Bakterien können Auslöser sein

Gebärmutterentzündung: Was tun bei Endometritis?

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Eine Entzündung der Gebärmutter (Endometritis) kann sich in verschiedenen Schichten des Organs ausbreiten. Entsprechend der betroffenen Schicht unterscheidet man Endometritis und Myometritis. Welche Symptome treten auf und was kann man bei einer Gebärmutterentzündung tun?

Junge Mutter mit Baby leidet an Gebaermutterentzündung
© Getty Images/Westend61

Die etwa faustgroße, birnenförmige Gebärmutter zählt zu den inneren Geschlechtsorganen der Frau. Sie ist sieben bis zehn Zentimeter lang und besteht aus einem oben liegenden Gebärmutterkörper, der nach unten durch eine kurze Engstelle vom Gebärmutterhals abgetrennt ist. Die Wand des Gebärmutterkörpers besteht aus folgenden Schichten:

  • Perimetrium, dem außen liegenden Bauchfell
  • Myometrium, der mittig liegenden dicken Muskelschicht
  • Endometrium, der die Gebärmutterhöhle auskleidenden Schleimhaut

Der Gebärmutterhals enthält einen Kanal, der über den inneren Muttermund mit der Gebärmutterhöhle und über den äußeren Muttermund mit der Scheide verbunden ist. Er ist von einer speziellen Schleimhaut ausgekleidet, die ein leicht alkalisches Sekret (Zervixschleim) bildet. Das Sekret fließt mit dem Ausfluss über die Scheide ab.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist eine Gebärmutterentzündung?

Bei einer Gebärmutterentzündung sind Krankheitserreger über die Scheide in die Gebärmutter eingedrungen. Der Körper versucht diese zu bekämpfen und es kommt zu einer Entzündungsreaktion. Meist ist zunächst der Gebärmutterhals betroffen, dann handelt es sich um eine Zervizitis.

Sind die Erreger bis in die Gebärmutter aufgestiegen, entzündet sich meist die Schleimhaut, wodurch eine Endometritis entsteht. Ist ebenfalls die Muskulatur betroffen, spricht man von einer Myometritis. In manchen Fällen ist auch eine Eileiterentzündung (Adnexitis) als Folge möglich.

Da sich die Entzündung häufig auf mehrere Organe ausbreitet, ist in der Medizin oft die Rede von "pelvic inflammatory disease", was so viel wie "entzündliche Beckenerkrankung" bedeutet.

Gebärmutterentzündung: Symptome einer Endometritis

Die Beschwerden einer Gebärmutterentzündung sind abhängig von der betroffenen Schicht der Gebärmutter. Es ist möglich, dass die Patientin kaum Beschwerden bemerkt. Diese Symptome können bei der Erkrankung auftreten:

  • Schmerzen, die vor allem durch Drücken auf den Unterbauch entstehen.

  • Blutungsstörungen wie eine verlängerte Periode oder Zwischenblutungen weisen auf eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) hin.

  • Auch Blutungen nach dem Sex sind möglich.

  • Erfasst die Infektion die Muskulatur der Gebärmutter (Myometritis), treten zusätzlich Unterleibsschmerzen und gelegentlich Fieber auf.

  • Eine Mitbeteiligung der ableitenden Harnwege äußert sich als schmerzhaftes Wasserlassen.

Da die Entzündung des Gebärmutterkörpers häufig als Folge einer Entzündung der Scheide und des Gebärmutterhalses auftritt, können folgende weitere Beschwerden auftreten:

Letzterer ist bei einer Infektion häufig übelriechend, gelblich-eitrig verfärbt und in seiner Konsistenz verändert.

Ursachen einer Gebärmutterentzündung

Krankheitserreger wie Bakterien lösen die Entzündung des Gebärmutterkörpers aus. Meist gelangen sie aufsteigend über die Scheide in die Gebärmutter, beispielsweise im Zuge einer Vaginitis (Scheidenentzündung). Normalerweise verfügt die Gebärmutter über Schutzmechanismen, die ein solches Aufsteigen von Erregern erschweren.

So stellen der innere und äußere Muttermund als natürliche Engstellen und das im Gebärmutterhals gebildete zähe Sekret Hindernisse für Erreger dar. Auch die Abflussrichtung des Sekrets in Richtung Scheide wirkt dem Eindringen von Erregern entgegen. Bestimmte Antikörper können zudem Erreger abfangen und neutralisieren.

Eine Endometritis oder Myometritis kann vor allem dann entstehen, wenn die Schutzmechanismen der Gebärmutter beeinträchtigt sind.

Folgende Risikofaktoren können eine Entzündung der Gebärmutter oder auch eine Zervizitis fördern:

  • Während der Periode und auch in den ersten sechs bis acht Wochen nach einer Geburt (Wochenbett) ist der Muttermund leicht geöffnet, sodass Keime leichter eindringen können. Ähnliches resultiert aus operativen Eingriffen wie dem Ausschaben der Gebärmutter, da der Gebärmutterhalskanal während der Operation geweitet werden muss.

  • Ein Östrogenmangel beispielsweise in den Wechseljahren wirkt sich auf den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut aus. Die Schleimhaut wird dünner und damit anfälliger für Infektionen. Zusätzlich lässt die Bildung des schützenden Sekrets im Gebärmutterhals nach. Dies ist auch der Grund für die sogenannte Endometritis senilis, die bei älteren Frauen vorkommt.

  • Neben Fremdkörpern wie der Spirale können auch Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom) und gutartige Tumoren der Gebärmutter wie Myome oder Polypen Infektionen begünstigen.

Selten kann auch eine absteigende Infektion der Auslöser für die Gebärmutterentzündung sein. So kann eine Eileiterentzündung oder auch eine Blinddarmentzündung im späteren Verlauf eine Endometritis verursachen.

Mögliche Erreger eine Gebärmutterentzündung

Eine Entzündung der Gebärmutter wird hauptsächlich durch folgende Bakterien verursacht:

  • Chlamydien: Diese Erreger lösen meist zunächst eine Infektion der Harnwege aus, die oft unbemerkt bleibt. Nach gewisser Zeit können sich die Chlamydien auf den Gebärmutterhals und die Gebärmutter ausbreiten.

  • Gonokokken: Sie lösen die Geschlechtskrankheit Tripper aus und werden meist nicht von der betroffenen Frau bemerkt. Auch Gonokokken können sich dann auf die Geschlechtsorgane der Patientin ausbreiten.

Weitere mögliche Auslöser einer Gebärmutterentzündung sind Streptokokken, Staphylokokken, Kolibakterien, Ureaplasmen oder Mykoplasmen.

Auch Geißeltierchen wie Trichomonaden, Hefepilze wie Candida albicans sowie Viren wie humane Papillom-Viren und Herpes-simplex-Viren können selten eine Entzündung des Gebärmutterkörpers auslösen.

Wie kommt es zur Ansteckung?

Meist handelt es sich bei der Entzündung des Gebärmutterkörpers um Infektionen, die beispielsweise im Zuge einer Vaginitis aus der Scheide über den Gebärmutterhals aufgestiegen sind. Erreger wie Chlamydien, Gonokokken oder HPV können durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Eine vernachlässigte Intimhygiene vor allem während des Wochenbetts kann ebenfalls eine Infektion verursachen. Seltener gelangen Krankheitserreger über den Blutkreislauf oder absteigend über die Eierstöcke und Eileiter zur Gebärmutter.

Wichtige Warnsignale der Periode

Endometritis im Wochenbett

Die größte Rolle unter den Formen der Endometritis spielt die Endometritis puerperalis, eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut im Wochenbett.

Im Wochenbett ist das Risiko einer Entzündung der Gebärmutterschleimhaut erhöht. Es ist normal, dass die Frau nach der Geburt über einige Wochen Wundsekret aus der Gebärmutterwunde über die Scheide absondert (Wochenfluss). Übelriechender Wochenfluss, Blutungen und eine druckschmerzhafte Gebärmutter deuten jedoch auf eine Entzündung hin.

Diagnose der Gebärmutterentzündung

Erste Hinweise auf eine Endometritis beziehungsweise Myometritis erhält der*die Arzt*Ärztin aus der ausführlichen Befragung der Patientin zur Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Durch Abtasten des Unterbauchs und dabei entstehende Schmerzen lässt sich oft bereits eine erste Vermutung ableiten.

Bei der anschließenden gynäkologischen Untersuchung kann der*die Arzt*Ärztin möglicherweise bereits eine vergrößerte, schmerzhafte Gebärmutter ertasten. Da die Entzündung des Gebärmutterkörpers auch mit einer Entzündung des Gebärmutterhalses und der Scheide einhergehen kann, werden sie in die gynäkologische Untersuchung mit einbezogen.

Den Ausfluss aus dem Gebärmutterhals beurteilt der*die Frauenarzt*Frauenärztin nach Beschaffenheit, Farbe und Geruch. Um den Erreger identifizieren zu können, entnimmt er*sie einen Abstrich vom Muttermund und untersucht ihn unter dem Mikroskop. Unter Umständen ist auch die Anzucht (Kultur) oder der DNA-Nachweis des Erregers in einem Labor erforderlich.

Ultraschall und Bluttest zur Diagnosestellung

Eine Ultraschall-Untersuchung durch die Scheide (Vaginaler Ultraschall) kann schließlich Veränderungen im Bereich der Gebärmutter wie Myome und Polypen bildlich darstellen. Zusätzlich liefert sie Hinweise auf eine mögliche Eiteransammlung in der Gebärmutterhöhle (Pyometra) und eine entzündliche Beteiligung weiterer Organe wie der Eileiter.

Eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut kann auf eine Entzündung im Körper hindeuten, ohne dabei jedoch den genauen Sitz der Entzündung aufzudecken.

Da auch Gebärmutterkrebs mit Blutungsstörungen oder einer Eiteransammlung in der Gebärmutter einhergehen kann, sollte er nach Ausheilung der Entzündung ausgeschlossen werden.

Behandlung der Gebärmutterentzündung

Die Therapie der Endometritis oder Myometritis richtet sich nach dem verursachenden Erreger und den Faktoren, die eine Infektion begünstigen. Da es sich meist um Bakterien handelt, werden abhängig von der Bakterienart unterschiedliche Antibiotika eingesetzt.

  • Stillende Mütter erhalten dabei nur Antibiotika, die die Muttermilch und somit auch den Säugling nicht unnötig belasten. Die Antibiotika werden entweder in Tablettenform eingenommen oder als Infusion über die Venen verabreicht.

  • Bei der Endometritis im Wochenbett (Pyometra) verwendet man zusätzlich ein Hormon namens Oxytocin. Die Gebärmutter zieht sich unter der Wirkung dieses Hormons zusammen und stößt die entzündete Schleimhaut ab.

  • Gegen die Schmerzen können schmerzstillende Medikamente eingenommen werden. Bettruhe wird während der Therapie empfohlen.

  • Hat sich Eiter in der Gebärmutterhöhle angesammelt, ist neben der Antibiotikatherapie eine Operation notwendig. Um den Eiter ablaufen zu lassen, weitet die*der Frauenärztin*Frauenarzt den Gebärmutterhals während der Operation. Nach dem Eingriff spült er die Gebärmutterhöhle mit einer Desinfektionslösung aus.

Wurde die Entzündung des Gebärmutterkörpers beispielsweise in den Wechseljahren durch Hormonmangel gefördert, kann die zusätzliche Gabe von weiblichen Geschlechtshormonen wie Gestagen und Östrogen über 20 Tage sinnvoll sein.

Verlauf und Komplikationen bei Endometritis und Myometritis

Bei rechtzeitiger Therapie lässt sich eine Endometritis oder Myometritis gut und komplikationslos behandeln. Breiten sich die Erreger einer Entzündung des Gebärmutterkörpers auf die Eileiter oder Eierstöcke aus, können sie auch dort eine Entzündung und spätere Komplikationen verursachen. Chlamydien und Mykoplasmen können beispielsweise zu Verklebungen der Eileiter führen. Eileiterschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit sind mögliche Folgen der Erkankung.

Das sogenannte Wochenbettfieber bezeichnet eine in Deutschland seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation im Wochenbett. Ausgehend von einer Endometritis puerperalis breiten sich die Erreger bis in die Blutbahnen aus und führen zu einer Blutvergiftung. Es können hohes Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen bis hin zu Benommenheit und Kreislaufversagen auftreten.

Vorbeugung: Lässt sich Endometritis verhindern?

Bestimmte Erreger der Gebärmutterentzündung werden durch Geschlechtsverkehr übertragen. Kondome bieten einen gewissen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und werden daher uneingeschränkt empfohlen. Da Kondome aber nur Teile des Genitals bedecken, ist eine Übertragung von Erregern in den Intimbereich trotzdem möglich.

Um aufsteigende Infektionen während des Wochenbetts zu vermeiden, sind Hygienemaßnahmen wie das regelmäßige Händewaschen und -desinfizieren und die Intimpflege sehr wichtig.

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