Epilepsie

Fallsucht

Unter Epilepsie (früher als Fallsucht bezeichnet) versteht man eine Erkrankung des Gehirns, bei der die Bildung und Leitung elektrischer Nervenimpulse gestört ist. Dadurch kommt es zu sogenannten epileptischen Anfällen.

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Krampfanfälle sind typisch für Epilepsie. Sie können auch nur einzelne Körperpartien betreffen.

Diese zeigen sich typischerweise als Krampfanfälle. Auch Dämmerzustände (Absencen), Missempfindungen oder ungeordnete Bewegungsabläufe als Ausdruck eines epileptischen Anfalls kommen vor.

Die Epilepsie tritt meist erstmals im Kindes- und Jugendalter auf und verläuft chronisch. In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen von der Erkrankung betroffen. Pro Jahr erkranken etwa 500 von 100.000 Menschen neu an Epilepsie.

Eine familiäre Häufung lässt genetische Ursachen vermuten. Das Epilepsierisiko bei Kindern epileptischer Eltern ist um das Drei- bis Siebenfache erhöht.

Ursache der Epilepsie liegt im Gehirn

Die Epilepsie wird verursacht durch überschießende elektrische Entladungen in Gruppen von Nervenzellen (sog. Depolarisationen) und eine gesteigerte Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn. Bei der idiopathischen Epilepsie ist keine genaue Ursache für diese überschießende Reaktion der Nervenzellen feststellbar. 

Die symptomatische Epilepsie kann durch verschiedene Erkrankungen hervorgerufen werden. Hierzu zählen:

  • Hirnschädigungen beispielsweise durch Traumata,
  • Tumoren,
  • Blutungen,
  • Infarkte
  • Entzündungen
  • Alkoholentzug
  • Stoffwechselkrankheiten
  • Fehlbildungen der Blutgefäße

Symptome der Epilepsie

Bei der Epilepsie werden generalisierte epileptische Anfälle, bei denen der Ursprungsort der Nervenimpulse im gesamten Gehirn liegen kann, von fokalen Anfällen mit einem umschriebenen Ursprungsareal der Nervenimpulse im Gehirn unterschieden.

Der "klassische" epileptische Anfall ist der Grand-mal-Anfall und zählt zu den generalisierten Anfällen. Er kann mit einem Schrei beginnen, der Betroffene stürzt zu Boden (Fallsucht), die Augen sind geöffnet. Es folgen Zuckungen der Arme und Beine, gelegentlich kommt es dabei zum Biss auf die Zunge und zum unfreiwilligen Abgang von Urin oder Stuhl. Der Anfall kann bis zu fünf Minuten andauern. Nach dem Anfall schläft der Betroffene, er hat anschließend keine Erinnerung an das Geschehene (sog. Amnesie).

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Dauert ein solcher Anfall länger als 20 Minuten, wird er als Status epilepticus bezeichnet. Dieser Zustand ist für den Betroffenen lebensbedrohlich.

Bei anderen Formen der Epilepsie kommt es zu weniger dramatischen Anfällen mit Zuckungen in einzelnen Körperbereichen (sog. Impulsiv-Petit mal) oder zu häufigen Bewusstseinspausen im Laufe des Tags (sog. Absencen oder Pyknolepsie, Petit mal).

Vorboten eines epileptischen Anfalls

Einige Anfallsformen zeigen sich durch beginnende Bewusstseinsstörungen oder auch Schwindelgefühl und anschließende unbewusste Bewegungen und Äußerungen wie Nesteln mit den Fingern, Schmatzen oder Ausziehen von Kleidungsstücken. Auch Anfälle, die sich durch Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle zeigen, kommen vor.

Diagnose von Epilepsie

Der Verdacht auf eine Epilepsie kann meist schon aufgrund eines ausführlichen Arztgesprächs (Anamnese) aufgrund der auftretenden Beschwerden gestellt werden.

Zur Sicherung der Diagnose sollte eine Messung der Hirnströme (Elektroenzephalogramm, EEG) beim Neurologen erfolgen. In einigen Fällen wird bei zunächst unauffälligem EEG ein weiteres EEG unter Schlafentzug durchgeführt, um dadurch einen Anfall auszulösen und in der Hirnstromkurve aufzuzeichnen. Auch ein EEG über 24 Stunden oder ein EEG mit Videoüberwachung sind möglich.

Eine Computer- oder eine Magnetresonanztomographie (CT oder MRT) können Aufschluss darüber geben, ob eine Hirnerkrankung, wie beispielsweise ein Tumor, Ursache für die Epilepsie ist.

Zur näheren Abklärung möglicher Ursachen für eine Epilepsie können andere Untersuchungen wie Blutentnahmen oder die Untersuchung von Gehirnflüssigkeit (Liquor) sinnvoll sein.

Wie wird Epilepsie behandelt?

Zur Behandlung der Epilepsie stehen verschiedene Medikamente (sog. Antiepileptika) zur Verfügung. Bei jedem einzelnen Betroffenen muss die Behandlung vom Neurologen individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert werden. Ziel der medikamentösen Therapie ist es, die ungeordneten und überschießenden Entladungen der Nervenzellen zu regulieren.

Unter der Behandlung mit Antiepileptika müssen häufig Blutentnahmen erfolgen, um den Medikamentenspiegel und eventuell auftretende Nebenwirkungen zu kontrollieren. Häufig erfolgt die Medikamenteneinnahme lebenslang.

Epileptiker vor Verletzungen schützen

Auch zur Behandlung des schweren epileptischen Anfalls stehen Medikamente zur Verfügung, die beispielsweise über den After verabreicht werden können. Außerdem sollte der Betroffene im akuten Stadium soweit wie möglich vor Verletzungen geschützt werden, beispielsweise durch Polsterung der Umgebung und Entfernung verletzungsträchtiger Gegenstände.

Liegt ein Status epilepticus vor, besteht Lebensgefahr. Der Betroffene muss in diesem Fall schleunigst im Krankenhaus behandelt werden. Neurochirurgische Verfahren werden nur bei einem kleinen Teil der Fälle angewendet.

Die Schwere der Erkrankung, also die Häufigkeit der Anfälle, kann stark schwanken und im Lauf des Lebens nachlassen. Eine erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht ist lebenslang von großer Bedeutung.

Wie können Anfälle vermieden werden?

Erfolgt eine gute Einstellung mit Antiepileptika, werden etwa 50 bis 80 Prozent der Betroffenen mit Grand-mal-Anfällen im ersten Jahr nach Behandlungsbeginn anfallsfrei; Betroffene mit Absencen in 80 bis 90 Prozent der Fälle. Einfache Regeln zum Verhalten im Alltag haben große Bedeutung für die Vermeidung von epileptischen Anfällen.

Hierzu zählen vor allem die regelmäßige Einnahme der Antiepileptika sowie die Einhaltung eines regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus. Alkohol sollte komplett gemieden, andere Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Substanzen und Situationen, die Anfälle auslösen können oder in der Vergangenheit beim einzelnen Betroffenen ausgelöst haben, sollten gemieden werden. Um Verletzungen zu vermeiden, sollten an Epilepsie Erkrankte beispielsweise nicht an Maschinen mit frei beweglichen Teilen oder am offenen Feuer arbeiten.

 

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Letzte Aktualisierung: 18. Juli 2014
Durch: es
Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Epilepsie im Erwachsenenalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/040. (Stand: November 2004) Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Erwachsenenalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/079. (Stand: November 2004)

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