Hauterkrankung von Erwachsenen

Akne inversa

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Morbus Verneuil: Die Talgdrüsen entzünden sich.
Getty Images/Goodshoot RF

Diese Akne-Form tritt meist im Erwachsenen-Alter auf, kann schwer verlaufen und nicht nur körperliche, sondern auch psychische Schäden verursachen

Die Akne inversa (Hidradenitis suppurativa, Morbus Verneuil) ist eine Entzündung der Talgdrüsen und der Haarwurzeln der „dicken Haare“ wie Achsel- oder Schamhaare (Terminalhaarfollikel). Sie tritt hauptsächlich im Bereich der Achseln, Leisten, in den Bauchfalten, an der weiblichen Brust und im Bereich des Damms, des Darmausgangs sowie der Gesäßfalte (Perianalbereich) auf. Typisch für die Erkrankung ist die Bildung von knotigen Entzündungen, Fisteln und Eiterabsonderungen. Akne inversa kann sehr schwere körperliche und psychische Beeinträchtigungen verursachen und die Lebensqualität stark einschränken.

Akne inversa beginnt meist nach der Pubertät und tritt erstmalig am häufigsten zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Schätzungen zufolge leidet bei uns einer von hundert Menschen an einer Entzündung der Talgdrüsen und der Haarwurzeln. Bei Frauen entstehen die schmerzenden Entzündungen meist an Achsel und Leiste, während bei Männern besonders oft der Bereich des Damms betroffen ist. Akne inversa ist eine chronische Erkrankung, die sich oft bis in die Unterhaut ausbreitet und Verhärtungen bildet. Die Erkrankung kann bis ins höhere Alter bestehen bleiben.

Symptome einer Akne inversa

Zu Beginn einer Erkrankung macht sich die Akne inversa durch Symptome wie riesige, dunkle Mitesser und erbsengroße Knoten bemerkbar, die unter der Haut ertastet werden können. Diese Knoten können sich zu wulstartigen Eitergeschwüren weiter entwickeln.

Im Spätstadium ist die Erkrankung durch Eiteransammlungen, tief in die Haut reichende Fistelgänge und große Knoten zu erkennen. Diese fließen in Strängen zusammen. Wird auf die betroffenen Hautstellen gedrückt, kann sich Eiter, Talg oder ein übel riechendes Sekret entleeren. Die Betroffenen klagen über starke Schmerzen. Später bilden sich Narben an den ehemals entzündeten Stellen.

Vor allem, wenn von der Akne inversa die Haut im Bereich des Damms, des Darmausgangs oder der Gesäßfalte betroffen ist, klagen Erkrankte über Schmerzen – insbesondere beim Sitzen. Fieber tritt nur selten auf. In schweren Fällen meiden Betroffene die Gesellschaft anderer Menschen, weil sie sich wegen des eitrigen und übel riechenden Sekrets sehr schämen.

Diagnose

Der Verlauf der Erkrankung, die Symptome und die Krankengeschichte ermöglichen es dem Arzt in den meisten Fällen, die Diagnose zu stellen. Laboruntersuchungen, beispielsweise des Bluts, sind nur notwendig, wenn die Entzündung sich bereits weit ausgedehnt hat. Besteht der Verdacht einer Krebserkrankung, dann wird das betroffene Gewebe genauer untersucht. Bei ausgedehnter Fistelbildung kann notwendig sein, um eine Operation zu planen, die Fisteln durch Kontrastmitteluntersuchungen oder spezielle Röntgenverfahren darzustellen.

Problematisch ist jedoch, dass die Akne inversa oft unbekannt ist und mit anderen, ähnlichen Krankheiten verwechselt wird. So werden die Hautveränderungen beispielsweise oft als wiederkehrende Schweißdrüsenabszesse fehlgedeutet.

Therapie der Akne inversa

Die Gabe von Medikamenten, wie Antibiotika zur Behandlung einer Bakterieninfektion, oder Antiandrogena, zur Regulierung des Hormonspiegels bei Frauen, bringt nur in wenigen Fällen Erfolg. Daher ist die wirksamste Therapie der Akne inversa eine Operation.

Im Rahmen der Operation müssen mit einem Skalpell oder Laser alle betroffenen Infektbereiche großzügig entfernt werden. Verbleibt erkranktes Gewebe am Körper, hat der Betroffene schon bald mit einem Rückfall zu rechnen. Die durch die Operation entstandenen „Löcher“ in der Haut werden entweder durch Verschieben der Haut aus der unmittelbaren Umgebung verschlossen oder die Wunde verheilt „offen“. Dann bildet sich langsam, von innen nach außen, eine Narbe. Eine weitere Möglichkeit ist, beispielsweise aus dem Oberschenkel gesunde Haut an die Stelle zu versetzen, die durch die Operation geöffnet wurde.

Verlauf

Wenn die Akne inversa längere Zeit besteht, kann es zu immer wieder auftretenden Entzündungen mit Bakterien und dauerhafter Schwellung kommen. Auch Hautpartien, die zunächst nicht von der Erkrankung betroffen waren, können sich entzünden und Probleme bereiten. Bleibt die Entzündung über Jahre hinweg unbehandelt, ist es in wenigen bekannten Fällen möglich, dass sich – wie auch bei anderen chronischen Entzündungen – Hautkrebs an den Stellen bildet, die zuvor bereits von der Akne inversa betroffen waren. Schließlich kann es auch sein, dass die Fisteln am Gesäß sich bis zum Bereich des Enddarms und zum Harnleiter ausbreiten.

Im günstigsten Fall bildet sich nur ein einziger Knoten. Oft bleibt die Akne inversa jedoch unbehandelt, weil sie nicht erkannt und eine falsche Diagnose gestellt wird. Ohne Behandlung kann die Erkrankung einen chronischen Verlauf nehmen; die Akne inversa breitet sich auch auf weitere Hautregionen aus.

Selbst nach einer gelungenen Operation kann die Entzündung wieder auftreten oder sich aber an einem bislang unberührten Hautbereich neu entwickeln. Die Akne inversa heilt oft erst nach jahrelangem Verlauf, wenn die Entzündungsherde ausgebrannt sind.

Vorbeugen

Der Akne inversa wird am besten vorgebeugt, indem die Risikofaktoren, die die Erkrankung auslösen, vermieden oder ausgeschaltet werden. Das bedeutet vor allem, dass Raucher ihren Zigarettenkonsum einschränken oder das Rauchen ganz aufgeben sollten. Stark übergewichtige (adipöse) Menschen sollten ihr Gewicht reduzieren. Außerdem sollte auf eng anliegende und scheuernde Bekleidung verzichtet und auch starkes Schwitzen vermieden werden.

Inwiefern diese Maßnahmen dazu beitragen können, eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu verhindern, wenn bereits erste Entzündungen am Körper aufgetreten sind, ist noch nicht untersucht worden. Experten raten in jedem Stadium der Erkrankung generell dazu, auf das Rauchen zu verzichten.

Autor: Jessica Schmid / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 09. Februar 2009
Quellen: Breuniger, Helmut et al.: Acne inversa. Deutsches Ärzteblatt 98, Ausgabe 44 vom 02.11.2001, Seite A-2889 / B-2457 / C-2301 Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie: Acne inversa. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/012 (Stand: Dezember 2002) Online-Informationen des Orphanet Deutschland: Hidradenitis suppurativa. Orpha-Kennnummer: ORPHA387 (Stand: März 2004) Online-Informationen der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité Universitätsmedizin, Berlin: http://www.acne-inversa-charite.de (Stand: Mai 2008)

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