
Erwartungen an den Partner
Mit dem ersten Kind wird alles anders
Moderne Eltern wollen Erziehung, Haushalt und Erotik miteinander teilen. Jedenfalls vor der Geburt. Danach klaffen Lücken zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Erwartung: Mit Kind werden wir komplett glücklich sein
Für viele Frauen und Männer bedeutet das erste Kind das i-Tüpfelchen ihrer Liebe. Wenn das Kleine erst einmal auf der Welt ist, beginnt das vollkommene Beziehungsglück, glauben sie. In der Tat startet mit der Geburt eines Kindes ein neuer Abschnitt im Leben eines Paares. Häufig aber kein glücklicher. Der Grund dafür ist, dass Erwartungen und Realität weit auseinanderklaffen. Nicht Familienfreuden prägen den Alltag, sondern oft Stress und Streit. Statt Beziehungsschweben auf Wolke sieben erleben junge Eltern, wie die ehemalige Eintracht schwindet und ihre Partnerschaft abstürzt. So lassen sich in Deutschland laut Statistik am häufigsten junge Paare scheiden - und zwar 3-4 Jahre nach der Geburt des ersten Kindes. Verantwortlich dafür ist vor allem, dass ein Kleinkind die Partnerschaft in den Hintergrund schiebt, und die Qualität der Beziehung leidet. Den Hauptgrund sehen Familientherapeuten darin, dass die Eltern weniger miteinander reden. So verfestigen sich Unzufriedenheiten und entfremden die Partner mehr und mehr. Experten raten Eltern daher, unbedingt Zeit für Zweisamkeit und Gespräche freizuschaufeln.
Erwartung: Das Kind hat keinen Einfluss auf unser Liebesleben
Dass die Partner sich entzweien, äußert sich auch in einem Rückgang der Zärtlichkeiten, sagt Wassilios E. Fthenakis. Die sexuelle Beziehung junger Eltern flacht deutlich ab, fand der Familienforscher in einer Studie heraus. Dabei hoffen Väter meistens, dass der Sex nach der Geburt wieder so regelmäßig und prächtig wird wie vor der Schwangerschaft. Mütter haben jedoch nach einer Entbindung meist andere Anliegen: Erst können Schmerzen durch Dammrisse oder schnitte die Lust auf Verkehr vergällen, später Stress und Erschöpfung die Libido trüben, bis noch später beide entwöhnt die Begierde ins Reich der Erinnerungen verdammen. Erklären Eltern ihr Bett dann noch zur Kinderzone, ist das Aus jeder Erotik nah. Die meisten Paare müssen nämlich erst einmal lernen, sich als Eltern und weiterhin als begehrenswerte Partner zu sehen. Abgrenzung und Brückenschlag zugleich können Abmachungen sein, die regeln, wann der Elterntag endet und die Zeit zu zweit beginnt.
Erwartung: Wir teilen uns Kinderziehung und Hausarbeit
Das Paradebeispiel für Familienfrust: Vor der Geburt war klar, dass Mann und Frau Haushalt und Erziehung gleichmäßig aufteilen; nach der Geburt kümmert sich zum größten Teil die Mutter um Kind und Küche. Kein Einzelfall. Viele Jungeltern fallen in die traditionelle Rollenverteilung zurück, fand Forscher Fthenakis in einer Untersuchung heraus. Nach der Geburt des ersten Kindes übernehmen demnach 75 % der Frauen das Kochen, 82 % das Bügeln und die Routineaufgaben der Kinderversorgung bleiben sowieso an der Mutter hängen. Das nervt Frauen besonders, dass sich diese altmodische Arbeitsteilung einschleicht, ohne dass die Paare sie verabredet haben. Aber auch Väter setzen sich ungefragt unter Druck, indem sie die Rolle als Brötchenverdiener übererfüllen. Statistiken belegen, dass das Gros der Männer mehr arbeitet, wenn sie erst einmal Väter sind. Dabei wollten sich vor der Geburt viele von ihnen ausgiebig um ihre Kinder kümmern. Ein Dilemma, das ein Elternpaar nur gemeinsam auflösen kann, indem es Prioritäten setzt und kreative Arbeitsteilungen entwickelt. (mj)





