Im Alleingang
Kind ja, Partner nein
Die Zeit für ein Baby läuft ab, der Mann fürs Leben ist nicht in Sicht. Also muss Spendersamen her, finden immer mehr Frauen und machen sich auf die Suche.
Solofrau mit Babytraum
Vater, Mutter, Kind diese klassische Konstellation verschwindet mehr und mehr. 26% der Familien in Deutschland waren 2006 Alleinerziehende oder Lebensgemeinschaften mit Kindern, berichtet das Statische Bundesamt. Zehn Jahre zuvor betrug ihr Anteil noch 19%. Trennung, Scheidung oder Tod: Es gibt viele Gründe, warum jemand mit einem Kind allein da steht. Jedoch steigt die Zahl der Frauen, von vornherein ein Baby ohne Partner wollen. Häufiger Grund: Die biologische Uhr tickt und es gibt gerade keinen Lebensgefährten. Offen redet kaum eine darüber, aber manche Singlefrau lässt die Pillenpackung bewusst zu und hofft, dass irgendein One-Night-Stand zur erwünschten Schwangerschaft führt. Andere packen ihr Problem offensiv an und wenden sich an eine Samenbank. So fand eine britische Studie heraus: Mehr als zwei Drittel der alleinstehenden Frauen, die sich ihren Kinderwunsch durch eine Samenbank erfüllen, tun dies aus Angst, keinen Partner zur Familiengründung mehr zu finden.
Samenspende per Beischlaf oder im Becher
Wie kommt eine Frau ohne Mann an ein Kind? Eine Frage, auf die Lesben schon lange Antworten kennen. Einige suchten sich private Samenspender und führten die Befruchtung selbst oder mit Hilfe eines Arztes durch, berichtet die Sexualberatungsstelle Pro Familia. Andere bezögen Spermien aus Samenbanken. Obschon die deutschen Richtlinien zur assistierten Reproduktion eine Befruchtung von lesbischen und alleinstehenden Frauen nicht explizit verbieten, bieten nur wenige Ärzte sie an. Viele Frauen reisen daher in die Niederlande oder nach Dänemark. Bekannt für die Befruchtung mit Spendersamen ist z.B. die von einer Hebamme geführte Storkklinik in Kopenhagen. Sie verhilft längst nicht nur Lesben zu einem Baby. Auf ihrer Webseite schreibt die Klinik, dass die Behandelten zu 40% lesbische Frauen sind, zu 50% heterosexuelle Alleinstehende, und zu 10% heterosexuelle Paare.
Auch bei den betreffenden Onlinediensten suchen neben Lesben inzwischen etliche heterosexuelle Singlefrauen nach Samenspendern. Und es gibt auch Inserate von Männern mit Kinderwunsch, die eine potenzielle Mutter kennen lernen möchten. Oft dauert es Monate, bis eine passende Partnerin oder ein passender Partner gefunden ist. Zum einen müssen die beiden sich über die Methode verständigen - ob "natürlich" oder per "Becher". Vor allem aber müssen die Kontaktwünsche der zukünftigen Mutter und des Samenspenders oder Vaters übereinstimmen, und die möglichen Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt werden darunter auch dessen Recht, seine Abstammung zu kennen. Tipp: Bei privaten Samenspendern rät Pro Familia den Samen auf übertragbare Infektionen, wie HIV, Hepatitis B und C, Chlamydien und Gonokokken zu untersuchen sowie die Spermaqualität prüfen zu lassen.
Selbsthilfe für Singlemütter
In den USA ist die Selbsthilfe von Singles mit Kinderwunsch sehr viel weiter fortgeschritten als in Deutschland. Die Fortpflanzungsmedizin und laschere Gesetze machen es möglich. Frauen vertrauen auf Spendersamen, Männer suchen sich Leihmütter. Es gibt sogar eine wohltätigen Stiftung "Single Mothers by Choice", auf Deutsch: "Alleinerziehende Mütter aus bewusster Entscheidung", die Frauen berät. Die Stiftung hat 24 Niederlassungen in ganz Amerika und über 4.000 Frauen als Mitglieder. Laut einem TV-Bericht von 3sat haben etwa 75 Prozent von ihnen ihre Kinder mit Hilfe von Samenspendern gezeugt. Für viele Frauen sei dies keineswegs eine Notlösung, sondern eine absichtlich gewählte Option, sagt eine Mutter, die ihre Tochter mit gespendetem Sperma bekam.
Früh beraten und gut eingebunden
Egal ob bewusst oder unfreiwillig: Wer ohne Partner ein Kind bekommt, muss seinen Alltag gut organisieren, sich frühzeitig um eine ausreichende Kinderbetreuung kümmern und ein soziales Netz aufbauen. Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter rät Schwangeren ohne Partner, möglichst früh eine Beratungsstelle aufzusuchen. Dort gibt es Hilfe bei finanziellen und anderen Fragen. Außerdem lassen sich Kontakte zu anderen Singleschwangeren und Alleinerziehenden knüpfen.




