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Spannungskopfschmerz

Druck auf dem gesamten Kopf

Kopfschmerzen kennt fast jeder: beim Arbeiten unter Termindruck, in schlecht belüfteten Räumen, bei Lärm, während einer langen Autofahrt oder als Folge von zu wenig Schlaf. Gemeint ist der Spannungskopfschmerz, der von Laien als "normaler" Kopfschmerz und von der Medizin als Kopfschmerz vom Spannungstyp bezeichnet wird. Er ist mit Abstand die häufigste Kopfschmerzform. Schätzungsweise leiden fast 30 Millionen Deutsche darunter, etwas mehr Frauen als Männer.

Beschwerden

Der Kopfschmerz vom Spannungstyp unterscheidet sich deutlich vom attackenartig einsetzenden, heftigen Migränekopfschmerz: Ein Spannungskopfschmerz äußert sich dumpf, pressend, drückend ("Schraubstockgefühl") oder ziehend. Dabei verteilt er sich meist über den gesamten Kopf. Üblicherweise prägt er sich nur leicht bis mäßig aus und das allmählich, teilweise über mehrere Stunden hinweg. Begleitbeschwerden sind kaum vorhanden, allenfalls eine leichte Überempfindlichkeit gegenüber Licht oder Lärm. Die Arbeitsfähigkeit bleibt erhalten, wenn auch eingeschränkt. Tritt er an weniger als 15 Tagen im Monat auf, wird er als episodisch bezeichnet. Kommt er an mindestens 15 Tagen im Monat vor, bezeichnet ihn die Medizin als chronisch. Ein episodischer Spannungskopfschmerz dauert von 30 Minuten bis zu sieben Tagen. Ein chronischer Spannungskopfschmerz kann zu einem Dauerkopfschmerz werden.

Ursachen

Als Risikofaktoren für das Auftreten des Spannungskopfschmerzes gelten psychische Probleme. Dazu gehören zwischenmenschliche Konflikte, übertriebene Sorgen, Ängste und Depressionen, Stress und Leistungsdruck. Nennenswert ist die Gestaltung des Arbeitsplatzes, wo schlechte Lichtverhältnisse und eine Fehlhaltung des Kopfes (z. B. durch schlechte Sitzposition am Arbeitsplatz) bedeutsam sein können. In Frage kommen auch Fehlbiss, Zähneknirschen, Schlafmangel, starke Sinnesreize (Lärm, grelles Licht) und vieles, vieles mehr. Wird ein gehäuft auftretender Spannungskopfschmerz nicht richtig behandelt, kann sich daraus ein Dauerkopfschmerz entwickeln.

Hilfe aus der Apotheke

Ein gelegentlich auftretender Spannungskopfschmerz ist mit den allgemein bekannten Schmerzmitteln (Analgetika) wie Ibuprofen, Naproxen, Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Diclofenac oder einer Kombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein schnell und gut behandelbar. Je nach Wirkstoff werden diese in verschiedenen Darreichungsformen, unter anderem als Tabletten, Brausetabletten, Kautabletten, Schmelztabletten, Granulat oder Zäpfchen angeboten. Eine pflanzliche Alternative (nicht bei Migräne) ist Pfefferminzöl, das großflächig auf Stirn und Schläfen aufgetragen wird. Hinweis: Triptane wie Naratriptan sind spezifische Migränemittel und bei einem Spannungskopfschmerz nicht wirksam.

Wann zum Arzt

Kopfschmerzen erfordern einen Arztbesuch, wenn diese mit rezeptfreien Mitteln nicht behandelbar sind oder erstmals ungewohnt heftig jenseits des 40. Lebensjahres auftreten. Außerdem sollte jeder häufige Gebrauch von Kopfschmerzmitteln mit dem Arzt besprochen werden, spätestens dann, wenn er länger als drei Tage hintereinander oder häufiger als zehn Tage im Monat erfolgt.

Kopfschmerzen durch Kopfschmerzmittel

Auch wenn es widersprüchlich klingt: Kopfschmerzmittel können einen bestehenden Kopfschmerz (auch bei einer Migräne) verschlimmern und zwar so stark, dass er täglich auftritt und den ursprünglichen Kopfschmerz "überdeckt". Die Medizin spricht dann von einem Medikamenten-induzierten Dauerkopfschmerz. Das Risiko, einen solchen zu bekommen, besteht bei übermäßigem Gebrauch von Kopfschmerzmitteln. Daher dürfen diese nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als zehn Tage im Monat angewendet werden. Dies gilt für die üblichen Kopfschmerzmittel genauso wie für die bei der Migräne eingesetzten Triptane.

Was Sie sonst noch tun können

  • Leichte körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen an der frischen Luft helfen, einen bestehenden Spannungskopfschmerz zu lindern.
  • Die richtige Gestaltung des Arbeitsplatzes kann dem Auftreten eines Spannungskopfschmerzes maßgeblich entgegenwirken. Dies betrifft vor allem den Stuhl, die Position von Tastatur und Bildschirm des Computers sowie die Licht- und Lärmverhältnisse.
  • Gezielte Entspannungstechniken, vor allem die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, haben sich zum Vorbeugen eines Spannungskopfschmerzes nachweislich bewährt. Unerlässlich für den Erfolg ist jedoch, dass die Übungen regelmäßig durchgeführt werden und zwar täglich zu einer festen Zeit. Die Progressive Muskelentspannung ermöglicht es, die Zustände der Muskulatur (entspannt oder angespannt) wahrzunehmen und zu beeinflussen und über diesen Weg zu innerer Entspannung zu finden. Die einzelnen Übungen sind leicht zu erlernen und außerdem fast überall, selbst im Büro und auf dem Autositz, durchführbar.

Wissenswertes

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz: Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft hat 251 verschiedene Kopfschmerzformen beschrieben. Dabei ist der Spannungskopfschmerz die mit Abstand häufigste Kopfschmerzform und die Migräne die zweithäufigste. Zusammen machen sie erstaunliche rund 90 Prozent aller Fälle von Kopfschmerzen aus. Mit anderen Worten: Etwa neun von zehn Kopfschmerzpatienten sind von diesen beiden Formen betroffen.


Autor: Springer Medizin
Stand: Nov 5, 2009


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