Hauterkrankung von Erwachsenen

Akne inversa

Was ist Akne inversa, woher kommt sie und was hilft dagegen?

Die Akne inversa (Hidradenitis suppurativa) ist eine Hauterkrankung, die vor allem bei Erwachsenen vorkommt. Meist entzünden sich die Haarfollikel im Achsel- und Schamhaarbereich und sorgen für schmerzhafte Knoten. Akne inversa stellt für viele Betroffene eine große psychische Belastung dar.

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Akne inversa tritt vor allem im Intimbereich und unter den Achseln auf.
Getty Images/iStockphoto

Die Akne inversa ist eine Entzündung in den Haarwurzeln der „dicken Haare“ wie Achsel- oder Schamhaare (Terminalhaarfollikel). Ärzte sprechen auch von einer Hidradenitis suppurativa. Sie tritt hauptsächlich im Bereich der Hautumschlagsfalten auf – also in den Achseln, den Leisten, den Bauchfalten und unter der weiblichen Brust.

Auch im Bereich des Damms, des Afters sowie der Gesäßfalte (Perianalbereich) zeigen sich bei einer Akne inversa oft die typischen knotigen Entzündungen. Diese sind meist schmerzhaft und entwickeln sich im weiteren Verlauf zu Eitergeschwüren (Abszessen) und Fisteln unter der Haut.

Akne inversa hat äußerliche und seelische Folgen

Scham und Schmerzen können bei einer Akne inversa die Betroffenen körperlich und psychisch stark beeinträchtigen. Oft wird die Erkrankung lange Zeit nicht als solche erkannt und behandelt. Dabei ist die Akne inversa gar nicht so selten: Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass von hundert Menschen einer bis vier betroffen sind. Sie beginnt meist nach der Pubertät und entwickelt sich am häufigsten zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr.

Bei Frauen entstehen die schmerzenden Entzündungen meist an Achsel und Leiste, während bei Männern besonders oft der Bereich des Damms betroffen ist. Akne inversa ist eine chronische Hautkrankheit, die sich im Verlauf bis in die Unterhaut ausbreitet, Verhärtungen und Narben bildet. Die Erkrankung kann bis ins höhere Alter bestehen bleiben.

Ursachen und Risikofaktoren

Hier eingeschlossene Bakterien sorgen dafür, dass die Haarwurzel und die ihr zugehörige Talgdrüse sich entzünden, sodass unter der Haut ein schmerzhafter Knoten entsteht. Im weiteren Verlauf reißen die betroffenen Haarfollikel oft ein und das ganze umgebende Gewebe entzündet sich.

Zahlreiche Risikofaktoren für Akne inversa

Im Entzündungsprozess können bei einer Akne inversa verschiedene Bakterien die Ursachen sein; besonders häufig ist Staphylococcus aureus beteiligt. Zudem sind einige Risikofaktoren bekannt, welche die Hautkrankheit begünstigen. Dazu gehören:

Über 90 Prozent der Betroffenen sind Raucher – somit zählt Nikotinkonsum bei Akne inversa zu den wichtigsten Ursachen. Mediziner vermuten den Effekt unter anderem darin, dass Nikotin bei einzelnen Bakterien wie Staphylococcus aureus wachstumsfördernd wirkt. Wahrscheinlich gibt es auch eine erbliche Veranlagung, welche die Akne inversa zusammen mit anderen Ursachen begünstigt. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen sind weitere Familienmitglieder erkrankt.

Typische Symptome für Akne inversa

Die Akne inversa zeigt sich auf der Haut durch Symptome wie große Knoten, die in wulstigen Strängen zusammenfließen. Bei Druck auf die betroffenen Hautstellen kann sich ein übelriechendes Sekret aus Talg und Eiter entleeren. Die Betroffenen klagen dabei über starke Schmerzen. Mit der Zeit bilden sich Narben an den ehemals entzündeten Stellen.

Die Stadien der Akne inversa

Hautärzte unterteilen die Akne inversa nach ihren Symptomen in drei Stadien:

  • Stadium 1: Einzelne Abszesse ohne Narbenstränge
  • Stadium 2: Wiederkehrende Abszesse mit einzelnen Narbensträngen
  • Stadium 3: Ausgedehnter Befall mit vielen Narbensträngen und schmerzhaften Bewegungseinschränkungen

Bestimmte Bewegungen wie Gehen und Strecken können bei Akne inversa sehr schmerzhaft sein. Wenn die Symptome den Bereich von After, Damms und Gesäßfalte betreffen, haben die Erkrankten besonders unangenehme Schmerzen beim Sitzen. Fieber tritt nur selten auf.

Depressionen durch sichtbare Akne-inversa-Symptome

In schweren Fällen ziehen die Betroffenen sich von anderen Menschen zurück, weil sie sich wegen der unschönen und oft übelriechenden Hautveränderung sehr schämen. Depressionen und Alkoholmissbrauch sind bei Menschen mit schwerer Akne inversa relativ weit verbreitet.

So diagnostiziert der Arzt

Bei der Akne inversa kann es bis zur richtigen Diagnose manchmal eine Weile dauern, da sie recht unterschiedlich aussehen kann und leicht mit anderen Hautkrankheiten zu verwechseln ist – zum Beispiel mit wiederkehrenden Schweißdrüsenabszessen oder Steißbeinfisteln.

Neben der bloßen Hautuntersuchung ist daher ein ausführliches Gespräch über den Krankheitsverlauf und die begleitenden Umstände wichtig. Informationen zum Rauchverhalten, bestehenden Vorerkrankungen und anderen Akne-inversa-Fällen in der Familie erleichtern dem Arzt die richtige Diagnose.

Der Arzt sieht sich die Hautveränderungen genau an und tastet sie vorsichtig ab. Eine Blutuntersuchung ist normalerweise nur notwendig, wenn die Entzündung sich bereits sehr weit ausgedehnt hat. Eventuell entnimmt der Arzt bei Verdacht auf Akne inversa eine kleine Gewebeprobe (Biopsie), um die Diagnose durch eine feingewebliche Untersuchung zu sichern.

Bildgebende Verfahren zur Diagnose

Mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) oder einer Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich – oft unterstützt durch ein Kontrastmittel – die Fistelgänge darstellen. So kann der Arzt bei einer fortgeschrittenen Akne inversa überprüfen, wie tief sie ins Gewebe vorgedrungen ist.

Therapie: Was hilf bei Akne inversa?

Die Therapie richtet nach dem Schweregrad der Erkrankung. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von Cremes über Tabletten bis hin zum operativen Eingriff.

Bestehen nur vereinzelte Knoten ohne tiefe Fisteln und Narben, können antibiotisch wirksame Salben (etwa mit Clindamycin) hilfreich sein, manchmal in Kombination mit hornlösenden Peelings (zum Beispiel mit Resorcin).

Therapie mit Medikamenten

Einige Patienten mit Akne inversa sprechen gut auf eine Therapie mit Antibiotika zum Einnehmen (zum Beispiel Clindamycin und Rifampicin) an. Unterstützend kann bei Frauen eine hormonelle antiandrogene Therapie – die „ Pille“ – hilfreich sein, um die Hautprobleme in den Griff zu bekommen. Generell spricht die Akne inversa auf diese Behandlung aber nicht so gut an wie viele andere Akneformen.

Aktuell wird erforschst, welche Wirkung sogenannte Biologika (zum Beispiel Infliximab, Adalimumab) in der Akne-inversa-Behandlung haben. Diese Medikamente werden normalerweise zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) und rheumatoide Arthritis eingesetzt. Eine Heilung ist bislang aber auch mit diesen verhältnismäßig aufwendigen und teuren Therapieverfahren nicht möglich.

Oft ist eine Operation nötig

Bei einer fortgeschrittenen Akne inversa ist die einzige effektive Behandlung meist eine Operation. Dabei entfernt der Arzt mit einem Skalpell oder Laser das gesamte entzündete Areal. Verbleibt erkranktes Gewebe am Körper, kommt es fast immer zu einem Rückfall. Die durch die Operation entstandenen „Löcher“ in der Haut verschließt der Arzt entweder mit Haut aus der unmittelbaren Umgebung oder die Wunde verheilt offen. Dann bildet sich langsam, von innen nach außen, eine Narbe. Eine weitere Möglichkeit zur Therapie von Akne inversa ist es, beispielsweise aus dem Oberschenkel gesunde Haut an die offene Stelle zu versetzen (Lappenplastik).

Prognose und Verlauf

Mit den Schmerzen und Narben nimmt oft auch die psychische Belastung durch die Akne inversa für die Betroffenen zu. Viele ziehen sich zurück, vermeiden unnötige Bewegungen und „trösten sich“ mit Essen, Zigaretten und/oder Alkohol – ein Teufelskreis, da Übergewicht und Nikotin bei Akne inversa den Verlauf ungünstig beeinflussen.

Komplikationen im Akne-inversa-Verlauf

Bei einer Akne inversa sind im Verlauf verschiedene weitere Komplikationen möglich:

  • Erysipele (Hautentzündungen durch bestimmte Bakterien, sog. Streptokokken)
  • Phlegmone (übergreifende, aggressive Gewebeentzündungen)
  • Lymphödeme (Schwellungen durch angestaute Lymphflüssigkeit, oft im Genitalbereich)
  • Sepsis („Blutvergiftung“)

Bleibt die Entzündung über Jahre hinweg unbehandelt, kann sich – wenn auch sehr selten – an den betroffenen Zellen ein bestimmter Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom) entwickeln. Schließlich kann es auch sein, dass die Fisteln am Gesäß sich bis zum Bereich des Enddarms und zum Harnleiter ausbreiten. Umso wichtiger ist es, bei einer Akne inversa frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, um einen schweren Verlauf abzuwenden.

So beugen Sie der Akne inversa vor

Der Akne inversa lässt sich recht gut vorbeugen, selbst wenn eine genetische Veranlagung für die Krankheit besteht.

Heute weiß man, dass verschiedene Faktoren einen entscheidenden Einfluss auf die Erkrankung haben – die meisten davon können Sie selbst beeinflussen. Mit folgenden Tipps lässt sich einer Akne inversa weitgehend vorbeugen:

Risiko minimieren

  • Wenn Sie Raucher sind, fahren Sie Ihren Nikotinkonsum so weit wie möglich herunter. Bei Ihrem Arzt oder einer Raucherberatung erhalten Sie wertvolle Tipps zum Thema Rauchstopp.
  • Falls Sie übergewichtig sind, versuchen Sie, mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßigem Sport die überschüssigen Pfunde abzubauen.
  • Vermeiden Sie eng anliegende und scheuernde Bekleidung – vor allem, wenn Sie leicht schwitzen.
  • Wenn Sie zu Hautentzündungen, Knötchen und eingewachsenen Haaren neigen, sollten Sie die entsprechenden Stellen möglichst nicht oder nur schonend (in einem Zug mit dem Strich) nass rasieren.
  • Benutzen Sie unter den Achseln ein mildes Deodorant, das die Haut nicht unnötig reizt.

Gesunder Lebensstil verbessert den Verlauf

Mit diesen Tipps können Sie nicht nur einer Akne inversa vorbeugen, sondern auch bei einer bestehenden Hauterkrankung den Verlauf positiv beeinflussen. Experten raten vor allem in jedem Stadium der Akne inversa dazu, mit dem Rauchen aufzuhören.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 03. Mai 2016
Durch: es
Quellen: Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): Therapie der Hidradenitis suppurativa / Acne inversa. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/012 (Stand: Dezember 2012) Online-Informationen des Orphanet Deutschland: Hidradenitis suppurativa. Orpha-Kennnummer: ORPHA387 (Stand: März 2004) Online-Informationen der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité Universitätsmedizin, Berlin: http://www.acne-inversa-charite.de (Abruf: 03/2014) Petres, J., Rompel, R.: Operative Dermatologie. Springer Verlag, Heidelberg 2007 Plewig, G. et al: Braun-Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer Verlag, Heidelberg 2012

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