einer Körperstelle, sondern an jedem Ort des Körpers befinden können. Eine Bestrahlung kommt deshalb nur unter folgenden Voraussetzungen zum Einsatz:

  • Zur Behandlung größerer Leukämiezellabsiedlungen im Gehirn kann der Schädel bestrahlt werden.

  • Der gesamte Körper wird mit hohen Strahlendosen behandelt. Dies führt unweigerlich zu einer völligen Zerstörung sämtlicher Knochenmarkszellen (Stammzellen) und ist nur dann möglich, wenn sofort nach der Bestrahlung gesunde Stammzellen zur Transplantation zur Verfügung stehen.

Begleitende Behandlungsmaßnahmen

Sowohl die Leukämie selbst als auch die starken Nebenwirkungen der Chemotherapie machen eine Reihe von begleitenden Behandlungsmaßnahmen erforderlich:

  • Infektionen, die durch den Mangel an reifen Abwehrzellen häufig auftreten, müssen gezielt mit Antibiotika behandelt werden. Gezielt bedeutet, dass die jeweiligen Krankheitserreger durch Abstriche von Entzündungssekreten oder Blutkulturen mikrobiologisch ermittelt und ihre jeweilige Empfindlichkeit auf verschiedene Antibiotika festgestellt werden muss.

  • Die Übelkeit, die teilweise durch die Medikamente, aber auch durch leukämiebedingte Schleimhautgeschwüre verursacht wird, kann durch wirksame Medikamente in erträglichen Grenzen gehalten werden.

  • Geschwüre, also schlecht heilende Hautdefekte der Mundschleimhaut oder auch im Genitalbereich werden durch Spülen oder Bestreichen mit entzündungshemmenden Lösungen behandelt.

  • Gegen die Schmerzen, die durch Absiedlungen großer Mengen von Leukämiezellen oder aber auch durch Blutungen im Bereich der Knochenhaut entstehen, können wirksame Schmerzmittel verabreicht werden.

Rat und Hilfe bei ALL

Leukämie-Hilfe gibt es bei verschiedenen Einrichtungen:

Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe

Thomas-Mann-Straße 40

53111 Bonn

Telefon: 0228 / 33 88 9-200

E-Mail: info@leukaemie-hilfe.de

Homepage: www.leukaemie-hilfe.de

Die Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe ist der Bundesverband der Selbsthilfeorganisationen zur Unterstützung von Erwachsenen mit Leukämien und Lymphomen. Sie bietet auf ihrer Internetseite umfangreiche Informationen zu allen Leukämieformen. Zudem gibt es Diskussionsforen, Broschüren zum kostenlosen Download und vieles mehr. Besonders interessant ist eine Broschüre zur chronischen myeloischen Leukämie (CML): Download Broschüre

Leukämie-Online

Homepage: www.leukaemie-online.de

"Leukämie-Online e.V." richtet sich an Betroffene, Angehörige und Interessierte. Die Internetseite möchte als Wissensdrehscheibe und Diskussionsforum zu einer höheren Transparenz von Entwicklungen in der Leukämie-Therapie  und Leukämie-Hilfe beitragen.

SMS-Erinnerungs-Dienst zur Medikamenteneinnahme:

Der SMS-Erinnerungsdienst soll Leukämie-Patienten helfen, an die regelmäßige Medikamenteneinnahme zu denken. Die Patienten können sich täglich zu der von Ihnen angegebenen Uhrzeit per SMS an die erforderliche Medikamenteneinnahme erinnern lassen. Wenn die Patienten die Medikamenten-Dosis auf zweimal täglich aufteilen, können diese auch zwei Uhrzeiten angeben.

Hier gehts zum SMS-Erinnerungs-Dienst

leukämie-kmt

Homepage: www.leukaemie-kmt.de

Das Projekt "leukaemie-kmt.de" bietet Informationen zum Themengebiet Leukämie und Knochenmark-/Stammzelltransplantation für Betroffene, Angehörige, Freunde und sonstige Interessierte.

Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS)

Zentrale Tübingen:

Kressbach 1

72072 Tübingen

Telefon: 07071 / 943-0

Homepage: www.dkms.de

Die "DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH" ist mit über 1.628.524 registrierten Spendern die weltweit größte Stammzellspenderdatei. In den letzten 15 Jahren hat sie über 12.890 Stammzelltransplantationen ermöglicht. Die DKMS bietet umfangreiche Informationen für Patienten, Angehörige und Ärzte rund um das Thema Stammzell-/Knochenmarktransplantation. Zur Leukämie-Hilfe finden sich unter anderem zahlreiche Erfahrungsberichte von Patienten, die sich selbst einer Stammzelltransplantation unterziehen mussten. Die Internetseiten stehen teilweise auch auf Englisch und Türkisch zur Verfügung.

Kompetenznetzwerk "Akute und chronische Leukämie" (Kompetenznetz Leukämie)

Dr. Susanne Saußele (Geschäftsführerin)

Anke Binder (Koordination)

Kompetenznetz "Akute und chronische Leukämien"

III. Medizinische Universitätsklinik

Fakultät für Klinische Medizin Mannheim, Universität Heidelberg

Wiesbadener Str. 7-11

68305 Mannheim

Telefon: 0621 / 383-4188

E-Mail: zentrale@kompetenznetz-leukaemie.de

Homepage: www.kompetenznetz-leukaemie.de

Ziel des Kompetenznetzwerks "Akute und chronische Leukämien" ist der Aufbau eines weltweit führenden kooperativen Leukämie-Netzwerks für die Verbesserung der bevölkerungsbezogenen Versorgung und der gesundheitsbezogenen Forschung bei akuten und chronischen Leukämien. Das von der Bundesregierung geförderte Kompetenznetz Leukämie bietet umfangreiche Informationen und Hilfe für Patienten, Pflegekräfte und Ärzte. Unter anderem sind dort Informationen über aktuelle wissenschaftliche Studien zu finden.

European LeukemiaNet

Homepage: www.leukemia-net.org

Das "European LeukemiaNet" ist das europäische Leukämie-Netzwerk und entspricht dem deutschen Kompetenznetzwerk "Akute und chronische Leukämien" auf europäischer Ebene. Die Zentrale des "European LeukemiaNet" befindet sich ebenso wie die Zentrale des Kompetenznetzwerks "Akute und chronische Leukämien" an der Universität Mannheim. Die Informationen über Leukämie-Hilfe und alles rund um die Krankheit und Forschung werden ausschließlich auf Englisch angeboten.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. September 2011

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