Unfruchtbarkeit

Unerfüllter Kinderwunsch: Ursachen und Behandlung der Unfruchtbarkeit

Wenn sich der Kinderwunsch eines Paares trotz ungeschütztem Sex nicht erfüllt, kann das verschiedenste Gründe haben. Alles zu Ursachen, Definition und Behandlung der Unfruchtbarkeit lesen Sie hier.

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Unerfüllter Kinderwunsch kann starken Leidensdruck bis hin zur Depression zur Folge haben.
Getty Images/Hemera

Ungewollte Kinderlosigkeit (Unfruchtbarkeit) kann an der Sterilität oder Infertilität des Mannes oder/und der Frau liegen. Hiermit sind die Unfähigkeit der Frau zu empfangen oder eine Schwangerschaft auszutragen gemeint. Beim Mann ist es das Unvermögen, eine Frau mit seinem Samen zu befruchten.

Primäre Sterilität: Ist es bei der Frau noch nie zu einer Befruchtung gekommen, bezeichnen die Mediziner dies als primäre Sterilität. Die Ärzte gehen dann davon aus, dass die Eizellen der Frau bisher noch nicht von den Samenzellen ihres Partners befruchtet worden sind.

Sekundäre Sterilität: Sterilität kann sich allerdings zum Beispiel auch nach Entzündungen, Operationen, Unfällen oder Stoffwechselerkrankungen einstellen, wenn die Frau schon einmal schwanger gewesen ist, oder bereits Kinder geboren hat. Dies wird als sekundäre Sterilität bezeichnet.

Infertilität: Infertilität bezeichnet die Unfähigkeit eine Schwangerschaft bis zu einem lebensfähigen Kind auszutragen, obwohl eine Empfängnis (Konzeption) möglich ist. Ein Absterben der Frucht vor der Einnistung des befruchteten Eis in der Schleimhaut der Gebärmutter ist klinisch von der Sterilität der Frau nicht zu unterscheiden, da häufig in beiden Fällen normale Regelblutungen auftreten.

Unfruchtbarkeit bei Männern

Beim Mann werden die Begriffe Sterilität und Infertilität gleichsinnig verwendet. Es ist wichtig festzuhalten, das die männliche Zeugungseinschränkung oder Zeugungsunfähigkeit deutlich von der männlichen Potenz abzugrenzen ist, das heißt der Fähigkeit, mit der Partnerin schlafen zu können, eine Erektion und einen Samenerguss zu haben.

Zeugungsunfähigkeit, also Unfruchtbarkeit beim Mann hat mit Impotenz nicht das Geringste zu tun. Ein Mann, der einen Samenerguss hat, muss nicht automatisch zeugungsfähig sein, während ein impotenter Mann durchaus zeugungsfähig sein kann.

Unerfüllter Kinderwunsch: Ab wann spricht man von Unfruchtbarkeit?

Ein unerfüllter Kinderwunsch ist gekennzeichnet durch eine nicht eintretende Schwangerschaft trotz ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Das Wort „Sterilität“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt: Unfruchtbarkeit. Heute definieren die Ärzte diesen Begriff eher als "Zustand verminderter Fruchtbarkeit und ungewollter Kinderlosigkeit über ein bis zwei Jahre trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs".

Hat sich nach dieser Zeit noch kein Nachwuchs eingestellt, bedeutet dies jedoch nicht, dass das betreffende Paar unfruchtbar ist. Etwa jedes dritte Paar mit Kinderwunsch hat schon mindestens einmal länger als ein Jahr gewartet, bis eine Schwangerschaft dann doch spontan, das heißt, ohne Behandlung eingetreten ist.

Bei dieser Definition sollte auch bedacht werden: Ab dem 25. Lebensjahr nimmt die Fruchtbarkeit der Frau langsam, vom 35. Lebensjahr an dann deutlich rascher ab.

Unerfüllter Kinderwunsch: Diese Ursachen gibt es

Was vielen Paaren nicht bekannt ist: Die Ursachen eines unerfüllten Kinderwunsches (Unfruchtbarkeit) verteilen sich mit jeweils 30 bis 40 Prozent gleichmäßig auf Mann und Frau. Bei 15 bis 30 Prozent der betroffenen Paare kann es an beiden Partnern liegen.

Die Reproduktionsmedizin begibt sich deshalb sehr genau auf die Suche nach den Gründen für einen unerfüllten Kinderwunsch (Unfruchtbarkeit), auch wenn in etwa zehn bis 15 Prozent trotz intensiver Suche keine Ursache gefunden wird. Denn je genauer die Ursache bekannt ist, desto gezielter und erfolgversprechender kann therapiert werden.

Manchmal stellt sich schon nach der ersten Befragung beim Arzt heraus: Der Geschlechtsverkehr war zu selten oder fand immer während der unfruchtbaren Tage statt. Zykluskontrolle und Sex zum richtigen Zeitpunkt helfen dann oft bereits.

Die Psyche kann Kinderlosigkeit mitverursachen

Für viele von unerfülltem Kinderwunsch (Unfruchtbarkeit) Betroffene ist der Leidensdruck enorm groß, insbesondere dann, wenn der Wunsch nach einem Kind seit Jahren besteht oder das Paar sich stark auf den Kinderwunsch fixiert hat. Der zusätzlich vorhandene gesellschaftliche Druck und die Erwartungshaltung aus der Umgebung tragen nicht gerade zur Entspannung der Situation bei. So können sich zum Beispiel chronische Überlastung im Beruf oder privat oder Schwierigkeiten in der Partnerschaft in körperlichen Beschwerden äußern und auch Auswirkungen auf die Fertilität haben.

Bekannt ist auch, dass seelische Belastungen bei der Frau zum Beispiel Hormonstörungen auslösen können. Körperlicher oder seelischer Stress kann die Samenbildung (Spermiogenese) und die Beweglichkeit der Spermien ungünstig beeinflussen.

Auch wenn organische Ursachen wie zum Beispiel ein Eileiterverschluss, eine Hormonstörung oder schlechte Spermienqualität gefunden werden, können psychische Probleme die Kinderlosigkeit weiter mitbedingen.

Eine der Hauptursachen für die ungewollte Kinderlosigkeit ist in vielen Fällen das höhere Lebensalter der Frau. Die biologisch beste Zeit, um schwanger zu werden (Konzeptionsoptimum) liegt zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr. Zwischen 25 und 35 bleibt dieses Konzeptionsoptimum jedoch noch einigermaßen konstant erhalten.

Gründe für Unfruchtbarkeit bei Frauen:

  • hormonell bedingte Störungen des Zyklus
  • organische Ursachen (zum Beispiel Infektionen, Endometriose, Eileiterverschluss)
  • Umwelt-Einflüsse

Ursachen für Unfruchtbarkeit bei Männern

Die männliche Zeugungseinschränkung beruht überwiegend auf Störungen der Hodenfunktion. Das kann heißen, dass nur wenige oder gar keine Samenzellen gebildet werden oder dass die Hormonproduktion nicht richtig funktioniert. In etwa 15 Prozent der Fälle liegen Transportstörungen in den ableitenden Samenwegen vor.

Im Einzelnen können unterschieden werden:

  • organische Ursachen (zum Beispiel Hodenhochstand, Varikozele, Verklebung der Samenleiter, Infektionen)
  • Umwelt-Einflüsse

Unerfüllter Kinderwunsch: Diagnose beim Arzt

Ein unerfüllter Kinderwunsch (Unfruchtbarkeit) betrifft das Paar immer gemeinsam. Nach der Entscheidung, einen Arzt aufzusuchen, steht das gemeinsame Gespräch mit dem Partner beim Arzt im Mittelpunkt. Dabei wird die Vorgeschichte erfragt sowie die momentane partnerschaftliche Situation und die Motivation zum Kinderwunsch. Im folgenden Schritt erfolgt die körperliche und gynäkologische Untersuchung der Frau. Parallel dazu wird der Partner auf Zeugungsfähigkeit untersucht.

Untersuchungen der Frau

Basis der Untersuchungen bei einem unerfüllten Kinderwunsch (Unfruchtbarkeit) ist eine genaue Anamnese mit Fragen zu Menstruation, bisherigen Schwangerschaften und Fehlgeburten oder Operationen. Auch Lebensgewohnheiten wie Alkohol- und Nikotinkonsum und Vorerkrankungen wie Diabetes oder Krebs sind wichtig. Ebenso sollten die sexuellen Gewohnheiten und Praktiken des Paares sowie die Einstellung zum Kinderwunsch beim Erstgespräch angesprochen werden.

Daran können sich weitere Untersuchungen anschließen: Blutuntersuchung zur Messung der Hormone, Ultraschall. Andere invasive beziehungsweise operative Verfahren werden erst eingeleitet, wenn die Zeugungsunfähigkeit des Partners sicher nachgewiesen wurde.

Untersuchungen des Mannes

Wie bei der Frau wird auch beim Mann als Erstes genau nach der Vorgeschichte gefragt. So wird zum Beispiel gefragt nach Operationen am Genital oder im Unterbauch, Verletzungen, Gefäßerkrankungen oder Entzündungen, der Situation in der Partnerschaft, der Einstellung zum Kinderwunsch und den sexuellen Aktivitäten.

Weitere Schritte zur Diagnostik können sein:

  • körperliche Untersuchung (Blutabnahme, Abtasten der Prostata)
  • Untersuchung der Spermien
  • Hodenbiopsie

Therapie bei unerfülltem Kinderwunsch

Liegen körperliche Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch vor, wird aus einer Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten die passende Therapie ausgewählt. Diese reichen von operativen Eingriffen über die Hormonbehandlung bis zu den Verfahren der sogenannten assistierten Reproduktion wie zum Beispiel der In-vitro-Fertilisation (IVF). In den letzten Jahren sind Behandlungsformen entwickelt worden, die auch bei eingeschränkter oder schlechter Spermaqualität noch Schwangerschaften ermöglichen.

Hormonbehandlung

Nach einer Hormonbehandlung werden im Mittel etwa 40 Prozent der behandelten Frauen mit bislang unerfüllten Kinderwunsch (Unfruchtbarkeit) schwanger, wobei je nach Voraussetzungen Schwankungen zwischen 25 und 80 Prozent möglich sind. Erfahrungsgemäß treten die meisten Schwangerschaften erst nach vier bis sechs Behandlungszyklen ein. Die Behandlung erfordert also etwas Geduld.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) ist eine seit den 70er Jahren praktizierte Methode der künstlichen Befruchtung, bei der reife Eizellen aus den Eierstöcken entnommen, mit den Samenzellen des Partners vermischt und bebrütet werden und nach der Befruchtung im Labor in einem Nährmedium in die Gebärmutter übertragen werden.

Einspritzen der Samenzelle in eine reife Eizelle (ICSI)

Dieses Verfahren wird auch Mikro-Injektion genannt und ist eine Methode der medizinisch unterstützten Befruchtung, bei der ein Spermium mit einer ultrafeinen Nadel direkt in eine reife Eizelle eingespritzt wird. Die ICSI-Methode wird durchgeführt, wenn es bei mindestens zwei IVF-Versuchen nicht zu einer Befruchtung gekommen ist oder wenn beim männlichen Partner Unfruchtbarkeit oder eine schwere Zeugungseinschränkung durch eine schlechte Samenqualität vorliegen.

Samenübertragung in die Gebärmutter (IUI) oder die Eileiter (GIFT)

Samenübertragung und intrauterine Insemination (IUI) wurden bereits im 18. Jahrhundert durchgeführt. Unabhängig davon, ob Eigen- oder Fremdsperma verwendet wird, wird zum Zeitpunkt des Eisprungs der Samen entweder mithilfe einer Kappe vor den Gebärmuttermund gebracht oder über einen dünnen Schlauch direkt in die Eileiter (GIFT) oder in die Höhle der Gebärmutter (IUI) eingespritzt.

Kältekonservierung von Eizellen der Frau

Die Haltbarmachung mithilfe sehr niedriger Temperaturen (Kryokonservierung) von imprägnierten Eizellen hat sich mittlerweile als Standardverfahren in der Reproduktionsmedizin etabliert. Dies bedeutet, dass die Eizelle zwar mit dem Samen des Partners befruchtet, aber noch im Vorkernstadium belassen wird. Das Vorkernstadium ist etwa 24 Stunden nach dem Zusammenbringen von Ei- und Samenzellen beobachtbar.

Operationen

Das Ziel eines operativen Eingriffs bei unerfülltem Kinderwunsch ist es, normale Verhältnisse an den Eileitern wiederherzustellen, sodass die Schwangerschaft auf natürlichem Wege eintreten kann. Auch die Operation einer Varikozele und im weitesten Sinne die Wiederfruchtbarmachung nach vor Jahren erfolgter Sterilitätsoperation zählen zu den operativen Behandlungen bei unerfülltem Kinderwunsch.

Unerfüllter Kinderwunsch: Durch Stressmanagement vorbeugen

Einem unerfüllten Kinderwunsch vorzubeugen, ist nicht möglich. Lediglich der Faktor Stress lässt sich vermeiden.

Den möglichen physischen Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch (Unfruchtbarkeit) kann ein Paar zwar nicht vorbeugen, es ist jedoch hilfreich, grundsätzlich Stress zu vermeiden. Außerdem müssen Paare mit Kinderwunsch verhindern, dass in Bezug auf eine mögliche Schwangerschaft zu großer Druck aufgebaut wird.

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Letzte Aktualisierung: 22. September 2015

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